Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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schick, m.

schick, m.
von schicken, verb. gebildet, s. dieses. auf hochdeutschem gebiete schon im 15. jahrh. belegt, zeigt das wort in älterer zeit eine weitere bedeutung als in der neueren schriftsprache, wo es, seit dem vorigen jahrh. wiederbelebt, auf den sinn von gute ordnung, gefälliges verhalten, gutes aussehen u. ähnl. eingeschränkt ist. Stieler verzeichnet das wort nicht, Frisch 2, 176ᶜ bezeichnet es als veraltet. Lessing 6, 32 macht auf das wort, das er in einer 1757 in der Schweiz erschienenen schrift findet, empfehlend aufmerksam. noch Adelung weist es für das hochdeutsche, Campe für die edlere sprache ab. die mundarten haben zum theil die alte weitere bedeutung bewahrt und fortgebildet. in demselben sinne wie das nhd. schick werden nld. schik, dän. skik, schwed. skick und das entlehnte franz. chic gebraucht; s.unschick.
1)
form, gestalt, verhalten, anordnung, zustand: schick, ordenliche schickung, dispositio Maaler 350ᶜ, schick, dispositio, ordo, accomodatio Kilian.
a)
in älterer und vereinzelt in mundartlicher sprache mit neutralem sinne: wat schicke se (die briefe, urkunden) hebben. quelle bei Schiller-Lübben 4, 87ᵃ;
se (der affe) is van schicke also gedân,
se heft twe hande als ein man.
Äsop ebenda;
guoter, letzer (verkehrter) schick. Lexer 217.
b)
mit einengung des begriffs, ausschlieszlich so im nhd.: gute art, ordnung, gutes aussehen, haltung, anstand, lebensart, richtiges verhalten, ordnungsmäsziger, normaler zustand. vom menschen und seinem verhalten, wie von dingen und umständen. so im ober- und niederdeutschen verbreitet, häufig mit ausdrücken gleicher und ähnlicher bedeutung zusammengestellt.
c)
von personen und ihrem verhalten; auf körperliches wolbefinden, allgemeines behagen, gute stimmung, ordnung der äuszeren verhältnisse, wolstand bezogen: ich bin nig regt up minen schikk, ich bin nicht recht aufgeräumt; he is darmit in sinem schikk, er ist sehr damit zufrieden, froh darüber. brem. wb. 4, 652. Schütze 4, 47. Dähnert 405ᵇ. Danneil 185ᵃ. Schambach 183ᵇ. Mi 75ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 121ᵃ. nd. korrespondenzbl. 11, 60. Frischbier 2, 270ᵃ; up sein sckicke sinn, in seinem fahrwasser, sich wol fühlen Jecht 93ᵃ. besonders von wuchs, aussehen, guter lebensart, anstand: mit eer hett dat nig schikk edder rikk, es mangelt ihr an gutem wuchse, an anstand Dähnert 405ᵇ; in dem minsken is kien knikk nog schikk, er hat ungeschliffenes wesen, plumpe leibesbildung; een goden schikk, gute taille brem. wb. 4, 652; kort un dik, hätt kên schick, lang un grôt, datt lett gôd. Danneil 185ᵃ. (lang un snâr, dat let râr) Schambach 185ᵃ; dâr kan man mit schik nêt hengân, dahin kann man anständiger weise nicht gehen. ten Doornkaat Koolman 3, 121ᵃ;
wen men wil gahn int hus, so geit men dörch de döhr,
dat is de olde schick.
Lauremberg 3, 63 neudr.;
in gleicher anwendung in oberd. mundarten, s. Hunziker 220. Seiler 252ᵇ, und in der schriftsprache: da hat sie (die jugend) brauch, sitte, ziem und schick im lebendigen anschaun vor augen. Jahn 2, 94 Euler;
jungfer, ich bin nur schlecht und gemein, und verstehe den schick nicht.
Voss 1, 173;
der saus und braus
macht denn der den soldaten aus?
das tempo macht ihn, der sinn und schick.
Schiller Wallenst. lager 6;
(du) schiltst mit zier und art und schick.
Immermann 13, 68 Boxberger;
ob ohne schick und courtoisie
du willst nur sengen, plündern ruchlos.
119;
glaube nicht,
dasz ich mit brauch und schick es minder streng
und minder ernstlich halt', als meine frau.
Grillparzer 8, 153.
oberdeutsch auch im sinne von geschicklichkeit, anstelligkeit: zu etwas einen schick haben. Schöpf 606. Lexer 217. Schmid 461, vergl. Frommann zeitschr. 3, 554, 8. von dingen und verhältnissen: nd. dat kleed hat enen dullen schikk, seltsamen schnitt, schlechten sitz. brem. wb. 4, 652; dat sall wol to schikk kamen, dat möt dog sinen schikk hebben, das musz doch anständig aussehen Dähnert 405ᵇ; en schik geven, rechte form geben; to schik kamen, mit einer sache zu stande kommen; von dag is't gans ut dem schik, heut geht alles verkehrt. Schütze 4, 47. 48; datt hat nich schick nich stä̂l Danneil 185ᵃ, vgl. ten Doornkaat Koolman 3, 121ᵃ;
das hat schick und gestalt!
Voss 1, 27;
das hundeställchen? ei, gott walt's!
das hat nicht raum, nicht fug, nicht schick.
Grillparzer 7, 34.
2)
in älterer sprache im sinne von gelegenheit, anlasz: schick (der) anlasz, occasio, ein schick suͦchen, occasionem quaerere Maaler 350ᶜ. so erhalten in oberd. mundarten, besonders aber in verengtem sinne (vgl. schicken 1, c, α), vortheilhafte gelegenheit, vortheil, gewinn bei handel, tausch, guter handel, guter tausch: ein gueter schick Schm. 2, 368. Schöpf 606; freylich ja, würde es einen schönen schick abgeben! dann der gute tropff bedarff ja wol einer reichen damen zur frauen, die ihm widerumben etwas hinzuwerffen und durchzubringen zubrächte. Simpl. 3, 567 (1684); es ist kein schick dabei, wenn man mit einem geistlichen reist. Hebel 2, 248; einen schick thun, etwas namhaftes gewinnen Stalder 2, 315, auch z. b. von einer guten heirat Tobler 386ᵃ. Hunziker 220; schick, dimin. schickli sogar für landgut Stalder a. a. o. dann im sinne von listige unternehmung, streich, possen u. ähnl.: erdacht Leonor ain andern schick. Zimm. chron.² 2, 268, 10; under andern gueten schicken ist sie auch von eim erbarn rath verkundtschaft worden, das sie bei und mit andern leutfertigen personnen iresgleichen mermals ganz nackendt denz gehalten. 3, 626, 39; bisz auf nachfolgenden lächerlichen schick. Simpl. 4, 197, 10.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2643, Z. 5.

schick, n.

schick, n.
landschaftlich, eine in schräger lage in ein anderes gestein eingesprengte schicht, ader. Pfister 249. Kehrein 1, 171, vgl. schicks, adv. schief, schräg Vilmar 349, beide wörter von dunkler herkunft (vgl. schicka, spielen Sartorius 107).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2644, Z. 29.

schicken, verb.

schicken, verb.,
prät. schickte, mittere, in älterer sprache ordinare, instituere; im althochd. nicht belegt, seit dem 12. jh. häufig, besonders in md. quellen mhd. wb. 2, 2, 118ᵃ. Lexer mhd. handwb. 2, 719, altfries. scicken Richthofen 1030ᵇ, mnd. schicken Schiller-Lübben 4, 87ᵃ, ndl. schikken. in das nordische ist das wort aus dem deutschen eingedrungen: isl. skikka, dän. skikke, schwed. skicka. das verbum wird in etymologischen zusammenhang mit schehen in geschehen gestellt; es zeigt in der älteren deutschen sprache eine bei weitem reichere bedeutungsentfaltung als in späterer zeit, die mundarten bewahren davon manches, was die schriftsprache aufgegeben hat. das part. prät. geschickt ist völlig in adjectivische function übergetreten und hat dem entsprechend seine besondere bedeutungsentwicklung.
1)
in älterer sprache vorwiegend im sinne von ordnen, rüsten, bereiten, einrichten, fügen, ins werk setzen, bewirken, schaffen, wenden, richten (vgl. schick, m.): schicken, ordnen, reymen, ordenlich machen, constituere, concinnare Maaler 350ᵈ; schicken, fügen an eynander, aptare Dasypodius; schicken, disponere, componere, instruere, constituere, concinnare, accomodare, aptare, adaptare, ordinare, in ordinem redigere, struere. Kilian.
a)
etwas schicken, es zurüsten, gestalten, zurechtstellen oder legen, einrichten, in ordnung bringen, besorgen: wi man bereitte unde schickete waʒ her zu der merfart habe solde. leben d. heiligen Ludwig 5, 2; (die bienen) habent auch die art, daʒ si ir wonung schickent sam die pürg. Megenberg 289, 10; und schickt das haus ewr veter in ewer ordnung. 2 chron. 35, 4; da er nu sterben solt, schickt er ein alten kasten zu weg, und leget einen versiegelten brieff drein. Luther 4, 522ᵇ; der Peter gieng von jr hinweg in sein herberg, und schickt alles so jm von nöten was. buch d. liebe 37ᵈ;
zwên knappen oder drî,
die ime die coifen stricten
und daʒ wâfen alsô schicten,
daʒ eʒ im wære behende.
krone 18196;
sol der schuʒ gedîen,
man muoʒ den bogen ê schicken eben.
