Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

schlangenzunge, f.

schlangenzunge f.
mhd. slangenzunge.
1)
zunge einer schlange: mit ausgestreckter schlangenzunge. Klinger 3, 160;
sîn zung treit gift über slangenzungen.
Laber jagd 563;
listige, stechende, verleumderische zunge: und er (Zeusel) legte sich hin, um mit seiner kleinen schlangenzunge die füsze zu lecken, in deren ferse er vorher mit seinem giftgebisz gestochen hatte. J. Paul Hesp. 4, 102;
jetzt kann ich dich singen. die schlangenzunge selbst
darf nun von jenem scheine nicht zischen. denn du bist todt!
Klopstock 2, 30;
durch sein eigen fleisch und blut
und einer zofe schlangenzunge
verführt.
Wieland 21, 89;
ganz gewisz, sie lebte
in unschuld, eh' sie dich
erblickte! eh' dein liebe lügend aug'
und deine schlangenzunge sie bethörte!
26, 103;
wer des bruders fehle rüget
mit der schlangenzunge losem spott.
Hölderlin 1, 44 Köstlin;
und bin ich nicht gewandt und hab gelernt,
von kind in groszer herren dienst, die kunst
der schlangenzunge, die mit warnung lockt,
verführt mit tugendsprüchen, wahrheit selber macht
zum köder an der lüge angelhaken?
Ludwig schriften (1891) 4, 277.
sprichwörtlich: schlangenzungen haben auch gift für heilige (auch die besten menschen werden verleumdet). Wander 4, 226.
2)
die zähne fossiler haifische wurden früher schlangenzungen (glossopetrae, odontopetrae) genannt. Nemnich: versteinerte schlangenzungen (glossopetrae) sind so grosz, dasz das thier 70 schuh lang gewesen seyn musz. Oken 6, 57.
3)
name der pflanze ophioglossum vulgatum, lingua serpentina. Nemnich: das ist, serpentis lingua, schlangenzung, vielleicht von der gestalt der blättlein, die sich der schlangenzungen vergleichen. Tabernaemontanus (1664) 71 F.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 474, Z. 82.

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