schade, schaden m
Fundstelle: Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1969, Z. 24
laesio, noxa, damnum, ein gemeingermanisches wort, nur im goth. unbelegt (dafür skaþis, n.); altn. skađi, dän. skade, schwed. skade, m. und skada, f.; ags. sceađa, engl. scathe (lehnwort aus dem altn.); altfries. skatha, schada; alts. skađo, mnd. mnl. holl. schade; ahd. scado, mhd. schade. über das germanische hinaus läszt sich die wurzel mit sicherheit nicht zurückverfolgen; Kluge⁴ 293ᵇ stellt sie zusammen mit griech. ἀσκηθής 'unverletzt'. vgl. Osthoff in den beitr. z. gesch. d. d. spr. u. litt. 13, 459. aus dem germanischen ist das wort in die sprachen der nördlichen und östlichen nachbarvölker eingedrungen, vgl. litt. iszkadà, lett. śkahde, poln. szkoda, böhm. škoda, slov. shkoda, lapp. skada (zeitschr. f. d. alterth. 7, 181). die form zeigt keine abweichungen, nur dasz das auslautende e zuweilen abfällt und jetzt gewöhnlich das n der obliquen casus auch in den nom. sing. eingedrungen ist: damnum hd. nd. schade, -en, hd. schad Dief. gloss. 166ᵃ; noxia schaden 383ᶜ. schad und schaden in demselben liede neben einander, s. wunderhorn 1, 415 f. Boxberger. auch in neuern mundarten geht die form schade (bez. schad, schada, schaͦde Schöpf 585) durch, im niederd. daneben mit ausfall des d schâe brem. wb. 4, 593. ten Doornkaat Koolman 3, 87ᵇ. Schambach 180ᵃ; altmärk. schaod'n Danneil 183ᵃ. die flexion ist die eines schwachen masc. im ahd. begegnet noch der umgelautete dativ scedin Graff 6, 421; vgl. Grimm gramm. 1³, 76. Paul in den beitr. 4, 408 f.;
daz in uuolf noh uulpa   za scedin uuerdan ne megi.
Wiener hundesegen 7 (denkm.³ 1, 16).
ganz vereinzelt ist übergang in die starke flexion im sing.: nun fragstu wz ist doch ein böszer rath, was schades wachszet darausz, und wie soll man sie heilen. Keisersberg sünden des munds 57ᶜ; wäre das vor beschehen, so wäre der herr des schades vertragen (überhoben) gewesen. Steinhöwel Äsop. 221 Österley. dagegen ist der umgelautete plur. schäden bereits im 14. jahrh. belegt und jetzt der allein übliche. schaeden, scheden in Seilerstetter urk. von 1370, 1372, 1373 u. s. w., die scheden in Chemnitzer urk. von 1471. 1474, s. F. Bech in Germ. 27, 178. Steinbach 2, 368 gibt sogar schad, plur. schäde (nur in der bedeutung 'wunde', s. 4, a) an; eʒ geschach groszer schad aus der stat in dem her, man tet auch schäden hinein. d. chron. 2, 369, 44 f.;
das ir ain recht sprecht nach eurn ern,
ob mir die Fast (fastnacht) ist schuldig mein scheden wider zu kern.
fastn. sp. 628, 28.
ebenso in den neuern hd. mundarten, z. b. appenz. schada, plur. schäda Tobler 382ᵃ. andrerseits schaden als plur. noch bei Luther, s. 3, a.
Bedeutung.
1)
die ursprüngliche bedeutung ist wol die eines nomen agentis, wie schon die ableitung anzeigt (vgl. Kluge stammbildungsl. § 15). daneben kommt es indessen schon sehr früh in der abstracten bedeutung 'schädigung' vor, ohne dasz sich eine feste scheidung durchführen liesze; vgl. die analoge verwendung des altn. bani, ahd. bano für 'mörder' und 'mord'. in beiden verwendungen geht es auf jede art von feindseligkeit und friedensbruch, und entwickelt sich von da aus im edleren sinne zu der bedeutung 'krieg', bez. 'krieger, feind', wie im niederen sinne zu 'raub, verwüstung', bez. 'räuber, verbrecher'. die persönliche bedeutung ist die einzig bezeugte im alts. ('kriegsknecht' Hel. 5647, 'verräther' 4592, tuena sculdiga scathon 5693 von den beiden schächern, als glosse zu theobos tuena), und die weitaus überwiegende im ags. (in allen angegebenen schattierungen, auch im sinne 'böser feind, teufel', vergl. mânsceađa, alts. mênskađo, s. Bosworth - Toller 826ᵇ). vergl. die zusammensetzungen alts. landskađo, liudskađo, mênskađo, reginskađo, thiodskađo; ags. féondsceađa, gûđsceađa, þéodsceađa. im altn. ist diese bedeutung nicht mehr litterarisch bezeugt, wird aber vorausgesetzt durch die verwendung von Skađi als name einer göttin oder ursprünglich wol eines gottes, in der Völsungasaga 1 auch als mannesname, ferner in zusammensetzungen wie Haddingjaskađi (pros. schluszbemerk. zu Helgakv. Hundingsb. II in einigen handschr., vergl. J. Grimm kl. schriften 7, 52. Müllenhoff in zeitschr. f. d. alterth. 12, 351), offenbar zum ausdruck der kampftüchtigkeit. ahd. begegnet persönliches skađo in der glosse scatho, bez. scado kimah sodalis latronum Steinmeyer - Sievers 1, 248, 27; vgl. ki[no]zza scathareo socii latronum 245, 17. 18. späterhin begegnen im hd. spuren dieses gebrauches.
a)
in der zusammensetzung landschade, vgl. theil 6, 131. Lexer handwb. 1, 1828.
b)
in der verwendung als eigenname, noch jetzt sehr gebräuchlich.
c)
in der verbindung mhd. schade wesen 'feind sein', z. b.:
von disen fürsten tuon ich dir kunt,
daʒ si dir schade wellent sîn.
Wigalois 10104;
die mir schade wellent wesen,
die komen her, swer si sîn!
10158.
ähnlich altn.: at skađa verđa, im kampfe tödten; verđr hvárr ǫđrum at skađa. Gylfaginning 51.
d)
in einigen wendungen, wo schade personficiert erscheint, darf man wol auch nachklänge der alten bedeutung sehen, so in der sprichwörtlichen redensart der schade wacht, mhd. mîn schade wachet, s. Grimm mythol.⁴ 720: es heiszt auf deutsch: schade wacht; und das evangelion sagt: die leute schlafen. Luther briefe 4, 593. ferner schade ist minne râtgebe u. ähnl.; vgl., wie zum ganzen abschnitt, J. Grimm kl. schriften 7, 334—337.
2)
die abstracte bedeutung 'schädigung', die im alts. gar nicht, und im ags. sehr selten bezeugt ist, ist im nord. und hd. von vornherein herrschend, indes seltener zum ausdruck einer handlung mit rücksicht auf die handelnde person, als des resultats. erstere tritt zu tage, wenn schade mit laesio glossiert wird, s. Graff 6, 421; daher auch übergang in die bedeutungen 'latrocinium, fraus, calumnia' ebenda. vgl. auch Haltaus 1597 f. dis undirste gericht obir schulde gulde und schaden (laesionem leviorem) und zu richten obir scheltwort das nicht hud har blaw slege addir bludrunst anlanget. quelle vom j. 1463 a. a. o.; und (die jungfrauen) durfften sich gantz keines muthwillens, unkeuscher zumuthung, oder anderes schadens und unheils befahren. junk. Harnisch (1669) 151. schaden rächen: do kom zuo im (dem kranken löwen) ain eber zorniger .. und rach an im den alten schaden von im enpfangen. Steinhöwel Äsop. 99; es sol auch keiner alten schaden rechnen, bey leib straff. Reutter kriegsordn. 14;
alte schuld und schaden rächen,
niemand mehr freundlich gesprechen.
wunderh. 1, 505 Boxberger;
da werd ich wider alle stehn,
die wider mich zu schaden gehn.
