Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

schöpferisch, adj.

schöpferisch adj
einem schöpfer gemäsz, fähig zu schaffen Adelung. schöpferischer geist u. ähnl.: Gottfried Wilhelm von Leibnitz hat sich mit seinem schöpferischen geiste, in dem reiche der wissenschaften, ein ewiges ansehen erworben. Zimmermann leben Hallers 313; der übersezzer musz selbst ein schöpferisches genie seyn. Herder 1, 178 Suphan; riesenpläne gähren in meinem schöpfrischen schedel. Schiller 2, 35 (räuber 1, 2 schauspiel);
in dieser bildung (dem bildnis Bodmers) herrscht der schöpferische
geist,
der neuen witz und muth im Noah uns beweist.
Hagedorn 1, 85;
freundin meiner einsamkeiten,
schöpferische phantasie!
Miller bei Sauer Gött. dichterbund 2, 294, 15;
sie liegt erstarrt, die schöpferische hand!
Gött. musenalm. 1775, 56;
dankt Mozart, ihr schüler, dem schöpfrischen meister.
Seume ged. (1826) 203.
schöpferische kraft, trieb u. ähnl.: ein merkwürdiger schöpferischer trieb arbeitet unendliche fülle von bildern, symbolen, von sprüchen und energischen bewegungen heraus. Freytag bilder 1, 18; in jedem manne lebt ein theil der schöpferischen gesammtkraft (der nation). 24; es sind von zeit zu zeit in der weltgeschichte hochbegabte, selten bevorzugte naturen aus dem dunkel ihrer umgebung hervorgetreten, welche durch die schöpferische kraft ihrer gedankenwelt .. einen so hervorragenden einflusz auf die geistige entwicklung der völker ausgeübt haben, dasz sie gleichsam als marksteine zwischen den verschiedenen jahrhunderten da stehen, von denen ein neuer culturzustand unseres geschlechts seinen anfang genommen hat. Sartorius v. Waltershausen Gausz 1;
gelobet sey die gränzenlose macht,
die uns mit schatten deckt,
und schöpfrisch, aus dem grabe jeder nacht,
die jungen tage weckt!
Gött. musenalm. 1773, 209;
lieb' ist die einz'ge schöpferische allmacht!
Grabbe 2, 101.
von handlungen, worten: so genannte schöpfrische erfindungen. Triller bei Lessing 3, 214; schöpferisch schreiben, schöpferisch dichten sind strafbare und unchristliche ausdrücke. ebenda; erst auf ihren (der Elisabeth) schöpferischen ruf sollte dieser staat (England) aus einer demüthigen dunkelheit steigen. Schiller 7, 64; er vollführt diese schöpferische scheidung der wasser vom festen. J. Paul lit. nachlasz 4, 96; ich fühlte .. eine befriedigung in mir, .. dasz etwas auffallendes geschah .. und das infolge meines schöpferischen wortes. Keller 1, 87; noch war die predigt kein regelmäsziger bestandtheil des gottesdienstes, und dürftig in der regel die schöpferische arbeit des predigers (d. h. sie enthielt wenig selbstgeschaffenes). Freytag bilder 1, 467;
kann marmor, unterm schöpferischen schlag
des meiszels, sich zum gott gestalten.
Gotter 1, 273;
anderes: so wie die schöpferische wärme dieses himmels die unglückliche wirkung hatte, die abscheulichsten geburten der tyranney an das licht zu brüten. Schiller 9, 250. schöpferische zeit, zeit des schaffens: dies (785—800) ist vorzugsweise seine (Karls des gr.) schöpferische zeit. Freytag bilder 1, 317.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 1553, Z. 25.

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