schlechtigkeit f
Fundstelle: Lfg. 3 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 542, Z. 71
für uns gebräuchlicher als schlechtheit.
1)
in alter sprache sinnlich: planities, slechtekeit Dief. 440ᵇ; levigo, slechtickeyd 322ᶜ.
2)
übertragen wie geradheit: schlechtigkait der streckung zu got, rectitudo. Dief. 488ᵃ (vgl. mhd. wb. 2, 2, 395ᵃ); im sinne von 'einfachheit', dann auch schärfer: slechtigheyd, simplicitas, vilitas, tenuitas. Kilian; schlechtigkeit, .. tenuitas, exilitas, inopia, egestas, pauperies. Stieler 1850; die schwarze wagenschmier, so von den rädern fallt, gibt in zeit der noth auch ein gute wundsalben, ist allein um jhrer schlächtigkait willen verachtet. quelle bei Schm. 2, 501.
3)
in neuerer sprache entsprechend dem verschlimmerten sinne des adject.; Adelung meint, der anständigen sprechart würde schlechtheit, obgleich dieses nicht allgemein üblich sei, angemessener sein als schlechtigkeit, das man zuweilen im gemeinen leben höre. indessen hat sich das wort in der schriftsprache völlig eingebürgert: es sey recht und nothwendig auch öffentlich zu zeichen wenn man iemanden um seiner schlechtigkeit willen verachtet. Göthe briefe 5, 77 Weim. ausg.;
doch eins ist schwer und eins ist noth: auf gott vertraun,
auch wo zu siegen scheint der menschen schlechtigkeit.
Rückert poet. werke (1882) 5, 362.
auch von einer einzelnen schlechten that, regung und ähnl.: schlechtigkeiten begehen; er steckt voller schlechtigkeiten. s. Schm. 2, 501.
Zitationshilfe
„schlechtigkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schlechtigkeit>, abgerufen am 17.10.2019.

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