schläfen verb
Fundstelle: Lfg. 2 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 288, Z. 58
schlafen machen, in älterer sprache, dem ags. slæpan, slêpan, prät. -te, entsprechend Bosworth-Toller 881ᵇ, vgl.schlafen I. mhd. nur in dem gleichbedeutenden entslæfen bezeugt (enslêfes litan. 151), das ebenso wie einschläfen im früheren nhd. fortlebt, heute jedoch gleich jenem ungebräuchlich ist, vgl. oben theil 3, 271 und 601. das simplex kann erst aus späterer zeit belegt werden:
die wach ist sinnen losz.
geschläfft durch starcken wein.
A. Gryphius (1698) 1, 108.
mundartlich ist es erhalten, so im schwäb., wo auch verschläfen in der bedeutung 'sanft, durch opium u. dergl. tödten' begegnet. Schmid 463. in der heutigen schriftsprache ist schläfen durch schläfern ersetzt (s. dieses).
schlafen verb
Fundstelle: Lfg. 2 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 275, Z. 43
dormire.
I.
Formales. starkes, zu der classe der ehemals reduplicierenden gehöriges verbum, schlafe, schlief, geschlafen, in allen germanischen dialekten mit ausnahme des nord. bezeugt, goth. slêpan, prät. saislêp, saizlêp, ahd. slâfan, slâfen, slêf, slief, sliaf Graff 6, 799—800, mhd. slâfen, slief, geslâfen, alts. slâpan, slîp ps. 56, 5, mnd. nnd. slâpen, slêp, slâpen, mndl. slapen Reinaert, slaepen, slapen Kilian, sliep Reinaert 1637, gheslapen 1665, nndl. slapen, sliep, geslapen, altfries. slepa, part. prät. slêpen, neufries. sliepen, sliep und schwach slepte, sliepte, part. sliepen und sliept Richthofen 1037ᵃ; ags. slâpen, slêp, sleáp, slâpen Bosworth-Toller 882ᵃ, daneben schwach flectierend slæpan, slêpan 881ᵇ, engl. to sleep, slept, slept, mit dialektischen starken nebenformen Skeat 561ᵈ. J. Grimm kl. schriften 4, 426 vermutet etymologischen zusammenhang des worts mit schliefen, schlüpfen, neuere schlieszen sich der schon von Frisch 2, 186ᶜ gebotenen vermutung einer verwandtschaft mit schlaff, adj. an. Franck etymol. woordenb. 887. während das ags. neben dem starken verbum ein schwaches mit einerlei bedeutung aufweist, ist für das ahd. nur ein schwaches verbum desselben stammes mit wenn auch verwandtem, so doch abweichendem sinn bezeugt, das unpersönlich gebraucht wird: dormitavit anima mea pre tedio, mih slâphôta fore urdruzedo. Notker ps. 118, 28. auch das ags. kennt eine entsprechende bildung, slâpian Bosworth-Toller 882ᵇ. noch im mhd. lebt dies verbum fort, hier in manchen formen lautlich mit dem starken slâfen übereinstimmend:
slâfen in began,
daʒ er muoste nider sigen   ûf den grüenen plân.
Wolfdietrich B 317.
nhd. ist es durch schläfern ersetzt. im mhd. und älteren nhd. begegnet eine bildung, die dem ags. schwachen slæpan, slêpan formell entspricht, aber abweichend von jenem die historisch berechtigtere bedeutung 'schlafen machen' hat. vergl. schläfen. schwache, zu schlafen, dormire gehörige formen heutiger mundarten sind nach dem dort für alle starken verben geltenden regeln gebildet. schlaffet Schm.² 2, 507. Lexer kärnt. wb. 218, ich han gaslafet cimbr. wb. 231ᵇ, geslâft Zingerle 51ᵇ. die zweite und dritte pers. sing. indicat. präs. ist im mhd. noch vielfach unumgelautet, so slâfest minnes. frühling 39, 18 (die stelle s. unter II, 1, a, α), slâft Boner 15, 65 (unter II, 1, b, α), daneben kommt jedoch auch schon vor slæfet Berth. v. Regensburg 324, 2 (unter II, 1, b, γ). in der nhd. schriftsprache sind sie regelmäszig umgelautet, bei Luther: schleffest Marc. 14, 37 (unter II, 1, a, α), schlefft 2 Petr. 2, 3 (unter II, 1, a, α), schläfst, schläft Stieler 1803, so bis heute. oberdeutsche mundarten haben unumgelautete formen gewahrt, schlaffst, schlafft Schm.² 2, 507. das â des stammes ist im früheren nhd. landschaftlich zu au geworden:
ir slauffet, lieben frunde minn.
Alsf. passionsspiel 3362 Grein.
in der gleichen zeit begegnet eine präteritalform schlüef: iedoch der jünger herr schlüefs uss. Zimm. chron.² 3, 247, 31. im heutigen kärnt. lautet das prät. schluef. Lexer kärnt. wb. 218.
II.
Bedeutung und gebrauch. die allgemeine bedeutung des worts ist 'im schlafe liegen'.
1)
gebrauch im eigentlichen sinne.
a)
absolut, ohne zusatz.
α)
von menschen: goth. iþ is saislêp. Matth. 8, 24; oba her slâfit, thanne ist er heil. Tat. 135, 6 (Joh. 11, 12); ziu slâfit ir? 181, 4 (Luc. 22, 46); bidiu uuanta sînê iungoron quâmun inti forstâlun inan uns slâfentên. 222, 2 (Matth. 28, 12); daʒ Christus hunger unde durst lîde, dormiat (slâfe), teneatur. Notker ps. 56, 9; do uuard truhten samaso slâfender eruuecchet. 77, 65; Masetto nit schlief, anhub zu bedenken, wes er sich halten solt. Steinhöwel Bocc. (1535) 21. 57ᵃ; und war niemand der es sahe, noch mercket, noch erwachet, sondern sie schlieffen alle. 1 Sam. 26, 12; schlahe die hende in einander ein wenig, das du schlaffest. spr. Sal. 6, 10; dein traum und deine gesicht, da du schlieffest, kam da her. Dan. 2, 29; da aber die leute schlieffen, kam sein feind, und seete unkraut zwisschen den weitzen. Matth. 13, 25; Simon schleffestu? Marc. 14, 37; glaubtestu die götter solten dir schlafenden die ding ausrichten. Bolz Terenz (1544) 141ᵇ; schläft er vielleicht nur? Schiller räuber schausp. 2, 2; zerr ihn aus dem bette, wenn er schläft. 4, 5; wer heiszt euch schlafen? 5, 1;
slâfest du, mîn friedel?
wan wecket unsich leider schiere.
minnes. frühling 39, 18;
sie wecketen manchen der dâ slief,
daʒ im der kop zubrochen wart.
livländ. reimchron. 674;
ir solt wachen, so wel ich slauffen.
Alsf. passionsspiel 6956;
dein kan ich nicht vergessen,
die hertz aller liebste mein,
ich schlaff trinck oder esse.
bergreihen 33, 30 neudr.;
ich traue menschen gerne wenn sie schlafen.
Schiller dom Karlos 3, 11;
schlaf, kindlein, schlaf!
d. knaben wunderhorn 2, 575 Boxberger (nd. Schütze 4, 110);
Hero! — sie schläft.
Grillparzer 6 (1887), 91.
β)
wie von menschen so auch von thieren: (im bilde) dachtet ihr der löwe schliefe, weil er nicht brüllte? Schiller Fiesko 2, 18; gnomisch:
eʒ wirt vil selten hirʒ erjeit
mit slâfendem hunde.
Wigal. 2884.
schlaffenden hund wecken, irritare crabrones, canem dormientem excitare Maaler 354ᵃ. Matthiae lex. 1, 368ᵇ; nd. man mut gên slapende hund wakker maken. ten Doornkaat Koolman 3, 193ᵇ; ähnlich:
tag und nacht bist du gar stüht-vol,
nerst dich mit allen bösen stücken,
drumb magstu wol dein maul zu-drücken
und liest den hund wol billig schlaffen.
H. Sachs 14, 55, 25 Keller-Götze.
γ)
von menschenähnlich gedachten wesen: den Römergesang musz ich hören, dasz mein schlafender genius wieder aufwacht. Schiller räuber schauspiel 4, 5. vom teufel, sprichwörtlich nd.: de is dem düvel, as he sleep, ut de höll lopen. Schütze 4, 111. von gott: erwecke dich herr, warumb schleffestu? ps. 44, 24. Notker bezeichnet die beziehung des wortes auf gott als miszbräuchlich: exsurge quare obdormis domine? stant uf truhten ziu slâfest dû? daʒ ist abusio verbi. daʒ chit. missebrucheda uuortis. diu grece heîʒet catacresis. uuieo mag got slâfen? ps. 43, 23.
