Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schlähe, adj.

schlähe, adj.
stumpf, s.schlehe: haberstroh ist den kühen besser, als den pferden, es sollen ihnen die bäuche davon wehe thun, und die zähne schlähe werden. Hohberg landleben 2, 38ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 427, Z. 75.

schleh, schlehe, adj.

schleh, schlehe, adj.
matt, stumpf: ahd. slêo, genit. slêwes Graff 6, 811; mhd. slê, genit. slêwes mhd. wb. 2, 2, 392ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 964; alts. sleu (Hel. 4962 Cotton.); mnd. slê Schiller-Lübben 4, 231ᵃ; ags. slâw, slæw, sleáw; altnord. sljór, in älterer gestalt slær; das gothische bietet keine entsprechung. Dietrich in der zeitschr. f. deutsches alterth. 7, 192 nimmt an, dasz lapp. slaiwes, dünn, schwach von bier, wein, aus dem germanischen entlehnt sei. abgesehen vom deutschen ist das wort in allen germanischen sprachen erhalten: engl. slow, nld. slee, dän. sløv, schwed. slö. unsere mundarten haben es indessen auch bewahrt, vgl. Schm. 2, 520. Höfer 3, 93. Castelli 244. Pfister 253. brem. wb. 4, 819. Woeste 239ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 194ᵃ. Frommanns zeitschr. 6, 478 (Lippe). vgl. noch Frommanns zeitschr. 6, 202. in der neueren schriftsprache begegnet es selten: burtzelkraut gekäuwet oder gessen heile die verhönete oder stumpffe zähn, so von herbem oder rauhem obst und dergleichen, schlehe oder stumpff worden sind. Tabernaemont. kräuterb. (1664) 831 C; übertragen (der einflusz des fem. schlehe auf die bedeutung ist erkennbar): es war ein höchst schlehes ding für ihn dahin zu gehen. Pestalozzi 12, 28.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 556, Z. 31.

schleh, schlehe, adj.

schleh, schlehe, adj.
matt, stumpf: ahd. slêo, genit. slêwes Graff 6, 811; mhd. slê, genit. slêwes mhd. wb. 2, 2, 392ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 964; alts. sleu (Hel. 4962 Cotton.); mnd. slê Schiller-Lübben 4, 231ᵃ; ags. slâw, slæw, sleáw; altnord. sljór, in älterer gestalt slær; das gothische bietet keine entsprechung. Dietrich in der zeitschr. f. deutsches alterth. 7, 192 nimmt an, dasz lapp. slaiwes, dünn, schwach von bier, wein, aus dem germanischen entlehnt sei. abgesehen vom deutschen ist das wort in allen germanischen sprachen erhalten: engl. slow, nld. slee, dän. sløv, schwed. slö. unsere mundarten haben es indessen auch bewahrt, vgl. Schm. 2, 520. Höfer 3, 93. Castelli 244. Pfister 253. brem. wb. 4, 819. Woeste 239ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 194ᵃ. Frommanns zeitschr. 6, 478 (Lippe). vgl. noch Frommanns zeitschr. 6, 202. in der neueren schriftsprache begegnet es selten: burtzelkraut gekäuwet oder gessen heile die verhönete oder stumpffe zähn, so von herbem oder rauhem obst und dergleichen, schlehe oder stumpff worden sind. Tabernaemont. kräuterb. (1664) 831 C; übertragen (der einflusz des fem. schlehe auf die bedeutung ist erkennbar): es war ein höchst schlehes ding für ihn dahin zu gehen. Pestalozzi 12, 28.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 556, Z. 31.

schlehe, f.

