Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schober, m.

schober, m.
1)
aufgeschichteter haufen, besonders von heu, stroh, korn, wol eine ableitung zu schieben, wie auch schaub, also das zusammengeschobene bezeichnend Grimm gramm. 2, 19. Kluge⁵ 334ᵇ. Weigand 2, 627, vgl. auch Wachter 1455. ahd. scobar in glossen: de minore vero (mita, granario) quod scopar appellant; scoberes avenae; scober, huffe, acervus Graff 6, 411; mhd. schober Lexer handwb. 2, 765: acervus .. schober Dief. gl. 9ᵃ; pyramis .. eyn schober hew 437ᵃ; ein hauffen oder schober, pro acervo meritorum. quelle bei Schm. 2, 361; nhd. schober meta Clajus d. gramm. 37, 17 neudruck; schober, schöber, m. (da schieben) bica, bicca, mucchio, monte, catasta; ein schober heu, heu-schober, ein schober garben, ein schober korn, holtz - schober Kramer dict. 2, 636ᵃ; bärne, die, acervi messis, quod aliàs schober et korn-hauffen appellant Stieler 134; schober, der, strues. ein schober heu, sive heuschober, quod etiam dicunt heuschochen, et bierling, meta foeni. holzschober, strues lignorum. 1781; schober (der) cumulus, acervus. ein schober späne, strues segmentorum; ein schober heu, foeni meta Steinbach 2, 484. Frisch 2, 218ᵃ. mundartlich in den östlichen, besonders bair.-österr. dialekten, s. Schm. 2, 361 f. Birlinger 401ᵃ. Höfer 3, 110. Hügel 143ᵇ. Schöpf 642; schôbar Castelli 249 (übereinandergelegtes stroh oder heu). Zingerle 50ᵃ. cimbr. wb. 228ᵇ, schouber Lexer 224. ferner Weinhold 87ᵇ. Hertel sprachschatz 220 (von getreide). Hupel 211. der plur. heiszt schöber und schober, ersteres besonders bairisch, schöber und schüber Schm. 2, 361. Lexer 224; in der heutigen schriftsprache durchweg schober, s. die belege. zur bedeutung vgl. noch öcon. lex.² 1, 1167 (heu-schober) Krünitz 147, 597. im einzelnen
a)
von (unausgedroschenem) getreide, ein haufen garben, besonders eine grosze aufhäufung von korn oder heu, die rings um eine lange, starke, in die erde getriebene stange angelegt und mit einer schicht stroh oder einem dache bedeckt wird, um auf dem felde stehen zu bleiben, wenn man nicht scheuern genug hat, um das korn oder heu zu bergen, vgl. die beschreibung bei Colerus hausb. 1, 162. in einer kärntnischen quelle vom jahre 1577 in feld- und zahlschober unterschieden: wann ein baumann einen acker abzuschneiden anfähet, solle er den trayd in grosse feldschüber von der sichel her schlagen ... an welchen orten aber die feldschöber zu machen nicht gebräuchlich, sondern das getrayd in zahlschöber gelegt und geschöbert wird, sollen als oft in ein zahlschober sechzig garben geschöbert werden (vgl. 2), s. Schmeller 2, 361; man mache mit den garben fein grosze schöber. Colerus hausb. 1, 162ᵃ; dann der gantze hauff oder schober desz getreydigs musz unten breit seyn, und darnach immer enger und enger werden, bisz er oben spitzig zugemacht wird, wie man sonsten auch heuschöber pfleget zu machen. ebenda;
hochgehäuft zum dache,
liegt das korn im fache:
und ein schober steht
vor der scheun' erhöht.
Voss 4, 146,
kühl blies der wind, es war october;
leer waren die felder, voll die schober.
Immermann 13, 88 Hempel.
b)
von stroh:
im stroe fallt ir zwischen die schober.
fastn. sp. 386, 13;
er brennet, wie ein schober stroh,
dem glühnden pfluge nach.
Hölty 188 Halm.
auch von mist:
und wo von mist ein schober,
setz' ich die bürde ab.
Grillparzer⁴ 2, 26.
c)
von heu (vgl. die glossen, s. oben); die kleineren haufen, worin das heu zum trocknen zusammengeharkt wird, heiszen brechschober oder windhaufen, während schober meist die gröszeren haufen bezeichnet, in denen man das fertige heu drauszen stehen läszt, vgl. a: und recht sein hēw über ein hauffen oder schober. quelle bei Birlinger 401ᵃ; 'aber wer macht sich denn hier noch mit heu zu schaffen?' fuhr er in seinen gedanken fort, als er den schober bemerkte. Keller 6, 373;