δ)
statt der person wird auch das auge genannt: ich wil meine augen nicht schlaffen lassen, noch meine augenliede schlummern. bis ich eine stete finde fur den herrn, zur wonung dem mechtigen Jacob. ps. 132, 4; las deine augen nicht schlaffen, noch dein augenlied schlummern. spr. Sal. 6, 4. bei schlafenden augen, im schlafe: bei schlaffenden augen sol ein arm man sicher sein in seinem haus. tir. weisth. 2, 309, 36.
ε)
freier von einem dorf, in dem mensch und thier schläft: und ich ging ohne ziel durch wälder, durch thäler und über bäche und durch schlafende dörfer, um die grosze nacht zu genieszen wie einen tag. J. Paul Quint. Fixl. 231. über weitere übertragungen s. 2.
ζ)
sprichwörtliche wendungen: schlaff und lauff. Franck sprichw. (1541) 1, 50ᵃ; wir schlafen oder wachen, so schläfft der hauszinsz nit. 2, 111ᵇ; es schlaffen nit all, die die augen zuhond. 1, 78ᵃ; es schlaffen nit all, die da schnarchen. 2, 92ᵇ; sie schlaffen nicht alle, die die augen zu haben, oder mit den nasen schnauffen oder hart schnarcken. Petri (1605) 2, Ssᵃ; es schlaffen nicht alle, so die augen zuthun. Schottel 1120ᵇ; sie schlafen nicht alle, die mit der nase schnaufen. Simrock 426, 9045; schleffstu, dein schad wacht. Petri (1605) 2, Ss 4ᵃ; schlaffen die pauern, so wachen die gänss. Lehmann bei Wander 4, 199, 57. der do schlaffet beist niemand. Steinhöwel Esop (1555) 121ᵇ; wer schlafft, der beist nicht. Petri 2, K kk 2ᵇ; nd. de der slöpt, de bitt nüms. Frommann 3, 430, 289; wär slöpt, dei bit un brekt nich. Schambach bei Wander 4, 199, 67. wer schläft, der sündigt nicht. Simrock 426, 9042. wer schläft, den hungert nicht. Wander 4, 201, 94. wer schläft, fängt keine fische. 97. man schläft nicht, um zu ruhn; man schläft, um zu thun. 199, 46;
de da will slaapen,
de mut ook wat schapen.
Schütze 4, 23.
b)
mit modalen zusätzen.
α)
gut schlafen Campe: (ich) hoffe gut zu schlaffen zu holdem erwachen. Göthe briefe 3, 66 Weim. ausg. sprichwörtlich: gut schlafen ist so gut wie gut essen. Wander 4, 198, 35; man schläft nicht gut mit hungrigem magen. 199, 45; nd. wer gut slapen will, mut sick gut betten (Rendsburg). 200, 78. wohl schlafen, meist in wunschformeln: und nu geh in deine kammer und schlaf wohl. Ludwig (1891) 2, 321;
schlaft wohl!
Platen 274;
einem wohl zu schlafen wünschen. Campe; eine wohl schlafende nacht wünschen, vergl. unten 3. sprichwörtlich: wer wohl schläft, pisst, kopt und farzt, bedarf weder artzt noch wurz. Fischart bei Wander 4, 202, 115; der schlefft wol, der nit empfindt, das er hart ligt. Franck sprichw. (1541) 1, 66ᵃ; ähnlich: der schläft wohl, der nicht weisz wie übel er liegt. Simrock 426, 9041, vergl. auch unten sanft. gesund schlafen. feste schlafen, alto et gravi somno sopitum esse. Steinbach 2, 422. fest Adelung, mhd. vaste:
der werde künec vaste slief.
Parz. 285, 13;
der slief dennoch al vaste.
553, 30;
mnd. alle dat volk slep gantz vast.
Reineke de Vos 1178 Prien.
sprichwörtlich: der schläft so fest wie ein murmelthier. Wander 4, 203, 139, vgl. unten γ. hart schlafen, arcte et graviter dormitare. Stieler 1804: er schläft hart und feste, altior somnus eum oppressit. Steinbach 2, 423, verstärkend steinhart: ich gieng in meines herrn quartier, darinn noch alles steinhart schlieff, bis auf den koch und ein paar mägde. Simpl. 1, 118, 36 Kurz. in anderem sinne hart schlafen, auf harter unterlage, sprichwörtlich: wer immer hart schläft, liegt auch auf steinen weich. Rabener bei Wander 4, 200, 79. dem entsprechend sagt man auch weich schlafen, auf weicher unterlage. tief oder starck schlaaffen, altum dormire Maaler 354ᵃ: als ich eben anfieng, am allerstärcksten zu schlaffen. Simpl. 1, 209, 12 Kurz. hefftig schlaaffen, dormitare Dasypodius. Maaler a. a. o. Matthiae lex. (1761) 1, 475ᵇ. gelinde schlafen, semisomnum, semisopitum esse. Stieler 1804. leicht schlafen. leise, sanft Adelung: wenn der magen messig gehalten wird, so schlefft man sanfft. Sirach 31, 22; er schläft sanfte, dulci declinat lumina somno. Steinbach 2, 423;
mer woln vort men sanfft slauffen.
Alsf. passionssp. 1032 Grein;
schlafe sanft, mein kind!
Herder lit. u. kunst 15, 212.
sprichwörtlich: es mag sanfft schlaffen, der kein sorg hat. Petri bei Wander 4, 197; es schlefft einer desto sanffter, wenn hundert gülden für dem bette stehen. derselbe (ausg. v. 1605) 2, Cc 7ᵇ. süsz schlafen: legestu dich, so wirstu dich nicht fürchten, sondern süsse schlaffen. spr. Sal. 3, 24; (von Christus, während er im grabe liegt):
susze sleffet der meinster min.
Alsf. passionssp. 6994 Grein;
nd. (wiegenlied:) eya slaap söte.
Schütze 4, 110.
rüwig, rüwigklich schlaaffen Maaler 354ᵃ, ruhig Adelung: ich glaube nicht, dasz ein armer mann ruhig schlaffen kan, wann er hört, dasz der könig ohne sorgen schlummert, wann aber die majestät bisz in die tieffe nacht wacker bleibet, so schlaffen seine unterthanen geruhig und süsse. pers. baumg. 1, 12. sprichwörtlich: ruhig schläft, wer nichts zu verlieren hat. Wander 4, 199, 49, unruhig Adelung: ein unsettiger fras, schlefft unrügig. Sirach 31, 24, friedlich:
so schlaft ihr friedlich, wenn der dränger fiel.
Shakespeare Richard III. 5, 3.
sicher, sicherlich Maaler 354ᵃ. sicher schlafen, otiose dormire, in utramvis aurem dormire. Frisch 2, 186ᵇ. in sicherheit:
der arme slâft in sicherheit,
der rîche wacht in erebeit.
Boner edelst. 15, 65.
in ruhe:
ihr schlieft in ruh.
Shakespeare Richard III. 5, 3;
one sorg schlaaffen Maaler 354ᵃ, on alle sorg ebenda, ohne sorgen schlafen Steinbach 2, 422.
β)
mit offnen augen schlafen, von den hasen: sie sitzen auch oft so fest im lager, das er sich von menschen, auch von hunden ergreifen lesset und weilen sie die augen offen haben und so warten, so meinen theils sie schlafen mit offnen augen. Tänzer jagdgeheim. (1682) 126; sie schlafen dann mehrentheils und zwar mit offenen augen, weil ihre augenlieder zu kurz sind, sie bedecken zu können. Heppe jagdlust (1783) 1, 210. bildlich in der sprichwörtlichen wendung er schläfft mit offnen augen wie ein hase. Franck 2, 73ᵃ. gehend schlafen:
reht als er gênde sliefe
warp der knappe.
Parz. 248, 4;
stehend, gnomisch, in Nürnberg: dèr schläfft stèihnedi, wêi á Pappinhámers gaul. Frommanns zeitschr. 6, 415, 3. scherzhaft wachend schlafen: von einem bauren, der wachendt schlieff. Wickram rollw. 39, 22 Kurz. gerne schlafen (im bilde): alle jre wechter .. sind faul, liegen und schlaffen gerne. Jes. 56, 10. in die wette schlafen:
inn eynem ströen pett
da schlaffens inn die wett.