Frauenlob 56, 11;
schigket nach unser wise
was uns noit zu der spise.
Alsfeld. pass. 1301;
ey das man auff eim feldhof sol
all ding finden geschickt so wol.
Wickram irr reit. bilger L 2ᵇ.
mnd. de menne schult oren wiven schicken (herstellen lassen) cledere de on getemen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 87ᵇ; so schickede Karlus de ersten karken in Westph. 88ᵃ; geeignet, empfänglich machen: baden schicket den leichnam wol zu der speisze. quelle bei Schmid 461; vorbereiten, rüsten, anstellen, anordnen, eine fahrt, reise schicken:
dô schikten si die reise   mit den knehten dan.
Nib. 831, 1;
die vart ich nicht geprüeven kan
sô wol als si geschicket was
von Roimunt ze Joraphas.
Wigalois 8857;
wie ir welt daʒ ich mîn vart
süle schicken unde stellen.
Ulrich v. Lichtenstein 389, 27;
dirre zweier reisewerc
wart alsus geschickit dô,
daʒ der von Lichtenhagen zô
kegn Garten in dî gegenôt.
N. v. Jeroschin 22784;
niemen darf
sprechen daʒ kein diernelîn
den schimpf baʒ kunde schicken.
Neidhart v. Reuenthal XLIII, 20;
sô schicket iuwer warte alsô (richtet das treiben so ein)
daʒ ir her nâch sîn (des hirsches) werdet vrô.
H. von Freiberg Tristan 2386;
den tanz schicken, ihn ordnen: de bose schickede dar den dans. quelle bei Schiller-Lübben 4, 87ᵃ;
schicket den tanz nach eur ger!
fastn. sp. 449, 2.
sein leben schicken, einrichten: wie eʒ (das kind) .. sein leben ganz dar nâch schick, daʒ eʒ seinen vater iht erzürn. Megenberg 461, 34; ähnlich: (dasz jener) seine anordnungen möglichsten fleiszes, nach den zufällen schikt und richtet. Butschky Pathmos 403;
du schickst auff beide weisz dein leben,
auff geistlich, weltlich, teuflisch auch.
Fischart 1, 24, 826 Kurz.
sein ding, seine sachen schicken u. ä., seine anstalten treffen, ausführen, was einem obliegt, anordnen, was einem zusteht u. s. w.: seine sachen ordenlich schicken, componere res suas Maaler 350ᵈ; do nu alle ding wol geschicket unde geordint waren. leben des heiligen Ludwig 59, 6; dornoch quam konig Rudolf gen Beheim unde schickte da alle sine dink noch sime willen. d. chron. 2, 1, 302, 20;
swaʒ man hôher dinge sol
ze hove schicken alle wege,
daʒ mac verrihten iuwer pflege.
K. v. Würzburg Otte 477;
nû schicke
des hoves dinc ze rehte.
troj. krieg 22006;
ich wel schigken uwer dingk (ich will euer interesse verfolgen, eure sache zum austrag bringen).
Alsfeld. pass. 3176;
wer zägklich nit erscheynt,
lebt unverächtlich mit dem feyndt.
schigkt all sein sach nach weysem rot,
den findt man entlich nit inn not.
Schwartzenberg 153ᵇ.
alle dinc wart wedder geschicket to troste unde vrede der hilgen kerken. quelle bei Schiller-Lübben 4, 87ᵇ (daselbst eine reihe ähnlicher beispiele mit ding und sache). seiner seele ding schicken (auf dem sterbebette):
ein man an sînem tôde lag,
vil guoter witzen er enphlag:
er schichte sîner sêle ding.
Boner edelstein 89, 3;
mit beziehung auf das testament: he schickede sin testament; ik sette unde schicke myn testament in na bescrevener wise. belege bei Schiller-Lübben 4, 87ᵇ (vgl. weiter unten); ene sake to schikken hebben, negotium habere;
up dat all sine sake to gudem ende queme,
de he an dem rike to schickende hadde.
d. chron. 2, 1, 411, 988.
etwas schicken, über etwas verfügen, bestimmen, etwas verwalten u. s. w.: der vorgemelt abt und sein nachkomen sollen gewalt haben, die selben güeter ordnen, schicken in allen sachen, als inen und iren brüdern gefelt. Aventinus werke 1, 56, 10 Lexer; mit dem genitiv: die heiligenmeister und vormunde adir wer des zu schigken hait. urk. von 1443 bei Vilmar 348. etwas ins werk setzen, bewirken, verursachen: das haben die bepste gesucht, das sie gerne keiser weren gewest, und da sie das nicht haben mocht schicken, haben sie sich doch uber die keiser gesetzt. Luther 1, 313ᵃ;
dô schuof man unde schicte
mit strîte marterliche nôt.
K. v. Würzburg troj. krieg 34038;
sît ich der minne hân gewalt,
diu manic wunder schicket.
2523;
unvuoge schicket selten guot.
Boner edelst. 66, 51;
daʒ schicht an im sîn schœner schîn.
81, 3;
hoffart du schickest nymmer guot
mit allen dynen sachen.
Muskatblut 88, 3;
welher eur (von euch) lieb darzu trait
und der das wol schicken (ausrichten, durchführen) kan,
der sol im die zehente sele han.
fastn. sp. 442, 8;
so sollen wir zu Herode kommen
und schigken unsern frommen.
Alsf. pass. 4021;
die noht hat er jm selb geschicket.
H. Sachs fastn. sp. 1, 11, 340 neudr.
besonders von gott, dem schicksal, dem verhängnis, dem zufall u. s. w., im sinne von verhängen, verleihen, fügen, lenken (vgl. schickung); so auch noch nhd. in einzelnen wendungen, wo wir allerdings mehr die uns gewöhnlichen bedeutungen von schicken zu grunde zu legen geneigt sind: de du alle dink schickest unde regherest in hemmel unde in erden. quelle bei Schiller-Lübben 4, 87ᵇ; were ok, dat ik vorvelle ane erven, dat god schicke na synem willen. ebenda 88ᵃ; wanne der heilige geist der ordente und schickete alle ire werc in daʒ hôhiste. myst. 1, 196, 23; abir iʒ wart andirs sedir geschicket, also got wolde. d. chron. 2, 1, 310, 6; und ward doch got bewegt und schicket alle ursach zu dem besten. d. städtechron. 3, 148, 22; er aber, gott unser vater, und unser herr Jhesus Christus, schicke unsern weg zu euch (κατευθύναι τὴν ὁδὸν ἡμῶν πρὸς ὑμᾶς). 2 Thess. 3, 11; ich begere nicht mehr von gott, denn dasz er euwer fürnemmen, anfang, mittel unnd end, nach dem aller besten unnd glückseligsten schicken wölle. buch d. liebe 242ᵃ; gleichwie er anfangs die versamlungen desz wassers geschickt, und die trückne erscheinen hat lassen. Schuppius 714; schikts gott, so ergreifs. Butschky Pathm. register; wie's gott schickt, so bin ich vergnügt. Stieler 1773; gott schickt alles zum besten, schickt krankheit, leid; gott musz es schicken, wenn es soll glücken. Adelung;
mit hôhen kreften schicket er (gott)
ûf erden alleʒ, daʒ er wil.
Konr. v. Würzburg Silvester 2586;
all menschlich weiszhait ist ain spot,
der mensch gedenckt, so schickt es gott.
Schwartzenberg 111ᵃ;
drümb bitt wir gott ausz rechtem muͦt,
dasz er uns schick all ding zuͦ guͦt.
125ᵇ;
es hat nicht vielen so geglücket
wie gott es hat mit mir geschikket.
Neumark lustwäldchen 50.
schicken, bestimmen, fordern: wie, wo, wenn und wie lange es die sachen schicken und foddern. Luther 3, 277ᵃ. schicken, es schicken, mit abhängigem satze, sorgen, bewerkstelligen, anordnen, fügen, dasz etwas geschieht: mnd. he schickede, dat men ene naket begraven solde. quelle bei Schiller - Lübben 4, 88ᵃ; anders gewendet: unde schickede, wo die radheren gan unde sitten scolden. ebenda; mit dem infinitiv im sinne von beschlieszen: dar hebbe ik geschicket to winterende. ebenda; in der sulven tid wart ok gescicket, dat me alle fridage .. scholde utsetten unde wisen von dem nagele unses leven heren unde dat stucke von dem holte des hilgen cruces. d. chron. 2, 2, 599, 18; hd.: gott .. schicke es doch nach seinem h. willen und wolgefallen, dasz diese beyde könige einmal in person zusammen kommen. Schuppius 395; gott schickets, dasz ferner niemand an Abraham hand legen kunte. pers. rosenth. 7, 20, vgl. noch die belege aus der älteren sprache bei Haltaus 1615;
(der truchsesz) schicte daʒ man æʒe.
