Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schacht

schacht,
für schach (s. dieses); im wortspiel mit dem folgenden schacht: (Luther mit bergleuten schach spielend spricht) ihr bergleut, saget er, wer inn disem unnd andern tieffen schachten ziehen, unnd nicht schaden nemen ... will, der sol, wies sprichwort laut, seine augen nicht inn die taschen stecken. Mathesius Luther 207ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1963, Z. 10.

schacht, m.

schacht, m.
grube, tiefes grabloch, mhd. schaht, plur. schehte und schahte, auch nhd. ist der plur. schwankend mit oder ohne umlaut gebildet, wie unten folgende beispiele ergeben; vereinzelt begegnen schwache formen; neutrales geschlecht in der stelle aus Butschky unter 3. die herkunft des wortes ist dunkel, nach gramm. 2, 208 vielleicht zu scacan gehörig vom durcharbeiten und erschüttern des erdbodens. es bedeutet
1)
im bergbau, eine in die tiefe gebrochene weite, durch die der bergmann ins bergwerk fährt und das erz herausfördert: aber es ist der schacht gewonlichen ein graben, zwei lachtern lang und zwei drittel eines lachters breit und dreizehn lachter tief. Bechius Agricola 75; dabei hörte er ein fürchterliches brausen als eines tagewassers, das sich in den tiefen schacht ergosz. Musäus volksm. 37; und die mehresten dieser unglücklichen dienen jetzt ihren gläubigern als sklaven oder verderben in den schachten der fürstlichen silberbergwerke. Schiller kab. u. liebe 2, 2; erfuhr ich, dasz man mit einem schacht niedergegangen, um zu sehen was in der tiefe zu finden sein möchte, und ob man nicht vielleicht auf steinkohlen treffen dürfte. Göthe 51, 146; sie bedienen sich des durch die ablösung (des gebirges) entstandenen raumes zu schächten und sonstigen bedürfnissen. 118; wie die deutsche treue, hatte uns jetzt das kleine grubenlicht, ohne viel geflacker, still und sicher geleitet durch das labyrinth der schachten und stollen. H. Heine 3, 31 Elster;
seht, dô gewan der selben schaht
ûf sie ein grôʒ gevelle,
ein ieglich sîn geselle
gelac, wand in die erde erslûc.
ein grôʒ gelucke sich im trûc
in deme schachte, da er was,
wand er vor tôde genas.
passional 588, 30 Köpke;
da ward das geld erdacht,
ein dichteres metall, in tiefer schächte gründen,
mit arbeit und gefahr nur mühsam aufzufinden.
Lichtwer recht der vernunft 122;
es streicht in diesem erdenhaus
im erz zu hellem tage aus
des groszen vaters liebe,
die wittert vor bei tag und nacht
aus jeden stollen, kluft und schacht.
wunderhorn 1, 217 Boxberger;
bezeichnet nun den weitgevierten schacht,
und wagt euch kühn zum abgrund tiefster nacht,
vertraut mir, dasz ich schatz zu schätzen häufe.
Göthe 47, 125;
im sprichwort:
tiefe schächt und junge fraensleut
machen marode barkleit.
quelle bei Wander 4, 41.
in verbindungen, einen schacht sinken, absinken, ihn graben, puteum fodere, profundiorem facere Frisch 2, 155ᵇ; einen schacht senken, cuniculum agere, facere scrobem Stieler 1702;
alsô sank er den rihten schacht (schacht, der senkrecht in die tiefe geht).
märe vom feldbauer, Germ. 1, 350, 339;
denn so am tag etwan das erz herfür glanzet, so wirt erstmalen ein schacht gesunken. Bechius Agricola 91; fürwahr, ein bergmann, so er einen tiefen gang entblöszt, so hebt er ein schacht an zu sinken. 75; es wirt aber ein schacht seiger gericht gesunken oder in die flach, nachdem der gang, welchen die bergleut hauen, seiger gericht oder flach streichet. 75. in schacht faren, sive einfaren. Stieler 1702.
2)
verallgemeinert überhaupt grube, tiefe, schlucht:
swer daʒ niht gelouben wil,
er muoʒ dort lîden swære vil,
scheidet von der engel spil,
der tiuvel wirt geselle in der helle
velt in ein êwic gevelle
in grundelôsen schachten.
meisterl. der Kolm. handschr. 6, 76.
3)
häufig in bildlicher verwendung: ein böses weib hat in dem herzen das schacht der bosheit, betrugs und verräterey. Butschky hochd. kanzelei 562; eine reiche ader in dem schachte des wissens. Minerva 1847, 429; ganze jahrhunderte voll mündlicher überlieferungen und ganze foliobände voll schriftlicher liegen als verfallene schachte vor uns. J. Paul bücherschau 1, 17; er liesz sich ruhig in den schacht seines eigenen blumenstrauszes einschlagen. Hesp. 1, 166;
wenn du in des wissens schacht
von der forschbegier beschworen
stiegst mit mir um mitternacht.
Rückert 382;
des menschen thaten und gedanken, wiszt!
sind nicht wie meeres blind bewegte wellen.
die innre welt, sein microcosmus, ist
der tiefe schacht, aus dem sie ewig quellen.
Schiller Wallenst. tod 2, 3;
weil du mir stern des dichterpoles,
weil du mir schacht des lebens bist.
Platen 57.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1963, Z. 16.

schacht, m.

schacht, m.
waldstück, holzfläche, spätmhd. schachte (mit angetretenem -t zu schache [s. dieses] gebildet): in dicken schechten im walde. Tucher baumeisterbuch 123, 33; ainen schachten an dem Aichach. quelle bei Schm. 2, 363. dazu das dimin. schächtlein, schächtel: hinder jeden schlag gegen nidergang der sonnen soll man ein schächtel holz stehen lassen. ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1964, Z. 19.

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Zitationshilfe
„schacht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schacht>, abgerufen am 24.10.2021.

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