H. Sachs 1 (1558), 594ᵃ.
γ)
vergleichend, schlafen wie ein ratz, wie die ratzen, eigentlich wie die haselmaus, die auch schlafratz, ratz heiszt (vergl.ratz 2, theil 8, 209), glire somnolentior. Adelung. Frommann 5, 175, 171 (aus Siebenbürgen), jetzt meist auf die ratte bezogen, daher auch schlafen wie eine ratte: o wie erkaltet meuler sind westfeling meuler, welche die bonnen essen, und sie mit peper unnd magsamen bestreyen, darumb haben sie allzeit das hinderthürlein offen, und ein erfrorenen eyerstock, und schlaffen wie die ratzen. Garg. 44ᵃ; da meine mitschüler, wie die ratzen, schlieffen. Felsenburg 1, 115; so schlief Paul wie ein ratz. Salzmann Schwarzmantel 60. er schläft wie ein dachs. Stieler 268, wie ein murmelthier. wie eine katze Wander 4, 203, 152, wie 'ne otter 155, als ein stein: und als er ie des nahtes heim kumt, sô slæfet er als ein stein, daʒ er nihtes war nimet. Berthold von Regensburg 1, 324, 2, wie ein sack Wander 4, 203, 150, wie ein stock 151, nd. as en post (pfosten) Woeste 239ᵃ, wie eine rübe (Dresden) Wander a. a. o. 171. um wachsamkeit, regsamkeit, einen immer auf vortheil bedachten schlaukopf zu bezeichnen sagt man er schläft wie ein hungriger fuchs. Wander 4, 203, 148. nd. hai slæ̊pet as en foss. Woeste 239ᵃ, wol in gleichem sinne. ebenso hä schlief wie der has en de kühle, war auf der hut, aufmerksam (aus Bedburg). Wander 4, 203, 159.
δ)
mit abhängigem satz, sprichwörtlich: nd. he slöpt, dat een oog dat anner nig sütt, sehr fest. Schütze 3, 169.
c)
mit localen zusätzen: etwarinn oder etwar auff schlaffen. Maaler 354ᵃ, im bette Steinbach 422, älter am bette: an dem bette wirst du hinacht schlauffen. Nicl. v. Wyle transl. 253, 12 Keller; auf dem bette: im trawm des gesichts in der nacht, wenn der schlaff auff die leute fellet, wenn sie schlaffen auff dem bette. Hiob 33, 15, heute nur dann so, wenn man ohne decke schläft. ähnliche fügungen: jah vas is ana notin ana vaggarja sleþands. Marc. 4, 38; her thô uuas in themo skefe ubar houbitphuliuui slâfenti. Tatian 52, 3 (Marc. 4, 38); sein kleid ist sein einige decke seiner haut, darin er schlefft. 2 Mos. 22, 27; es (das lamm) schlieff in seinem schos. 2 Sam. 12, 3; da aber Ahab solche wort höret, zureis er seine kleider, und legt einen sack an seinen leib, und fastet, und schlieff im sack. 1 kön. 21, 27; und wirst sein wie einer der mitten im meer schlefft, und wie einer schlefft oben auff dem mastbaum. spr. Sal. 23, 34; das sie sicher wonen sollen in der wüsten, und in den welden schlaffen. Hes. 34, 25; die jr .. schlafft auff elffenbeinen lagern. Amos 6, 4; beware die thür deines mundes, fur der, die in deinen armen schlefft. Micha 7, 5; und er war hinden auff dem schiff, und schlieff auff einem küssen. Marc. 4, 38; vor dem wagen, in welchem ich alle nacht schlaffen muste. Simpl. 1, 207, 29 Kurz; auf dem stroh schlafen. Steinbach 2, 423; (ich) schleich mich hinein, wo die mägde schliefen. Schiller räuber schauspiel 2, 3;
thô sîn githigini zi imo riaf,   thô er in themo skife sliaf.
Otfrid 3, 14, 59;
gerne slief ich iemer dâ.
Walther 4, 28;
Clinschôr slief an ir arme.
Parz. 657, 17.
auf dem rücken, der seite schlafen; bildlich: er schläft auf beiden ohren, sehr fest. Wander 1, 202, 128. gnomisch: auf gantzer haut läszt es sich wohl schlafen, prov. dormit illaesus melius, quam verbere caesus. Steinbach 2, 423;
wer wil schlaffen auff gantzer heut,
der meid hädrisch und zänckisch leut.
Eyering bei Wander 4, 201, 110;
es schläfft einer sänffter in gutem gewissen, als in gantzer häut. Lehmann a. a. o. 198, 24;
der schläft auf sanftem kissen,
der rein ist im gewissen.
Wander 4, 197, 10.
in einer örtlichen vorstellung wurzelt auch die folgende fügung: ist er aber ein dürfftiger (von dem du ein pfand hast), so soltu dich nicht schlaffen legen uber seinem pfand, sondern solt jm sein pfand widergeben, wenn die sonne untergehet. 5 Mos. 24, 12. die redensart über etwas schlafen, etwas beschlafen, eine nacht vergehen lassen, ehe man eine entscheidung trifft, ist wol nach analogie von wendungen wie über etwas zeit vergehen lassen gebildet: wir wöllen heut drüber schlaffen, morgen wöllen wir davon reden. Franck sprichw. (1541) 1, 50ᵃ.
d)
allein schlafen: wir kinder sollten daher allein schlafen. Göthe 24, 16. mit beziehung auf den unter 2, a erwähnten gebrauch:
das Bebeli ist noch viel zu klein,
es schläft dies jahr wohl noch allein.
d. knaben wunderhorn 1, 314 Boxberger.
gnomisch:
wer allein schläft, bleibt lange kalt,
zwei wärmen sich einander bald.
Simrock 7, 134.
bei einem, mit einem, einer schlafen, meist in besonderem sinne, vgl. 2, a.
e)
mit temporalen zusätzen.
α)
sô ist gotes rîhhi zi thero uuîsûn oba man uuirphit sâmon in erda, inti slâfe inti arstante nahtes inti tages. Tatian 76, 1; es ist aber niendt besser schlafen, denn an den predigen. Keisersberg brösaml. (1517) 1, 33ᵇ; und wenn einer des nachts auff seinem bette rugen und schlaffen sol, fallen jm mancherley gedancken für. Sirach 40, 5; denn die da schlaffen, die schlaffen des nachtes. 1 Thess. 5, 7; nach dem rausche schlafen. Steinbach 2, 422; es soll niemand schlafen in dieser stunde. Schiller räuber schauspiel 5, 1;
alts. thâr im godes engil,
slâpandiun an naht   sweƀan gitôgda.
Heliand 680;
wer aber slâft in sîner jugent,
noch êren gert, noch kunst noch tugent
von trâgheit nicht erwirbet,
wel nôt, üb der verdirbet
an kunst und an wîsheit gar.
Boner edelst. 4, 43.
gnomisch:
schlaff nicht auffs essen nach mittag,
oder machs nicht lang, es bringt sonst plag.
Petri (1605) 2, Ss 4ᵃ.
im bilde: wer im sommer samlet, der ist klug, wer aber in der erndte schlefft, wird zu schanden. spr. Sal. 10, 5.
β)
schlaff bis morgen. Ruth 3, 13; und sie schlieff bis morgen, zu seinen füssen. 14; bisz auff mittag schlaaffen. Maaler 353ᵈ; bis in den tag hinein schlafen. Steinbach 2, 423. Frisch 2, 186ᵇ; bis an den hellen morgen schlafen. Adelung;
hân ich geslâfen unze her?
H. v. Aue Iwein 3510.
mhd. ûf sîn zil slâfen, ausschlafen:
ouch hête der künec ûf sîn zil
geslâfen und was erwachet sâ.
881.
unz in den tôt: Lucânus haiʒt die slangen ain slâfpringerinne, wan wer von ir verwunt wirt, der slæft unz in den tôt. Megenberg 262, 25.
γ)
schlaaffen bisz es heyter tag wirdt. Maaler 353ᵈ, bis es tag wird Stieler 1804. sprichwörtlich: er schläft bis die kuh drei batzen gilt. Wander 4, 202, 129. er schläft bisz zum jüngsten tag. die fügung des folgenden belegs nähert sich der bedeutung der uns geläufigeren formel nicht ruhen bis etwas erhofftes eintritt:
biʒ daʒ er
mit vûge von dem here entlief.
ich weiʒ wol daʒ er niht enslief
biʒ er zû sînen vrûnden quam.
livl. reimchron. 1676.
ähnlich heiszt es in biblischer sprache: sie (die gottlosen) schlaffen nicht, sie haben denn ubel gethan, und sie rugen nicht, sie haben denn schaden gethan. spr. Sal. 4, 16.
δ)
lange schlafen: so kan ich desto länger schlaffen. Simpl. 1, 209, 31 Kurz; ich habe lang geschlafen. Göthe briefe 3, 67 Weim. ausgabe. gnomisch:
schlaf lang, isz früh, macht feiszte backen,
bringt lange schnür und kurtze packen.