Konr. v. Würzburg Otte 74;
nû wart zehant geschicket daʒ,
daʒ iegelîchiu frouwe saʒ
dâ stille an dem gestüele.
troj. krieg 3869;
unde schicke eʒ sô, daʒ er
einen wîʒen segel an binde.
H. v. Freiberg Tristan 6344;
schicket, daʒ der hirʒ gein Tintajôl
die richte loufe.
2388;
oder ich schik, daʒ ir bî namen
werdent alle wol zedroschen.
ges. abent. 3, 370, 500;
gîtekeit diu schicket daʒ,
daʒ vriunt vriunde wirt gehaʒ.
Boner 9, 31;
dar an gedâchte ein anbeiʒ (ameise) wol:
si schichte, daʒ ir hûs wart vol.
42, 6;
schick wirs, dasz es werde volpracht.
fastn. sp. 453, 27;
schicken mirs wol, dasz es werd verpracht.
447, 34
(vielleicht hier mit dem nebensinne des beschleunigens, vgl. unten 2, α. β);
und schigk mer, dasz hie komme zu graben.
Alsfeld. pass. 6784;
iedoch schickt gott die sach des fugs,
das Labans gut an Jacob wuchsz.
B. Waldis Esop. 3, 93, 223 Kurz;
Mars ... hat es so geschickt,
dasz Deutschland ist blutarm.
Logau 1, 64, 57.
testamentarisch bestimmen: auch schick ich, daʒ denselben meinen czweyen sünen .. czu vorausz werden sol die mül czu der Gleiszmül. d. städtechr. 1, 206, 29. in besonderer wendung: mnld. schickt oft neemt dattet soo zije, pone ita esse. Kilian. jemandem etwas schicken, etwas zukommen lassen, verleihen und ähnl.: dat he eme vrede schickede van den Wenden. Schiller-Lübben 4, 88ᵃ;
ich wil dir schicken guot gemach
von dem wolfe.
Boner 55, 32;
eine burc, eine stat in die hant, zuo der hant schicken, sie ausliefern, in die hand spielen:
wen aldâ der burcman ein,
der Swirtil was geheiʒin,
den brûdren hât intheiʒin
das huis zu schicken in dî hant.
N. v. Jeroschin 22840 (vgl. 23220. 23965).
einem, zu einem schicken, etwas in die hand schicken, in älterer sprache besonders in dem sinne von 'durch testament zuweisen, vermachen': unde dar to schole wy eer schicken een hus van dren hundert marken eder veren. quelle bei Schiller-Lübben 4, 87ᵇ; und schick in auch darczu den acker gen der mül über den wegk gelegen. d. städtechr. 1, 206, 34; er hat mir geschickt ein driteil an dem haus und an dem garten. 2, 14, 4, vgl. noch Haltaus 1615; item so schick ich zu den Cartheusern mein pests buch. quelle bei Schmeller 2, 367; (er) schickt alle seine kleider in dy gotzheuser zu Nüremberg. d. städtechron. 1, 383, 7. Vereinzelt etwas schicken, es wenden, drehen, bewegend fügen:
die helde prîslich schicten
die schilde vur die bruste.
Germ. 2, 96 v. d. Hagen;
dadurch du (die fichte im stets gleichen kleide) den machst roth, der schwerlich wil bekennen,
wie er so gröblich jrrt wann er den mantel schickt
wann Jupiter zörnt so, und so wann Phöbus blickt.
Logau 1, 191.
niederd. hê schickt de tafel fan ên stê up de andere. ten Doornkaat Koolman 3, 121ᵇ; das part. prät. in entsprechendem sinne:
den munt nâch grimmiclîcher artt
für sich geschickt.
Suchenwirt 12, 115.
b)
schicken mit persönlichem object.
α)
ordnen, in ordnung stellen: wenn si (die kraniche) auʒ vliegent, sô schickent si ir schar, sam ain gepalierte ritterschaft tuot gegen den veinden. Megenberg 190, 25;
daʒ si ir schar schikten   dar si wolten kêren.
Gudrun 1393, 3;
mnd. de schare der Wenden volgeden, also se schicket weren. quelle bei Schiller-Lübben 4, 87ᵃ.
β)
einen schicken, ihn bereit, fertig, geschickt machen, in eigenthümlicher wendung: item wan man eynen diepp hencken solte, der eynem lantman gestoln hett, den solle das lantfolck schicken gehangen (gehangen machen, hängen). weisth. 3, 883; im sinne von rüsten, ausrüsten:
die boden man verrichte,
zu wege man si schichte ...
gar guͦt was ir gesmide
unde alles ir gereide.
Elisabeth 376;
mit beziehung auf wesen und character: nu merkit sehs stucke di einen menschen schicken und bereiten zu allem dem gute, daʒ ime got in disem lebene getun mag. mystiker 1, 96, 7; di lêrer, die mit worten und mit werken ir junger lebentig machent in guoten werken und si schickent in daʒ êwig leben. Megenberg 204, 6; schickt ewer brüder, das sie thun nach dem wort des herrn durch Mose. 2 chron. 35, 6; schicke, erleuchte oder verklähre dich mit guten wercken, ehe dich der todt überfället. arab. sprichw. 59 (anhang zum pers. rosenthal). auf herz, mut gerichtet: die den herrn fürchten, schicken ihr herz und demütigen sich für ihm. Mathesius Syr. 1, 9ᵇ (1586);
dar nach schicket uwern mut,
dasz ir fridde habet gut.
Alsfeld. pass. 1285;
(dasz es) nicht allain der augen plick,
sonder das herz erquick und schick.
Fischart 2, 278, 20 Kurz.
γ)
etwas schickt einen, steht ihm wol an, ziert ihn:
war zuo ist diz (das panzerhemd) guot,
daʒ dich sô wol kan schicken?
Parz. 124, 3.
δ)
einen schicken zu etwas, ihn zu etwas bestimmen: mnd. Wentslawus was sin sone, den he to dem rike schickede, dewile he levede; de pawes schickede one to keisere. beispiele bei Schiller-Lübben 4, 88ᵃ.
c)
schicken ohne object.
α)
wie schaffen, thun: (sie haben) do oder dorte gearbeit, geschickt oder gemacht. Tucher baumeisterbuch 63, 28; schick auf, schick ab, du must ins grab. Henisch 1723, 30;
er kan ervorschen unde ervaren,
swaʒ ieman schicket unde tuot.
K. v. Würzburg troj. krieg 24681;
da ruͦfft si mir   fruntlich zuͦ ir
und fragt mich   gar dugentlich
waʒ ich da bi ir schicket.
Muskatblut 68, 21.
besonders in der wendung zu schicken haben: wan der mensche musz ie etwas zu tun und zu schicken haben. theol. deutsch 52; hörestu doch wol, das die da starck sind, genug zu schicken haben. Luther 2, 400ᵇ; affterreden ... haben sonst nichts zu schicken denn das sie die leute ausrichten. 4, 530ᵇ; wer zu schicken hat, soll früe auff sein. Henisch 1265. 1256; in mundartlicher sprache erhalten: er hat immer was zu schicken, ist immer geschäftig; was hast du hier zu schicken? Adelung. Spiesz 211. Regel 258;
und wenn man gros zu schicken hot,
so nimpt man di jungen selten inn rot.
fastn. sp. 738, 25;
vil zu schicken gewinnen, viel zu thun bekommen Schmeller 2, 367; ir gewinnte dennocht all zuͦ schicken, ee ir den helden vahet. Trist. u. Isalde 81, 12; nd. hier is veel to schikken. Dähnert 406ᵃ. schweiz. schicken im sinne von handel treiben, geschäfte machen (s. oben schick 2 und schickeln). Stalder 2, 315. Tobler 386ᵃ. mit etwas, mit einem zu schicken haben: nichts mit einem zu schicken haben wollen. Spiesz 211, vgl. Kehrein 345; das auch die apostel selbs alle hende vol damit (mit dem amte) zu schicken hatten. Luther 4, 334ᵃ; das sie mit den wollüsten und zartlichkeiten in keinem weg zu schicken noch zu schaffen wollen haben. Fischart podagr. trostbüchl. (1577) H 6ᵇ; er (Abraham) habe mit Lucifer nichts, weder in guten noch in unguten zu schicken unnd zu schaffen. Ayrer proc. (1600) 189 (1, 8); aber der alte fuchs war zu gescheid und wolte mit diesem pfandt weder zu schicken noch zu schaffen haben. 296 (1, 11);
da werdt ir dann mit mir auch habn zu schicken.