Günther 12.
eine scharfe trennung von der bedeutung 3 ist nicht durchzuführen. den übergang vermitteln wendungen, wie nach schaden trachten: sie trachten auff jrem lager nach schaden. ps. 36, 5; deine zunge trachtet nach schaden. 52, 4; sie (die liebe) tracht nicht nach schaden. 1 Cor. 13, 5. in folgender stelle scheint schade 'missethat' oder 'bosheit' zu bedeuten:
jetzt tödtet jr (juden) gott selbst, gott selbst! gott euren könig,
o du verdamptes volck ... ach dasz doch euer schade
euch noch zu hertzen gieng'!
Fleming 14.
3)
gewöhnlich bedeutet schaden jede verletzung oder beeinträchtigung, die jemand an leib und leben oder hab und gut erleidet, ohne rücksicht auf den thäter oder die ursache: die man sal gelden den scaden, die von siner warlose gesciet anderen luden, it si von brande oder von bornen (brunnen, wasser) .. oder of he schüt oder wirpt enen man oder en ve, als he ramet enes vogeles. Sachsensp. 1, 2, 38 Homeyer; jr (der gottlosen) weg ist eitel verderben und schaden. Jes. 59, 7; ich sehe, das die schiffart wil mit beleidigung und groszem schaden ergehen, nicht allein der last und des schiffes, sondern auch unsers lebens. apostelgesch. 27, 20; er (Bonaparte) verordnete gleich, dasz hier keine kriegswohnung seyn, noch anderer schaden geschehen solle. Göthe 39, 108;
und mit der hand ich (der wächter) mich verband,
des herren schad zu wenden (l. melden).
wunderh. 1, 415 Boxberger;
(eine fromme magd) helts der frawen wol zu gut,
wenn sie umb schaden reden thut.
Ringwaldt lauter warh. 315;
Jerusalems ihr schade
müsz' einst erbarmen dich.
Fleming 22;
nehmt in acht das feur und licht,
damit euch kein schad geschicht.
Chr. Reuter Harleq. kindbetterinschmaus s. 70 neudr. (in dem auch sonst bekannten nachtwächterliede).
so besonders
a)
in verbindung mit anderen substantiven:
α)
schade ist der gegensatz zu nutzen: das sieben schaden hinder solchem kleinen nutz ligen. Luther 6, 140ᵇ;
und ist der ja für weisz zu halten,
der schaden von jm weiss zu schalten,
und seinen nutz ersehen kan.
K. Scheidt Grobian. 1425.
sehr häufig begegnet es in der ältern (mnd. und mhd.) sprache in verbindung mit frommen: svar brudere oder andere lüde ir gut to samene hebbet, verhoget se dat mit irer kost oder mit irme deneste, de vrome ir ir aller gemene; dat selve is de scade. Sachsensp. 1, 1, 12 Homeyer; ob aber wol etliche sudler im anfang hie zu schaden arbeiten .. hat doch unser gott ander schmeltzer angelegt, so beide der herrschafft unnd gewercken zu frommen gearbeit. Mathesius Luther 202ᵇ;
dat he (Reineke) wer (weder) dorch schaden edder dorch vromen
nicht enlethe, he scholde komen
to des konnynges hove tom herendage.
Reinke de vos 453;
den schaden suln wir verclagen,
des vrumen gote gnâde sagen.
ich hân in kurzen stunden
einen riter vunden
und mîn guote salben vlorn.
der schade sî durch den vrumen verkorn.
Iwein 3685—90;
eʒ gê ze schaden odr ze fromn.
Parz. 157, 2;
ein schade ist guot, der zwêne frumen gewinnet.
Walther v. d. Vogelweide 19, 28.
β)
sehr gebräuchlich ist ferner die allitterierende verbindung von schaden und schande, wofür selten scham: mnd. schande unde schade Schiller-Lübben 4, 36ᵃ; und ist man nüt dann schande und schaden von jnen haben. Keisersberg pred. 75ᵃ; so fallend sie gewönlich in merkliche schand und schaden. Steinhöwel Äsop. 228 Österley;
sô wâr gedeilet entwei
mîn skade und mîn skande.
Heinrich v. Veldeke Eneit 2417;
diu rede dûhte Hagenen   sî wære im beide schade unde schande.
Kudrun 132, 4 (vgl. Martins anm.);
dâ von mir iuwer schande leit
und iuwer schade wære.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 19245;
im tet schade unde scham
vil sêre und inneclîche wê.
Tristan 13430;
daʒ stêt ze jungest an der scham
und an dem schaden rehte alsam.
Helmbr. 336;
de dar aver entvloen mit schande unde mit schaden.
Eberhard reimchron. von Gandersheim 1446;
darumb wir schüllen sein beräyt,
schand ze rechen und auch schaden.
Heinr. Wittenweiler ring 55ᵃ, 18;
schaw disz ist schand und jhenes schad.
H. Sachs 1, 520ᶜ;
erst mehrt sich schadn und schandt.
2, 4, 57ᵇ;
auch spott und schaden; schmach und schaden: wann wär ich komen als ain fynd, so wäre mir gelungen und der schmach und schade nit beschenhen. Steinhöwel Äsop. 142 Österley;
so ist der spot und schaden mein.
Ayrer 2677, 21 Keller.
b)
präpositionale wendungen: zu seinem oder jemandes schaden; jemandem etwas zu(m) schaden thun: dat he't deme herren to lastere noch to scaden ne hebbe gedan. Sachsensp. 1, 2, 34, 1 Homeyer; las dich keine person bewegen dir zum schaden. Sir. 4, 26;
swaʒ ir unt ieslîch Bertûn
mir dâ ze schaden meget getuon.
Parz. 410, 23;
mhd. in demselben sinne nâch und ûf:
wan ich wil durch daʒ lant varen   nâch michelem ir schaden.
exodus 153, 16 Diemer;
si habent sich ze Berne   ûf iuwern schaden geleit.
Alpharts tod 28, 4;
her Stoc, ir sît ûf schaden her gesant.
Walther v. d. Vogelweide 34, 22.
in einem andern sinne sagen wir auf den schaden, z. b. eins trinken, um sich über den schaden zu trösten:
wer den andern hat verletzt,
lang dem andern das detzlin,
und bring jhm drei gesetzlin,
und auch auf den schaden,
zwölf masz wein und zwölf fladen.
Garg. 94ᵇ;
mit jemandes schaden, besonders wenn dieser schade nicht beabsichtigt war: daʒ er sich mit groszem schaden synes fyndes rechen müge. Steinhöwel Äsop. 125 Österley; es wird heut nit mehr billich gehaisen, also land und leut mit des nächsten bruders schaden zu uberziehen und einzunemmen. Garg. 260ᵃ; mit seinem schaden oder mit schaden: Spinosa, welcher bestimmt war, den übergang von der Cartesianischen bis zur Leibnizischen weltweisheit mit seinem schaden zu erleichtern. Lessing 5, 44;
das wird der herr durchs gantze jar
mit groszem schaden wol gewar.
