Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schelm, m.

schelm, m.
cadaver, pestilentia, nebulo, joculator.
Formales. ahd. scelmo, daneben im ablaut scalmo Graff 6, 492, mhd. schelme, schelm (schalme, schalm), mnd. nnd. mittelniederl. holl. schelm, daneben mnd. schelmer; im altn. als ja-bildung skelmir, norw. dän. aber skjelm, schwed. skälm, ins altfranz. als chelme übernommen Diez⁴ 546. schon im mhd. erscheint das wort wie nhd. als schwach- und starkflectiertes masc., ahd. und mhd. schelme pestis auch als fem. mit starker flexion, vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 694. die im mhd., älteren nhd. und noch heute dialektisch hervortretende bedeutung 'aas' (vgl. unten 1) weist vielleicht auf einen zusammenhang mit der wurzel skel, trennen, spalten hin. das wort ist eine zustandsbildung mit dem suffix -ma; vgl. goth. skilja fleischer, skalja ziegel, altn. skel, ferner skil trennung, altnord. skálm, theil eines gespaltenen dinges (Cleasby-Vigfusson 542ᵃ). über die nebenform schalm vgl. oben sp. 2096.
Bedeutung und gebrauch.
1)
aas, toter körper, cadaver. vermutlich ursprünglich 'geschundenes vieh' (vgl. das formale und Schm. 2, 412), dann allgemeiner 'gefallenes thier, toter körper'. diese bedeutung ist im mhd., im älteren nhd. und heute noch dialektisch geläufig.
a)
von thieren: einem toten esel und schelmen. N. v. Wyle 266, 6 Keller; des fulenden schelmens. 11; dann bösers hernach volgt, so die todten schelmen (seil. von würmern) im leib bleiben. Dryander arznei (1542) 102ᵃ; frewet sich desz faulen stinckenden fleisches oder schelmen. Forer fischb. 177ᵇ;
ain teufelischen schragen ...
do mit man ful und schelmen grosz
und vil der stinkendigen osz ...
in den taber sleudert und warf.
Böheim buch von d. Wienern 377, 22 Karajan.
niederd. bis jetzt: sien perd tom schelm maken laten (vom schinder tot stechen und schinden lassen). brem. wb. 4, 633.
b)
allgemein, toter körper, auch vom menschen: sie verpranten die schelmen (die im kampfe gefallenen). quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 694; du wirst von deinem grab geworffen wie ein abscheuhliche pflantzung, wie [ein] hingeworffner schelm. Reiszner Jerus. 2, 160ᵃ;
funve vîlen dôt dâr nider,
sam die schelmen ûf die erden.
Marien himmelfahrt bei Haupt 5, 552, 1398.
mit verstärkendem beiworte: und do er kainer natürlichen wermy an im nit enpfande, mainet er, es wäre ain stinkender schelm. Steinhöwel Esop 270 Österley; gedenk warzuͦ du gar bald werden muͦst nach deinem tod, ain stinkender schelme, ain asz der würmer. Keisersberg siben hauptsünden (1510) cc 4ᵇ.
2)
schelm, in übertragener bedeutung, eine ansteckende krankheit, seuche: pestilentia, der schelm, zerstorlickait des schelmsz Dief. 431ᶜ, schelm nov. gloss. 290ᵃ; keyb oder schelm, pestis oder sucht voc. theut. 1482 q 2ᵇ (vgl. theil 5, sp. 432). häufig als persönliches wesen im dienste einer höheren macht aufgefaszt (vgl. Grimm gesch. d. d. sprache³ 1, 164). die bedeutung pestis schon ahd. belegt, im mhd. verbreitet, schwindet im verlaufe des nhd. und ist heute nur noch dialektisch nachzuweisen.
a)
meist und wol ursprünglich vom vieh: scalmo, fihusterbo Graff 6, 492; im andern jar kam der schelm unter das vieh, und starben die kue in aller welt. quelle Schm. 2, 412; anno 1376 kam ein groszer schelm unter das wild überall in dem land .. das gar vil wild tod lag. 413; sie sullen an den enden, da der lauff oder schelm unter dem vich wär, kain vich zu kauffen und hie nit metzken. Schöpf 600 (quelle von 1496); kam darzu, das dem Echter der schelm .. under dise herdt auch kam, sie sturben dahin. Zimm. chron.² 2, 346, 26. in Östreich unter der Enns bedeutet schelm noch heute eine krankheit der schweine. Castelli 240;
sô kumt ze in in kurzer frist
siuche, roup oder brant,
schelm oder hagel, daʒ in bekant
werde daʒ dirre werlde glanz
sî dürkel.