Waldis Esop 4, 51, 17;
wer frü auffstet, der vil verthet,
wer lang schläfft, den got beräth.
Franck sprichw. (1541) 2, 92ᵇ;
nd. de lang slöpt,
un flietig löppt,
den segnet gott in slaap;
de frö upsteit,
un nig veel deit,
dat is vergebliche arbeit.
Schütze 3, 9;
wer lang slöpt,
de gau löpt.
ebenda;
de lange slöppt,
de (den) gott ernährt;
de frô upsteit,
de vêl vertêrt.
Frommann 4, 141, 308;
wer lang' schläft, der schläft sich warm;
wer früh aufsteht, der friszt sich arm.
Wander 4, 200, 80;
lang schlaffen, thut laster schaffen. Petri (1604) 2, Mm 3ᵃ; je lenger geschlaffen, je weniger geschaffen. ders. bei Wander 4, 198, 38. zu lange:
zu deinem herren komm ich nicht,
er ist mir ja nicht hold;
ich habe zu lang geschlafen
bei seiner jungfrawen stolz.
Uhland volksl.² 174 (nr. 98), 3;
bildlich mnd.:
nu waket up, gy Christen alle!
hyr is geslapen vele to lange:
de vyande sint in dem lande.
quelle im korrespondenzbl. des vereins für nd. sprachforschung 5, 75;
ach waffen, ach waffen
über uns arme münche und pfaffen!
wir haben zu lange geschlaffen:
gottes wort ist auffgestanden,
unse büberey wird bekandt in allen landen.
quelle ebenda.
dort s. auch weitere mnd. belege für eine ähnliche gnomische verwendung dieser fügung. ebenfalls bildlich gemeint ist das sprichwort: wer zu lange schläft, wacht zu spät auf. Simrock 426, 9037. vergleichend länger als, im sprichwort:
wer länger schläft als sieben stund,
verschläft sein leben wie ein hund.
Simrock 426, 9036.
fragend wie lange, von gott (vgl. 1, a, γ):
alle zungen suln ze gote schrîen wâfen,
und rüefen ime, wie lange er welle slâfen.
Walther 33, 26.
conjunctional so lange für so lange wie:
so lange
der könig schläft, ist er um seine krone,
der mann um seines weibes herz.
Schiller don Carlos 3, 2.
ε)
mit accusativ der zeit, der auf die frage wann? antwortet: (im bilde) die aber, so zu gleich die selbigen nacht schlieffen ... wurden etliche durch grausame gespenste umgetrieben, etliche aber fielen dahin, das sie sich des lebens erwegeten. weish. Sal. 17, 14; tag und nacht schlafen;
denn eine nacht asz er nicht satt,
die andre schlief er nie.
Rückert (1882) 4, 90.
anders, die zeit wielange? bestimmend: (im bilde) jr becker schlefft die gantze nacht. Hosea 7, 6; den halben teil seines läbens oder sein zyt halb schlaaffen. Maaler 353ᵈ; sieben stunden schlafen. Steinbach 2, 422. den unter g erwähnten fügungen nahekommend: wir schliefen eine ruhige nacht in etwas kurzen an der wand befestigten, eher an repositorien als an bettstellen erinnernden schlafstätten. Göthe 48, 130;
Richard, dein weib, Anna, dein elend weib,
die keine ruh'ge stunde schlief bey dir,
füllt deinen schlaf jetzt mit verstörungen.
Shakespeare Richard III. 5, 3.
f)
mit quantitativen zusätzen, viel schlafen, sprichwörtlich: wer viel schlefft, den schleffert viel. Petri (1605) 2, Kkk 6ᵃ. Simrock 426, 9038. vergleichend, sprichwörtlich: er schläft nicht so viel wie eine nachtigall. Wander 4, 203, 138. mehr: je mehr man schläfft, je mehr man schlaffen will. Lehmann a. a. o. 198, 39. mehr als: ein tyrannischer herr soll mehr schlaffen als wachen. pers. rosenth. 1, cap. 14 (s. 9ᵇ). genug: wer sieben stunden schläfet, schläft alle genug. Stieler 1804. wenig schlafen: ich habe heut nacht nur wenig geschlafen, in freierer fügung:
daʒ von Munsalvæsche der templeis
von dem orse in eine halden reis,
sô verr hin ab (diu was sô tief),
daʒ dâ sîn leger wênec slief.
Parz. 444, 26.
mhd. vil wênic slâfen, sehr lebhaft sein:
die anderen volgeten mite,
wand si vil wênic sliefen.
pass. 16, 27 Köpke.
ein wenig schlafen: schlaff noch ein wenig. spr. Sal. 6, 40. der alten accusativischen natur dieser ausdrücke entspricht ein in neuerer sprache begegnendes kraftvolles nichts schlafen: habe beinahe nichts geschlafen. Grillparzer (1887) 16, 197.
g)
mit acc. der thätigkeit (im bilde): iro slâf sliefen die rîchen (dormierunt somnum suum). Notker 75, 6; ihr schlieft einen erquickenden schlummer. Schiller räuber schausp. 2, 2; die apostel schliefen ihren langen untheilnehmenden schlaf. Göthe 51, 172; thiere schlafen ihren winterschlaf;
schlaf, ruh'ge seele, schlaf geruh'gen schlaf.
Shakespeare Richard III. 5, 3;
und so schläft er sicher bis zum
morgen seinen letzten schlaf.
Rückert (1882) 4, 131.
ähnliche wendungen, in denen der tod gemeint ist, s. unter 2, c. sprichwörtlich: den schlaf des gerechten schlafen, lange, ruhig schlafen. Wander 4, 202, 133 (vergl.schlaf 1, g). bildlich: er schläfft den hasenschlaff, mit offnen augen. Franck sprichw. (1541) 2, 92ᵇ. landschaftlich auch mit inf. statt des subst.: schlafen schlief ich nicht. Hermes Soph. reise 6, 455. in gleichem sinne mit gen. des infin.: ob er gleich hartes schlaffens geschlaffen hette. Georg Wicel bei Kehrein gramm. des 15.—17. jh.² 3, § 188.
h)
mit acc. der wirkung eines substantivs in der bildlichen wendung: er schläft ein loch in den tag hinein. Wander 4, 202, 134. in gleichem sinne, mit einem für den sinn notwendigen adverb: er schläft dem tag die augen aus (Südböhmen). 131. öfter wird die wirkung durch ein prädicatives adj. bezeichnet, scherzhaft: nd. schloap rund, dat d' nich eckig warst. 203, 174 (aus Pommern, doch auch sonst üblich); beter is dôt geslapen, denn dôt gelôpen. 197, 1. meist bei reflexivem verbum: ich habe mich recht wohl geschlafen. Göthe briefe 5, 83 Weim. ausgabe;
villeicht kompstu vil eh zu bett,
dann so man lang drauff warten thet,
und magst dich schlaffen wider satt,
so man dich frü gewecket hat.
Grobian. 61, 1926 neudruck.
sprichwörtlich: mann schläfft sich nit gelert. Franck sprichw. (1541) 2, 155ᵇ. Petri (1605) 2, Oo 3ᵇ. Simrock 154, 3358. auch eine adverbiale bestimmung dient zur bezeichnung der wirkung, gnomisch: es schläft sich keiner zu einem groszen manne. Wander 4, 198, 28. freier: ich habe mich in zwey tagen und zwey nächten zwar nothdürftig nasz, aber sonst gut und wohlbehalten, nach Hamburg geschlafen. Lessing 12, 239; jeden morgen schien ihn der gedanke wie tageslicht an, dasz er dem hochzeitstage, dem 8ten junius, sich um eine nacht näher geschlafen. J. Paul unsichtb. loge 3, 154.
i)
reflexiv und unpersönlich mit zusatz, der die art angibt, für man schläft: wenn man frölich zu bette gehet und lesset alle sorge und schwermuth in schuen vorm bette stehen, da schleft sichs sanft. Mathesius Syrach (1586) 2, 38ᵃ;
wie schlief sichs da so süsz, so süsz,
auf ihres busens flor!
Hölty 36 Halm;
im bilde:
ach, auf dem pfül der offenbarung
schläft's sich so sanft!
Gotter 1, 400.
k)
selten im absoluten gebrauche unpersönlich:
schläft's irgend
vielleicht in meinem vorsaal auch?