schlehe, f.
prunus spinosa, der schwarzdorn und seine frucht; ahd. slêha Graff 6, 783, ags. slá (aus sláhe), engl. sloe, nld. slee. im goth. und altnord. ist das wort unbezeugt. schwed. slaͦn f., dän. slaan. dieses n, wol aus dem plural der contrahierten form stammend, findet sich in gleicher weise in nd. mundarten (slên, slein, slon, hierzu pluralformen de slöne, van sleinen. Schiller-Lübben 4, 231ᵃ; slö͏̂n Danneil 196ᵃ; slêne, f. Schambach 194ᵃ; schlänen, plur. Klein prov.-wörterb. 2, 115; slîn, dimin., slînke ten Doornkaat Koolman 3, 195ᵃ. daneben auch slêe brem. wb. 4, 819. Dähnert 428ᵇ. Mi 80ᵇ; slêe, slêje ten Doornkaat Koolman a. a. o. 194ᵇ). contraction (zu schlê) und apokope (schlech) begegnen häufig in alteren quellen, ebenso die schreibung schlee, die der aussprache folgte, s. unter den belegen. Maaler 355ᵈ schreibt schlehen, ebenso Schottel 1400 schlehe, Stieler 1832 schleh, et schlehe, die, pl. schlehn, et schlehen ... scribitur nonnullis schleen, sed male, Steinbach 2, 440 schlee, plur. schleen, 441 schlehe, plur. schlehen, Frisch 2, 194ᶜ nur schlehe, um nicht zwei gleichlautende vocale zusammenstoszen zu lassen. oberd. mundarten bewahren in verschiedener gestalt die zwischenconsonanz in der aussprache: schlêch Schm. 2, 520. Schöpf 618, slêga Zingerle lusern. wb. 51ᵇ. Schm. cimbr. wb. 232ᵃ. dagegen wird im Aargau nach Hunziker 222 das h in schlehe nur schwach gehört. die mitteld. formen schlek, schliek bei Kehrein 1, 351 darf man auf älteres slech zurückführen. die etymologie des wortes ist nicht sicher, da es unmittelbar weder mit slêu, slêwes, noch mit altsloven. sliva, pflaume, verglichen werden kann. Kluge etymol. wb.⁵ 326ᵃ. die vermutung, dasz unser schlehe mit dem slav. worte verwandt sei, wird dadurch wahrscheinlich gemacht, dasz in alter zeit die schlehe als art wilder pflaume aufgefaszt wurde, dasz man pflaumen auf schlehen pfropfte (s. unter 1). zu erwähnen ist noch, dasz schlehe vereinzelt als masc. erscheint: ik achtede er nicht einen sle. Schiller-Lübben 4, 231ᵃ; vergl. die stelle aus dem ring unter 3;
ihr aug ist schwarz wie reifer schlee.
Hagedorn 3, 75.
1)
im mittelalter bezeichnet schlehe nicht nur die beeren des schwarzdorns (die im gegensatze zu andern schlehen auch dornschlehen heiszen), sondern auch andere ähnliche früchte; so von den früchten des kriechpaumes (prunus) bei Megenberg: die wir die wälhischen oder die grôʒen slehen haiʒen. 341, 28. umgekehrt bezeichnet im roman. prugnola, prunelle die schlehenfrucht. über diese verhältnisse vgl. die bemerkungen bei Hehn culturpflanzen u. hausthiere⁵ 310—313. die schlehe wurde als eine wilde pflaumenart aufgefaszt. daher nld. sleepruyme bei Kilian, und wilder krieken-, pflaumen-, zwetschkenbaum, bauerpflaume als namen des schlehdorns bei Nemnich; pflaumenschlehe Behlen lexicon d. forst- u. jagdk. 5, 492. sogar für ganz anders geartete früchte wird schlehe gebraucht: avellana, slea Graff 6, 783 (mit avellana scil. nux ist eine haselnuszart gemeint. Hehn a. a. o. 321); doch liegt hier vielleicht ein versehen vor. die folgende zusammenstellung gibt einen begriff von der terminologie des mittelalters: accasium, accacium, caracia, sleha, slehe, sleche, slee, sle, schlehen, slen, slein, slee die op en sleedoern wesset, dornschlech. Dief. 6ᶜ. 99ᵇ (deutsche acacia als name des schwarzdornes bei Nemnich); cornum (hagebutte), slech 152ᵃ; prunella, slehen, schlehen; prunellum, kriech, slech; prunellus, kriech-, slechpawm; prunum grecum, serotinum krichen- oder herbstslehn; prunum silvestre, schlehen; prunus silvester, sle 469ᵃ ᵇ; brumela (für prunella), bellicum (engl. bullace?) vel sla Wright vocabul.² 196, 32; spinellum, sleha, schlehe, slehe oder hagenapffel. Dief. 547ᵃ; doren - schlech nov. gloss. 345ᵇ; slee, sleepruyme, spineolus, pruneolum, prunulum, prunum silvestre, pruneolum autumnale, vanum. Kilian. die brombeere heiszt auch häckschlehe, morum dumi. Steinbach 2, 441, die frucht der prunus insititia haberschleh. Schm. 2, 520; schleen oder kritzschenpflaumen. Döbel jägerpract. 3, 13ᵇ; plaumenschlehe bei Nemnich unter prunus insititia; haberschehe bei Oken 3, 2055. der am meerstrande wachsende seekreuzdorn (hippophae rhamnoides) wird auch rothe schlehe genannt. Nemnich. Frischbier 2, 246ᵇ. schon im alterthume pfropfte man pflaumen auf den schlehdorn (Hehn a. a. o. 310); diese veredelung wurde auch späterhin gepflegt: der schlehendorn, wann er fleiszig versetzet und gepropffet wird, verendert er sich, und wird einheimisch, daran die groszen schlehen, die noch so grosz seyn als die andern, und welsche schlehen genannt werden, herkommen. Tabernaemont. (1664) 1406 A; gartenschlehen, prunus sylvestris transplantata. Stieler 1832. auch kirschen werden auf schlehen gepfropft, s. unterschlehenstamm.