Renner 10285;
er (scil. der leib, den die seele verläszt) liget rehte als ein getwâs
und stinket mêre dan ein âs,
daʒ der schelme hât getœtet
Lampr. v. Regensburg tochter Syon 2351;
die saw ist mir am schelm verstorben.
H. Sachs 3, 3, 83ᵇ (1561);
art der krankheit näher beschrieben: wenne diu jungen schâf zuo der unkäusch eilent, daʒ ist gar pœs, wan eʒ bedäut den schelmen an in. Megenberg 155, 24. schelmb: wann ihnen (den pferden) die zähn losz werden, dasz man sie heraus nehmen könte. Pinter pferdeschatz (1688) 409; der schelm, ein allgemeiner ausdruck einer gefährlichen krankheit oder seuche unter dem vieh. so ist bei kühen der milchschelm, wenn sich die milch verziehet, der blutschelm, wenn sich blut verschossen hat. bei hühnern, wenn sie den schelm haben, werden kamm und schnabel schwarz, wobei sie meist krepieren. Höfer 3, 77. mittel zur bekämpfung: ob dein viech an dem schelm lig so stos haslwurz und misch sy mit waszer und geus ins in den mund so sterben sy nit. quelle bei Schm. 2, 412; für das jähe sterben oder umfallen des viehes (den schelm) werden wohl viel mittel beygebracht, deren sicherheit aber ungewisz. Hohberg 3, 2, 248ᵃ.
b)
schelm, als ansteckende, pestartige krankheit der menschen: und will lieber im feld oder läger underm feynd, dann anheymsch am schelmen sterben. Franck weltb. 68ᵃ; auff disz folget ein solcher schelm, das an vil orten wenig menschen überbliben. Germ. chron. (1538) 67ᵃ; der schelm kam auch vom leger in die statt, also, das mehr dann 300 000 menschen in der statt fielen. 70ᵇ; bisz der dritt theil der welt erschlagen wirdt, und der ander am schelmen stirbt und der dritt kaum uber bleibt. Paracelsus opp. 1, 1056 A;
als der schelme die geslûc.
Marien himmelf. bei Haupt 5, 552, 1400;
er wirt nit anders bey sein tagen
bisz in der schelm doch thut erschlagen.
H. Sachs 3 (1561), 3, 43ᵃ;
in verbindung mit anderen krankheiten und plagen: und werdent erdpidem an maniger stat und hunger und schelm. gesta Rom. 97 Keller; auswendig ist das waffen, inwendig der schelm und der hunger. bibel von 1483 393ᵃ. Ezechiel 7, 15 (gladius foris et pestis et fames intrinsecus); so wil ich in das land senden den tod und schelmen. quelle bei Birlinger augsb. wb. 393ᵇ.
3)
aus der bedeutung 1 entwickelt sich im mhd. und mehr noch im älteren nhd. der begriff 'verworfener mensch, betrüger, dieb, verführer, verräter', so auch altn. skelmir schurke. wir haben hier die gleiche übertragung wie bei keibe (th. 5, sp. 431) u. a. in classischer und mehr noch in nachclassischer zeit mildert sich dieser begriff des wortes, der heute fast nur noch dialektisch (vgl. Schöpf 600. Hintner 215. Schütze 4, 35) oder in festen wendungen (an jemandem zum schelmen werden u. ä.) vorkommt, zu der unter 4 behandelten bedeutung.
a)
alleinstehend, häufig als kräftiges scheltwort: seint wir keiben, so seint ir schelmen. Keisersberg evang. (1517) 213ᵇ; solt man solchen schelmen nicht mit hunden aushetzen oder mit ruten ausleuchten? Luther 4, 383ᵇ; dasz er vom glauben sein flüchtige füsz nit setze und an gott zum schelmen werd. Franck weltb. 153ᵇ; ein schelm der vom andern weicht, allweil sonn und mon leucht: eyn schelm, der dem andern ettwas vergibt, und jn nit laszt auszsaufen. Fischart Garg. 102ᵇ; nach etlichen jahren heirathete sie einen schlingel, der ihr ein häufchen jungens auflud, und sich endlich als ein schelm aus dem land machte. arme mann im Tockenburg 60; es ist ein Belialsstreich! sag einer, wir seyen schelmen! nein bei allen drachen! so bunt haben wirs nie gemacht. Schiller räuber trauerspiel 4, 18; um einen schelmen, wie du bist, in jene welt zu schiken. kab. u. liebe 4, 3; es hat mir niemand gesagt, sagte der seiler, dasz er (der strick) zwei schelme tragen soll. Hebel 2, 139. sprichwörtlich: lieber sich zum schelm schlafen als sich zum schelm arbeiten. Simrock 8932;
der deglich brauch lernt mich das wol,
wie ich eyn schelmen kennen sol.