Rebhun Sus. 2, 3 (schausp. aus d. 16. jh. 1, 49).
zu schicken haben, mit jemandem zu schicken haben in rechtsstreitigkeiten: wenn man für gericht mit dem nehesten zu schicken hat. Luther 4, 530ᵇ;
hie wollen die herrn ainn rat besitzen.
wer ichz zu schicken hab der kum.
fastn. sp. 746, 5;
wer zu schicken hab, der tret zu her.
12.
vgl. die belege bei Haltaus 1616; vom handelsverkehr: sollent auch nichts mit in zu schicken han und in nichts zu kaufen geben noch abkaufen. d. städtechron. 5, 325, 30. von geschlechtlichem verkehr: na deme ersten slape in der nacht makede sik Nectanabus myt syner kunst ghelik eneme draken unde quam to eer unde kussede se unde hadde myt eer to schicken. quelle bei Schiller-Lübben 4, 88ᵇ; si musten mit on (den meerfrauen) zcu schicken haben. J. Rothe in Germ. 6, 64; darnach fiel einer über sein mueter oder schwester, müest mit ainer zue schicken haben. Aventinus chron. 1, 812, 8; das sie den huͦrer, der mit seyner stieffmuͦter zu schicken gehabt het under jnen auffhielten und ernerten. Melanchthon zu 2. Cor. argum., vgl. Birlinger 394ᵃ. Haltaus 1616. zu schicken machen, wie zu schaffen machen: ich habe zu gleich auch wol erfahren, wie sawr mirs damit worden ist und wie viel mir die sache hat zu schicken gemacht. Luther tischr. (1568) 206ᵇ;
ich halt nicht, das vil sachen
heut uns werdn zu schicken machen.
Rebhun Sus. 2, 2 (schausp. aus d. 16. jh. 1, 44).
β)
verfügen, gebieten: der herzog mag darüber schicken. quelle bei Schmeller 2, 367.
γ)
ähnlich wie schaffen nimmt auch schicken den sinn von ausrichten an: aldus dedet got, dat ze nicht dar schickeden, mer wurden ghevanghen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 88ᵃ;
wâ diu natûr verirret ist,
waʒ schikt dâ hôher phaffen list?
Boner 99, 74.
im sinne von gelingen, nld.: dat begint te schikken, es nimmt einen guten anfang. wie ausreichen: nd. dat schicket nich, es ist nicht genug. Schambach 183ᵇ. ebenso hessisch: wenn dir nur die zwei und dreiszig thaler bis Gotha schicken. briefe der gebrüder Grimm 195, vgl. Pfister 249.
2)
sich schicken. in dieser reflexiven form hat das verbum in der neueren sprache mehr von den alten färbungen der bedeutung gewahrt.
a)
sich schicken, sich ordnen, in reih' und glied aufstellen:
der lantgreve sprach: nu haldet hie
und schicht euch selben, wie ir welt.
Ludwigs kreuzfahrt 4088;
von Sebulon, die ins heer zogen zum streit, .. funffzigtausent, sich in die ordnung zuschicken eintrechtiglich. 1 chron. 13, 33; zogen sie mit gewaltigem heer unnd schnell daher, der hoffnung, Hydaspen und sein volck zu ubereylen, ehe sie sich recht in die schlachtordnung schickten. buch der liebe 220ᶜ. von unbelebtem:
an ieglîcher fuoge,
dâ sich die maschen strihten,
kriuzewîs sî (die edelsteine) sich schihten.
Erec 7723.
b)
sich vorbereiten, rüsten auf ein vorhaben, einen zweck, eine thätigkeit, einen zustand, ein ereignis hin, in wendungen mit präpositionen oder dem infinitiv; dann von dem eintreten in die handlung, sich anschicken: he schickede sik na dem dode (bereitete sich auf den tod vor). quelle bei Schiller - Lübben 4, 88ᵇ; (sie) schicketen sich zu schiffen off daʒ mer. Köditz leben Ludwigs 59, 24; ûf daʒ ein itzlicher unsers ordens brûder ... mit reizunge grôszer andâcht, dêmût unde innekeit sich schicke zu entphâhunge daʒ wirdige sacrament des heiligen unsers hêrren lîchnam. stat. d. deutschen ordens 157, 5 Perlbach; unverziglichen sich wider zu der huet schicken. tirol. weisth. 4, 113, 15; dann die christgloubigen menschen werden sich yetz schicken uff die bilgerfart gen Rom ablosz zuͦ erlangen. Keisersberg christl. bilg. vorr. cap. 3 s. f.; (sie) schickten sich zu streitten wider Gibea. richt. 20, 20; mein kind, wiltu gottes diener sein, so schicke dich zur anfechtunge. Sir. 2, 1; ja er (der mensch) kan sich auch nicht bereiten oder schicken zu der gerechtigkeit. Luther werke 5, 15ᵃ; und ob sich etbar, da got vor sei, dises gepots unser übergab ze zerprechen unterstên oder schicken würd. Aventinus werke 1, 54, 35; des sich dann die Corinther besorgten und sich zu treffenlicher gegenwehr schickten. Wickram kunst zu trinken, vorr. (1537); er sol beichten und sich zu dem hochwirdigen sacrament schicken wie ein Christen mensch. rollwagenb. 159, 8 Kurz; aber die brüder hatten es schon erfaren, schickten sich zur wehre. Henneberger preusz. landtafel (1595) 417; nach disen dingen schickten sich die Römer von stund an zu dem krieg. Livius (Mainz 1546) 75; zuͦ morgen, wie der tag anbricht, wir auf und schickten uns auff den weg. Lindener Katzipori 124; und war kein fürst unter den christen, er schicket sich ritterlich zu streiten. buch d. liebe 22ᶜ; ich wil mich zur reise schikken. Schottel 1398; legte er sein haupt zur erden und schickte sich zu sterben. pers. rosenth. 3, 27; endlich kam die zeit herbei, dasz man sich zur überfahrt schicken .. sollte. Göthe 18, 251; sich zur arbeit, zur reise, zum tode, zum sterben schicken;
(er) schicte sich sân zuhant
zu rîten in der heiden lant.
mitteld. ged. 41, 43 Bartsch;
da er die edelen lieʒ
und sie sich tzu strite schiken hieʒ.
Ludwigs kreuzfahrt 4535;
kinder
schickt euch zuͦ dem tantz.
O. von Wolkenstein 87, 1, 6;
zeuh mir dj jaghund schwartz und praun,
zuͦ fronen schickt euch wenn ich jag.
Schwartzenberg 138ᶜ;
darnach wir uns widerumb schickn,
den feind wider zu greiffen an.
Ayrer 617, 13 Keller;
ich will mich nicht so stoltz zu meinem grabe schicken.
Chr. Gryphius poet. wäld. 1, 231;
indessen schickt' er sich doch, von allen möglichen dingen
wo nicht die quintessenz, doch eine wassertinktur,
so viel ein edelmann braucht, dem prinzen beyzubringen.
Wieland 4, 61;
sie schicken sich zur reise (zur todesreise).
Gotter 1, 69;
und frischer mit der bälge hauch
erhitzen sie des ofens bauch,
und schicken sich mit mordverlangen
das todesopfer zu empfangen.
Schiller 11, 251;
wenn man so jemand sieht, der sich zum balle schickt,
und man soll schlafen gehn, da ist hier was, das drückt.
Göthe 7, 60;
ich sprach: o herz empfinde
der schöpfung stille nun,
und schick mit jedem kinde
der flur dich auch, zu ruhn.
Rückert ges. ged. 1, 70;
sowie vorm geier wol die taub' erschrickt,
doch wenn sie siehet, dasz mit ihr verbunden
ihṙ gatte stirbt, zum tod sich freudig schickt.
213;
in besonderer wendung:
es geht nicht rechte,
das sie (die stadtknechte) mit band und stricken
vor meinem haus sich schicken,
als wolln sie jemands binden.
Rebhun Sus. 4, 2 (schausp. d. 16. jh. 1, 70).
sich mit etwas schicken, sich mit etwas versehen, ausrüsten: da schicket sich Tobias mit allem was er mit jm wolt nemen. Tob. 5, 24; indem solt sich der Peter schicken mit aller notturfft. buch d. liebe 37ᵈ. eigenthümlich schicken, wo man sich schicken erwartet:
wenn man auch stets vom todte sag,
zu sterben schicken alle tag,
und fleiszig auff die fahrt bereiten,
noch kompt er stets zu unzeiten.
B. Waldis Esop. 4, 65, 68 Kurz.
auf unbelebtes übertragen: es schickt sich alles zum winter; der himmel schickt sich zum regen. Adelung.
c)
in älterer sprache mit hervorhebung des begriffs der wendung:
wenn daʒ eʒ (daʒ phat) in ein wilde
sich schickt.