Schiller don Carlos 3, 1.
l)
mit reflexivem ethischen dativ, neben einem andern zusatz: slâf dir gnuog. Megenberg 6, 2;
ich slief mir hiut süeʒʒe.
fundgr. 1, 343, 1.
m)
schlafen mit sinnverwandten ausdrücken verbunden: slâfet inti restet. Tat. 182, 7 (Matth. 26, 45); daʒ ih slâfe unde râuuee in fride. Notker ps. 4, 9; sihe, der hüter Israel, schlefft noch schlumet nicht. ps. 121, 4; du wilt ein wenig schlaffen und ein wenig schlummern. spr. Sal. 24, 33; keiner schlummert noch schlefft. Jes. 5, 27; ah wolt jr nu schlaffen und rugen? Matth. 26, 45. Marc. 14, 41; ruhen und schlafen (bildlich) Göthe 17, 133 (die stelle s. unter 2, b);
slâpad gi endi restiad?
Heliand 4807 (nach Matth. 26, 45);
im bilde:
nu slâf unde habe gemach.
Walther 101, 27;
er (Christus) ist der rechte hütman,
schlefft noch schlumet nicht.
bergreihen 36, 26 neudruck.
mit dem gegensatze wachen zusammengestellt:
ich sag' euch, dasz er wachend, schlafend mit
nichts anderm umgeht.
Schiller Piccol. 3, 1;
schlafend und wachend, schirme du (gott) mich stets.
Shakespeare Richard III. 5, 3.
n)
feste verbindungen mit anderen verben.
α)
schlafen gehen, cubitum ire Stieler 1805. Steinbach 2, 422. Adelung: begab sich am nachhochzeittag, das bemelter herr Johanns Wernher am tag und aubent darvor .. villeucht wol gezecht het und spat schlaffen gangen war, und het des andern morgens verschlaffen. Zimm. chron.² 1, 426, 4; wan der eyn heilig vileicht nit daheim wer, oder mit dem Baal vileicht wer schlaffen oder spatzieren gangen. Fischart bienenk. 184ᵇ; davon war er content und gieng schlaffen. Simpl. 1, 208, 12 Kurz; du magst ruhig schlafen gegangen seyn, wenn du mohnköpfe abgeschlagen hast. Schiller räuber schauspiel 3, 2;
si (die rede) enkam von ir herzen nie
unz man des nahtes slâfen gie.
arm. Heinrich 470;
des nahtes sô si solt gân
slâfen zir hêrren Marke.
Trist. 12581;
wol ûf, wir sulen slâfen gân.
Heinr. v. Freiberg Trist. 4826;
mndl. Reinaert, sijn wijf ende al die proi
ghingen ooc slapen.
Reinaert 3917;
doe ghinc hi slapen mitter haest
onder enen boom int groene gras.
6878;
im bilde:
Hammons stadt ...
welcher lob geschrieben steht
dort, wo Phebus schlaffen geht.
Rist Parn. (1668) 768;
gnomisch: frühe schlaffen gehen, frühe auffstehen, erspart viel apotekens, erhellt die gesundheit, und wehret vielen kranckheiten. Petri (1605) 2, Ee 3ᵃ; früh schlafen gehn und früh aufstehn, schlieszt viel krankheiten die thüre zu. Simrock 426, 9035; gänk schlôfen en schtanjd nô den küken und schtänd ûf müt dem dâch (siebenb.-sächs.). Wander 4, 198, 34;
bey zeit schlaffen gehen,
frühe auffstehen,
und jung freyen,
sol niemand gerewen.
Petri (1605) 2, L 2ᵃ.
freier: mit mir ists aufgestanden und schlafen gangen, das projeckt. Göthe briefe 3, 22 Weim. ausgabe;
armuot gêt mit mir slâfen, kumber wil mit mir ûf stên.
minnes. 3, 34ᵇ Hagen.
auf den tod übertragen: Maximilian ist schlafen gegangen in der väter gruft. Schiller räuber schauspiel 3, 1; ihr wollt mir den lezten trost rauben im sterben, dasz der wurm des gewissens mich um mein leztes gebet bringe, dasz ich ein greuel vor gott und menschen schlafen gehen soll. 4, 2; siehe die gottheit ermüdet nicht im erbarmen, und wir armseligen würmer gehen schlafen mit unserm groll. 5, 2. in sonstiger bildlicher anwendung:
diu meiste menege enruochet wies erwirbet guot.
sol ichs alsô gewinnen, sô ganc slâfen, hövescher muot.
Walther 31, 16;
unser herzeleit
diu müeʒen von uns slâfen gân
und freude dâ belîben lân.
Ulrich v. Türheim Willeh. bei Lexer mhd. handwb. 2, 953.
mnd. darmede gingk slapen efte endighede sik dusse twigdracht. quelle bei Schiller-Lübben 4, 229ᵇ; wenn ein ding zu end ist kommen, so sagt man es gehet schlafen. Lehmann 195; lieb und trew sind schlaffen gangen. ebenda; alle wünsche waren schlafen gegangen. Bettine briefe 1, 191. einen schlafen gehen heiszen, seine ansicht als unhaltbar bezeichnen: aber Birckheymerus heiszt in laudibus Germaniae Strabonem (der behauptet, die Gallier hätten die Deutschen wegen der gleichheit der person, sitten u. s. w. Germanos, brüder genannt) schlaffen gehen, auch Corn. Tac. und sagt das der nam vil älter sei. Franck chron. der Teutschen (1539) vorrede 5ᵃ. substantiviert das schlafengehen: sieben tage lang wurde beym schlafengehen des sultans von den drey kalendern gesprochen. Wieland 8, 59; ich erinnere mich nicht, dasz mir als kind irgend etwas widerwärtiger gewesen wäre, als das zeitige schlafengehen, wenn alles drauszen noch schallte und schwärmte und meine ganze seele noch so wach war. Eichendorff (1864) 2, 53; in adverbialem gefüge ohne artikel: ein billet ..., das gnaden vor schlafengehen lesen müssen. Fr. Müller 3, 135; (ich) schrieb das ganze noch vor schlafengehn nieder. Göthe 24, 275;
dir dank ich es, dasz du
mir noch vor schlafengeh'n ins haus gebracht die ruh.
Rückert (1882) 12, 188.
schlafengehens zeit:
es ist um schlafengehens zeit.
Wieland 18, 91.
in älterer sprache auch mit präposition vor schlafen: auff wol ässen und trincken gen schlaaffen gon, membra curata sapori dare Maaler 353ᵈ. in gleichem sinne mhd. slâfen varn:
wir wellen varn slâfen.
Nibel. 1757, 2;
Artûs fuor slâfen dô.
Parz. 279, 27;
lât ditz volc slâfen varn.
640, 25;
Lyschoys unt Flôrant
fuoren slâfen al zehant.
641, 22.
β)
schlafen laufen: dann wann sie (die katholischen priester) auch sagten, dasz es zu mittag finster nacht were, so müszten wirs zur stund als ein articel des glaubens annemmen, und flugs zu bett schlaffen laufen. Fischart bienenk. 33ᵇ.
γ)
sich schlafen legen, dare se somno Maaler 354ᵃ. Steinbach 2, 422. Frisch 2, 186ᵇ. Adelung, häufig mit einer örtlichen bestimmung, die heute nur im dat. zu stehen pflegt, für die aus älterer sprache aber auch der acc. bezeugt ist: (Jacob) leget sich an dem selbigen ort schlaffen. 1 Mos. 28, 11; gehe wider hin und leg dich schlaffen. 1 Sam. 3, 5; Uria legt sich schlaffen fur der thür des königs hause. 2 Sam. 11, 9; da er gessen und getruncken hatte, legt er sich wider schlaffen. 1 kön. 19, 6; im bilde: des nachts wird mein gebein durchboret allenthalben, und die mich jagen, legen sich nicht schlaffen. Hiob 30, 17; legt euch schlafen. Schiller räuber schauspiel 4, 5; ihr legt euch in geräumigen häusern schlafen. 6, 295 (menschenfeind 6);
Keiî legt sich slâfen
ûf den sal under in.
Iwein 74;
sît ir müede, so ist mîn rât
daʒ ir gêt, leit iuch slâfen.
Parz. 242, 15;
Gâwân sich leite slâfen nider.
582, 30;
hat ir uch slauffen geleit,
also thun alle zagen?
Alsf. passionssp. 7336 Grein;
mnd. dô vant he êne schône stede
dâr he sik slâpen leide
unde des nachtes rôwede dô.
hill. cruz 436;
betrachte de drekstanden, de du vor di drechst,
unde dine vulen consciencien, dâr du di vaken mede slapen lechst.
dodes danz 1628.
substantiviert das schlafenlegen, mit der in diesem falle üblichen auslassung des sich:
sie lasen, wenn sie sich gesetzt,
zur zeit des schlafenlegens,
Rosts schöne nacht, zu guter letzt,
anstatt des abendsegens.