Murner schelmenz. 2, 44 neudr.;
wir fragend nüt nach bösem geschrey,
ob man uns acht den schelmen glich.
trag. Johannis C ij;
nicht durch des schelmen tod, den nur der tod kan bessern.
A. Gryphius (1698) 1, 38;
er that mir gutes — doch wenn er ein schelm ist,
verdamm' ihn gott! die rechnung ist zerrissen.
Schiller Wallenst. tod 2, 5;
dein vater ist zum schelm an mir geworden,
du bist mir nichts mehr als sein sohn.
3, 18;
wo jeder sich für einen schelmen gibt,
und seines gleichen auch für schelmen nimmt.
Göthe 9, 241;
aber, wie ich mich sehne dich zu schauen,
hab ich vor dem menschen ein heimlich grauen,
und halt' ihn für einen schelm dazu!
12, 182;
doch hast du bei dir einen teufel,
so hole der den schelm Tristan!
Immermann 13, 89 Boxberger.
α)
schelm im sinne von betrüger:
kennt er nur einmal die welt, wird der betrogne der schelm.
Göthe 1, 363.
in dieser bedeutung häufiger mit beziehung auf juden gebraucht: ich halte es für rathsam, dasz ew. fürstl. gn. die schelmen, die jüden in ihren schutz nehmen. Schuppius 332;
warum die list
dem juden nicht gelungen ist;
so fällt die antwort ohngefehr:
herr K * * * war ein gröszrer schelm als er.
Lessing 1, 33.
β)
schelm vom treulosen geliebten oder gatten, vom verführer: dasz er einen so herrlichen ansaz zum schelmen hat, entzükt mich sogar. Schiller kab. u. liebe 1, 5;
und das kindlein — in der mutter schoose
lag es da in süszer goldner ruh,
tödlich lieblich sprang aus allen zügen
des geliebten schelmen konterfey.
schriften 1, 228;
der schelm! der dieb an seinen kindern (Marthe vom gatten).
Göthe 12, 154;
und wer ein'n steingen acker hat,
dazu 'nen stumpfen pflug,
und dessen schatz zum schelmen wird,
hat der nicht kreuz genug?
des knaben wunderhorn 1, 241.
γ)
schelm als beiname oder bezeichnung für den als unehrlich angesehenen scharfrichter oder schinder:
stirbt er (der wolf) im sumer oder wintter,
wirt flaisch und pain dem schelme schinter.
meisterl. (Berliner handschr.) 23, 143;
und weil du ein schelm (als scharfrichter), so nenne dich
herr Schelm von Bergen künftig.
H. Heine 1, 338 Elster.
δ)
der teufel wird schelm genannt: der tüfel ist e schelm. Hunziker 219, so auch isl. skelmir Cleasby-Vigfusson 543ᵇ.
b)
mit näher bestimmenden, zum theil verstärkenden beiwörtern: k. Fridrich ein verderblicher schelm des kunigreiches Sicilie. quelle bei Schm. 2, 413; denn eben dieselbigen scharrhansen .. waren zur selben zeit solche verzagte schelmen, als ich mein tage gesehen habe. Luther 5, 40ᵇ; er ist ein feiner schelm, ein besonnener spitzbube. Schiller parasit 2, 3; wenn ich je ein kleinlicher niedriger schelm werden sollte. Göthe 14, 185; ein groszer schelm ist er! seine zauberey besteht in seiner klugheit, in seiner unverschämtheit. 148; in dem ersten acte sehen wir statt des zweydeutigen Piccolomini einen sehr unzweydeutigen schelmen von ghibelinischem erzbischof. 33, 212; den schmeichlerischen schelmen. tückisch ist er, nicht klug, feig, nicht vorsichtig. 42, 319; so verdrehte der alte schelm die guten und weisen thaten des edlen herrn bey sich selbst. Pestalozzi (1819) 1, 28; doppelter schelm, so da vertut, was er gewinnt. Eiselein 547;
sô wil ich von dem houbet   zerren im den helm,
daʒ wiʒʒent sicherlîchen,   dem kreftelôsen schelm.
Wolfdietrich D 5, 7;
er (Silenus) ist eyn drunckner schelm gesyn,
das jm so wol was mit dem wyn.