Ringwaldt lauter wahrh. 313;
die vierd kunst wil ich nennen,
ist felschen alle war.
mit schaden leren sie kennen.
bergreihen 43, 21 neudruck;
wo ick mit schaden söliks erfahr.
Hollonius somnium vitae hum. 911 neudr.
ohne schaden:
daʒ wir dan ân allen schaden ...
in den himel werdn geladen.
Lamprecht v. Regensburg Syon 2759;
nu saget mer sunder allen schaden.
Alsfelder passionssp. 819.
c)
verbale fügungen.
α)
in activem sinne gewöhnlich schaden thun, fast gleichbedeutend mit dem verbum schaden: swelk hunt to velde gat, den sal man in benden halden, durch dat he nemanne ne scade. dut he aver scade ... Sachsensp. 1, 3, 49 Homeyer; was schadens das vieh denn getân hetti, hand die von Altorf nieman umb ze antwurten. Grimm weisth. 1, 17, 66;
uppe dat de dêf em nenen schaden dede.
dodes danz 133 Bäthcke;
die strîtküenen Sahsen   tâten schaden dâ genuoc.
Nibel. 201, 4;
mîn unwîser muot,
der mir vil dicke schaden tuot.
Iwein 636;
(wir) wollen einen bund mit dir machen, das du uns keinen schaden thust. 1 Mos. 26, 29; des gottlosen lust ist schaden zu thun. spr. Sal. 12, 12; so er aber dir etwas schaden gethan hat, oder schuldig ist, das rechne mir zu. Philem. 18; ich rieth, du stündest solcher sachen, so du vor dir hast, müssig, anderst ich sag dir, du wirst gröszlich dein schaden thun. buch d. liebe 245ᶜ; dasz der wolff nit kom und schada dau (schaden thue). Simpl. 1, 15, 28 Kurz; so bald Tifan verständiget wurde, dasz die abgezielte verbesserung wider seine absicht schaden thun würde. Wieland 7, 229; der träge gang dieses kriegs that dem könige von Spanien eben so viel schaden, als er den rebellen vortheile brachte. Schiller 7, 16;
das mir di Fast (fastnacht) hat groszen schaden thun.
fastn. sp. 628, 23;
gi hebbt jo den roden röselin
nenen schaden gedan.
Uhland volksl.² 48 (22 A, 3);
ich glaube, das hat mir wohl schaden gethan.
Pröhle volksl. 103.
in demselben sinne mhd. schaden bern, vrumen, vüegen mhd. wb. 2, 2, 63ᵃ; schaden machen, anrichten, bringen, einem zufügen u. a. Maaler 344ᵇ f.: denn er meinet, wenn er jn gefangen hette, er würde jnen einen groszen schaden zuwenden. 2 Macc. 14, 40; der im selber klainen schaden zuo füget. Steinhöwel Äsop. 125 Österley; ein verzweifelter ausweg, der gröszern schaden anrichtete, als er verhütete. Schiller 8, 171;
wen guͦte arbet schwechen thuͦt,
mag wol mit jagen suͦchen muͦt (an der jagd sich ergötzen),
doch unverhindert pässer sach,
und (so dasz) sölchs nit grosz schaden mach.
Schwartzenberg 138ᵈ.
β)
in passivem sinne ist der häufigste ausdruck schaden nehmen (von, mhd. mnd. auch an, bî etwas, eines dinges): was hülffs den menschen, so er die gantze welt gewünne, und neme doch schaden an seiner seele? Matth. 16, 26; das jr von uns ja keinen schaden jrgent inne nemet. 2 Cor. 7, 9;
ich hân von iwren schulden   schaden vil genomen.
Nibel. 248, 2;
(viele ritter) die alle dâr an habent genomen
schaden zuo den schanden.
Iwein 7964;
daʒ sie sîn nâmen schaden grôʒ.
Lohengr. 4309;
hir klagede mannich, do ik erst quam,
de doch nü schade by my en nam.
Reinke de vos 6606;
des wir haben groszen schaden genumen.
fastn. sp. 628, 25;
mein liebst kind schaden namb.
H. Sachs 2, 2, 57ᵃ;
daneben mhd. schaden lîden, dulden, hân, gevân, gewinnen, kiesen, erkiesen, bejagen mhd. wb. 2, 2, 62ᵇ; nhd. schaden leiden, haben, bekommen, sich zuziehen u. a. m., mundartlich nd. auch schâden derbî mâken, verlust dabei erleiden Schambach 180ᵃ: den schaden, den der man desz kriege oder lidde, den soll ihme derjenige, so dat (die feldhecke) offen liesz, aufrichten und bezahlen. Grimm weisth. 3, 49, 94; welhi guotem raut nit volgen, die enpfahen offt groszen schaden. Steinhöwel Äsop. 106 Österley; also beschicht vil menschen, die durch iere geschwecz schand und schaden enpfahent. 197; das ist der schade, den Hadad leid. 1 kön. 11, 25; wird aber jemands werck verbrennen, so wird ers schaden leiden. 1 Cor. 3, 15; wer für einen andern bürge wird, der wird schaden haben. spr. Sal. 11, 15; es wohnet ein mann nicht zwantzig schritt von S. Jacobs kirchen, der weisz, was ich für einen schaden auff der cantzel bekommen habe. Schuppius 589; weil ihn (den anführer) seine jagden öfters durch flur und felder führten, die bey diesen durchzügen schaden litten, so fanden es viele gutsbesitzer für gut, diese last durch ein freiwilliges geschenk abzukaufen. Schiller 9, 142;
hat er vil gest ins hausz geladen,
so leid er auch den selben schaden.
K. Scheidt Grobian. 3184.
zuweilen abgeschwächt, sich schlechter stehen:
Bescher endlich ist der dritte,
dem das schaf musz g'nüge leisten (das zu seiner bewirtung
geschlachtet wird),
doch dasz er nicht schaden litte,
ist's ein schöpse von den feisten.
Rückert 4, 95.
γ)
einen schaden ersetzen, wieder gut machen, bezahlen, in älterer sprache kehren, wenden, aufrichten, gelten; mhd. auch abe legen mhd. wb. 2, 2, 63ᵃ; gelten durch geldzahlung vergüten: to der selven wis betert en burscap der anderen mit dren schillingen, unde gilt in iren scaden. Sachsensp. 1, 3, 86, 2 Homeyer;
das ir ain recht sprecht nach eurn ern,
ob mir die Fast (fastnacht) ist schuldig mein scheden wider zu kern.
fastn. sp. 628, 28;
er (gott) kan wenden unsern schaden,
er will enden unsern spot.
Weckherlin 157 (ps. 42, 9).
δ)
jemanden in schaden bringen; mnd. in oder to schaden bringen; das gegentheil heiszt ut dem schaden nemen: bringt he ine in scaden .. he mut dem richtere wedden, unde jeneme sine bute geven, unde ine ut dem scaden nemen. Sachsensp. 1, 3, 87, 1; der gottlose bringt seinen bürgen in schaden. Syr. 29, 22;
up dattu dinen evenminschen brochtest to schaden.
dodes danz 960 Bäthcke;
ich hab gar manchen bracht inn schaden.
H. Sachs 1, 539ᵇ;
wol (wer) synem prester unrecht bicht,
und synem artzt nich recht bericht,
de bringt sick sülfst in noth und schad.
Hollonius somnium vitae hum. 973 neudr.