Hölty 27 Halm.
mhd. auch sich zu slâfende legen: man schrîbit von eime dorfmanne, der hate gesniten in der erne daʒ her mûde was, und legete sich zu slâfende und lîʒ den munt offen. myst. 1, 206, 35.
δ)
einen schlafen legen: gute Föbe, lege mich schlafen! Klinger 2, 232. freier vielleicht in der folgenden zweifelhaften stelle: und wie der himmel die beum erweckt durch den sommer und sich (lies sie?) schlafen legt durch den winter, also führt er das blut auch in ein solch regiment. Paracelsus (1589) 2, 27.
ε)
einen schlafen tragen:
den kunic drûc min slâffin.
Müllenhoff-Scherer denkm.³ 1, 140, 16.
ζ)
die kinder schlafen schicken. Adelung.
η)
einem schlafen leuchten:
man leuchtet der gräfin schlafen.
Uhland volksl.² 213 (nr. 122), 19.
θ)
einen schlafen machen: wann man zuvil wachende will schlaffen machen. Sebiz feldbau 70; älter auch schlafend machen: all säusend stimm machent slâfend. Megenberg 224, 8.
ι)
schlafen sein, brachylogisch für schlafen gegangen sein: einsmahls, als herr und frau schlaffen war, stund der knecht vor dem wagen. Simpl. 1, 207, 28 Kurz;
o nachtigal! ..
komm, komm und lob den schöpfer dein,
weil andre vöglein schlaffen seyn,
und nicht mehr mögen singen.
28, 7.
sprichwörtlich: sie seind noch nit alle schlaffen, die heind ein böse nacht sollen haben. Agricola sprichw. (1534) nr. 471. Schottel 1137ᵇ. Simrock 426, 9043 (in heutiger sprache).
κ)
nach analogie solcher wendungen ist dann auch gebildet schlafen liegen (für schlafend liegen, s.λ): alles liegt schlafen. Schiller räuber trauerspiel 4, 16;
man waiszt das mancher schlaffen ligt
und traument künfftig ding bewygt.
Schwartzenberg 152ᵃ;
wenn ich des nachts lieg schlafen,
mein feins lieb kommt mir für.
d. knaben wunderhorn 1, 406 Boxberger.
von einer stadt: Genua liegt schlafen. Schiller Fiesko 2, 18. auf den tod übertragen: wenn nu deine zeit hin ist, das du mit deinen vetern schlaffen ligst, wil ich deinen samen nach dir erwecken. 2 Sam. 7, 12; und viele, so unter der erden schlaffen ligen, werden auffwachen, etliche zum ewigen leben, etliche zu ewiger schmach und schande. Dan. 12, 2.
λ)
schlafend liegen:
ouwî waʒ ich êren pflac,
die wil ich slâfende lac!
H. v. Aue Iwein 3516.
μ)
dafür auch liegen und schlafen: Saul lag und schlieff in der wagenburg. 1 Sam. 26, 7; ich lige und schlaffe gantz mit frieden. ps. 4, 9; aber Jona war hinunter in das schiff gestiegen, lag und schlieff. Jona 1, 5; ich lig hie und schlaff. Wickram rollwagenb. 40, 4 Kurz;
ich war in fremden landen,
da lag ich unde schlief.
Uhland volksl.² 46 (nr. 20), 3.
ν)
so auch sich legen und schlafen: (er) legt sich und schlieff unter der wacholdern. 1 kön. 19, 5; und es begab sich zur zeit, das er hin ein kam, und legt sich oben in die kamer und schlieff drinnen. 2 kön. 4, 11.
ξ)
einen schlafend finden: inti mit diu her stuont fon themo gibete, quam zi sînên iungirôn inti fant siê slafentê. Tatian 181, 3; und die magd schleich in die kamer, fand sie beide gesund und frisch, schlaffend bey einander. Tob. 8, 15; und er kam zu seinen jüngern, und fand sie schlaffend. Matth. 26, 40. Marc. 14, 37. 40; hätt ich's zugelassen, sie hätten dich schlafend gefunden. Fr. Müller 3, 12; alts.
giwêt imu thô eft thannan
sôkean is gisîdôs,   fand sie slâpandie.
Hel. 4799.
daneben schlafen finden: und er stund auff von dem gebet, und kam zu seinen jüngern, und fand sie schlaffen fur trawrigkeit. Luc. 22, 45; alts.
fand sie that barn godes
slâpan sorgôndie.
Heliand 4773.
einen schlafend antreffen: als ich einsmahls einen grausamen wüterich schlaffend angetroffen. pers. rosenth. 1, cap. 14 (s. 9ᵇ); alts. bîfahan, freier:
that he (der jüngste tag) iu slâpandie   an swef-restu
fârungo ni bifâhe.
Heliand 4358.
ο)
nicht schlafen können: der könig .. lies kein essen fur sich bringen, kund auch nicht schlafen. Dan. 6, 18; es war eine zeit wo ich nicht schlafen konnte, wenn ich mein nachtgebet vergessen hatte. Schiller räuber schauspiel 3, 2;
ich kann nicht schlafen.
Grillparzer (1887) 6, 49.
sprichwörtlich: mancher kan nicht schlaffen, er trinck jhm den erst ein küssen. Petri (1605) 2, Nn 5ᵈ; wer nicht kan schlaffen, der gehet in die kirche. H hh 6ᵃ. scherzhaft: nd. ik kann nig slaapen, wenn ik supp eet, d. h. zu gleicher zeit. Schütze 4, 110.
π)
etwas läszt einen nicht schlafen: die fülle des reichen leszt jn nicht schlafen. pred. Sal. 5, 11; wachen nach reichthum verzehret den leib, und darumb sorgen, leszt nicht schlaffen. Sir. 31, 1; kranckheit und kumber laszt nit schlaaffen, vertreybt den schlaaff. Maaler 354ᵃ; die sorgen lassen ihn nicht schlafen. Steinbach 2, 422; krankheit läszt nicht schlafen. Frisch 2, 186ᵇ.
2)
freierer und übertragener gebrauch.
a)
bei einem schlafen, meist in besonderem sinne.
α)
übernachten Campe.
β)
bei einer, einem schlafen, rem habere, concumbere cum aliqua, aliquo. Steinbach 2, 423. Frisch 2, 186ᵇ. Adelung: mnd. und wanne de vorbenompde Katherine ueyrteyn ior old werd, so schal A. unse son by ore slapen (soll die hochzeit sein). quelle von 1395 bei Schiller-Lübben 4, 229ᵇ; Rachel dy sprach: er soll schlafen bei dir (Lea) in der nacht umb dye mandragoren deines sons. bibel von 1483 19 (1 Mos. 30, 15); ob ein mann schleft bei eim weib eins andern, jetweders sterb. 94 (3 Mos. 20, 10); Agellio dem Römer ward gesagt, das sein sun bei seiner stiefmutter schliefe. H. v. Muglein Valerii Maximi die geschichten der Römer (1489) 76ᵇ; do der romisch küng Tarquinius schliefe mit gewalt bei der Römerin Lucretia. 78ᵃ; las uns unserm vater wein zu trincken geben, und bey jm schlaffen, das wir samen von unserm vater erhalten. 1 Mos. 19, 32; und es begab sich nach diesem geschicht, das seines herrn weib jre augen auff Joseph warff, und sprach, schlaffe bey mir. 39, 7; wenn jemand bey seiner schnur schlefft, so sollen sie beide des tods sterben. 3 Mos. 20, 12; wenn jemand beim knaben schlefft, wie beim weibe, die haben einen grewel gethan. 13; ich habe gehört, der itzige keyser schläft nicht mehr bey seiner gemahlin; so kan sie ja keinen sohn bekommen. Elis. Charl. (1867) 398; der knecht schläft bey der magt, famulus stupro coit cum ancilla. Steinbach 2, 423; sie schläft bey allen, cum omnibus concumbit. ebenda; was? was? fuhr er mit einer art von komischem unwillen fort, ein mensch der nicht das herz hat bei einer frau zu schlafen, der hatte herz dasz er davon gienge? Engel Lorenz Stark 8;
daʒ er slief bî sîner diuwe.
Diemer 353, 9;
mndl. ic hebbe gheslapen bi miere moien.
Reinaert I 1665;
wie er sît den vater slûc
dar zû sîn bôsheit in vertrûc
unde wie er bî der mûter slief.
pass. 317, 45 Hahn;
kom her, du schönes weib!
du erfreuest mir mein hertz ym leyb.
solt ich bey dir schlaffen.
mein hertz das würd mir frey.
bergreihen 55, 29 neudruck;
ach junger knab,
nu zeuch dich ab!
schlaff heint bey mir one sorgen!
60, 34;
wil ihn die frau nicht biten,
so schlefft er bey der magd.
