Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

schleifen, verb.

schleifen, verb.
I.
die beiden nhd. typen schleifen, schliff, geschliffen und schleifen, schleifte, geschleift gehen zurück auf ahd. slîfan, sleif, gisliffan, labi Graff 6, 807 und das hiervon abgeleitete schwache verb. sleifan, sleifta, gisleifit, labefacere 809 (daneben ist noch ein schwaches verb. slipfen anzusetzen, dessen prät. slifton aus Notker bezeugt ist Graff 6, 809, s. mhd. wb. 2, 2, 402ᵃ). das starke verbum findet sich wieder im ags. toslîpan, dissolvi. im altnord. fehlt das starke verb. (dän. slibe, schwed. slipa, isländ. slípa sind lehnworte und haben schwache flexion), auf dasselbe weisen sleipr, schlüpfrig, Sleipnir, der name für Odins rosz; auch im goth. ist ein starkes verbum unbezeugt. nach bildung und bedeutung steht goth. sliupan, deutsch schliefen, das einer anderen ablautsreihe angehört, zu slîpan in naher beziehung (Noreen urgerm. lautl. 67). bemerkenswert ist auch die formen- und sinnesverwandtschaft von slîpan und slîkan. das nd. und nld. besitzen das starke verbum, nd. slîpen Schiller-Lübben 4, 242ᵃ, slijpen, acuere, exacuere cote Kilian. die entwicklung der nhd. flexion bietet keine besonderheiten dar. im nd. ist neigung vorhanden, das verb. in die schwache flexion überzuführen: dunne gheslaghen is drade gheslypet. Schiller-Lübben 4, 242ᵃ. ik sleep und slipede, ich schliff, sliped. geschliffen brem. wb. 4, 832; dagegen slepen, geschliffen bei Schütze 4, 118. Schambach 195ᵃ verzeichnet die schwache form des part. prät. als die seltnere neben der starken. nur starke formen bezeugen Woeste 241ᶜ. Mi 80ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 203ᵃ. vereinzelt begegnen auch im hochd. schwache formen: geschliffen, geschleufft, gescherpfft, exacutus Henisch 1541, 56; schmale von der zeit geschleifte leichensteine (deren inschriften ausgewischt sind). J. Paul Tit. 2, 114. umgekehrt starke flexion für schwache ist nd. bezeugt, s. unten B, 1, c. dem hochd. schwachen verbum schleifen, mhd. sleifen entspricht mnd. slepen Schiller-Lübben 4, 233ᵇ, nld. slepen, sleypen, verrere Kilian. ebenso im neueren nd. slepen brem. wb. 4, 822. släpen Dähnert 426ᵃ, sleepen Schütze 4, 116, slä̂p'n Danneil 194ᵇ, släpen Mi 80ᵃ, slêpen Schambach 194ᵇ, sliepen Woeste 240ᵇ, slepen, släpen ten Doornkaat Koolman 3, 197ᵃ. die alemannische und bairisch-österreichische mundart zeigen seit alter zeit im auslaut der wurzelsilbe des schwachen verbums die affricata statt der spirans (westgermanische consonantendehnung nach langer silbe) Teichner im mhd. wb. 2, 2, 401ᵇ, schlaipfen Aventinus werke 1, 425, 1, schleipffen Maaler 355ᵈ, vgl. Schmeller 2, 531. Schöpf 614. Höfer 3, 89. Stalder 2, 327. Hunziker 222. Seiler 254ᵃ. ebenso schleipfe, f. es ist erklärlich, dasz, besonders nachdem der wurzelvocal in den präsensformen nicht mehr zur unterscheidung dienen konnte, das schwache und das starke verbum vielfach auf einander einwirken muszten, vor allem durch bedeutungsübertragung. als älteste bedeutung des starken verbums erweist sich labi, schleichen, gleitend gehen; diese bedeutung ist in neuer sprache auf das schwache verbum übertragen: ich hörte, wie nebenan der alte mann über den gang schleifte u. ähnl. aus den idiotiken ist nicht überall zu ersehen, ob schleifen in der bedeutung 'auf dem eise gleiten, schlittern, schinschern' stark oder schwach flectiert. nd. slepen im sinne von labi ist bei Schiller-Lübben bezeugt: alsdann slepeden se mit grotem prale umme de stadt her. 4, 234ᵃ. Adelung hält schleifen, schleichen, sich heimlich bewegen für das schwache verbum. mhd. sloufen, slöufen (factitivum zu sliefen), kriechen, schlüpfen machen, schlüpfen lassen, schieben, besonders vom anziehen oder ausziehen der gewänder wirkte auf sleifen ein und beide verba gehen auch landschaftlicher aussprache folgend in einander über; sleifen begegnet schon in alter sprache in gleichem sinne wie sloufen:
ich sleiffen (lesart der hdschr., sloufe ist Roths verbesserung) mich
in die stahelringe min.
K. von Würzburg schwanritter 828;
von untugende reifen
sich dur ein enge sleifen
zegot in einen ordin.
Martina 46, 12;
also sleiffete er sich us dem mantel. d. städtechron. 8, 257, 6; und wenn du also die zwen lefzen der wunden durchstichest, so schlaif (schlöff ausgabe von 1539 bl. 13ᶜ) den vaden durch. Braunschweig chir. (1498) 21ᵇ; schlaift ain miszbrauch ausz dem andern. Aventinus werke 1, 177, 22; der spar slaifft sein haubt under sein fettig. buch d. weish. bei Schm. 2, 507;
schleifften albeyd zum fenster ein.
