schläfer m
Fundstelle: Lfg. 2 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 289, Z. 35
dormiens, dormitor, dormitator. Steinbach 2, 424, Stieler 1804, schläffer Maaler 354ᵈ. ohne umlaut in den unter 8 erwähnten technischen benennungen, so auch schlaffer, soporator Dief. 542ᵇ, mhd. slâfære, slæfære, -er Lexer mhd. handwb. 2, 952, mnd. sleper Schiller - Lübben 4, 234ᵃ, slaper d. chron. 2, 1, 132, 22 (die stelle s. unter 3), nnd. sleper Dähnert 429ᵇ, slaper ten Doornkaat Koolman 3, 193ᵇ.
1)
der schläft oder zu schlafen pflegt. Adelung: ein schläfer höret und siehet nicht, somnus aufert sensus actionemque tollit omnem. Stieler 1805; auf! ihr klötze, ihr eisklumpen! ihr trägen fühllosen schläfer! Schiller räuber schausp. 4, 5; seyd ihrs gestrenger herre, der so gräszlich durch die gewölbe schreyt, dasz alle schläfer auffahren? 5, 1; es ist doch schauerlich .. an einer stelle zu sitzen, wo der mord vielleicht mehr als einmal an einem harmlosen schläfer sein fürchterliches geschäft verrichtete. Hebbel (1891) 9, 105;
was für ein ruf
des jammers weckt die schläfer dieses hauses?
Schiller Wallenst. tod 5, 10;
erhebt euch von der erde,
ihr schläfer, aus der ruh!
Schenkendorf ged. 38;
sprich, was ist's, unkindlich mädchen,
dasz du wie ein nachtgespenst
durch die öden säle wandelst
und mit seltsamem beginnen
lebensmüde schläfer schreckst?
Grillparzer (1887) 3, 21;
still! die schläfer nicht zu stören!
37.
slepers heiszen nd. geringe leute, die sich nur für die nacht ohne beköstigung einmieten. brem. wb. 4, 815. Schütze 4, 109. auch das hochd. schläfer wird landschaftlich so gebraucht.
2)
in bildlicher, von der bedeutung 1 ausgehender anwendung, von einem todten: am probe- und vorbildbegräbnisse des höchstseligen war noch dazu der alte fromme vater Spener, sein letzter freund, mit in die gruft hinabgegangen, um ... auf die stille brust des lieben schläfers noch dessen jugendportrait und sein eignes mit der umgestürzten farbenseite zu decken. J. Paul Titan 2, 75.
3)
der lange, fest, gern schläft, zu schlafen pflegt: litargicus, ein schlafer vor krankheit. Melber varil. O 4ᵃ;
dû slæfest ze allen gezîten
und bist ein slâfære.
gesammtabenteuer 3, 58, 577.
mhd. die siben slâfære, septem dormientes, die sieben jünglinge von Ephesus, die nach der legende vom kaiser Decius wegen ihres christlichen glaubens in einer höhle, wohin sie geflüchtet waren, eingemauert wurden und unversehrt darin bis zur zeit des Theodosius schliefen, wo die höhle zufällig wieder geöffnet wurde:
dô geviel an den selben tac,
daʒ man dem kaiser (Theodosius) sagete ze mære,
daʒ der siben slâfære
wære einer in die stat komen.
kaiserchron. 13498 Schröder;
von den siben slâfæren.
wer die herren wæren,
daʒ lât iu ze diusche sagen.
gedicht, ed. Karajan 1;
daʒ wil ich iu wiʒʒen lân
und mit wârheit beweren
mit den siben slâferen,
die lie got selbe slâfen,
dur daʒ er sînen schâfen
mit in zehelfe kême.
Hugo v. Langenstein Martina 286, 100.
mnd. in den tiden quamen up de seven slapere, do se geslapen hadden hundert unde twe unde negentich jar. d. chron. 2, 1, 132, 22. im nhd. entsteht das compositum siebenschläfer, das sowol von den sieben jünglingen der legende, als auch von dem kalendertage, der ihnen heilig ist, und in sonstigem übertragenen sinne gebraucht wird (s. dieses).
4)
in freierer, der bedeutung 3 am nächsten kommender anwendung. schläffer, fauler, hinlässiger mensch, ein schlufe. Maaler 354ᵈ: die seuffer und schlemmer verarmen, und ein schleffer mus zurissen kleider tragen. spr. Sal. 23, 21.
5)
in der bedeutung 3 wurzelt auch der gebrauch des wortes als bezeichnung für thiere.
a)
für eine gattung nagender säugethiere, myoxus. Behlen forst- u. jagdlex. 5, 484: jung eingefangen werden alle schläfer leidlich zahm. Brehm thierleb.² 1, 2, 306.
b)
für fische, die sich im schlamm versteckt zu halten pflegen, eleotris. Oken 6, 173.
6)
aus der bedeutung 3 mag sich gleichfalls das in Tirol übliche schläfer als bezeichnung einer spät reifenden traubenart erklären.
7)
schläfer dasselbe wie schlafdeich. Jacobsson 7, 223ᵃ. 6, 573ᵇ.
8)
schlafer in nautischer sprache:
a)
in gleichem sinne wie schlafende kniee. Bobrik 600ᵃ, vgl. dieses unter schlafen II, 3, c, β.
b)
schlafer der beting, kniee, die mit dem liegenden arme auf dem deckbalken, mit dem stehenden gegen die vorderseite der betingsspanen verbolzt sind, betingskniee. Bobrik 108ᵇ.
c)
das zur verstärkung des vorstevens an dessen hinterer oder binnenseite angebrachte, in die hohle bucht desselben passende krummholz, binnenvorsteven. Bobrik 113ᵃ.
Zitationshilfe
„schläfer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schl%C3%A4fer>, abgerufen am 22.10.2019.

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