Suchenwirt 24, 20;
ich maint, der weg solt sich wider herumb schicken zu disem weg. d. städtechron. 5, 106, 25. im sinne von sich aufmachen, proficisci; sich jemandem, etwas zuwenden: kanstu, so antworte mir, schicke dich gegen mich und stelle dich. Hiob 33, 5 (si potes, responde mihi, et adversus faciem meam consiste); (ihr) sind unmuͦtig, dasz ich mich nit zuͦ üch schick rechnung zu geben oder antwurt der dingen. Zwingli 1, 84; (Benhadad) sprach zu seinen knechten: schickend euch: und sy schickten sich wider die stadt. Züricher bibel von 1530 1 kön. 20, 13 (ebenso wie Luther); also schickte sich ein jeder baldt zu seinem harnisch und gewehr. buch der liebe 25ᵈ; deren keiner gern der hinderste seyn wolt, sich also fürderlich auff die ban schickten. 242ᵈ;
mit maniger hande stritscharn
schicten si sich gegen osterlant.
pass. 270, 11 Köpke;
manlich
si shicten gegen den Cristen sich.
Ludwigs kreuzfahrt 5627;
daʒ si rûtin (ruderten) crefticlîch
und ûf dî vîende schictin sich.
N. v. Jeroschin 7974;
dô er sich dô wart schicken
hin kegn Medenicken.
24300;
und also schickt sich die fraw zu ainem pfarrer in dem dorf und wolt im gepeicht han. d. städtechron. 5, 301, 13; sich schicken, wie sich packen, sich scheren: und hiesz sie ausz der stat ziehen mit leib und guet, weib und kind, und solten sich von hinnen schicken. 162, 26; das beste sei, sich aus der welt zu schicken. Kestner Göttinger briefe 74. freier gewendet: sich zuͦ einem thuͦn und schicken, contribuere se alicui; sich zuͦ guͦtem schicken, sich besseren, ein frommer mensch werden, ad frugem se recipere; sich zur leer schicken, sich auff die leer gäben, tradere se studiis. Maaler 351ᵃ;
aber wan krieg jhm nicht will glücken,
wird er zur geystlichkeyt sich schicken (dem geistlichen stande sich zuwenden).
Fischart 2, 257, 600 Kurz;
früh wil ich mich zu dir, herr, schicken.
Weckherlin 14 (ps. 5, 4);
von unpersönlichem:
jungfern, wann desz liebsten mund
sich zu eurem munde schicket,
haltet still! es ist der grund.
drauff die lieb jhr siegel drücket.
Logau 1, 160, 84.
mit dem nebensinn der eile: Pamphile, ein husfrow ist zu nemen dir hüt, schick dich, gang zu hus. Terentius deutsch (1499) 16ᵃ; (der tod spricht)
nun schick dich, schick dich, mit mir far.
N. Manuel 7 Bächtold;
nun schick dich, mägdlein, schick dich,
du muszt mit mir an tanz.
wunderhorn 1, 67 Boxberger;
schick dich, komb mit mir für gericht.
H. Sachs 3, 1, 115ᵃ (1561).
so noch schweizerisch. Seiler 253ᵃ.
d)
sich schicken, sich fügen, sich seiner umgebung anpassen; äuszerlich:
sînen zoum begunde er sweifen
und umb die hant stricken
und sich in den satel schicken.
krone 6368;
daher bildlich: er schickt sich in alle sättel. Wander sprichwörterlex. 4, 157, 38;
wie kan er sich schicken under schiltlichem dache.
W. v. Eschenbach Tit. 129, 2;
sich in den karren schicken, zunächst vom zugthiere, dann bildlich:
es ist war, ich bin liederlich gsin;
ob gott wil, ists nun als da hin,
und will mich recht in karren schicken (will gut thun).
fastn. sp. 823, 1 (vgl. theil 5, 226 oben).
in freierer anwendung, sich in etwas schicken, sich festsetzen in etwas, sich eines dinges bemächtigen: das er dachte reich werden, und sich zu setzen und zu schicken ins regiment. Luther 4, 33ᵃ. besonders aber, anders gewendet, sich fügen, sich einordnen, unterwerfen, sich richten nach; die ältere sprache erweist sich als beweglicher in wendungen dieser art: gegen jederman sich schicken, omnibus sese accomodare. Dasyp.; sich schicken und baren nach eins meinung und willen, .. accomodare et fingere se ad alicuius arbitrium et nutum; sich in der wält lauff schicken, .. scenae servire; sich nach der zeyt unnd gstalt der sachen schicken, .. tempori cedere. Maaler 350ᵈ; sich in die welt schicken, tempori inservire. Stieler 1773; sich in anderer leute weise schicken, sich in alle leute schicken können, er weisz sich ins glück und unglück zu schicken. Steinbach 2, 402; schicke dich darein, perfer et obdura. Frisch 2, 177ᵃ; nd. schik dî in de welt, of scher dî d'r ût. ten Doornkaat Koolman 3, 121ᵇ; ick bün olt un möt mi nu ok all schicken, wenn de kinner wat wollen, säd mutter Köstersch. Mi 75ᵇ; schicket euch in die zeit. Röm. 12, 11. hiernach sprichwörtlich und formelhaft: schick dich in der zeit, ists kalt zeuch an ein kleid. Petri Ss 3ᵇ; schicke dich in die zeit, denn es ist böse zeit. Prätorius winterflucht d. nord. sommervögel. Leipzig 1678; hüt dich vor bösen nachbarn, oder schicke dich auff gedult, wiltu bey leuten wonen. Luther 5, 271ᵃ; kan sich doch ein kauffman also schicken, das er umb gelts und guts willen zu gewinnen zeucht von haus und hofe, weib und kind. 314ᵃ; also sol man sich in allen anfechtungen schicken, diesen glauben zu üben. Melanchthon apol. d. Augsb. conf. 74 im corp. doctr. christ. (1560); die schickten und richten sich weislich darin, das sie alle ding .. erfuren. Livius (1546 Mainz) 128ᵃ; wir wöllen .. allhie hören, wie die heiligen propheten, aposteln und bischoffe, offt so artig und künstlich, sich haben in die leut und zeit schicken, und ihre reden so fein mit saltz bestrewen können. Mathesius Sar. 132ᵇ; er hat sich darnach geschickt. Paracelsus (1590) 9, 113; wann ihm auch gott glück gab, so überhub er sich nicht wie die wanckelmütige weiber, welche sich offt in das glück nicht können schicken. Schuppius 140; wir fangen sogar in dem augenblicke an zu fürchten, .. der liebhaber möchte den despoten wieder annehmen, sobald sich die liebhaberinn in die sklavinn (die rolle einer sklavin) schickt. Lessing 7, 157; der mensch musz sich in die natur schicken lernen; aber er will, dasz sie sich in ihn schicken soll. Kant 9, 57; wie gehts euch nun, meister Stilling, könnt ihr euch auch in das sterben eurer frau schicken? Stillings leben (1806) 1, 81; indessen muszte Melina .. sehr zufrieden seyn, wenn er bei einem so geringen personal die schauspieler willig fand, sich nach möglichkeit in diese oder jene rollen zu schicken. Göthe 18, 248; dabei fehlte es ihm nicht an der gabe, sich in die welt zu schicken. 18, 115; man konnte sich schicken und richten. 14, 4; sie wuszte sich in Serlo's launen zu schicken. 18, 237; zwey seelen sollen sich in einen leib, zwey leiber in eine seele schicken. 49, 12;
alls (ebenso) duͦt wer meynt das gottes stym
in ziehen soll mit gwalt zuͦ jm,
jm geben gnad, und goben vil
sich dar zuͦ doch nit schicken will.
Brant narrenschiff 45, 24;
wo für halt jr, gestrenger herr, dise reuterey?
ich mein das es der wütige teuffel aus der helen sey.
ich kan mich in jre rüstung gar nicht schicken,
sie haben sich wunderlich müssen zusammenflicken.
ein lustig gesprech der teuffel (1542) 63ᵃ;
schick dich nur selbst ein wenig drein.
Cl. Stephani geistl. action (1568) C 8ᵇ;
dasz der Entchrist (wie ob gedacht)
sich hat der masz geschickt in orden,
dasz er das haupt der kirch' ist worden.
sat. u. pasqu. 2, 241, 1686;
so jr euch schicken in die sachen,
wöllen wir sehen, wie wirs machen.
B. Waldis Esop. 4, 14, 41 Kurz;
wie hast du dich auch nicht können schicken,
dasz dich ein wenig lieszest spicken.
Fischart 1, 53, 1983 Kurz;
der ist ein weisz glücklicher mann,
der sich in seim stand schicken kann.
Rollenhagen froschm. F 6ᵃ;
bin von hoffdienern woll gelittn,
kan mich fein schickn in jhre sitten.