ε)
die verbindung zu schaden kommen (vgl. Schm. 2, 370) hat passiven sinn, in schaden gerathen, geschädigt werden, capere detrimentum, damnum contrahere Maaler 344ᵈ: sihe dich für, das du nicht selbs drüber zu schaden kompst. Syr. 29, 27. daneben einem zu schaden kommen, zum schaden ausschlagen: solchs alles kompt den fromen zu gut, und den gottlosen zu schaden. Syr. 39, 32;
Prünhilde sterke   in (Gunther) wæn uns habe benomen:
sô wære ir hôhiu minne   uns ze grôʒen schaden komen.
Nibel. 509, 4;
mit narren sich beladen,
das kommt zuletzt dem teufel selbst zu schaden.
Göthe 41, 91;
vergl.: ze schaden und ze spotte
wolten si (die Griechen) Troiæren komen.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 30714.
d)
sprichwörtliche redensarten.
α)
den spott zum schaden haben, oder schaden und scham empfahen, ferre damnum cum pudore. Maaler 344ᶜ. schon mhd. sehr gewöhnlich:
swer verliuret, der muoʒ   den spot zem schaden hân.
Wolfdietr. D 7, 200, 2 Jänicke (vgl. d. anm.);
vergl.: ist ein altes sprichwort,
als ir dicke hant gehort:
schade der het gerne spot.
Hugo v. Langenstein Martina 63ᵈ, 91;
den spott must er zum schaden han.
B. Waldis Esopus 1, 11, 48;
derselb auff halbem weg erligt,
und offt den spot zum schaden kriegt.
3, 86, 38;
der hat den schaden zu dem spodt.
H. Sachs fastn. sp. 1, 4, 119 neudr.;
von solchen knaben
must er den spott zum schaden haben.
Alberus fabeln (1590) 107ᵇ;
sie hetten zum schaden den hohn.
Spangenberg glücksw. 106 (elsäss. lit. denkm. 4, 310);
er hätte zum schaden den spott noch obendrein.
Wieland 4, 119;
das gedachte ich wol, dasz ich den spott zum schaden haben würde. Ol. Variscus ethogr. mundi 2, 9; jetzt oft in der form: wer den schaden hat, braucht für den spott nicht zu sorgen. Simrock sprichw. 8798; wer den schaden hat, der darff für den spot nicht sorgen, ludibrij haud expers, mala quem fortuna fatigat. Henisch 652, 55, vgl. Wander 4, 48 f. (nr. 154 mit reichen quellenangaben); nd. de de schâ hed, hed de schimp d'r to. ten Doornkaat Koolman 3, 87ᵇ; men de schaden krycht, de derff vor den spot nicht sorgen, so alze hir is ghesecht van Reynken, wo he desse dre bespottede to ereme groten schaden. Reinke de vos s. 100 Prien;
wer schaden und den unfall hat,
der darff nit sorgen für den spot.
B. Waldis Esopus 3, 46, 27.
β)
durch schaden wird man klug. Simrock sprichw. 8779 (vgl. 8778. 8780—8789). Wander 4, 44 (nr. 45, mit quellenangaben; vgl. nr. 38, 40—44, 46 f., 98—103, 130 f.). Steinbach 2, 369; aber mit schaden würt man weis. Schade sat. u. pasqu. 2, 31, 3; mit schaden wird man klug. Lessing 12, 15; schaden macht klug. K. Lessing schauspiele 246; nachdem man mit schaden klüger worden. Simpl. 1, 46 Keller;
mit schaden werden wir all glert.
B. Waldis Esopus 4, 99, 522;
du närrin, dasz dich nicht der schaden klüger macht!
Göthe 7, 27.
4)
schaden von körperlichen verletzungen, besonders in der ältern sprache: sves hund oder ber (eber) oder perd oder osse, oder svelkerhande ve it si, enen man dodet oder belemet, oder en ander ve, sin herre sal den scaden na rechteme weregelde oder na sineme werde beteren. Sachsensp. 2, 40, 1 Homeyer (vgl. leibesschaden theil 6, 597);
wan der nicht ensaill
zu dim libe schaden sinn.
Alsfeld. passionssp. 1162.
besonders
a)
von wunden und verletzungen durch schlag, stosz u. ähnl.: schad, ulcus, vulnus, vitium corporis; die schäde des leibes heilen, ulcera corporis curare Steinbach 2, 368 (gesondert von schade vel schaden, aber auch dieses mit vulnus erklärt); ein offner schade, vulnus oder ulcus purulentum Frisch 2, 156ᵃ; nd. hê hed 'n schâ an 't bên. ten Doornkaat Koolman 3, 87ᵇ; wenne er (der löwe) wunt wirt, sô behelt er den, der im den schaden tet, under allem volk und zerreiʒt in, ob er mag. Megenberg 144, 9;
daʒ von ir deweders slage
dehein schade mohte komen.
Iwein 7241;
sone solte diu frâge helfen niht,
wan daʒ der schade (die wunde des Anfortas) stüende als ê
und herzelîcher tæte wê.
Parz. 483, 27;
dâ vant ouch manger ritter schaden.
Ulrich v. Lichtenstein 81, 31;
wenn sich menner haddern und verletzen ein schwanger weib, das ... jr kein schade widerferet, so sol man jn umb geld straffen .. kompt jr aber ein schaden draus, so sol er lassen seele umb seele, auge umb auge. 2 Mos. 21, 22 f.; und wer seinen nehesten verletzt, dem sol man thun, wie er gethan hat, schade umb schade, auge umb auge, zaan umb zaan. 3 Mos. 24, 20; was schaden nam von stoszen unnd schlagen (der wild gewordenen pferden und des ochsen) auch ubern hauffen fiel. buch d. liebe 227ᵃ; so ein rosz under dem sattel gebrochen oder sonst eine tieffe wunden hett, so nimb gänszkot ... legs in einen essig .. und wasch den schaden darmit. Seuter rossarzn. 421; denn der schaden gerieht i. f. gnaden übel, dasz .. der schenkel ihro f. g. lebenslang offen blieb, muste täglich eine wicken, eines gliedes lang, in den schaden stecken und durfte gar nicht zuheilen lassen, sondern blieb allezeit i. f. gnaden der schaden auf. Schweinichen 1, 91;
zwene bliben ynn den schoten todt,
der dritte vergos sein blut so rodt,
der vierde bracht das poten brod
gen Kutten auff den bergk,
wie die heuer hetten schaden genomen.
bergreihen 49, 9 neudruck;
wer ungefallen kümpt vom zyl
und ane schad von dannen.
78, 1;
die pflaster und auch andre salben,
so man zuͦn schäden braucht alnthalben.
Wickram irr reit. bilger 81ᵇ;
sie risz darauf den stahl aus des Amintas schaden,
und stiesz ihn selbst in sich.
Hoffmannswaldau getr. schäfer 14;
kein striemen lief mir auf, den sie nicht auch empfand,
die schäden, so ich trug, die wurden ihr zu wunden.
heldenbr. 64;
ein geheimnisz, das ich nun so lange,
wie Philoctet den alten schaden,
als einen schmerzbeladnen feind ernähre.
Göthe 10, 37;
und der herrliche (Hephaistos) lag, an dem fusze verletzt, wie ein erdsohn.
damals schrieest du (Here) laut zu den nymphen der schattigen
insel,
riefest den Päon herbei und wartetest selber des schadens.
