Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schallen, verb.

schallen, verb.
sonare, sonum edere, mhd. schallen, ahd. noch nicht bezeugt. das ursprünglich schwach flectierende verbum hat das gleichbedeutende schellen (s. d.), mhd. schëllen zurückgedrängt. die präsensformen des letzteren sind im neueren hd. völlig verschwunden, dagegen ist sein präteritum scholl (mhd. schal) der form schallte gleichberechtigt zur seite getreten:
der sturz von tausend wassern scholl.
Bürger 36ᵃ;
er hieb, das schallte so schrecklich und laut!
61ᵇ.
das part. prät. begegnet selten und wol nur in schwacher form. in den zusammensetzungen erschallen und verschallen sind die starken formen erschollen, verschollen die regelmäszigen. weiteres über die formalen verhältnisse des wortes s. unter erschallen und schellen. die allgemeine bedeutung des wortes ist schall erregen oder verbreiten, hallen, tönen, besonders stark, laut tönen.
A.
Activ. das subject ist die quelle des schalls.
1)
von tönen und geräuschen: und der herr wird seine herrliche stimme schallen lassen. Jes. 30, 30; wo .. der widerhall, aus den holen bergen schallet. weish. Sal. 17, 19; und ward in der stad ein kleglich geschrey, das in himmel schallet. 1 Macc. 5, 31; die musik schallet trefflich in der stube, musica in hoc conclavi cum crepitu clangente cachinnat. Stieler 1723; eben wollte sich der vogt entfernen, als ein gesang die treppe herauf scholl. Göthe 23, 5; da hört ich eine stimme schallen aus dem rauche des felsen. Schiller räub. schausp. 5, 1; (im bilde): indem alles für einen kleinen eigennutz kämpft, scheint eine furchtbare stimme des patriotismus zu schallen. 7, 112; nachdem er vorher dem mädchen ein paar worte leise zugeflüstert hatte, die sie, gleichfalls lachend, durch einen schallenden schlag mit der flachen hand auf seinen rücken beantwortete. Grillparzer 11, 279; so ging er schallenden trittes zur thüre hinaus. 288;
(der mund) meint dasz Peitho selbst hat nie kein wort gethan,
das lieblicher geschallt.
Logau 2, 69;
der schwalbe zwitschernd lied, das aus dem strohdach schallet.
Gotter 1, 134;
wie ich ahndend zittre,
wann dein tritt mir schallt!
236;
ein süszes, klatschendes getön
scholl aus den myrthenbüschen.
Hölty 27 Halm;
das tausendstimmige concert
der lerchen und der nachtigallen
ist mir kaum halb so lieb und werth,
wann ihre solotriller schallen.
Bürger 18ᵃ;
o Schwabenmädchen, lieblich schallen
zwar deine töne mir ins ohr.
91ᵇ;
schall', o maigesang, erschalle!
115ᵇ;
wonniger schon in das herz vom bezauberten blatte sich schwingend,
scholl mir der hehre gesang.
Voss Ilias, weihe 14;
geschrei scholl über die meerfluth
graulich daher.
Odyssee 24, 48;
und von der linde scholl es weit:
juchhe! juchhe!
juchheisa! heisa! he!
geschrei und fiedelbogen.
Göthe 12, 55;
was hör' ich drauszen vor dem thor,
was auf der brücke schallen?
18, 205;
keine klage läszt sie schallen.
Schiller 11, 346;
jubelhymnen hört man schallen
in der saiten gold'nes spiel.
368;
und die heil'gen chorgesänge
hör ich mir entgegen schallen.
Rückert 340;
im seitenbau von Tintayol
geseufz', gelach' und fluchen scholl.
Immermann 13, 275 Boxberger.
schallendes gelächter Adelung: zum freudigen ergötzen aller zusehenden, am meisten jedoch des wirthes, des laut schallendes gelächter endlich die dünne musik übertäubte und zum schweigen brachte. Tieck 19 (1845), 237;
das kind war bang und strauchelte, da es
die hohen stufen an dem thron hinanstieg.
ein böses omen! murmelte das volk,
und es erhub sich schallendes gelächter.
Schiller jungfr. von Orl. 1, 5.
freier, mit betonung des inhalts gesprochener worte:
da das grosze räthsel vom tod' ihm (Adam) selber enthüllt ward,
und ihm an einem traurigen abend der heiligen wächter
hoher rathschlusz scholl.
Klopstock Mess. 4, 959;
(lasz) meine wünsche, trotz der kluft,
die lang uns schied, in deine seele schallen.
Gotter 1, 218;
mir schallt ein höhrer ruf.
Grillparzer 4, 116.
jemandes lob, ruhm, schallt aus aller munde, schallt durch das land; welcher nette ruhm und stadtliche nachklang bisz zum ende dieser letzten welt hallen und schallen wird. Neumark neusprossender teutscher palmbaum a 5ᵇ. ähnlich:
aus dem erdenschoosze
schallt von jeder rose
gottes ruhm hinauf.
Schubart 191.
2)
von dingen, die bei berührung, bewegung u. s. w. unmittelbar töne oder geräusche hervorbringen:
dasz himmel blau wird schwartz, die tunkle wolken schallen,
ja speien feur und blitz, die donner keil erknallen.
Rist Parnasz 587;
sicheln schallen,
ähren fallen
unter sichelschall.
Hölty 174 Halm.
am meisten natürlich von musikalischen instrumenten, besonders von trompete, horn, trommel und ähnlichen dröhnenden, schmetternden: denn es wird die posaune schallen, und die todten werden aufferstehen unverweslich. 1 Cor. 15, 52;
die flöte klang, die trommel scholl!
Göthe 5, 214;
wenn das jagdhorn schallt
im grünenden wald.
Grillparzer 6, 233;
das horn erklingt, die zinke schallt.
Immermann 13, 273 Boxberger.
freier, mit acc.-obj. sich der bedeutung 3, b nähernd:
bald wird des grabes ruhe mich decken, bald
umschweb' ich Lauren, ahnungen sagens mir,
die sterbeglocke schallt mirs.
Hölty 79 Halm.
3)
das subject ist ein belebtes, das den schall durch eigene thätigkeit erzeugt. so meist in älterer sprache.
a)
von thieren: und wenn ihr seine pferde schallen hörtet, warf jeder seine arbeit hin. Göthe 8, 270; die vögel schallen, singen, zwitschern:
ich hœr' diu vogelîn schallen.
minnes. 3, 233ᵃ Hagen;
schalt, lieben vogelîn,
gein der lieben sumer zît.
221ᵃ.
so auch:
diz was nicht als si bî uns sîn
ein kleiner heime, sunder grôʒ,
des stimme wîten erdôʒ
als er begonde schallen.
pass. 526, 69 Köpke.
vom wild, als technischer ausdruck der jägersprache. Adelung.
b)
vom menschen, besonders sprechen, singen, rufen u. dergl., auch wie die genannten verben mit acc.-object:
sô schallet iegelîches kneht
'daʒ ist billîch unde reht.'
Thomasin v. Zircläre welsche gast 313;
er sprach 'du schallest vil.'
Wolfdietrich D IV, 74;
fahr ich da wüthend auf,
stampfe gegen die erd, schalle mit sturmgeheul
deinen nahmen, verworfner,
in die ohren der mitternacht.
Schiller 1, 40.
rufen und schallen:
her rüfet und scallet vil.
Sachsensp. 1, 125, 35 Homeyer;
sie trunken harte swinde,
des wînes in gesinde,
daʒ einer lag und slief,
der ander schallet' unde rief.
gesammtabent. 2, 475, 311.
vielfach erscheint das wort in prägnantem sinne gebraucht:
α)
mhd. über, ûf einen schallen, ihm böses nachsagen, ihn schmähen:
si schallent alle über den
unedelîchen etewenn.
Thomasin v. Zircläre welsche gast 331;
hetet irʒ nicht verkallet
noch sô vil ûf uns geschallet,
iwer tohter Gotelinde
die wolte ich Lemberslinde
mîme gesellen hân gegeben.
meier Helmbrecht 1278.
β)
einem schallen, lob singen, loben:
daʒ ist von Mekelenburc her Heinrich, dem ich schalle.
Frauenlob 132, 19;
dafür aber aueh bloszes schallen, ûf schallen:
er schallet ûf sam er tobe:
herre, ich sing iu ze lobe!
Seifr. Helbling 2, 1301.
γ)
lauten übermut zeigen, prahlen:
hie vor dô berte man die jungen,
die dâ pflâgen frecher zungen:
nû ist eʒ ir werdekeit.
sie schallent unde scheltent reine frouwen.
Walther 24, 12;
waʒ hilfet, daʒ man sêre
mit worten schallet und broget?
Konrad v. Würzburg troj. krieg 7143;