Hollonius somn. vitae humanae 43 neudr.;
dasz Phillis ihre pflicht in armuth nicht vergiszt
und in ein schlechtes kleid sich so ausbündig schickt.
Wernike 56;
und schicke mich darin, so gut ich kann.
Göckingk 2, 189;
ich wuszte nie mich in die welt zu schicken.
Göthe 12, 101;
schon als knab' im weiszen jäckchen
merkt' ich, was der welt behaget;
danach hab' ich mich geschicket.
Immermann 12, 53 Boxberger;
man schicke sich in ort und zeit,
den mantel nach dem winde spreit'!
13, 181.
sich schicken, ohne zusatz sich einrichten, behelfen:
so spricht der geitz, hoff du auf mich,
gib nichtes weg und libe dich,
wer nicht hat, mag sich schicken.
B. Ringwaldt evangelia (1646) Ee 5ᵃ;
der soldat
behilft und schickt sich wie er kann.
Schiller Piccolomini 1, 1;
ungewöhnlich in diesem sinne schicken für sich schicken:
er treibt philosophey, die auff die kunst zu lügen
gibt regel und gesetz, die schicken, schmügen, biegen
um zu gefallen lehrt.
Logau 3, 215.
sich in etwas schicken, sich finden in etwas, etwas verstehen, begreifen, die gründe für etwas einsehen: ich kann mich in seine worte nicht schicken u. ä.; daher kombt denn offtmals ein ohngewöhnlicher ungehorsam bey den kindern ..., dasz sich die eltern nicht drein schicken können, und sich verwundern, warumb die kinder so gantz anderer art seyn. Schuppius 202; der hospital-meister konte sich in diese freygebigkeit nicht schicken. 476; kein medicus konte sich in ihre krankheit schicken. avanturier 2, 148; allgemeiner gewendet sich schicken im sinne von sich anlassen: er weisz sich wohl zu schicken, er hat sich nicht gut geschickt, keinen guten lebenswandel geführt, u. ä.; wie wissent diese mänliche ritter inn kriegen sich .. zuschicken. Aimon d 4ᵇ; ich aber wartete auff mit einem deller in der hand, wie mich der hofmeister anwiese, in welches ich mich zu schicken wuste, wie ein esel ins schachspiel und ein schwein zur maultrommel. Simpl. 1, 79, 3 Kurz; der sehe wie man sich zum essen und zur kirchen schicke. Schuppius 110; er schickt sich albern dazu. Adelung; sprichwörtlich: wie sich einer schikt, also hat er glük. Schottel 1141ᵇ;
der ander wird auch so zu seiner zeit sich schicken,
dasz er das mutterhertz im alter müg erquikken.
Rist Parnasz 264;
alt pfannen pletzen, kessel flicken,
darzu kan ich mich also schiken,
das mir die hausdirn zu in ziln.
fastn. sp. 793, 2;
in besonderer wendung:
das gold gilt da und dort: und die geschickligkeit,
die schickt sich hin und her und taug in alle zeit.
Logau 1, 95, 99.
prägnant, sich gut anlassen, gut gedeihen, vom vieh: das vieh hat sich g'schickt, ist auf der alm fett geworden. Schöpf 606.
e)
der begriff des passens, geeignet seins, des zusammenstimmens, zusammengehörens, wird hervorgehoben: der stifel schickt sich wol an füsz, legt sich wol an. Maaler 350ᵈ; der rock schickt sich nicht zur weste. Adelung; die wörter schickend sich wol zesamen, cohaerent dicta inter se. Maaler 350ᵈ; das schickt sich zur sache, id cohaeret cum re; das schickt sich nicht zur sache, non facit ad rem. Steinbach 2, 402; die antwort schickt sich nicht zur frage; zwei personen schicken sich gut zusammen. Adelung; er schickt sich gut in diese gesellschaft; wie schickt sich ein langer bauch und kurtze bein. Fischart groszm. (kloster 8, 600); eine rhapsodie von wahrnehmungen .., die sich in keinen context nach regeln .. schicken würden. Kant 2, 170; du schickst dich fürtrefflich zu deinem herrn. der junge Göthe 2, 45; hier wird besonnenheit gefordert, dasz form, stoff und gehalt sich zu einander schicken, sich in einander fügen. werke 6, 102; wir schicken uns recht für einander. 14, 83. von logischem zusammenhange, von beziehungen der gleichheit und ähnlichkeit, dann allgemein von entsprechung, übereinstimmung: ihnen gehets, wie den vögeln, welche den sahmen des bilsamkrauts begirlich fressen; wovon ihnen der kopff gantz eingenommen wird, das sie müssen zur erden, und dem steller in die hände fallen. und dieses schickt sich in sonderheit wohl auf die, so dem zeitlichen alle begierden, ja ihr gantzes hertze anhängen. Butschky Pathmos 871; Hiobs exempel schickt sich auff euer person wie ein faust auff ein aug. Schuppius 140; der hier entworfene charakter schicket sich besonders auf den mittelstand. J. E. Schlegel 3, 269; nichts, gar nichts, was sich nur zu solchem geschmeide schickte. Lessing 2, 140; ein begriff, der sich allein zum übersinnlichen schickt. Kant 7, 366; wehe mir! ruft die mutter. wehe mir! ruft die tochter, denn das nehmliche lied schickt sich zu beider schicksal. Schiller 6, 237; diese betrachtung schickt .. sich auf einen despotischen staat. Hippel 11, 341. zur kennzeichnung von schlecht zusammenpassendem: es schickt sich, wie eine wimpel auf einem mistkahn u. ä. bei Wander 4, 158. sich schicken zu etwas, sich eignen für etwas, für eine bestimmung, einen zweck, von personen und sachen: es schickt sich nicht iedermann zu allerley. Stieler 1773; er schickt sich zum lehren; er schickt sich zum richter, er schickt sich gar nicht, anderen zu predigen, er schickt sich nicht in die stellung eines vertrauten, er schickt sich gut für die armee, auf die kanzel u. s. w.; das gedicht schickt sich recht schlecht zum vortrag, und so in den mannigfaltigsten wendungen: Pizlipuzli. ... ich werde fürste, und du wirst narr. Sinobie. du solst dich wohl schicken. Pizlipuzli. vater denckstu denn, dasz du dich so wohl in den fürsten stand schickest? Weise erzn. 115 neudr.; ein Spartaner würde sich nicht besser schicken die rolle eines obersten sklaven des Artaxerxes zu spielen, als ein Sarmater sich schickte polemarchus (kriegsminister) zu Athen zu seyn. Wieland 1, 186; wer schickt sich besser zu öffentlichen unterhandlungen. 190; also würde das princip eines jeden menschlichen willens sich zum kategorischen imperativ darin gar wohl schicken, dasz .. Kant 4, 57; kein dichter .. dürfte sich weniger zum liebling und zum begleiter durchs leben schicken, als gerade Klopstock. Schiller 10, 473; ein gebäude hingegen, mehr zum geselligen aufenthalt als zur wohnung, wird sich dorthin recht wohl schicken. Göthe 17, 87; gewöhnlich wählte ich daher bei der austheilung diejenigen (rollen), welche sich gar nicht für mich schickten. 18, 39; in sprichwörtlichen wendungen: er schickt sich dazu wie der esel zum lautenschlagen, wie ein schaf zum hasenhetzen u. ä. Wander 4, 157. von dem begriff des passens nach person, ort, zeit, gelegenheit, umständen u. s. w. aus geht die wendung zum innerlichen, zur vorstellung des ziemlichen, anständigen über (so besonders mit unbestimmtem subject es schickt sich): ein solches benehmen schickt sich nicht für ein junges mädchen; es schickt sich nicht, dasz man vor schlusz der vorstellung aufbricht; wir haben von dem hauptstück der frömmigkeit viel geredet, doch schicket es sich nicht, dieselbe einem jeglichen zu erweisen. pers. baumg. 2, 23; uns leuten von ansehen aber schickt es sich nicht. 4, 19; derowegen wird sich folgende antwort wohl schicken. Chr. Weise erzn. 131 neudr.; es schicke sich nicht, eher zu heyrathen, als bis man ein amt hat. Lessing 1, 227; allein da es sich jetzt nicht schickte, diese letztere regung merken zu lassen. Wieland 12, 47;
doch ende bald, Thalia, den gesang:
kein mährchen schickt sich gar zu lang.
Hagedorn 2, 107;
eines schickt sich nicht für alle!
