Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

schöngeist, m.

schöngeist, m.,
nach dem frz. bel-esprit, der dem schönen, besonders den schönen wissenschaften interesse und verständnis entgegenbringt, sich damit beschäftigt, allmählich discreditiert, spöttischen nebensinn gewinnend Campe (unter schön), vergl. schön 4, c: die dame aber, die von der geisterwelt eine ganz andere theorie hatte als die töchter, und keine geister glaubte als schöngeister und starke geister, strafte die fräuleins dieser pfahlbürgerlichen vorurtheile halber. Musäus 1, 57 Hempel; da lobte ich mir unsere pfiffige schöngeister, die ihren abgestumpften witz gelegenheitlich bei dieser lezten instanz (den almanachen) noch umtreiben. Schiller 2, 376; die benennung, schöngeist, die vor dreyszig jahren so angenehm klang, ist nun zu einem widrigen schall geworden; man bedient sich jetzt des allgemein bezeichnenden wörtleins: schriftsteller. Klinger 11, 140; es waren kurze jahre, wo der gute geist unserer nation von dem hofe des groszen fürsten (Karls des groszen) so helles licht ausstrahlte, wie niemals seitdem im hause eines deutschen herrschers, nicht unter der ritterlichen umgebung der Hohenstaufen, und nicht unter den französischen schöngeistern des groszen Friedrich. Freytag 17 (1888), 328. schöngeist dem denker gegenüber gestellt: es hiesze etwas unmögliches verlangen, wenn ein werk, das den denker anstrengt, zugleich dem bloszen schöngeist zum leichten spiele dienen sollte. Schiller 10, 397, dem schönen geist als dem wahrhaft schön, harmonisch durchgebildeten:
der schöne geist und der schöngeist.
nur das leichtere trägt auf leichten schultern der schöngeist,
aber der schöne geist trägt das gewichtige leicht.
Schiller 11, 169,
dem philister, in durchaus üblem sinne:
philister und schöngeist.
jener mag gelten, er dient doch als fleisziger knecht noch der wahrheit,
aber dieser bestiehlt wahrheit und schönheit zugleich.
ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1508, Z. 68.

schöngeistern, verb.

schöngeistern, verb.
sich wie ein schöngeist benehmen, äuszern: worüber läszt sich nicht schwatzen? am meisten darüber, wovon man nichts weisz; da kann man unbegriffene sachen wünschen, da kann man witzeln und schöngeistern. Herder z. lit. u. kunst 16, 186.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1509, Z. 53.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schöngeistern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%B6ngeistern>, abgerufen am 29.07.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)