schläferig adj.
Fundstelle: Lfg. 2 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 290, Z. 59
s. schläfrig.
schläfrig, schläferig adj
Fundstelle: Lfg. 2 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 305, Z. 60
somnolentus, zu schläfern, älter schlafern in gleichem verhältnis stehend wie schläfig zu schlafen, vgl. gramm. 2, 305. ahd. ist bezeugt: slafragan sopitum Murbacher hymnen 2, 4, 4, mhd. slâfferig, slâfric, slæfric Lexer mhd. handwb. 2, 953, frühnhd. slêffrig ebenda, schlafferig, schlafferg, schlaufferig (vgl. das vorige), slefferig, slofferick, somnolentus Dief. 542ᵃ, schlafferig, soporosus 542ᵇ, treg vel schlefferig, torpidus 589ᵃ, schläfferig Dasypodius, schlaafferig, schläfferig Maaler 354ᵃ, schläfferig Henisch 439, 3, schläferich, schläferig Stieler 1805, schläfrig Steinbach 2, 424, schläferig, schläfrig Frisch 2, 186ᶜ, schläferig, häufiger schläfrig Adelung, so noch heute, mnd. nnd. slaperich, sleperich.
1)
eigentlich, zum schlafen geneigt, müde. schläfferig sein, domiturire Dasypodius. Adelung, schläfferig machen, soporare, sopio Dasypodius, schläfrig werden, somno sollicitari Frisch 2, 186ᶜ: mnd. de viende voren utme slape, se liepen slaperech in den straten here unde dare. d. chron. 2, 1, 263, 12; unde dâ von sol im (gott) der mensche willeclîche unde snelleclîche dienen, unde niht slæferlîche noch laʒlîche, als uns des lebens betrâge oder als wir slæfric sîn. Berth. v. Regensburg 560, 4; da nu der breutgam verzog, worden sie (die jungfrauen) alle schlefferig, und entschlieffen. Matth. 25, 5; so dann die compania schlefferig, so gieng man erst zu bet. Zimm. chr.² 3, 386, 26; Fiesko hat sich schläfrig geschwelgt. Schiller Fiesko 5, 1;
des briutegomen biten sie:
dô wurden slâfric alle die
der kunft dâ solten bîten
in des slâfes zîten.
R. v. Ems Barl. 90, 14 (nach Matth. 25, 5);
snell stûnt ich ûff und lait mich an
slâfferig dennocht an der wîl,
ich richtet mich jn ganges ŷl,
ob ich möcht werden munder.
Laszberg liedersaal 1, 375, 11;
(im bilde)
schweigen herrschet umher; nur posaunet der hahn
seinen morgengesang und erwecket das dorf,
und erwecket den tag, der das eine aug' schon,
halb noch schläfrig, zu öffnen beginnt.
Hölty 65 Halm.
wie im vorigen belege der tag, so sind im folgenden die blumen als menschenähnliche wesen gedacht (vgl.schlaf 3): die sonne brennt sanfter über den halbgeschlossenen schläfrigen blumen. J. Paul flegelj. 1, 28. sprichwörtlich: nd. de släp'rig is, de slumm'rig is, wat deit he bi de bruut? Firmenich 3, 24, 20. einen langschläfer nennt man im bremischen ene sleperige rotte (ratte) brem. wb. 4, 815 (vgl.schlafratte). auch von gliedern des leibes, mienen und geberden, die die müdigkeit erkennen lassen: schläfrige augen, blicke;
bemüht euch nicht weiter ihr schläffrigen blicke,
begebt euch vom fenster ins lager zurücke!
Günther 356.
adverbial schläfrig blicken. auf syntaktischer brachylogie beruht der ausdruck schläfrige messe, messe für die schläfrigen, wie ihn der folgende beleg zeigt: allda auch ein messpfäfflein den faulen leuten die lezte mess des tages, als nemblich um mittag zu halten pflegte, die man gespöttweis die schläferige mess geheiszen. quelle von 1595 bei Birlinger schwäb. wb. 396ᵃ.