ferten, wo man das hey auf vieng
und do wyr auf dem schober lagen.
fastn. sp. 994, 13;
dasz kein bawr kein hewstadel hat,
sonder zu feldt es ligen lat,
rechen das hew zusammen doch
auff schöber, auff zwo klaffter hoch
und lest es auff dem felde drausz.
H. Sachs 4, 3, 117ᵈ;
dort die schober des heus, dort mähende!
Voss 1, 22 (Luise 1, 133);
schau unsrer mägdlein schwarm,
die mit entblösztem arm
des trocknen heues wellen
gehäuft in schober stellen.
2, 305;
die mägdlein, dalderaldei!
sie häufen schober von heu!
4, 111;
eher als dein herz entzündet sich ein schober nasses heu!
Platen 284ᵇ.
so auch:
wil dann der man tragen ain chranz,
so wil si haben ainen schober ganz
von pluemen und von grüenem gras.
Vintler pluemen der tugent 9451.
d)
in weiterer übertragung auch von andern dingen, von federn: diese (vögel) brachte man mir schockweise in's schiff, legte sie mit den köpfen nach innen, so zierlich gehäuft, dasz die langen bunten federschweife, nach auszen hängend, im sonnenglanz den herrlichsten schober bildeten, den man sich denken kann. Göthe 27, 171. vom haar, büschel, schopf:
er (Absalon) trug auf seinem haubte
ain groszen schober har.
quelle vom j. 1562 bei Schm. 2, 362.
e)
sogar von menschenhaufen: wo ganze schober leut beysammen stehen. quelle bei Schm. 2, 361.
2)
gern verbindet sich mit schober ein zahlbegriff, sodasz es einen haufen von bestimmter grösze und zahl der garben oder bündel bezeichnet; vgl. die ganz analoge bedeutungsentwicklung von schochen, schock. wie dieses enthält es meist 60 garben: Pict. hat schober, auch von garben, 4. mandel das ist 60, sonst ein schock. Frisch 2, 218ᵃ; man mag nach dem malter wohl gröszere masz und namen machen, als: ein schober macht 4. malter, vier schober eine last, 4. last machen ein mudt. ebenda; 60 büschel stro, man heiszt es allhie schober. quelle vom jahre 1595 bei Birlinger 401ᵃ; so in Schwaben und Baiern 60 bündel oder büschel, auch ohne dasz diese in einem haufen zusammenliegen, ein schober buechenwellen 60 reisigbündel, dagegen enthält ein schöberlein in Nürnberg den 6. theil davon, also 10 büschel Schm. 2, 362. in Österreich ebenso vom ausgedroschenen stroh, dagegen bei getreide eine unbestimmte zahl, etwa 12—20 garben, die auf einem pfahl mit seitensprossen aufgehäuft und getrocknet werden Höfer 3, 110, im ungrischen berglande 27 garben roggen Schröer 204ᵃ. — in Kärnten als bloszes zahlwort, eine anzahl von vier: ã schouber nussn, zweschpn Lexer 224.
3)
pfanne; wol ein vom vorigen ganz verschiedenes wort von eingeschränkter verwendung. in salzwerken heiszen fegeschober (s. daselbst theil 3, 1415) kleine pfannen, die vor dem körnen des salzes in die gröszeren gesetzt werden, um den schlamm aufzunehmen Adelung. Jacobsson 1, 688ᵇ. Krünitz 147, 597.
4)
schuppen, hundehütte (?):
in den gehöften taub' und huhn auf ihrer stange ächzend ducken,
der hund in seinem schober heult und fühlt den wurm im hirne zucken.
A. v. Droste - Hülshoff 2, 10.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1426, Z. 32.

schöpern, verb.

schöpern, verb.
(verb. bavar.) fare strepito, strepitare massime con una campanella, v. schellen, oft schöpern, anschöpern, strepitare spesso colla campanella, sonarla con forza, massime alla porta. Kramer dict. 2, 640ᵇ. Campe; dagegen haben die südlichsten hd. mundarten ein verb. schopam, (t)schupam, verderben, zu grunde richten Zingerle 50ᵃ. cimbr. wb. 228ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1527, Z. 29.

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Zitationshilfe
„schöpern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sch%C3%B6pern>, abgerufen am 05.08.2021.

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