Göthe 1, 72.
f)
sich schicken, sich fügen, sich zutragen, besonders mit dem nebensinne des glücklichen zusammentreffens, der erwünschten wendung u. s. w.: sich schicken und begäben, evenire; es schickt sich wol, die gelägenheit oder kommligkeit ist hie, adest occasio. Maaler 350ᵈ; es kann sich noch wunderlich schicken; was seyn soll, schickt sich gleichwohl. Adelung; 's hätt-si nitt besser chönne schike; 's duet-mer si nitt schike, liegt mir nicht recht, kommt mir stets unbequem. Seiler 253ᵃ; et schikt sik wol, et mut sik schikken, es geht wol hin, so so. Schütze 4, 47; in neuerer sprache wird sich schicken in diesem sinne gewöhnlich mit unbestimmtem subject gebraucht, die ältere sprache zeigt auch andere wendungen: Cybele freuwet sich in jrem hertzen heimlich, denn es schickten sich die sachen nach jrem willen. buch d. liebe 410ᵃ; es schick sich zu gutem oder bösen. Galmy 163; Pickelher. aber meine bestallung, was ist die? Petralto. es wird sich damit wohl schicken, gebt ihr nur fleiszig achtung auff sie. Schoch com. vom studentenleben 16, 36 Fabricius; wie sich alles zusammen schicken musz, wenn eine schelmerey zur entdeckung reif ist. Wieland 12, 142; allein was sein soll, musz sich schicken. Heinse s. briefe zwischen Gleim, Heinse u. J. v. Müller, herausg. von Körte 1, 6; in diesem augenblick schickte sich's, dasz ich durch die zweige ihr gesicht genau sehen konnte. Göthe 20, 77; diese sorge allein hat mir manchmal einen trüben augenblick gemacht, indem sich sonst alles gut und glücklich schickte. 43, 175;
also ists eim weib schadens gnug,
wann sich im haus schickt ein unfug.
Fischart 3, 261, 80 Kurz;
so schickt sich's, dasz man wohl bisz über mitternacht
bey zugelaszner lust und süszem weine lacht.
Fleming 55;
komm, lasz uns itzt durch jene flachen felder,
so viel sich's schickt, nach lust spatzieren gehn.
104;
dasz alles so sich schickt, und dasz auch sie im traum,
wie ihr in sie, in euch entbrannte,
so etwas glaubte man ja seinen augen kaum.
Wieland 22, 180 (Oberon 4, 60);
ach, guter Hans Bendix, so musz sich's wohl schicken.
Bürger 66ᵇ;
doch will ich, weil sich's eben schickt,
mein tiefes schweigen brechen.
Göthe 1, 191;
und dasz sich alles so schickt und macht,
wie er's gewünscht, und wie er's gedacht.
11, 338;
und wenn es uns glückt,
und wenn es sich schickt,
so sind es gedanken.
12, 125.
g)
in älterer sprache sich schicken, sich gestalten: und als daʒ taw geschicket ist, alsô schickent sich die margariten, die dâ von koment. Megenberg 249, 29; daʒ sich des tôten antlütz in kain trauren stell noch schick. 267, 30; denn nach dem kopf und hals (des pferdes) schickt sich von natur auch der ganze leib. Seuter biszbuch (1584) a 4ᵃ.
3)
schicken, mittere, meist in diesem sinne in neuerer sprache, während die ältere diesen gebrauch noch nicht so häufig aufweist; senden erscheint gegenüber schicken als der gewähltere ausdruck.
a)
mit persönlichem object.
α)
mit bezeichnung des objects, in den mannigfaltigsten wendungen: einem ein boten schicken; einen weit in verre land schicken. Maaler 350ᵃ; einen in die welt schicken, peregre aliquem mittere. Stieler 1773; einen auf reisen, auf die wanderschaft schicken; schicke mir einmal den bedienten; jemanden mit aufträgen schicken; ein kind zu bett, schlafen schicken; truppen, eine armee zu hülfe schicken u. ä.; zimerlûte, steinmezzen unde andere werchlûte, die sal er zu werke schicken. stat. d. deutschen ordens 109, 3 Perlbach; iʒ ensie denne, daʒ sie anders werden geschicket von dem, der den vanen vûret. 151, 24; an was arbeit man sie schickt (hier noch mehr in dem alten sinne von ordnen) zutun, das sie des willig und gehorsam sein. Tucher baumeisterb. 44, 24; darumb sihe, ich wil frembde uber dich schicken. Hesek. 28, 7; so schicke nu auch (du herr im himel) einen guten engel fur uns her. 2 Macc. 15, 23; und er schicket jn heim und sprach, gehe nicht hin in den flecken. Marc. 8, 26; der schicket jn auff seinen acker der sew zu hüten. Luc. 15, 15; da das die brüder erfuren, geleiten sie jn gen Cesarien, und schickten jn gen Tarsen. ap. gesch. 9, 30; bildlich: wer nu hie augen hat, der stecke sie nicht in beutel, und wer ohren hat, der schicke sie nicht uber feld. Luther werke 8, 225ᵇ; schick (für schickt) hernach etlich seiner vertrawtesten und liebsten diener nach dem apt. Zimm. chron.² 2, 239, 23; wir schiken einen expressen an ihn. Schiller räuber 2, 3 schauspiel; wer schikt die henker? Fiesko 5, 1; dasz ihr sie gegen die ungläubigen schiken mögt. 3, 4; bildlich: sie küszte seine faust, die er, wie der pabst den fusz, allezeit als den lehn- und lippenträger, agenten und de latere nunzius des mundes den küssen schickte. J. Paul Titan 3, 75;
als er gesach daʒ bilde,   dô scicte er tougen dan,
die seiten andriu mære,   zwêne sîner man.
Nib. 851, 1;
welt ir, ich schicke in (den könig) tûsent mîle und dannoch mê für Trâne.
Walther 29, 17;
daʒ (das fuszvolk) schicte er bî sîte
ûʒ an die wîte.
Ludwigs kreuzfahrt 1854;
wi man gein Ungerlande
di claren solde schicken.
Elisabeth 1235;
ich wel er schier ein boden
schigken, der sie sere sail slan.
Alsf. passionssp. 1916;
den könnt' er stehen lassen, weiter schicken.
Schiller don Carlos 2, 7;
der Altringer hat die Tiroler pässe,
ich musz ihm einen schicken, dasz er mir
die Spanier aus Mailand nicht hereinläszt.
Piccolomini 2, 5.
im sinne von wegschicken, verbannen, verweisen: von der statt schicken, vertreyben, das burgrächt nemmen, civitatem alicui adimere Maaler 350ᵈ; schlechtigkeite how ich kan begange, un weje ere baukerei geschickt (relegiert) zu wern, des kann dem solidste kameel bassirn. Streff des burschen heimkehr 79; der federchensucher wäre ein narr, wenn er ihn nicht schickte (aus dem dienst entliesze). Ludwig 1, 245; besondere wendungen, zum theil mit entwicklung einer freieren anwendung des verbums oder in bildlichen vorstellungen: ins ellend schicken, relegare Maaler 350ᵈ; jemanden in die andere welt, zur hölle schicken, ihn töten. in gleicher bedeutung:
weit besser wär es, bey den todten seyn,
die wir zur ruh geschickt, uns platz zu machen.
Schiller Macbeth 3, 5;
einen zum teufel, zu allen teufeln, zum henker schicken u. ähnl., zornig von sich weisen; einen einem über den hals schicken, so dasz er überraschend, ungelegen, als lästiger kommt; einen heim schicken, bildlich, ihn abfertigen; einen in den april schicken (s. april th. 1, sp. 538), ihn narren; scherzhaft: wenn ich nur bisz in aprill komme, ich will mich gern hinein schicken lassen. Göthe briefe 1, 184 Weim. ausg.; zur characterisierung eines langsamen sagt man: du bist guet no'm tod schike. Hunziker 220;
(du) werst ein bott
gar gut, zu schicken nach dem todt.
H. Sachs fastn. sp. 1, 41, 126 neudruck.
jemanden von Pontius zu Pilatus schicken, jemanden nutzlos von einem zum andern schicken; jemanden von Pontius zu Herodes schicken. Wander 4, 158, 48; kinder in die schule schicken, häufig in dem sinne, sie die schule besuchen lassen; von einem der des unterrichts in der kunst des liebeswerbens bedarf:
o der thor!
man musz ihn in die schule schicken.
Hagedorn 3, 102.
die hetzhunde werden an das wild geschickt:
dein rüden schick mir an dj sew.
Schwartzenberg 138ᵈ.
β)
mit auslassung des objects: umb hilff schicken, zuͦ dem künig schicken, zur schencke schicken. Maaler 350ᵈ; nach brod, nach wein, nach dem doctor, nach der wache schicken u. s. w.; so wil ich darnach schicken, und dich von dannen holen lassen. 1 Mos. 27, 45; umb ewer willen hab ich gen Babel geschickt. Jes. 43, 14; die groszen schicken die kleinen nach wasser. Jer. 14, 3; und da er auff dem richtstuel sasz, schickte sein weib zu jm. Matth. 27, 19; und es kam seine mutter, und seine brüder, und stunden hauszen, schickten zu jm, und lieszen jm ruffen. Marc. 3, 31; ich schike zum marschall. Schiller kab. u. liebe 3, 1; der herr hat geschickt, gnädiges fräulein. schriften 6, 288; man wird nach dem herrn Gaspar, unserm notar, schicken müssen. neffe als onkel 1, 11; ich habe nach Antwerpen um ihn (Oranien) geschickt. Göthe 8, 188;
er schickte nach ein, zwei, drei, vier un'vers'täten.