Brant narrensch. 66, 87;
er sprach zum sun, wir sind genarrt
von unsern schwögern mechtig fein,
es müszen faule schelmen sein,
sie halten mich für einen gauch.
Alberus fabeln 78, 188 neudruck;
pflichtvergeszne schelmen!
Schiller Wallenst. tod 3, 8.
c)
die bedeutung von schelm tritt durch zusammenstellung mit sinnverwandten oder entgegengesetzten begriffen schärfer hervor: was mangelt dir du alter dieb? geh, oder wir wollen dir füsz machen. geh, geh, du alter schelm. Frischlin Wendelgard 2, 3; dann uber kriegsleut richten ist ehrlicher als uber schelm und diebe auszerhalb des krieges. Reutter v. Speir kriegsordn. 67; dasz man die schelmen gemeiniglich mit dieben zu fangen pflege und dasz auch sich schelmen und diebe gerne zusammen gesellen, ist kein neues, sondern bereits ein gar altes sprüchwort. Simpl. 297 (1, 2, 22 Keller); ihr diebe — ihr mordbrenner — ihr schelmen — giftige otterbrut .. (zum hauptmann) herzog der beutelschneider! gauner - könig! groszmogol aller schelmen unter der sonne. Schiller räuber 2, 3; weil dir deine lappereyen misglücken, kommst du, und willst ein schelm, ein meuchelmörder werden? 3, 2; wenn der armselige druk dieses armseligen dings den weisen dem thoren — den feigen dem tapfern — den edlen dem schelmen gleich macht? 4, 5; nicht wahr, das leben einer heiligen um das leben der schelmen, es ist ungleicher tausch? 5, 2; sie scheinen keine schelme, und haben doch auch nicht das ansehen von ehrlichen leuten. Göthe 16, 112; es gibt pedanten, die zugleich schelme sind, und das sind die allerschlimmsten. 22, 249; o graf! du bist ein unnachahmlicher schelm! der meisterhafteste betrieger. 14, 123; schelme und diebe sind nicht unsers gleichen. Hebbel 2, 108 Kuh; er kommt vom schelmen auf den dieb. Simrock 8936;
das ist fraw Venus schilt und helm,
dardurch sie adelt dieb und schelm.
Heros ird. pilgerer (1562) 26ᵃ;
ich bin gewesen, was ich konnte sein,
kein schelm und schuft, bei gott! ein narr allein.
Herrwegh ged. eines leb. 1, 182 (1841).
d)
schelm in sprichwörtlichen redensarten und besonderen wendungen.
α)
sprichwörtlich: ein schelm lobt den andern. Petri y 3ᵃ; ein schelm traut dem andern nicht. Wander 4, 131, 49; je ärger schelm, je besser glück; ein schelm gibt mehr als er hat; ein schelm machts besser als er kann. Simrock;
zwei schelme will ungerecht gut:
einen, ders gewinnt und einen, ders verthut.
ebenda;
salbe den schelm, so sticht er dich,
stich den schelm, so salbt er dich.
ebenda;
doch dieszmal fand bey Zeus das alte spruchwort statt:
ein schelm, der mehr giebt, als er hat.
Göttinger musenalm. 1777, 36;
auf groben klotz ein grober keil!
auf einen schelmen anderthalbe.
Göthe 2, 235.
β)
besondere wendungen. im 16. und 17. jahrh. war es eine entehrende und empfindliche körperliche strafe der soldaten zum schelmen gemacht zu werden. reuterbestallung 1570 § 28: wo aber derselbig darüber entlieff, so sol er das dem obersten und hauptleuten anzeigen, damit er zu einem schelmen erkannt werde. Fronsperger kriegsb. 1, 23ᵇ; item wirdt einer zu eim schelmen erkandt, sol ihm der züchtiger auff den freyen platz führen, ime die zween finger forne abhauwen. 1, 13ᵃ; ähnlich: mit einem schelmen hinwegschicken, fortschicken, nachdem einer zum schelm gemacht worden ist: der obriste sagte einsmals zu mir, er wolte mich, da ich kein gut thun wolte, mit einem schelmen hinwegschicken. Simpl. 1, 400, 9 Kurz. bei handwerkern, genossen, die ihre schuldigkeit nicht thun, für einen schelm und hundsfott erklären Adelung; auch sonst: weil er einen ehrlichen teufel, an den man wollte, zum schelmen verhört hatte. Göthe 8, 245. schelm in schwurformeln: ein schelm bin ich (wie das lat. moriar, peream) Stieler 1707; ich will ein schelm seyn, wenn es um ihrentwillen geschehen ist. Lessing 1, 364.
