schick m
Fundstelle: Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2643, Z. 5
von schicken, verb. gebildet, s. dieses. auf hochdeutschem gebiete schon im 15. jahrh. belegt, zeigt das wort in älterer zeit eine weitere bedeutung als in der neueren schriftsprache, wo es, seit dem vorigen jahrh. wiederbelebt, auf den sinn von gute ordnung, gefälliges verhalten, gutes aussehen u. ähnl. eingeschränkt ist. Stieler verzeichnet das wort nicht, Frisch 2, 176ᶜ bezeichnet es als veraltet. Lessing 6, 32 macht auf das wort, das er in einer 1757 in der Schweiz erschienenen schrift findet, empfehlend aufmerksam. noch Adelung weist es für das hochdeutsche, Campe für die edlere sprache ab. die mundarten haben zum theil die alte weitere bedeutung bewahrt und fortgebildet. in demselben sinne wie das nhd. schick werden nld. schik, dän. skik, schwed. skick und das entlehnte franz. chic gebraucht; s.unschick.
1)
form, gestalt, verhalten, anordnung, zustand: schick, ordenliche schickung, dispositio Maaler 350ᶜ, schick, dispositio, ordo, accomodatio Kilian.
a)
in älterer und vereinzelt in mundartlicher sprache mit neutralem sinne: wat schicke se (die briefe, urkunden) hebben. quelle bei Schiller-Lübben 4, 87ᵃ;
se (der affe) is van schicke also gedân,
se heft twe hande als ein man.
Äsop ebenda;
guoter, letzer (verkehrter) schick. Lexer 217.
b)
mit einengung des begriffs, ausschlieszlich so im nhd.: gute art, ordnung, gutes aussehen, haltung, anstand, lebensart, richtiges verhalten, ordnungsmäsziger, normaler zustand. vom menschen und seinem verhalten, wie von dingen und umständen. so im ober- und niederdeutschen verbreitet, häufig mit ausdrücken gleicher und ähnlicher bedeutung zusammengestellt.
c)
von personen und ihrem verhalten; auf körperliches wolbefinden, allgemeines behagen, gute stimmung, ordnung der äuszeren verhältnisse, wolstand bezogen: ich bin nig regt up minen schikk, ich bin nicht recht aufgeräumt; he is darmit in sinem schikk, er ist sehr damit zufrieden, froh darüber. brem. wb. 4, 652. Schütze 4, 47. Dähnert 405ᵇ. Danneil 185ᵃ. Schambach 183ᵇ. Mi 75ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 121ᵃ. nd. korrespondenzbl. 11, 60. Frischbier 2, 270ᵃ; up sein sckicke sinn, in seinem fahrwasser, sich wol fühlen Jecht 93ᵃ. besonders von wuchs, aussehen, guter lebensart, anstand: mit eer hett dat nig schikk edder rikk, es mangelt ihr an gutem wuchse, an anstand Dähnert 405ᵇ; in dem minsken is kien knikk nog schikk, er hat ungeschliffenes wesen, plumpe leibesbildung; een goden schikk, gute taille brem. wb. 4, 652; kort un dik, hätt kên schick, lang un grôt, datt lett gôd. Danneil 185ᵃ. (lang un snâr, dat let râr) Schambach 185ᵃ; dâr kan man mit schik nêt hengân, dahin kann man anständiger weise nicht gehen. ten Doornkaat Koolman 3, 121ᵃ;
wen men wil gahn int hus, so geit men dörch de döhr,
dat is de olde schick.
Lauremberg 3, 63 neudr.;
in gleicher anwendung in oberd. mundarten, s. Hunziker 220. Seiler 252ᵇ, und in der schriftsprache: da hat sie (die jugend) brauch, sitte, ziem und schick im lebendigen anschaun vor augen. Jahn 2, 94 Euler;
jungfer, ich bin nur schlecht und gemein, und verstehe den schick nicht.
Voss 1, 173;
der saus und braus
macht denn der den soldaten aus?
das tempo macht ihn, der sinn und schick.
Schiller Wallenst. lager 6;
(du) schiltst mit zier und art und schick.
Immermann 13, 68 Boxberger;
ob ohne schick und courtoisie
du willst nur sengen, plündern ruchlos.
119;
glaube nicht,
dasz ich mit brauch und schick es minder streng
und minder ernstlich halt', als meine frau.
Grillparzer 8, 153.
oberdeutsch auch im sinne von geschicklichkeit, anstelligkeit: zu etwas einen schick haben. Schöpf 606. Lexer 217. Schmid 461, vergl. Frommann zeitschr. 3, 554, 8. von dingen und verhältnissen: nd. dat kleed hat enen dullen schikk, seltsamen schnitt, schlechten sitz. brem. wb. 4, 652; dat sall wol to schikk kamen, dat möt dog sinen schikk hebben, das musz doch anständig aussehen Dähnert 405ᵇ; en schik geven, rechte form geben; to schik kamen, mit einer sache zu stande kommen; von dag is't gans ut dem schik, heut geht alles verkehrt. Schütze 4, 47. 48; datt hat nich schick nich stä̂l Danneil 185ᵃ, vgl. ten Doornkaat Koolman 3, 121ᵃ;
das hat schick und gestalt!
Voss 1, 27;
das hundeställchen? ei, gott walt's!
das hat nicht raum, nicht fug, nicht schick.
Grillparzer 7, 34.
2)
in älterer sprache im sinne von gelegenheit, anlasz: schick (der) anlasz, occasio, ein schick suͦchen, occasionem quaerere Maaler 350ᶜ. so erhalten in oberd. mundarten, besonders aber in verengtem sinne (vgl. schicken 1, c, α), vortheilhafte gelegenheit, vortheil, gewinn bei handel, tausch, guter handel, guter tausch: ein gueter schick Schm. 2, 368. Schöpf 606; freylich ja, würde es einen schönen schick abgeben! dann der gute tropff bedarff ja wol einer reichen damen zur frauen, die ihm widerumben etwas hinzuwerffen und durchzubringen zubrächte. Simpl. 3, 567 (1684); es ist kein schick dabei, wenn man mit einem geistlichen reist. Hebel 2, 248; einen schick thun, etwas namhaftes gewinnen Stalder 2, 315, auch z. b. von einer guten heirat Tobler 386ᵃ. Hunziker 220; schick, dimin. schickli sogar für landgut Stalder a. a. o. dann im sinne von listige unternehmung, streich, possen u. ähnl.: erdacht Leonor ain andern schick. Zimm. chron.² 2, 268, 10; under andern gueten schicken ist sie auch von eim erbarn rath verkundtschaft worden, das sie bei und mit andern leutfertigen personnen iresgleichen mermals ganz nackendt denz gehalten. 3, 626, 39; bisz auf nachfolgenden lächerlichen schick. Simpl. 4, 197, 10.
schick n
Fundstelle: Lfg. 14 (1893), Bd. VIII (1893), Sp. 2644, Z. 29
landschaftlich, eine in schräger lage in ein anderes gestein eingesprengte schicht, ader. Pfister 249. Kehrein 1, 171, vgl. schicks, adv. schief, schräg Vilmar 349, beide wörter von dunkler herkunft (vgl. schicka, spielen Sartorius 107).
Zitationshilfe
„schick“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schick>, abgerufen am 20.10.2019.

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