Bürger 66ᵇ;
schickt nach Toledo.
Schiller don Carlos 3, 2 (schr. 5, 1, 173).
b)
mit sächlichem object: einem geschenke schicken, mittere munera, briefe durch einen boten schicken, waaren, güter mit der post schicken, früchte zu markte schicken; drumb schicke ich dir ein geschencke, silber und gold. 1 kön. 15, 19; und (wir) schicken dir hiemit ein purpur und gülden krone. 1 Macc. 10, 20; wenn sie aber die frucht bracht hat, so schicket er bald die sicheln hin, denn die erndte ist da. Marc. 4, 29; über ein tag schicken (schickt) mir den harn bey euwerer frawen. Wickram rollw. 15, 22 Kurz; würde er dann so viel klag-episteln zu den curatoren der Leydensischen academi geschickt haben? Schuppius schriften 738; doch sey das, was sie mir schicke, weder mein ganzes verdienst, noch die ganze belohnung. Göthe 34, 57;
vil der soumschrîne   man schihte zuo den wegen.
Nibel. 722, 1;
jemandem einen grusz, eine warnung, ein verbot schicken; wo nicht, so schickt er botschafft. Luc. 14, 32; freier: ein ungewitter schicken, tempestatem mittere Maaler 350ᶜ; ja hunger und böse wilde thier wil ich unter euch schicken. Hes. 5, 17; und ich wil pestilentz und blutvergieszen unter sie schicken. 28, 23; so werde ich den fluch unter euch schicken. Maleachi 2, 2; wenn er ihr alle tage, die got schikt, seinen antrag machte. Schiller räuber 4, 3 schausp.; man sagt: ein buch in die welt schicken, es erscheinen lassen; einen halben, ganzen in die welt schicken, als trinkbrauch bei den studenten, wobei ein quantum durch die ganze kneipgesellschaft hindurch von einem zum andern vor- und nachgetrunken wird. bomben, kugeln in eine belagerte stadt schicken; (man) schicket aufs wenigste ihre häuser im rauch gen himmel (brennt sie nieder). Simpl. 1, 168, 8 Kurz;
es schickt die sonne ihre strahlen gleich
nach allen räumen der unendlichkeit.
Schiller jungfrau 3, 4;
der herr, nach einem kleinen raum,
ein ander kirschlein zur erde schickt.
Göthe 13, 121;
zum vater blickst du,
und seufzer schickst du
hinauf um sein' und deine noth.
12, 189.
prägnant: schicken im thüringischen, flache steinchen über die wasserfläche hüpfen lassen.
4)
das part. prät. hat als adj. sich in besonderer richtung entwickelt (s. geschickt); in älterer sprache ist es beweglicher und schlieszt sich der bedeutungsentwicklung des verbums an. im sinne von gestaltet, gebildet, beschaffen:
eʒ enwart nie wîp geschicket baʒ.
Parz. 54, 23;
wie was der junge âne bart
geschicket, do er gegürtet wart.
307, 7;
daʒ (das thier im banner) muose wol gezieret sîn,
geschicket als ein helfant.
Wigalois 10485;
zen sîten was diu liebe smal,
lieplîch geschicket hin ze tal
biʒ ûf der rôsen gertel.
ges. abent. 3, 114, 32;
sîn vüeʒ geschicket wandels vrî.
Suchenwirt 28, 178;
ir kel und auch ir helslîn
wol geschicket ir brûne brâ.
46, 71;
sein pluom ist sô schœn geschicket als ein weintraub. Megenberg 313, 19; und spricht Rasis, daʒ epiglotis gesament sei auʒ drein kruspeln, die sint alsô geschickt, daʒ si nütz sint zuo allerlaie stimm ze machen. 17, 24; derselb (die luftröhre) ist auch geschickt eben wie die kreis oder ringlin des rückgradts (constat ex circulis quibusdam compositis ad imaginem earum vertebrarum, quae in spina sunt). Celsus von Khüffner (1531) 42ᵃ; das eben dieselben todten, und wir mit jnen, am jüngstentag aufferstehen sollen, und kein ander leibe sein werden, ob sie wol anders geschickt und verkleret werden sollen. Luther 6, 246ᵇ. mehr innerlich von art und wesen:
daʒ nûnde (gebot) ist ouch alsô geschiht,
daʒ dû begern solt durch niht
keines mannes êlîch wîp.
erlösung 6458;
niederd. se hadde oick eyne rechte gheschickede und eyne ghetzijrde leve. Veghe 89, 30; gewendet, gerichtet:
di selecliche frouwe nu
lac des bettes ende
geschicket gen der wende.
Elisabeth 8888;
an daʒ ewecliche guͦt
was ir seleclicher muͦt
geschicket alles ebene.
6273.
zugerüstet, bereitet: gleich wie solche hanfgebutzte apoteckergeschirr und weinbüchssen von auszen häszlich und greszlich uber ausz scheinen, unnd doch zu innerst mit herrlichem schleck und confect seind geschicket unnd gespicket. Garg. 19ᵇ; gerüstet, fertig: (sie) sind wol berait unnd geschickt gewesen mit groszem fleisz. d. städtechron. 5, 279, 15; also war der inhalt der schrifft, das ein gebot gegeben were in allen lendern, allen völckern zu eröffnen, das sie auff den selbigen tag geschickt weren (ut omnes provinciae scirent, et pararent se ad praedictam diem. vulg.) Esther 3, 14; auf alles geschickt, ad omnia paratus Stieler 1773. passend gestaltet, geartet für etwas, entsprechend beschaffen, zugerüstet, geeignet; auf äuszeres und auf inneres bezogen: dar umbe enwil er (gott) in der sêle niht wonen, si sî danne dar zuo geschicket mit ledikeit aller sünde, und ist als dâ ein kint in der muoter lîbe enpfangen wirt, dem wirt diu sêle als balde niht în gegoʒʒen, eʒ sî denne vor der lîcham unde diu gelider dar zuo geschicket. myst. 2, 366, 27; er hât gar scharpf klâen, geschickt ze reiʒen und ze vâhen. Megenberg 167, 33; geschickt ... zuo kunst und zuo weishait. 29, 13; die arm sint gemacht stark und piegleich geschikt zuo allen werken. 19, 32; welhe menschen geschickt sint zuo der waʒʒersuht (empfänglich). 351, 30; zum streit geschickt (apti ad bella. vulg.). 2 chron. 26, 13; knaben, ... die da geschickt weren zu dienen in des königs hofe. Dan. 1, 4;
ei, ein stück käs' aus Limburg — mind'stens käse —
macht erst geschickt die zunge, wein zu schmecken.
Kleist zerbr. krug 10.
einen habitus, zustand des geeignet, tüchtig seins bezeichnend (s. geschickt): ein ieglîchiu geschicketiu sêle wolte alwege gerne vasten. mystiker 2, 357, 7; im sinne von gewandt, kundig, verständig: zur narung hilfft nicht geschickt sein. pred. Sal. 9, 11; geschickter arzt, handwerker, fechter, schwimmer, turner, reiter, tänzer u. s. w.; geschickte hand, geschickte bewegung, wendung. im sinne von fügsam, artig (s. oben sich schicken 2, d): sie sollen auch beschert kriegen, wenn sie recht geschickt sind. Göthe 16, 157. vereinzelt in älterer sprache im sinne von missus (schicken 3, a): ich hab ewer schrifft, sampt der mündlichen werbung ewers geschickten, vernomen. Luther 6, 116ᵃ. nach 2, c gegen ende geschickt im sinne von eilig: (er) bat sie freundtlich, sie solt geschickt seyn, unnd nicht lang verziehen. buch d. liebe 37ᵈ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2644, Z. 61.

schicker, m.

schicker, m.,
hierzu schickerin, f., zu schicken, verb. gebildet. Stieler 1773. schikker, der etwas besorgt, anordnet. Schütze 4, 48. sprichwörtlich: de schikker wanet am wege, die zeit wird es lehren, dasz man sich schicken müsse. brem. wb. 4, 652. s. oben unter schickelmann.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2657, Z. 29.

schicker, adj.

schicker, adj.,
in md. und nd. mundarten gebräuchlich, betrunken; jüdischdeutsch aus hebr. רוׁכישִׁ, vgl. Weinhold 82ᵇ. Albrecht 199ᵇ. Kehrein 345. Schambach 183ᵇ. Schütze 4, 48.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2657, Z. 34.

schicks, adv.

schicks, adv.
schräg (hessisch): eine furche schicks durch den acker ziehen. Vilmar 349 (s. unten schieg), obliquus, schicks vel crump. voc. Vrat.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2659, Z. 36.

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Zitationshilfe
„schick“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schick>, abgerufen am 20.10.2020.

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