40, 350.
auch vom verlust ganzer glieder: schad und verlust der rächten hand. Maaler 344ᵇ; hawet jr den kindern also die dinglin ab, so wird er junckher von Degenblosz unnd Waddellosz werden, der Monsier sansqueue, herr Batt mit dem glatten schaden. Garg. 131ᵇ. bildlich: wenn der herr den schaden seines volcks verbinden, und seine wunden heilen wird. Jes. 30, 26; warumb hastu uns denn so geschlagen, das uns niemand heilen kan? ... wir hoffeten, wir solten heil werden, aber sihe, so ist mehr schadens da. Jerem. 14, 19; dein schade ist verzweivelt böse, und deine wunden sind unheilbar. 30, 12; man hat mit diesem pflaster den schaden zugedeckt. Göthe 54, 206; so tiefe narben blieben von jenem alten schaden in der brust, dasz weder neue freude noch hoffnung drinn gedeihen kann. 57, 30.
b)
für krankheiten u. ähnl.: schaden, kranckheit, böser präst, noxa Maaler 344ᵈ; ich lag krank zu bette .. der alte schaden auf meiner brust schien aufzuwachen, ich hustete heftig. Göthe 19, 349. geschwür: als aber die geschwulst uff getan ward, do schlich der dorn mit dem aiter usz dem schaden. Steinhöwel Äsop. 139 Österley.
c)
tötlicher schade, verletzung, die den tod verursacht, pernicies Dasypodius: so lang sie vernamen, Gabriotto seines falls nit tödtlichen schaden nemmen würd. buch d. liebe 233ᵃ. auch von andern todesursachen: der rauten taw und ir saff ist der kroten tœtleich schad. Megenberg 296, 3; vil sint der menschen, die ieren eltern nit gehörig und gefölgig syn wöllent .. darumb sie verfallent in tötlich schäden. Steinhöwel Äsop. 236 Österley. schade allein vom tode gesagt: reht alsô durchpaiʒ auch der pœs luft des menschen herz haimleich; unz si sein dann innen wurden, so was der schad ergangen. Megenberg 111, 19 (in der schilderung des groszen 'sterbens' vom j. 1348); ein wunderbarlicher schiedesmann ist der tod zwischen den reichen und armen; ... sein gedächtnüs ist den reichen bitter; seine ankunft geschwinde, und unversehens; ungewis seine stunde, unümgänglich sein schade. Butschky Pathm. 989; vgl.:
stirb ich dran, lasz mir den schaden!
fastn. sp. 323, 18;
und starb ich auch, der schade war nicht schwer.
Gries Ariost 43, 161.
d)
heute wird schade oder leibschade vielfach für 'bruch' (leistenbruch, hernia) gesagt Frisch 2, 156ᵃ, namentlich in mundarten, s. Tobler 382ᵃ. Seiler 240ᵇ. Schöpf 585. Hügel 133ᵇ. Spiess 205. ten Doornkaat Koolman 3, 87ᵇ. Danneil 183ᵃ.
e)
schade für 'ruhr' in den verbindungen der rothe und der weisze schaden. Stalder 2, 306. Tobler 382ᵃ: da fiel ir ein mercklicher siechtag zuͦ, mit namen der rot schad. buch d. beisp. 74, 5 Holland. vergl. Schm. 2, 185 und rot sp. 1289, rotschaden sp. 1314. Frommann 4, 2 (aus Vorarlberg).
f)
schade im nd. für fallsucht, epilepsie: de slimme schaden, der schlag Dähnert 398ᵇ; hei kreg den schaden, er bekam krämpfe. Mi 74ᵇ.
5)
schade für sachbeschädigung, schädigung am vermögen.
a)
sve so holt houwet, oder gras snit, oder vischet in enes anderen mannes watere an wilder wage ... den scaden gilt he uppe recht. Sachsensp. 2, 28, 1 Homeyer; sve sin ve drift up enes anderen korn oder gras, he sal ime gelden sinen scaden. 2, 47, 1; schade für schade, als ausdruck genauer wiedervergeltung (vgl. 4, a): da ward frid ... gemacht ... unnd was yedermann gewunnen hett, solt er die weil haben, schad für schad. S. Franck chron. (1531) 208ᵇ; der frid gieng ein, an S. Ulrichs tag, und was schad gegen schad, und yedermann das sein wider an land und leüten. ebenda.
b)
besonders verlust an geld, im gegensatz zu gewinn:
das gelt ist unser insgemein,
unser wirdt gwin und schaden seyn.
Spangenberg glücksw. 518 (elsäss. lit. denkm. 4, 324).
mhd. schade an etewaʒ legen, geld für etwas ausgeben, ohne nutzen für sich:
mir swein der schade,
den ich hâte an sî geleit.
Rud. v. Ems der gute Gerh. 2504;
als sie ihren einzug in Rom hielt, war ich ursache, dasz ein schade von mehr als tausend scudi verhindert wurde. Göthe 34, 337. geradezu im sinne von 'kosten':
swaʒ eʒ mich danne kosten sol,
daʒ ich si vinde begraben,
den schaden wil ich gerne haben.
bloch 158 s. Lambel erzähl. u. schwänke s. 108.
auf jemandes schaden, kosten: swaʒ si danne für baʒ da geligen (var. verzerent, die wile si da ligent), daʒ suln si tun uf der burge oder der stete schaden. Schwabensp. 207, 5; zuo einem oder ûf einen schaden nemen, auf rechnung des nicht zahlenden schuldners von einem dritten geld aufnehmen, s. Lexer handwb. 2, 625. schaden im gegensatz zu gewinn: dann die gar zu eylfertige verkauffungen, vergleichen sich offt mit den schäden, so man ausz den gewinnen hat. Schuppius 739. vgl.aber was mir gewin war, das hab ich um Christus willen fur schaden geachtet. Phil. 3, 7.
c)
hieraus entwickelt sich leicht die bedeutung 'zins' in der ältern sprache: mhd. houptguot und schaden verrihten, kapital und zinsen entrichten. Lexer handwb. 2, 625 f. besonders häufig im mnd., s. Schiller-Lübben 4, 36: geld op schaden (auf zins) nemen; schaden don, zinsen bezahlen; ind wy ... sollen ind wellen E. qwyt van maken, beyde van schaden ind van hovetgude. urk. v. 1435 bei Schiller-Lübben a. a. o.; si sprechent oͮch, das ir hoffrecht syg, das nieman dem andern deheinen schaden sölli ablegen, er hab im den denn verheiszen mit hand oder mit mund. Grimm weisth. 1, 12, 6.
6)
endlich kommt schade zu der bedeutung 'nachtheil' überhaupt, wobei es nicht nur den verlust eines schon besessenen, sondern auch eines nur erhofften oder möglichen vortheils bedeutet: denn die, so die weisheit nicht achten, haben nicht allein den schaden, das sie das gute nicht kennen ... weish. Sal. 10, 8.
a)
schade von den nachtheiligen folgen des eigenen handelns; so in der redensart hab dir den schaden oder der habe den schaden, in der ältern sprache:
wer lebt jnn eym sörglichen stat,
der hab den schad, wie es jm gat.
Brant narrensch. 45, 34.
ähnlich sagt man es ist dein schade: nun mags; der gröszte schade dabey ist ihre. Lessing 1, 367. dagegen es soll dein schade nicht sein, ich will dich dafür entschädigen oder belohnen: Anton. deinetwegen soll ich meinen herrn betriegen? Lisette. es soll aber dein schade nicht sein. Anton. so? ist es mein schade nicht, wann ich das, was mir Chrysander versprochen hat, musz sitzen lassen? Lessing 1, 269; dein schade soll es nicht seyn, dasz du mir nutzest. Göthe 14, 165; die eine (erklärung) sind sie mir schuldig, und es wird ihr schade nicht sein, wenn sie mich über den andern (punkt) befriedigen. Schiller 4, 224.
b)
die schäden einer sache, die nachtheiligen folgen derselben, die damit verbundenen übelstände: will ich euch von der erneuerung und regul desz wuchers sagen, nemlich mit was weisz desselben schäden auffs beste gemeidet, und dessen nutzen behalten werden. Schuppius 721.