69, 1;
soll ich (Harald Schönhaar) bei Ida schlafen?
soll sie schmücken ihr brautgemach?
Arndt (1860) 240.
im holsteinischen sagt man scherzend zu mädchen: wullt du bi mi oder sall ik bi di slapen. Schütze 4, 400. sprichwörtlich: ein jeder schläft bei seiner frau auf seine weise. Simrock 426, 9046. mit verdeutlichendem zusatz bei einer nach der liebe schlafen: als nu die kinder Babel zu jr kamen bey jr zuschlaffen, nach der liebe. Hes. 23, 17 (im urtext wörtlich: zum beilager der liebe). in gleichem sinne nahe bei einer schlafen: und sie treibe solche wort gegen Joseph täglich, aber er gehorcht jr nicht, das er nahe bey jr schlieff, noch umb sie were. 1 Mos. 39, 10, frühere ausgaben haben an der gleichen stelle neben jr schlieff. mit einer schlafen: daʒ er (Ixion) mit Iunone slâfen uuolte. Notker Boet. 3, 122; der (Tytius) uuolta mit Latona slafen Iouis uxore. ebenda; diser salmo uuas Dauidis chara. dô in Nathan inchonda dero missetâte. daʒ er mit Bersabee sliêf. sînes herechnehtes chenun Urîae. ps. 50, 2; es hatte einem dominikanermönch geträumt, er schliefe mit seinem beichtkinde, der schönen Klara, einer weiszen nonne und nichte des erzbischofs. Klinger 3, 8;
unz er (der teufel) in dar ûf brâhte
daʒ er benamen gedâhte
mit sîner swester slâfen.
H. v. Aue Gregor. 161.
mit samt einer: und ouch fürwar, du würst zwingen dinen sun, wann er wol nit wölt, das er mit sampt der schlafen würt. Terenz (1499) 118ᵇ.
b)
die anwendung des verbums auf pflanzen geschieht manchmal, indem man den pflanzen wirklich die fähigkeit zu schlafen zuerkennt: die pflanzen schlafen, wenn sich ihre vegetabilischen kräfte in einer art von unthätiger ruhe befinden. Adelung, meist aber ist sie dichterisch, bildlich zu verstehen, so dasz die pflanze als ein menschenähnliches wesen gedacht wird (vgl.schlaf 3):
im schiffe
schläft halbgeschlossen blum' und kraut.
A. v. Droste-Hülshoff (1879) 1, 315 Schücking.
ähnlich: wenn ich einsam durch das schlafende blumenfeld ging. Bettine tageb. 57. in gleicher weise heiszt es:
des winters hülle deckte
nicht mehr die öde flur.
der hauch des lenzes weckte
die schlafende natur.
Gotter 1, 26.
weiter wird dann schlafen in bildlicher sprache auch auf unorganische dinge und erscheinungen der sinnenwelt bezogen: Medea, schlafen deine blitze! Klinger 2, 303; mit dem dolche, der heute vor deinen füszen hinfiel, der nun in dem busen eines deiner vermeinten freunde schläft, seh' ich ihn bewaffnet! 449; mit dem golde, das noch in den schachten von Peru schlief. Schiller 8, 98; drüben die stillen, schlafenden berge in der nacht. J. Paul Tit. 3, 109; nur unten am horizonte schlief eine lange dunkle wolke. 4, 26; die grosze nacht, die mit riesengliedern im mondschein auf der erde schlief, regte vor wonne ihre kränze aus abgeschatteten gipfeln. Hesp. 3, 239; der jüngling stand neben der schlummernden geliebten im myrtenhaine, um sie schlief der himmel und die erde war leise. flegelj. 1, 73; der weiszglühende schluszstein des himmlischen gewölbes weckte mit seinen flammen den mittagwind, der auf den kalten gipfeln der Pyrenäen schlief. Kampanerthal 37; wenn gerade der schmalere Adour, der am thalende entquillt, sich um ein erdzüngelchen ringelt, und über den auf seinem bette schlafenden mond seinen silberflor zieht. 51; unten vor mir lag eine schlafende gasse erloschener beinhäuser. jubelsen. 198;
aller mîner vîende wâfen
diu ligen unde slâfen.
Müllenhoff-Scherer denkm.³ 1, 182, 18:
schlaf' auch das meer.
Herder lit. u. kunst 15, 212;
süszer wohllaut schläft in der seiten gold.
Schiller 11, 383;
der wein ists, der in fasses rund
schon längst gebunden schlief.
Kerner lyr. ged. (1847) 29;
es schläft das schwert, entschnallt des kriegers hüften.
Rückert (1882) 5, 82;
in einem andern bilde, das einen menschen meint:
nur des diamants
harrt dieser stahl, der würdig ist, den funken
zu wecken, der in seiner kühle schläft.
Ludwig (1891) 3, 316;
dem grammatischen verhältnis nach unpersönlich:
denn unter mir lags noch, bergetief
in purpurner finsternisz da,
und obs hier dem ohre gleich ewig schlief,
das auge mit schaudern hinunter sah.
Schiller 11, 224.
auf unsinnliches gebiet übertragen: jr verdamnis schlefft nicht. 2 Petri 2, 3; das gewissen schläft, wenn es nicht zur beurtheilung der handlungen nach dem gesetz gebraucht wird. Adelung; man musz die freundschaft nicht schlafen lassen. ebenda; wie die warme erde und der warme himmel in schlafender liebe an einander ruhen und ein jahrhundert ums andre gebähren. J. Paul Hesp. 1, 142; aber ihr guten menschen, die ihr ein herz tragt und keines findet, oder die ihr die geliebten wesen nur in und nicht an dem herzen habt, bild' ich nicht alle diese gemälde der wonne, wie die Griechen, gleichsam an den marmorsärgen eurer umgelegten schlafenden vorzeit ab? Titan 2, 72;
dîn kraft mit ellen dô niht slief,
dô dise hêrren kômn in nôt.
Parz. 85, 24;
Tristandes gelücke dâ nicht slief.
Heinr. v. Freiberg Trist. 2396;
doch immer schläft des himmels rache nicht.
Lessing 1, 34;
mein unermeszliches unglück schlafe.
Herder lit. u. kunst 15, 212;
einfach schlief in dem samen die kraft.
Göthe 1, 326.
etwas schläft in einem, in eines brust, natur u. ähnl., oft in zwiefachem bilde mit einem sinnlichen ausdrucke als subject: die funken der tugend wecken, welche in unserer brust schlafen. Adelung; durft' ich wohl mit dem manne rechten, der mich im namen gottes zum mitschuldigen fremder sünden macht, die ich unbekümmert in meinem busen schlafen liesz? Klinger 4, 239; welche wohllaute schliefen in deiner (des menschen) brust, ehe deine leidenschaft das goldene spiel zerstörte! Schiller 6, 298; indem dieser (der graf) alles in ihm (dem hauptmann) aufregte was einige zeit geruht und geschlafen hatte. Göthe 17, 133; könnte das stück (Turandot) irgendwo in seinem vollen glanz erscheinen, so würde es gewisz eine schöne wirkung hervorbringen und manches aufregen, was in der deutschen natur schläft. 45, 16; auf allen meinen gedächtniszfiebern (diesen denkfäden und blättergerippen von so manchem schlechten zeug) schläft keine schönere sage als die aus dem kloster Corbey. J. Paul uns. loge 1, 36; das herz voll schlafender stürme trägst du wie die mutter das entschlummerte kind, scheu und behutsam über die weichen blumen der freude. Hesp. 1, 128; würde nun einem staate in den gehörigen zeiträumen ein solcher heiland (wie Cäsar, Friedrich, Napoleon) beschieden, so wäre dem staat jedes stehende heer durch das im heiland schlafende erspart. friedenpred. 7;
o, wenn nur einen trieb, der euch im busen schlief,
der Muse silberton zu edlen thaten rief.
Gotter 1, 24;
wie manche deckt vielleicht hier die verwesung tief,
in deren schwangrer brust ein götterfunke schlief!
137;
welten schliefen im herrlichen jungen,
ha! wenn er einsten zum manne gereift —
freue dich vater! — im herrlichen jungen
wenn einst die schlafenden keime gereift.
Schiller 1, 107;
so des sängers lied aus dem innern schallt,
und wecket der dunkeln gefühle gewalt,
die im herzen wunderbar schliefen.