2)
schlehe bezeichnet sowol den strauch, wie seine frucht: die schlehen wachsen in den hecken, und neben den wegen, werden zuzeiten grosz wie andere bäume, wo sie nit behauwen werden. Lonicerus kräuterb. (1577) 67ᵃ;
das holde plätzchen, wo ich sasz,
war ein geheimes thal, gebildet von zwei höhen,
bekränzt mit birken und mit schlehen.
Bürger 403 Sauer.
von der frucht: schlehen, die frucht von einem schlehenbaum, spinedus, pruni sylvestres. Maaler 355ᵈ; spöttisch von einem rauhen armen lande: im Algew, da das brot ein end hat, und die schlehen schier zeitig (durch frost) seind ob Lindow in deʒselben ruhen land. Keisersberg emeis (1516) 6ᵇ; Schwabenland ist ein guͦt land, es wachsen vil schlehen darinn. Franck sprichw. 2, 21ᵃ; wenn die schlehen und holtz-äpffel nicht gerahten, so haben die Hessen weder zu sieden noch zu braten. Wander sprichw.-lex. 4, 233; mit den schwarzblauen schlehen werden schöne augen verglichen:
host schwarze âge bie di schlîe (fränkisch).
Frommanns zeitschr. 5, 263;
scherzhaft werden die büchsenkugeln bleierne schlehen genannt:
da schickt wir in aber der pleiern slehen,
dasz sie sich uber die setel pugen.
Liliencron hist. volksl. 1, nr. 93, 299.
vgl.schlehenbüchse. die schlehen haben einen bitter-säuerlichen, zusammenziehenden geschmack, daher sprichwörtlich: schlehen seyn keine weinbeere. Stieler 1832. indessen wurden sie von altersher wie die pflaumen gedörrt, und fanden in küche, keller und apotheke mancherlei verwendung: man iszt sie, wann sie zuvor von der kälte seindt milt worden. Lonicerus kräuterb. (1577) 67ᵃ; gewelkte schlehen, pruna sylvestria in furno exsiccata. Stieler 1832; von eingemachten schlehen. Tabernaem. (1664) 1406 J; an unzitiger fruht, als an aphel, an biren, an slehen, an nuʒʒen, unt an suslicheme geluste. Mone schauspiele d. mittelalters 1, 332; man fabricierte ein getränk aus schlehen: unse susteren hebben sik dar mit armode beholpen unde hebben inst eirste er beer gebrouwen van sleinen unde suren beren. quelle bei Schiller - Lübben 4, 231ᵃ; wein mit schlehen zubereitet: von schlehen pflegt man einen wolgeschmackten wein zubereiten, die kernen mit der frucht wol zerstoszen. Lonicerus kräuterb. 67ᵇ, s. schlehenwein. in kurzer ausdrucksweise:
nauwe des jârs einen beker slein (einen becher schlehwein).
Theophilus 1, 75.
frucht und blüte des schlehdorns dienen zur herstellung von heilmitteln (Lonicerus a. a. o. Tabernaemontanus 1406). vgl.schlehenblütenwasser, -branntwein, -compost, -confect, -conserve, -most, -musz, -saft, -trank, -wasser, -wein.
3)
schlehe dient in älterer sprache zur bildlichen verstärkung der negation:
diu (bitte) toht niht umb ein slêhe.
krone 21273;
du heist derhalben, wie du wilt,
es bey mir nit ein schlehen gilt.
Ayrer 2152, 21 Keller;
s. Schiller - Lübben 4, 231ᵃ. Grimm gramm. 3, 729. Zingerle bildliche verstärkung der negation. ähnlich ist wol folgende stelle aufzufassen:
ein uberweiser man
der spricht, er künn ein faulen schlehen (einen dreck, nichts)
und lat sich bitten und auch flehen
umb ein wörtel oder zway.
des aht ich alles nicht ein äy
und sag dir, sam ich mich versich.
ring 27ᵈ, 40.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 556, Z. 78.

schlehen, verb.

schlehen, verb.
stumpf, matt werden (von den zähnen), s.schleh, adj.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 558, Z. 63.

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Zitationshilfe
„schlehe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schlehe>, abgerufen am 23.10.2020.

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