7)
im mhd. hat schade manche verwendungen, in denen es nicht nur den verlust, sondern zugleich das gefühl des verlustes ausdrückt. so vom tode eines angehörigen:
Kriemhilt ir grôʒen schaden   klagen dô began.
Nibel. 1078, 2.
auch geradezu für 'kummer':
swenne ich daʒ mære an mich nu nim,
daʒ si sich müeʒen scheiden,
dâ wehset schade in beiden.
Parz. 223, 10.
vergl. wiʒʒent, daʒ iu gar ze vruo
schad unde kumber sîget zuo.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 7170.
seneder schade, liebesleid, liebeskummer:
swâ sô der müeʒige man
mit senedem schaden sî überladen,
dâ mêre muoʒe seneden schaden.
Trist. 83 f.
ganz abgeschwächt, ein bedauerlicher umstand:
und einen schaden clage ich ...
daʒ der wâfenriemen
alsô rehte lützel ist,
daʒ sî niht langer vrist
mit mir solde umbe gân (beim entwaffnen).
Iwein 318.
8)
besondere beachtung erfordert die verbindung schade sein, in denen schade vollständig die function eines adjectivs übernommen hat.
a)
so schon mhd. in der bedeutung 'schädlich sein' (vgl. 1): kalteu ding sint den augen gesunt, aber diu hitz ist in schad. Megenberg 10, 12; iedoch wiʒʒ, daʒ all öpfel schad sint und faulent leicht in dem menschen und machent pœs pluot. 330, 2;
eist schade, der vremde geste   ze nâhe bî im hûsen lât.
Alphart 29, 4;
in attributiver stellung; vgl. ahd. scado gimah (s. oben 1):
ein schade vriunt vil dicke muoʒ
dulten ungetriuwen gruoʒ.
Vridanc 95, 24;
schade schimpf ist dicke leit,
und lasterlîchiu wârheit.
121, 4;
in adverbialer function:
dem kezzer ouch, swie schade er lebe.
minnes. 2, 354ᵃ Hagen.
die adjectivische verwendung ist besonders deutlich, wenn es mit echten adjectiven zusammengestellt wird: man muoʒ in (den aal) paʒ kochen pei dem feur, dann ainen andern visch, er wær anders gar schad und ungesunt. Megenberg 244, 26; so will ich zuͦ ir kumen, es sey mir recht guͦt oder schad. Tristant u. Isalde 158, 8 Pfaff;
der ist eyn narr der wünschen duͦt
das jm als bald schad ist als guͦt.
Brant narrensch. 26, 2;
es werden sogar steigerungsformen von schad gebildet: wan der donr ist im (dem drachen) scheder denn kaim andern tier. Megenberg 270, 8; die süeʒen maulper .. sint niht sô guoter narung sam die veigen .. und sint dem magen scheder. 331, 2; under allen dingen ist aller schedist süeʒ waʒʒer waʒʒersühtigen läuten. 105, 20; es ist nyemer schader dem ackerman, denn so man im den somen verderbt. Keisersberg pilgersch. 167ᵃ;
rosen wängel, roter mund
sind vil scheder, dann gesund.
Heinr. Wittenweiler ring 22ᵃ, 17.
andrerseits wirkt die substantivische function noch nach, wenn man in negativem sinne kein schade sagt:
ich unde Wytdich sint üch kein schade,   das wysz sicherlych.
Alphart 42, 4 lesart.
jetzt ist schad für 'schädlich' noch in der Appenzeller mundart gebräuchlich, s. Tobler 382ᵃ.
b)
jetzt sagt man es ist schade als ausdruck des bedauerns, eigentlich es ist ein verlust, ein unglück, ein bedauernswerther umstand (vgl. 6, c): das ist schade! hoc dolendum est! Frisch 2, 156ᵇ.
α)
mit nachfolgendem satze: es ist schade, dasz er gestorben, illus mors dolenda est. Steinbach 2, 369; es ist schade, dasz man alsdann sterben musz, wenn man eben angefangen hat einzusehen, wie man eigentlich hätte leben sollen. Kant 4, 351; es ist schade, dasz du kein general worden bist, Spiegelberg, wird der könig sagen. Schiller räuber 1, 2 schausp.;
es ist schad,
dasz ich bey dir verliegen soll.
Ayrer 2677, 10 Keller;
ohne zusatz:
aber, warlich! es ist schade,
ihre freud' ist nur ein schein.
Göckingk 1, 64;
es ist doch schad'!
Grillparzer 6, 33.
β)
es ist schade um jemand oder etwas: es ist schade um ihn, magna est illius jactura. Frisch 2, 156ᵇ; es ist eben nicht schade um ihn, non adeo absentia ejus nocet. Steinbach 2, 369; es ist schade umb die salbe. Luther 5, 142ᵃ; dasz es schade um meine gehabte mühe wäre. Grillparzer 15, 60; daneben schade für: am 13. april .. ging in Ungarn .. ein mann verloren, namens Andreas Hertzeg, und es war schade für ihn, denn er war rechtschaffen. Hebel 2, 204;
man hat mir nicht den rock zerrissen
(es wär' auch schade für das kleid).
Uhland ged. (1864) 60.
vgl. Hunziker 217. Seiler 249ᵇ. Albrecht 197ᵇ.
γ)
mit verstärkungen jammerschad, himmelschad, s. Frommann mundarten 5, 193; besonders ersteres (s. theil 4, 2, 2259 f.), auch jammer und schade: jammer und schade ists, dasz diese armee die erste und die letzte blieb, bei der die montur eine hübsche art von über-körper war. J. Paul Siebenk. 4, 63;
ey das ist jammer und schade.
Rist friedej. Teutschl. (1653) 60;
auch sünd und schad Hunziker 217; were siu verdrunken, dat were schade unde sunde. d. chron. 2, 141, 23.
δ)
die adjectivische natur zeigt sich namentlich in der steigerung: es ist schader um dis als um jenes. Seiler 249ᵇ; vgl. Hunziker 217. Albrecht 197ᵇ; ferner in es ist zu schade, wie schade! andrerseits sagt man auch hier neben es ist nicht schade ebenfalls es ist kein schade: das die brüst weych werden vom saugen, das ist keyn schad. Alberus ehebüchl. F 4ᵃ.
ε)
nicht mehr gebräuchlich ist das ist mir schade für das ist mir leid:
mein dinst die sein im widerzam,
das ist mir schad und laide.
Osw. v. Wolkenstein 3, 3, 16;
nun ists mir leidt, auch immer schadt,
das du solt solche armut leiden.
H. Sachs 14, 74, 14 Keller-Götze.
c)
schade mit ausgelassenem es ist in demselben sinne.
α)
mit nachfolgendem satze: nur schade, dasz er seine einbildungskraft nicht besser dabey anstrengte; nur schade ... dasz er sich von dem reime fortreiszen liesz. Lessing 4, 449; schade, dasz der weg nach Berlin nicht über Halberstadt geht! 12, 82; schade, dasz es nacht ist, die schöne freundliche aussicht ist ganz dadurch gehemmt. Fr. Müller 3, 115; nur schade, dasz dergleichen äuszerungen nicht hin und wieder in dem stück vorkommen. A. W. Schlegel krit. schriften 2, 125;
wie schade, dasz es nicht so wahr als reitzend ist!
