scharmützel n
Fundstelle: Lfg. 12 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2208, Z. 69
velitatio, dimicatio, conflictus, pugna, certamen. Stieler 1251. das wort, das schon aus dem 13. jahrh. belegt ist (Lexer mhd. handwb. 2, 665), wird in älterer zeit vorwiegend als masc. gebraucht: darnach wart eyn grosser scharmutzel. die ersten deutschen zeitungen 14 Weller; mich dünckt, da der satan ... dieses weibs rede hab angehört, werde er die trompete blasen und die kesseldrumm haben rühren lassen, und gedacht haben, nun werde der scharmützel recht angehen. Schuppius 174. auch Schottel 1394, Stieler 1251 und Frisch 2, 163ᶜ bieten das gleiche geschlecht, während Adelung das neutr. als regelmäszig bezeichnet. der übertritt in das neutr. mag hervorgerufen oder begünstigt sein durch die diminutivgleiche form des worts, neben der in früherer zeit auch scharmütz begegnet. vgl. Blumer geschlechtswechsel der lehn- u. fremdwörter im hochd. 75:
man sah auch in disem schar mücz
ain, hiesz Raltasser Nebelschücz.
Beheim buch v. d. Wienern 180, 21 Karajan.
weitere der älteren zeit angehörige nebenformen sind scharmutzel, scharmitzel, scharrmützel, schärmützel, schermeuszel, schirmeuszel, schalmüszer plur. Lexer mhd. handwb. 2, 665. scharrenmützel:
mit scharrenmützel schieʒʒen
den werden nicht verdrieʒʒen
wegund.
Suchenwirt 16, 35.
schermützel bietet noch Schottel 1397 neben scharmützel 1394. Steinbach 2, 388 giebt seiner auffassung des worts gemäsz (s. u.) der schreibung scharmitzel vor der uns geläufigen den vorzug. historisches interesse verdient die von Stieler 1251 gegebene, von Steinbach 2, 60 und Adelung angenommene erklärung als zusammensetzung aus schar und metzel, gemetzel, laniena, internecio, mactatio, trucidatio. thatsächlich entstammt das wort dem italienischen, dessen scaramuccia, scaramuccio, saramuzza, schermugio ableitungen vom verbum schermire sind, dem seinerseits das deutsche schirmen, mhd. schirmen, schërmen zu grunde liegt. das a des stammes der substantivbildungen mag sich durch den einflusz des deutschen und roman. scara, schar, erklären. Diez⁴ 284. die franz. entsprechung ist escarmouche, die span. escaramuzo. mnd. begegnet scharmutzel, scharmutzinge, schalmuschinge Schiller-Lübben 4, 51ᵇ, holl. schar-, schermutseling, dän. skjermydsel, m., schwed. skärmytsel, m. auch das engl. skirmish hat den gleichen ursprung. Skeat² 558ᵇ. scharmützel wird vorzugweise gebraucht in der bedeutung kleineres gefecht, treffen: ein gefecht von partheyen, welches keine schlacht kan genennet werden. Frisch 2, 163ᶜ, dann auch wie 'schlägerei' u. ähnl. Alberus erklärt proelium tumultuarium vel eruptio: in des noch volbringung mancherley scharmutzels, in den vil erber beder seiten gefangen wurden, doch der merer teyl yn die stat; wart dem bischoff von Coln wee an einem fusze, des halben er auffbrache und mit ym hertzog Leupolt von Osterich. d. städtechron. 3, 302, 15; nachdem. iren vil in aim schärmützel hart verwundt und zum thail erstochen. Zimm. chron. 1, 77, 33; es wardt von vilen gesagt, waver graf Gotfridt Wernher, ir alter herr, des scharrmützels in jener welt ein wissens, das im sollichs ein besondere frewde sein wurde. 4, 266, 10; es begibt sich aber einmal auff einem scharmützel, das die studenten den obersten (der stadtknechte) auf den Niclasen-kirchof bringen, das er in nit entwüschen kan noch mag, und schlagen in wehrlos, bringen under sich und dreschen in wol und rein natürlich ab. Lindener schwankb. 172 Lichtenstein; zu Wittenberg, vor seinem (Fausts) hausz, erhub sich ein hader mit 7. studenten, wider 5. das gedauchte d. Faustum ungleich seyn, hebt an, und verblendet allen jhre gesichter, dasz keiner den andern mehr sehen kundt, schlugen also im zorn blinder weisz ein ander, dasz die so zusahen, ein grosz gelächter ab diesem seltzamen scharmützel hetten. volksbuch vom doctor Faust 84 neudr.; der doctor unnd ich stunden vor einen mann: unnd wäre der scharmützel gewisz redlich angangen, wann wir nicht von den andern, welche alle herbey geloffen kamen, von einander wären gerissen worden. Philander 2, 724; nach einem dreytägigen scharmützel muszte er (Christian IV.) endlich bey dem dorfe Lutter am Barenberg dem feinde stehen. Schiller 8, 123; scherzhaft, mit bezug auf das werfen von zuckerwerk u. dergl. im römischen carneval: niemand ist vor einem angriff sicher; jederman ist im vertheidigungsstande, und so entsteht aus muthwillen oder nothwendigkeit, bald hier bald da ein zweykampf, ein scharmützel oder eine schlacht. Göthe 29, 253;
da er hat vil erliten
und manich rais geriten
in offem chrieg der gar gehewr,
scharmützl, stürm und schumphentewr.
Suchenwirt 18, 538;
doch wardt in dem scharmützel
der feindt hart heym gesucht.
Soltau volksl. 1, 328;
postbott spricht:
der köng war trawriger geber,
er war stets von hertzen betrübet.
der marschalck spricht:
sag an, was jn denn darzu ubet,
hat etwann ein scharmützl verlorn?
H. Sachs 5 (1579), 235ᵃ;
in dem scharmützel, sturm und schlacht
ist jhm an dapferkeit und macht (dem grafen von Mansfeld)
Achilles auch nicht zu vergleichen.
Weckherlin 513.
sich im scharmitzel üben, ad velitationem se exercere. Steinbach 2, 60; scharmützel halten, praelium committere, acie contendere, manus conserere. Stieler 1251; mit einem ein scharmitzel halten, praelio levi cum aliquo contendere. Steinbach 2, 60; wie er denn auch mit ihnen etliche scharmützel gehalten. Micrälius altes Pommern 1, 69. scharmützel pflegen:
als er ans bstellt end was komen,
rennten etlich feind entgegen,
als woltens scharmützel pflegen.
Teuerdank 215 (cap. 89), 34 Gödeke.
scharmützel als bezeichnung einer bestimmten art von turnieren um 1600. Böheim waffenk. 569. in bildlicher anwendung vom wortgefecht: das scharmützel ist aber noch kein treffen, in welches ich mich zu seiner zeit paragraph vor paragraph einzulassen gesonnen. Lessing 11, 584. verhüllend für coitus: ehe und zuvor aber der scharmitzel angieng, greift der münch mit baiden henden zum gaffeisen und sicht hinein. Zimm. chron. 4, 107, 4.
Zitationshilfe
„scharmützel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/scharm%C3%BCtzel>, abgerufen am 20.11.2019.

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