2)
in freierer anwendung wie träge. so von menschen, die den eindruck des schläfrigen machen, in miene und geberde, im handeln und denken Adelung. blut, hinlessig, schläfferig, remissus animo Henisch 489, 3; schlafferig und liederlich seyn, dormitare Maaler 354ᵈ: die faulen haillosen schreiber und schlefferig alten narren würden in (den könig) an leib und sin verderben, würden gar ain phantasten aus im machen. Aventin 2, 48, 32 Lexer; (in die geistlichen orden kamen) kein mansbilder, als minderjärige kinder, unverständige, faule, langsame, schläfferige schlingel. Garg. 272ᵇ; substantiviert:
sie (die freundschaft) nur flöszt für grosze werke,
Hektors muth und Herculs stärke
unsern ofnen herzen ein,
wie dem schläfrigen der wein.
Göckingk 1, 164.
schläfrig und träge, faul verbunden: mnd. dar umne en isset nicht sunder sunde, dat eyn mensche dat word godes hoert sunder andacht unde dan vuel unde traech unde slaperich is, alz he dat word godz horen sal. Veghe 175, 23 Jostes; mit abhängigem infinitiv und zu:
und daher kompt, dasz wir der tugend abzuwarten
so träg und schläffrig seyn.
Rachel sat. (nr. 4) 34.
ebenso wie von menschen von trägen, langsamen thieren: schläfriges pferd Adelung. von miene und geberde, handeln und denken des trägen und von dem überhaupt was im äuszern oder innern des menschen den eindruck des trägen, lässigen hervorruft: schläfriger gesichtsausdruck, schläfriger gang, schläfriger vortrag. Adelung, schläfrige schreibart ebenda, schläfrige politik: alle schwierigkeiten, welche die schläfrige politik des ministeriums diesem gesuche entgegen setzte, überwand der kaiserliche gesandte in Madrid, graf von Khevenhüller, glücklich. Schiller 8, 87. adverbial: er treibt die sache schläfrig, languide res agit. Steinbach 2, 424; die sache ist zu wichtig, als dasz sie sich schläfrich treiben liesze. Lessing 3, 39; schläfrig arbeiten Adelung. in allgemeinerem sinne von träge, wie langsam, ohne starke bewegung, doch meist so, dasz der ausdruck einem bildlichen nahe kommt: unsere schläfrige verdauung stimmt den kopf nach dem magen. Göthe 8, 12;
nickst du bei heiserem grillengezirp am schläfrigen feuer?
Voss 2, 129.
gern von tönen, geräuschen: das schläfrige geklapper der mühle; das schläfrige plätschern des regens; adverbial;
durch die ganze luft herrscht feyerliche stille;
nur dasz ein käfer hier mit trägem fluge schwirrt,
und schläfrig an mein ohr ein fernes läuten irrt.
Gotter 1, 138.
mit verinnerlichung der beziehung:
dir gott der dichter musz ichs klagen,
sprach Herrmann, Sch ** darf es wagen,
und singt ein schläfrig lied von mir.
Lessing 1, 34.
3)
im sinne von 'schlafen machend, einschläfernd', eine wol mit anlehnung an das transitive schläfern entstandene bedeutung, wie sie auch in den letzten der unter 2 angeführten belege durchschimmert: es ist heute heiszes, schläferiges wetter, vgl. Frommann 2, 461 (henneb.-fränkisch);
hier ist's kühl, im thurme schwül und schläfrig.
Grillparzer (1887) 6, 90.
vielleicht ist auch in der folgenden bildlichen wendung schläfrig so zu verstehen:
wan sich die schwartze nacht (setzend mit stillem gang
des himmels liechter auff) uns zu stillen bemühet,
und auff deinen (gottes) befelch jhren dunckeln umbhang
mit schläferiger hand umb der welt läger ziehet.
Weckherlin (1648) 225.
schläfrig, schläferig adj
Fundstelle: Lfg. 2 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 307, Z. 19
zu schläfer, m. in den zusammensetzungen einschläfrig, ↗zweischläfrig, von betten, für einen, zwei schläfer bestimmt. Adelung.
Zitationshilfe
„schläferig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schl%C3%A4ferig>, abgerufen am 23.07.2019.

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