Wieland suppl. 1, 166 (nat. d. dinge 3, 436);
schade,
dasz mirs gerade jezt an zeit gebricht,
den würdgen kampf mit Alba auszukämpfen.
Schiller don Carlos 2, 6.
β)
schade um:
schad' um den mann, ja ewig schad'!
Göthe 11, 338;
schad' um die leut'! sind sonst wackre brüder.
Schiller Wallenst. lager 11.
daneben besonders in der classischen zeit schade für, jetzt kaum noch gebräuchlich: wie geht's deinem schimmel? baron. ich werde ihn weggeben müssen, lieber onkel. graf Altenstein. schade für's pferd! wahrlich schade. Göthe 11, 51; schade für die schönen sachen, wenn sie verloren gehen sollten! 36, 73; schade für den schönen muth, den glücklichen humor des jungen! 57, 154; schade nur, ewig schade für die unze gehirn, die so schlecht in diesem undankbaren schädel wuchert. Schiller kab. u. liebe 4, 3. zuweilen scheint noch die eigentliche bedeutung 'es ist ein nachtheil für etwas' durch: schade für unsere sprache, wenn man zwei menschenalter nach uns so spricht, als diese sprachenverderber schreiben. Herder z. litt. u. k. 1, 68.
γ)
schade allein nach art einer interjection: ey schade! schade! ah! jactura! Frisch 2, 156ᵇ; Philto. und meine (gedanken) — meine sind wieder gar weg. Staleno. schade! Lessing 1, 477;
es sagte, sonder alle gnade,
die ganze stadt Nigrinen todt.
was that die stadt in dieser noth?
ein zehntheil von der stadt sprach: schade!
1, 6.
in einen satz eingeschoben, ähnlich wie leider: die zwar nicht zierlich, aber mit urtheil und gefühl geschriebene, nur schade unvollendete lebensbeschreibung dieses königs. Stolberg 10, 243;
ein feiner plan! fein zugespitzt! nur schade,
zu fein geschärfet, dasz die spitze brach!
Schiller M. Stuart 4, 3.
d)
in einigen verbindungen hat die bedeutung von schade eine weiterentwicklung erfahren.
α)
isoliert steht folgende wendung:
bey küngs pallast der galg und rad,
der ains wer on das ander schad (mangelhaft, unvollständig,
käme nicht recht zur geltung).
Schwartzenberg 129ᶜ. 155ᶜ.
β)
etwas ist zu schade für etwas, zu wertvoll, kostbar, fein, sodasz es schade wäre, wenn es dazu verwendet würde: dasz dieser edle im siebenten jahre selig verstorben wäre. alle welt .. sagte: der jung' ist zu schad' für diese welt. Hippel lebensl. 2, 35; nennt es bleystift, und nicht feder — feder ist zu schade, fuhr sie fort. 3, 10.
γ)
schade auf etwas, schade was um oder für etwas, um auszudrücken, dasz man von etwas nichts wissen will, oder keinen wert darauf legt: schade auf das buch; er mag es selbst hohlen. Lessing 1, 269; Lelio. unmöglich! was wetten wir? Lisette. schade auf das wetten! ich bekomme doch nichts von ihnen. 2, 392; aber schade auf das ganze theater! ich habe ihnen noch etwas besseres zu schreiben. 12, 254; frau Sylvesterin. nun bist du nicht secretär; und hast in ewigkeit keine hoffnung dazu. Fortunat. ach, wie können sie sich so quälen, mama? hoffnung? so viel hoffnung als vorher! frau Sylvesterin. ach, schade was für deine hoffnung! wenn sie allezeit so ausschlägt, wie heute. J. E. Schlegel 2, 141; schade was um alles andre, wenn er uns nicht allen die reputation genommen hätte! Tieck 3, 52. so auch in mundarten: leipz. schade druff! ich mache mir nichts daraus; ach, schade uff den kerl! ich schere mich nicht um ihn. Albrecht 197ᵇ; mansf. schâde was dervur, schâde was farr dän kärl. Jecht 91ᵇ.
δ)
schade doch! scheint in folgender stelle etwa so viel wie 'ich dachte gar! warum nicht gar!' zu bedeuten:
wer würde wohl itzt einer schlange trauen?
ach schade doch! die schlüpfrige gestalt
erweckt allein den ekel blöder frauen.
Hagedorn 2, 156.
schaden verb
Fundstelle: Lfg. 11 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1981, Z. 31
nocere, obesse, ein gemeingermanisches wort, über das germanische hinaus nicht mit sicherheit zu verfolgen (vgl.schade, m). ursprünglich ein starkes, ablautendes verb; so im ags. in poetischer sprache: sceađan, scôd bez. sceód, sceađen Bosworth-Toller 827ᵃ; im goth. mit j-präsens: skaþjan, prät. skoþ (vgl. darüber Scherer z. gesch. d. d. sprache² 228). diese starke flexion taucht im deutschen wieder auf im 16. jahrh. prät. schuod, schud, conj. schüed und schied, part. geschaden: also ist eins burgers von Mösskirch .. sone .. hoch zu eim fenster hinab .. gefallen, aber es schuede im auch nit. .. noch hat es im auch nichts geschaden. Zimm. chron. 4, 225, 25. 31; lieber baur, was schied es, das jhr mir ein dienstlein theten. Schumann nachtbüchl. (1559) 16ᵃ, s. Germ. 18, 155; und ob die ander impostur nichts schüde. Paracelsus chirurg. schriften (1618) 165 B;
wärend sie an der ersten lüg erworgt,
sie schuͦdend mir am rechten nüt!
N. Manuel 267, 271 Bächtold;
wölt gott, es wär ein grosze summ
und dir nüt schüed noch dinen kinden.
342, 1255;
wie kündt es syn, das ein frucht schüed,
die ander üch vil guots uflüed?
Rueff Adam u. Heva 1290.
schied als variante zu schatti:
es schatti sim herren umb ain pfund.
teufels netz 12578 Barack.
jetzt begegnet noch ein conj. schied im tirolischen, s. Schöpf 585. sonst zeigt sich das wort als schwaches verb, und zwar entweder nach der ja-classe, wie ags. sceþþan, altn. skeđja (poet. skaddi) oder nach der ô-classe; so altn. skađa, woraus dän. skade, schwed. skada, engl. scathe; altfries. skathia, schadia, schaia Richthofen 1021, altnd. skathan, mnd. schaden, holl. schaden, ahd. scadôn, mhd. schaden. im mhd. häufig contrahierte formen, so schat, schât, scheit für schadet; schatte, schâte, schete für schadete; geschat, geschât für geschadet, s. Lexer handwb. 2, 627. in neuern niederd. mundarten fällt meistens das d aus, schâen neben schâden, s. Schambach 180ᵇ. Woeste 224ᵃ. Bedeutung.
