Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

schönpflaster, n.

schönpflaster, n.,
häufiger dem. schönpflästerchen, n., benennung kleiner schwarzer pflaster, die die damen des 17. und 18. jahrhunderts nach einer aus Frankreich gekommenen sitte ins gesicht und auf den sichtbaren theil des busens klebten, um die haut weiszer erscheinen zu lassen, eigentlich zur verdeckung kleiner fehler der haut dienend, schönfleckchen, schminkpflästerchen Adelung, von Campe als ehemals üblich bezeichnet, franz. mouche. vgl. Schultz alltagsleben 63 (wo belege für den brauch aus dem frauenzimmerlexicon und Abraham a S. Clara gegeben sind. er wird schon erwähnt bei Philander 1, 139. Simpl. 3, 349 Kurz): sie schminkt sich nicht, und nahm es für den gröszten schimpf an, als ich ihr nur im scherze ein schönpflästerchen unter das rechte auge kleben wollte. Rabener (1764) 1, 92; sie (die coquetten) arbeiten mit reiben und waschen, mit schönpflästerchen und putz immer dem alter entgegen. Lichtenberg 1, 157. Rabener stellt nach englischem vorbilde eine scherzhafte lehre von schönpflästerchen auf: der englische zuschauer hat in seinen tagen die glückliche erfindung gemacht, wie man aus der lage der schönpflästerchen entdecken könne, welche von den frauenspersonen in London zu den Whigs, und welche zu den Torys gehörten. dieses hat mich auf unser deutsches frauenzimmer aufmerksam gemacht, und ich glaube, das geheimnisz entdeckt zu haben, wie man aus der lage und menge der schönpflästerchen bey den meisten ihre gedanken und einbildungen errathen könne. 4, 252. auch männliche modegecken ahmten den brauch nach, vgl. Rabener 4, 254: käme ihm zu gleicher zeit einer von unsern geschminkten und mit schönpflästerchen schattirten jungen herrn vor die augen. E. Kleist (1771) 2, 139. im bilde: ich bin, was das anlanget, so gut als irgend jemand, ein autor, dasz ich meine kinder (dichterische erzeugnisse sind gemeint) für wohl so hübsche jungen halte, als andrer leute knaben, ob ich gleich der erste bin, zu gestehen, dasz sie hier und da eine unvergängliche pockennarbe verunzieret, und dasz sie manches muttermaal mit auf die welt gebracht haben, — und ich glaube es sey eine grosze narrheit, dergleichen fehler mit schönpflästerchen belegen zu wollen. Müller Siegfried von Lindenberg 1 (2), 208. in freierer bildlicher verwendung: die facultas lacrimatoria, dieses schönpflästerchen der deutschen poesie von Klopstock's höhe bis zu Dusch herab. H. Füszli d. jüngere an Lavater in Mercks briefs. 1, 60.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1523, Z. 27.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schönpflaster“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%B6npflaster>, abgerufen am 04.08.2021.

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