11, 384.
c)
schlafen, mortuum esse, in sepulchro dormire Frisch 2, 186ᶜ, meist mit verdeutlichenden zusätzen: after dhiu so dhu slafis mit dhinem faterum, ih aruuehhu dhinan samun after dir. Isidor 38, 12 (2 Sam. 7, 12) Hench; inti managê lîhamon heilagero, thiê dâr sliefun, erstuonton. Tatian 209, 3; unde uuard ih keahhot also andere irslagene die in demo grabe slâfent. Notker ps. 87, 6; ziu hêiʒʒent aber mortui dormientes (glosse slâffinde)? ane daʒ sie iruuachen suln. in resurrectione. ebenda; und Salomo schlief mit seinen vetern und ward begraben in der stat David seines vaters. bibel von 1483 163ᵃ (1 kön. 11, 43, bei Luther: entschlieff mit seinen vetern); warumb nennet er den tod einen schlaf und die todten schlafen. Keisersberg trostspiegel DD 2ᵇ; und der herr sprach zu Mose, sihe, du wirst schlaffen mit deinen vetern. 5 Mos. 31, 16; warumb bin ich nicht gestorben vom mutterleib an? .. so lege ich doch nu und were stille, schlieffe und hette ruge. Hiob 3, 13; ich wil sie mit jrem trincken in die hitze setzen, und wil sie truncken machen, das sie frölich werden, und einen ewigen schlaff schlaffen, von dem sie nimermehr auffwachen sollen, spricht der herr. Jerem. 51, 39; nu aber ist Christus aufferstanden von den todten, und der erstling worden unter denen, die da schlaffen. 1 Cor. 15, 20; unser guter, edler Gleim schlafe den schlaf der gerechten. Caroline Herder in Böttigers lit. zust. 2, 202; lasz die toden schlafen, und mache die lebendigen glücklich. Schiller räuber schauspiel 3, 1; aber er liegt fern im engen hause, schläft schon den eisernen schlaf, höret nimmer die stimme meines jammers. 5, 2;
die lebenswürdig war, die sich mit tugend zierte,
die solchen wandel, der hochrühmlich, allzeit führte,
die schläfft dem leibe nach fein sanft an disem ohrt'.
Rist Parnasz (1668) 245;
wenn ich im grabe schlafe, so ist mein leib nur gestorben.
Bodmer Noah (1752) 7, 625;
gönnt ruh' ihm (einem todten) auf der ruhestatt!
nie schlief er gut wie hie.
Rückert (1882) 4, 90.
vom nicht geborenen, gezeugten:
doch sog ich, an der besten mutter busen,
bewunderung des schöpfers ein;
und heiszen dank, dasz er, sein lob zu melden,
auch mich auf diesen weiten schauplatz rief,
aus jenem staube, wo ich unter helden
und unter hirten fühllos schlief.
Gotter 1, 2.
anders vom kind im mutterleib:
es schläft der mensch in seiner mutter hüften.
Lenau 1, 156 Koch.
d)
übertragen auf schlafähnliche zustände des lebenden.
α)
von nachlässigem, unaufmerksamem, schläfrigem wesen: du darffst nit ze schlaaffen, oder liederlich und hinlässig zeseyn, dormitandum tibi non est. Maaler 353ᵈ.
β)
von krampfartigem fühllossein der glieder: ags. gif wê tô lange sittaþ ûs slâpaþ đa lima. quelle bei Bosworth - Toller 882ᵃ; und für den spasma oder krampf und νάρχην (νάρκην) das ist das schlafen der glieder gar bewert ist. Thurneisser von wassern (1572) 242; der fusz schläft. Adelung. nd. de fingers, de bênen slapen mî. ten Doornkaat Koolman 3, 193ᵃ.
3)
besondere gebrauchsarten des part. präs.
a)
der älteren dialekten angehörige ausdruck altfries. bi slepandere thiade, mhd. bî slâfender diet, mnd. bi slâpender dêt, wenn die leute schlafen, wie ihn die folgenden belege zeigen: altfries. sa hwa sa to otheron fari nachtes to houi and to huse bi slepandere thiade. Richthofen rechtsqu. 77ᵃ, 24; thet i him to foren an thiaues lestum be slepandere thiade. 341ᵇ, 1; mhd. gisciet ein diubi bî slâphindir diet. rechtsbuch von Mühlhausen aus dem 13. jahrh. 9 Förstemann; mnd. quod hoc homicidium noctis sub silencio, quod slapende deth dicitur, accidisset. quelle von 1297 bei Schiller-Lübben 1, 512ᵃ; nachttides bi slapender det. quelle von 1332 ebenda, auch be nachtslafender diete. quelle ebenda, mag den anlasz gegeben haben zur entstehung von freieren wendungen, in denen das part. gewissermaszen passivisch gebraucht erscheint, vgl. gramm. 4, 68: dise vorgeschribenen alle wolten alsô nachtes bî schlafender zît unwiderseit îngenommen hân die statt zuo Zürich. älteste jahrbücher d. stadt Zürich 76, 12 Ettmüller; mnd. bî slapender tied. quelle von 1369 bei Schiller - Lübben 1, 512ᵇ; quam he slapender tyt. quelle ebenda; bis heute erhalten hat sich der ausdruck bei nachtschlafender zeit, mhd. bî nahtslâfender zît, ebenso heiszt es im nnd. wie im mnd. bî nachtslâpender tîd. belege s. unternachtschlafend oben theil 7, 214 und bei Schiller - Lübben a. a. o. in gleichem sinne begegnet mhd. bî nahte slâfende. mhd. wb. 2, 2, 364ᵇ, nhd. bey schlafender nacht Knebel in Böttigers lit. zuständen 2, 213. hieran schlieszen sich ausdrücke wie wohl, schlecht schlafende nacht: gestern muszte ich mich wundern, wie sie sich nach einer schlecht schlafenden nacht und unter wolken von tabakrauch noch so ganz gut und bei humor erhielten. Schiller an Göthe im briefwechsel beider⁴ 2, 142 (10. jan. 1799); einem eine wohlschlafende nacht wünschen; nd. goodslaapene nagt Schütze 4, 110.
b)
die schlafende sucht, sucht, krankheit, bei der man übermäszig viel schläft, schlafsucht: die schlaffende sucht kompt gern von kalten und von fuchtigkeit und den alten leuten. Ortolff v. Bayrlandt (1477) 18ᵃ; die schlaaffend sucht, ist ein kranckheit da einen stäts schlaaffert, kumpt ausz müssiggon. Maaler 354ᵃ.
c)
technische ausdrücke:
α)
schlafende brücken, übersetzung des franz. ponts dormants, gegensatz zu fliegenden brücken. Jacobi von Wallhausen kriegsm. 89.
β)
schlafende kniee, in nautischer sprache, krumme holzstücke mit zwei wasserpasz oder horizontal angeordneten armen. Bobrik naut. wb. 405ᵇ.
γ)
nd. (westfäl.) slâpen für slâpend, tot, wenig brauchbar, vom buchenholze, das lange gelegen hat. Woeste 239ᵃ.
δ)
substantiviertes part. präs.: die schlaafenden ze tod schlahen. Maaler 354ᵃ; in vergleichen und bildlich: und der herr erwachet wie ein schlaffender. ps. 78, 65; wer mit einem narren redet, der redet mit einem schlaffenden, wens aus ist, so spricht er, was ists? Sir. 22, 8; gnomisch: allen schlaffenden ist nicht zu trawen, etliche beiszen auch. Petri (1605) 2, H 6ᵇ. von todten:
alliu erda pipeta (bei der kreuzigung)
thenne manege slaffantero
eruuahtos truhtin.
Murbacher hym. 24, 8, 3;
(er) legte die schlafende dann in eine gopherne kiste.
Bodmer Noah (1752) 4, 443.
4)
das part. prät. erscheint nach art eines adj. mit un- zusammengesetzt: die nächte ungeschlafen hinbringen. Steinbach 2, 424 (wol kaum activisch 'als einer, der nicht geschlafen hat, schläft', wie ungegessen, ungetrunken, sondern eigentlich die nächte als ungeschlafene hin bringen). doch gibt solche anwendung zu freier activischer anlasz: etwas läszt einen ungeschlafen. Gotthelf schuldenb. 98.
5)
substantivierter infinitiv: das schlafen, dormitio Steinbach 2, 423. Adelung:
ir solt uwer slauffen lân.
Alsf. passionssp. 3358.
sprichwörtlich: ein gut schlaffen ist so gut, als ein gut essen. Henisch 948, 47. Simrock 426, 9039. bildlich:
wir sculun dragan wâfan   joh lâʒon sîn thaʒ slâfan,
joh huggen, wi er thaʒ biwarb,   thaʒ er (Christus) bî unsih irstarb.
Otfrid 4, 37, 7;
im sinne von 2, d, β: daraus dann νάρκη das ist das schlafen der glider volget und herkompt. Thurneisser von harnen (1571) 12.
Zitationshilfe
„schläfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schl%C3%A4fen>, abgerufen am 17.07.2019.

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