e)
in milderer bedeutung erscheint schelm in folgenden wendungen als besonderes, von der person des handelnden getrennt gedachtes wesen, das ihn beeinfluszt oder beherrscht (vgl.schalk): so haben sie hie den faulen schelmen im rücken. Luther 6, 146ᵇ; lieszen uszgan, ich weri mit dem schelmen hinweggeloffen. Th. u. F. Platter 76 Boos; mein Margreth ist ein biszgen faul, und dein Mibes schlindert gern in der statt herumb. sie haben sich dannoch alle beyde schon braf an schelmen geriben. Frischlin Wendelgard 2, 3; ich besorgte, dasz er etwa einen schelm im herzen haben mögte. Pierot 2, 113; der schelm wohnt im herzen. Musäus gärtnerm. 48;
ich reib mich eyns ans schelmen beyn,
do ich dennoch was noch kleyn
und kurtzelichen erst erboren,
hatt ich den schalk hinder meyn oren.
Murner schelmenz. 1, 9 neudruck.
f)
schelm, in verblaszterer, spöttischer, verächtlicher, auch mitleidiger anwendung, erst in neuerer sprache: ein armer schelm von einem erdensohne. Wieland 13, 7; obendrein hat mich ein schelm von schneider noch sizen lassen. Schiller kab. u. liebe 1, 6; ich stelle diesz alles absichtlich her, damit ich so manchen armen schelm von leser aus der angst erlöse. J. Paul Siebenk. 2, 2; ich erinnere mich einen armen schelm gesprochen zu haben als ich herüberkam .. dem mann kann geholfen werden. Schiller räuber 5, 2;
arme diener, arme schelme!
Turandot 4, 7.
schelm von thieren:
hirsch' und rehe können grasen,
wo nur was zu grasen ist;
wenn sie auch mein korn durchrasen!
anders, wenn ein schelm von hasen
mir den winderkohl zerfriszt.
A. W. Schlegel krit. schriften 2, 115.
4)
schelm, loser, neckischer mensch, in kosender sprache, geliebtes wesen; in den anfängen seit dem 17. jh., von 3, f ausgehend: loser schelm, kleiner schelm, vaferrimus, versutus ac acerrimae calliditatis Stieler 1707; seit dem späteren 18. jh. so häufig erscheinend, dasz es heute den scharfen übeln sinn des wortes, wenigstens im norden, beinahe zurückgedrängt hat: wie? rief er, unser blonder schelm, der soll mir auch hier noch erscheinen? Göthe 20, 222; als er noch klein war, der vetter, da sei er ein loser schelm gewesen, da hätts geheiszen: der verdirbt nicht — der wird seinen weg schon machen! Schiller parasit 2, 7; wenn aber ein paar verliebte schelme vor uns am seile der liebe herumtanzen. J. Paul Hesp. 1, 104;
ha! ha! das ist in eurer art!
ihr seid ein schelm, wie ihr nur immer wart!
Göthe 12, 128.
schelm und schalk verbunden: er (Hermes) tritt sogleich als schelm und schalk unter götter und menschen. Göthe 39, 11. schelm als steigerung von schalk: dasz er eine unüberwindliche neigung fühlte, vorsätzlich ein schalk, ja ein schelm zu seyn. 26, 96. kosewort für kind, liebchen:
wie er munter ist und spielen will!
du schelm! (die mutter zum kinde).
2, 181;
ach schelm, so neckst du mich!
treff' ich dich! (Faust zu Margareten).
12, 168.
5)
schelm, mundartlich. a) von einem fingergeschwür Campe. b) schimmel am brote: mucor, schelm, also an dem brode is. Dief. nov. gl. 258ᵇ; mittelniederd., vgl. Schiller - Lübben 4, 66. c) am oberen Lech ist der viehschelm ein gespenst, halb stier. Schmeller 2, 413.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2506, Z. 14.

schölm, m.

schölm, m.,
nebenform zu schelm, s. daselbst th. 8, 2506, und Lexer handwb. 2, 694; leichnam: ouch wart der luft von disem wasser entreinet und das velt von den doten schölmen die alle erdrunkent. d. städtechron. 8, 244, 11. jetzt noch in tirolischen mundarten schölm dieb Hintner 215.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1458, Z. 13.

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Zitationshilfe
„schölm“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%B6lm>, abgerufen am 23.07.2021.

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