1)
schaden bezeichnet ursprünglich jede verletzung der person oder des eigenthums (vgl.schade 1), und scheint in diesem sinne transitiv gewesen zu sein. so findet es sich im altn. und ags. (daher auch im schwed. und engl.). ein rest des transitiven gebrauches liegt vielleicht vor, wenn es lat. damnare glossiert: gescathot condemnatus gloss. Lips. 455; scathan sal damnabit 799, s. Heyne kl. altnd. denkm. s. 48. 54; damnare .. hd. nd. schaden Dief. gloss. 165ᵃ (vielleicht durch misverständnis, indem man an damnum dachte? vgl. damnificare hd. schaden, beschaden ebenda); in ähnlichem sinne, aber mit dem dat. verbunden, mnd. schaden (und beschaden) geldstrafe auferlegen Schiller-Lübben 4, 37ᵇ. ein passiv auch noch im cimbr. bolaiban gaschadet, zu schaden kommen. cimbr. wb. 226ᵇ.
2)
gewöhnlich wird schaden als intransitives verb mit dem dativ verbunden. dieser steht neben dem accus. im altn. (in abweichender bedeutung; jenes heiszt 'schädigen, verletzen', dieses 'schaden'), und herrscht im ags.; im gothischen und deutschen ist nur der dativ bezeugt. der sinn ist in den alten dialekten vielfach noch stärker und reicher entfaltet: im goth. übersetzt (ga-) skaþjan ἀδικεῖν und βλάπτειν: jah vaihte ainohun izvis ni gaskaþjiþ (ἀδικήσει). Luc. 10, 19; ni ainummehun gaskoþum (ἠδικήσαμεν). 2 Cor. 7, 2; ni vaihtai gaskaþjands (βλάψαν) imma. Luc. 4, 35. daneben mit adverbialem accusativ der erstreckung: iþ jabai hva gaskoþ þus (ἠδίκησέν σε). Philem. 18. im ahd. glossiert scadôn nocere, damnare (s. 1), fraudare, calumniari Graff 6, 423; ellendin unde chomelinch nescadestu (als glosse über peregrinum et advenam non nocebis). Notker ps. 93, 6; später ist schaden auf die abgeschwächte bedeutung 'schaden, nachtheil verursachen, schädlich sein' beschränkt, während für die stärkere bedeutung sich ein transitives schädigen (vgl. daselbst) herausgebildet hat. schaden, scaden glossiert mit nocere, obesse, officere, s. Dief. gloss. 381ᶜ. 386ᶜ. 394ᵃ; nov. gloss. 264ᵇ.
3)
am nächsten bleibt der alten bedeutung schaden mit persönlichem subject in dem sinne 'jemanden (mit wissen und willen) schaden zufügen'; vielfach auch noch 'verletzen': in selbên uuerde daʒ ze frêison, mit diû siê diên unsculdigen scadon uuolton. Notker ps. 36, 15; siê uuândon mir scadon, scadoton in selben. 40, 7; tut en man en metset .. upp enen borghere, em mede to schathende (var. beschedigende) u. s. w. brem. stat. 34 bei Schiller-Lübben 4, 37ᵇ; der soldan von Babilonie .. saczte uf die bürg (Saphat) heiden, die den cristen sere schatten. d. chron. 2, 297, 38; eʒ (der igel) besleuʒt sich umb und umb mit seinen dornen, wenne man im schaden wil. Megenberg 138, 6;
er (Hagen) nam in (den meerweibern) ir gewæte:   der helt enschadete in niht mêr.
Nib. 1474, 4;
der dinge verkêrent sich vil,
daʒ ein dem andern schaden wil
und daʒ er im vil gar gevrumt.
Iwein 6664;
ghi moghet mi vromen ende scaden.
Reinaert 1835;
wird wohl nach dem sprichwort gehen:
dem man schad't, der schreibt's in stein,
wer aber schad't, in sand hinein.
V. Weber sagen 3 (1792), 604.
4)
schaden mit sächlichem subject, zum schaden gereichen: aber man spricht, daʒ diu vergift dem menschen niht geschaden müg, si rüer denn sein pluot des êrsten. Megenberg 260, 36;
daʒ in niht enschadete   diu ünde noch diu fluot.
Nib. 1308, 2;
daʒ schadet mir lîhte.
Walther v. d. Vogelweide 117, 25;
donre blixem mach hem niet scaden.
Reinaert 5354;
ik vruchte, it diner selen schadet.
dodes danz 176 Bäthcke;
o lasset eüch erbarmen,
grosz schat dʒ wild uns armen.
Schwartzenberg 138ᶜ;
wiewol man etlich frümer findt,
den sölche miszbreüch hässig sind,
so schat jn doch der päsen that.
143ᵃ;
ob du bist hart verstricket,
das lasz nicht schaden mir.
bergr. 112, 35 neudr.;
und mocht mir nie kein kälte schaden,
kein frost kondt mir da schaden baldt,
wer gleich der winter noch so kalt.
Spangenberg glücksw. 152 (elsäss. lit. denkm. 4, 312).
auch jemanden in der achtung oder sympathie der leute herabsetzen:
das musz uns schaden bei den gutgesinnten.
Schiller Wallenst. tod 3, 16,
5)
es schadet nicht zeigt vielfach eine weiterentwicklung der bedeutung.
a)
zunächst 'es ist nicht zum schaden':
es schadt nit, was die liebe tuͦt.
Osw. v. Wolkenstein 7, 3, 2.
daher auch geradezu 'es ist von nutzen, gut, heilsam': es kan nicht schaden, non inutile videtur Steinbach 2, 370;
mir liegt der schlaf in allen gliedern,
und wenn ihr selbst ein wenig ruhen wolltet,
es könnt' nicht schaden.
Schiller Turandot 4, 7.
auch um zu bezeichnen, dasz einem etwas angenehm ist:
und wenns dem herrn wer zu friden,
wolt er euch auff ein hochzeit laden.
der alt wucherer sagt:
ey, lasz jhn rein! es kan nicht schadn.
Ayrer 2450, 7 Keller.
b)
das schadet nichts, macht nichts aus, daran liegt nichts: nd. dat schadet nig. Dähnert 398ᵇ.
c)
eigenthümlich ist das schadet ihm nicht, das ist ihm recht, das hat er verdient, daran ist er selbst schuld. besonders nd. dat schadet em nikks. Dähnert 399ᵃ brem. wb. 6, 268. ten Doornkaat Koolman 3, 88ᵃ. Woeste 224ᵃ. eigentlich wol: das ist ihm eine heilsame lehre (vgl. a; oder damit geschieht ihm kein unrecht, vgl. goth. skaþjan ἀδικεῖν — ?).
6,
a)
was schadet das hat meist denselben sinn wie das schadet nichts, das macht nichts, darauf kommt es nicht an: wann es auch nach seinem tode heiszen sollte: unter diejenigen gelehrten, die zum teufel gefahren sind, gehört auch der berühmte Damis! was schadet das? genug, er heiszt gelehrt. Lessing 1, 232.
b)
daneben findet sich nd. wat schadet di? was fehlt dir? (mhd. waʒ wirret dir?), s. Schiller-Lübben 4, 37ᵇ;
seeth doch tho, wat er mach schaden.
fastn. sp. 979, 21;
auch in neuern mundarten, s. Dähnert 398ᵇ. diese wendung ist bei norddeutschen schriftstellern auch in die hd. schriftsprache eingedrungen: was musz dem menschen schaden, dasz er so ergrimmet ist? Olearius pers. rosenth. 42ᵇ (2, 36);
der wolff den hundt noch basz besach,
sprach: was schad dir hinden im nacken?
da hastu einen kalen placken.
B. Waldis Esop. 1, 56, 37;
groszvatter, sagt, was euch schad,
das jr so sehr und schwerlich hust,
darumb zu bett auch ligen must?
4, 91, 14.
Zitationshilfe
„schaden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schaden>, abgerufen am 22.11.2019.

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