sie maint, sie woll nicht hoch schallen,
und wil doch mangem wol gefallen.
fastnachtsp. 104, 29;
ich kan von pulschaft nit schallen,
ich bin durch die reitern gevallen.
116, 26.
ûf einen schallen, sich gegen einen berühmen:
dô was diu milte ein lantsite,
und schalleten ûf einander mite.
Wackernagel altd. leseb. 589, 30.
δ)
klagen:
o du lieber geselle mein,
lasz dein grosze klage sein
und las die alten weib schallen!
fastnachtsp. 509, 26.
ε)
besonders jubeln, laut seine freude, seinen frohsinn zeigen, fröhlich schwärmen mit sang und klang: mnd. koning Heinric, do he vornam sines vader dot, he begonde schallen unde lachen. d. chron. 2, 188, 23 mon. Germ.;
allenthalben schallen   ze Wormʒ in der stat
hôrte manʒ gesinde.
Nibel. 743, 1;
nun wil ainr springen und singen,
der ander vechten und ringen,
ainr schimpffen und schallen.
teufels netz 1608;
nâch unserm fuͦg
begund wir singen, schallen.
Oswald v. Wolkenstein 12, 2, 6;
der hat an euch grosz wolgefallen
und wolt gern frolich mit euch schallen.
fastnachtsp. 163, 23;
und het euch unser schimpf gefallen,
das wer uns ein freud und mochten dann schallen.
392, 28.
B.
Passiv, das subject ist nicht die quelle des schalls, sondern nimmt fremden schall auf, wirft ihn zurück, verbreitet ihn:
Laura, die grazie,
liebt das dörfchen nicht mehr, gaukelt von ball zu ball,
fleugt, im zirkelnden reigen,
durch den schallenden kerzensaal.
Hölty 70 Halm;
mein entzücken dem hain, dem schallenden felsen zu sagen,
bin ich nicht jung, bin ich nicht einsam genug.
Göthe 1, 292.
C.
Substantivierter infinitiv. nach A, 1:
er (Jesus) schlosz die schwachen augen zu
und schrei mit groszem schallen:
nimm auf, nimm auf, herr, meinen geist.
P. Gerhardt 38, 282 Gödeke;
das war ein lautverworrnes schallen,
das mich aus meinen träumen rief.
H. Heine 1, 52 Elster.
nach A, 2:
die sterbeglocke schallt mirs, nächtlich
hör' ich ihr schallen.
Hölty 79 Halm.
nach A, 3, a:
ir (der vögel) schallen si ze rehten vröuden bringet.
minnes. 2, 96ᵇ Hagen.
nach A, 3, b:
Rubin, laʒ din schallen sin.
Mone altd. schausp. 126, 68;
ir herren, loiszet uwer schallen sin!
Alsf. pass. 6993 Grein.
nach β:
er kunde wol mit schallen (verstand wol lob zu erwerben).
Wolfr. v. Eschenbach Parz. 317, 25;
dâ lôbe ich niemens schallen,
dâ man sich mac ervallen.
Vridanc 61, 27.
nach γ:
ich bin ouch dicker dâ gewesen,
dâ schallen unde hôhvart
mit solher rede getriben wart.
Gottfr. v. Straszburg Trist. 163, 3 Massmann;
wo chumpt dein frecher stoltzer muͦt,
dein schallen, güfften, geüden?
Suchenwirt 42, 39.
nach δ:
Maria laʒ din schallen,
wyᵉ mochte daʒ gefallen,
wyᵉ mochte daʒ ymmer geschen,
daʒ eyn toter man mochte uff ensten?
Mone altd. schausp. 142, 1109.
nach ε:
ûʒ der hütten gie sî für
und sach dâ frœlîch schallen.
Reinfried von Braunschweig 3921;
land iwer schimpfen und schallen.
teuf. netz 2208;
herr wirt, ein ende hat unser schallen,
laszt euch unsern schimpf wol gefallen.
fastnachtsp. 65, 16;
her wirt, vergebt uns unser schallen
und laszt euch unsern schimpf gevallen!
136, 22;
(sie) piten auch eur erwirdigkait,
ir laszt euch iren dienst wol gefallen,
wie sie es vollbringen mügen mit irn fürstlichen schallen.
654, 25.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 2092, Z. 4.

schöle, f.

schöle, f.,
rectius sole, solea, fussole Schottel 1407, s. sohle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1452, Z. 20.

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Zitationshilfe
„schöle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%B6le>, abgerufen am 03.08.2021.

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