Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schäker, m.

schäker, m.
1)
vom menschen, meist im guten sinne von schalk, schelm, der kurzweil oder mutwillen treibt, scherzt, lacht, kost, tändelt. Adelung. Dähnert 399ᵃ. in älterer zeit auch schäcker und schöcker (s. die belege und schäkerei, schäkern): du kleiner, loser schäker! Campe; der schäker, .. dem immer sein system zu gebote steht, sah die überraschung nur zu gut voraus, die er mir und meinem lehrmeister zubereitete. Thümnel reise 6, 62; der schäker, merkt man leicht, will nur mich und den leser gern mit hasenschwänzen behängen. J. Paul Hesp. 1, 86; (zu jauchzenden kindern) seht nur her, schäker! jubelsen. 185;
einst durfte wohl der schäker aus Certaldo (Boccaccio)
von damen, herren, mönchen, nonnen schwatzen, ...
doch seiner zeiten freiheit ist gewichen.
Immermann 13, 274 Boxberger.
vom thiere, dem menschliche eigenschaften beigelegt werden:
ich setze meine kappe
an eure krone, herr, wofern der schäker (der hahn) nicht
noch diese nehmliche nacht uns ins gehäge bricht.
Wieland 4, 50 (Amadis 2, 38).
aber auch wie schalk, schelm im bösen sinne, tückischer, hinterlistiger mensch, so im hessischen Vilmar 340. in den Ostseeprovinzen ist schäker ein mensch, der sein versprechen nicht erfüllt u. dergl. m. Hupel 201; ähnlich:
herr schäker, fällt Amadis ein, ich hätte grosze lust
ihm durch den kürzesten weg, den uns Euclides weiset,
die ohren zu stutzen.
Wieland 4, 147 (Amadis 7, 3);
hab' ich ihm schnabel und schädel,
den ich im munde gefühlt, nicht unbeschädigt entlassen?
hat mir der schäcker nicht schmerzen gemacht? (der wolf vom kranich, der ihm den knochen aus dem rachen zog).
Göthe 40, 177.
in verblaszterer bedeutung, armer schäker wie armer schelm, tropf: und meistens schlägt obendrein noch das unglück dazu, dasz der arme matte schäker, von dem sich ein solcher irdischer engel .. durchaus nicht will anbeten lassen, selten noch die kräfte auftreibt, um zum engel zu sagen: 'hebe dich weg von mir'! J. Paul Hesp. 2, 8.
2)
schäkerei, scherz Campe: seinen schäker mit jemand haben. ebenda.
3)
hessisch ist schäker auch ein bissiger hund. Vilmar 340.
4)
ein schlechtes pferd Adelung (meiszn. schäker oder schächer). Nemnich. Hupel 201.
5)
Vilmar (id. 340) ist geneigt, das wort in seiner gewöhnlichen bedeutung 'kurzweiliger, mutwilliger mensch' (s. 1) als die nd. form von schächer anzusehen. Höfer vergleicht 3, 65, unter schacksel, das östr. possenreiszer bedeutet, krain. shakati, springen. beachtung verdient auch der von Frisch 2, 156ᵃ gegebene hinweis auf niederl. schachen, cachinnari. so schon bei Kilian, auch im niederd. ist schachern laut lachen. brem. wb. 4, 392. directer zusammenhang ist hier jedoch lautlicher schwierigkeiten wegen kaum möglich. mehr wahrscheinlichkeit hat die annahme einer entlehnung aus hebr. scheker (רקֶשֶׁ) lüge, trugrede, lügner, von schâkar (רקַשָׁ) lügen, täuschen, jüdisch-deutsch schakren, in der gaunersprache schäker, schäkern. Weigand 2, 542. beeinflussung durch schächer scheint aber, wie die verbindung armer schäker vermuten läszt (vgl. 1 und schächer), doch auch vorzuliegen. unsicherer noch ist die entstehung der bedeutungen 3 und 4, vgl. Adelung und Vilmar 340.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2054, Z. 82.

schöker, m.

schöker, m.
1)
nebenform zu schäker, s. daselbst theil 8, 2054 f. und Adelung. Weigand 2, 628: der schöker .. sah die überraschung nur zu gut voraus, die er mir und meinem lehrmeister zubereitete. Thümmel reise 9, 89.
2)
in einem lat.-nd. glossare des 15. jh. findet sich schoker, methodus (nach Jellinghaus = pflugeisen), s. zeitschr. für d. phil. 16, 225, 14.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1447, Z. 64.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schöker“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%B6ker>, abgerufen am 23.07.2021.

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