Rollenhagen froschm. G 3ᵇ.
vgl. unten A, 1, a. durchschleifen, perrepere, proripere se ad aliquem locum angustum Stieler 1808; nd. dör slipen laten, durchschlüpfen lassen brem. wb. 4, 833. in diesen beispielen tritt der für sloufen charakteristische begriff der enge, durch die oder in der etwas gleitet, deutlich hervor. auch das in älterer sprache häufige sich einschleifen, irrepere, furtim intrare (th. 3, sp. 277) ist von sloufen, slöufen her beeinfluszt, einschleifen, quasi einschleichen, immergere se in consuetudinem alicujus Stieler 1808; in diesen zusammenhang gehören schleifhandel, -thür, -weg und ähnliche ausdrücke. einschlaipfen, eine nonne, sie einkleiden; ein frommer priester sol eingeschlaipft sein mit allen tugenden. Schm. 2, 531; schlaifen, schläfen vom anziehen und ausziehen der kleider Schmid 466. Birlinger 396ᵃ. das von letzterm angeführte schleifen, 'brüten, junge ziehen' ist gleichfalls als schläufen aufzufassen (herausschlüpfen lassen). schlöuffen, so die hüner jre jungen härfür bringend. Maaler 365ᶜ; ausz schleyffen, excludere ova Dasypodius; der zitterfisch gebirt linde eyer in jm selber, schleifft dieselbigen ausz noch in seinem leib. Forer fischb. 76ᵃ. schleifen, pfropfen (schleifrebe, schleifreis) steht gleichfalls für schleufen, slöufen: anschlaifen die beume ist am besten, wen es im letzten virtel dem mond am negsten ist. Luther tischr. no. 214 Preger; und suche .. einen solchen zweig, der so grosz oder lang ist, als der vorige war, von dem du eine rinde abziehen und über diesen andern streifen und schleufen wilt. Colerus hausb. (1640) 112. schleifen, eine schleife (ursprünglich sloufe) binden ist im nd. vertreten durch slöpen brem. wb. 4, 840. Danneil 196ᵃ; hochd. als schleipfen: schleypfften dye durch einander (die geflechte), und cleybten die mit leymen zuͦ. Keisersberg bilg. 62ᶜ. richtiger schleufen bei Steinbach 2, 443. andererseits begegnet slöufen für schleifen: d. städtechron. 8, 61, 32. 55, 7. 54, 11. geschliffen, geschleufft .. exacutus Henisch 1541, 56; labi, häliczen oder schlewffen auf dem eys. quelle des 15. jahrh. bei Schm. 2, 510. den schleufte eine kutschen zu tode. M. Neander vom sel. absterben 38. nd. slöpen, lasten auf einer schleife fortschaffen, schleppen Danneil 196ᵃ. Mi 81ᵃ; im brem. wb. 4, 840 een schip slopen, es abbrechen. zur gröszeren verwirrung trugen formen des ind. präs. von schliefen bei: du schleufst, er schleuft, vgl. z. b. A, 1, b, ζ. wie das wasser in die erden verschleifft. 2 Sam. 14, 14 (für verschleuft, zu verschliefen). Andresen volksetym.⁴ 212, 7.
II.
gebrauch.
A.
schleifen, starkes verbum.
1)
als ursprüngliche bedeutung ist anzunehmen 'über eine fläche hin gleiten oder kriechen'. ahd. slîfan glossiert labi, delabi, collabi Graff 6, 807, labi, hinschliffen vel hinschlichen Dief. 314ᵃ, repere slifen off der erden 493ᵃ, serpere, slifen 530ᵃ; vergl. schleichen oben sp. 562.
a)
von schlangen, würmern, kriechenden thieren, sich dicht über eine fläche gleitend bewegen: diu cenker sleift allzeit an dem rehten steig (kriecht stets gerade aus). Megenberg 267, 16;
die boume begunden bresten
da der wurm hin sleif.
Wigalois 5008;
so auch in späterer sprache:
mich jammert dein grosz ungemach,
dasz du (die schlange) so elend schleiffst herein.
Rollenhagen froschm. (1595) E 7ᵃ;
doch ist hier wol schleyffst als schleufest zu fassen (s. oben unter I); an einer anderen stelle steht schleyfft im reime auf leufft:
ja die schlange ehe ins feuer hinleufft,
ehe sie durch seinen schatten schleyfft.
Hh 7ᵃ.
b)
auf personen übertragen.
α)
sich gleitend über eine fläche hinbewegen, wobei die füsze wenig oder gar nicht bewegt werden. so besonders von dem gleiten über eine eisrutschbahn, wofür eine fülle anderer landschaftlicher ausdrücke bekannt ist (s. oben unter kascheln th. 5, 247): sliffen, schliffen, sleyfen, schleyfen, schleiffen auf dem eysz, schlyfen uff ysz, lapsare Dief. 318ᶜ; sleiffen auff eysz, labi nov. gl. 225ᵃ; schleifen, vulg. schlittern, auf dem glatten eisz stehend fortfahren. Frisch 2, 195ᵇ; schleifen, in lubrico decurrere Wachter 1428;
auff dem eysz so schleyffen die buben.
H. Sachs 1 (1590), 319ᵇ.
aus den idiotiken ist leider nicht überall ersichtlich, ob das wort in diesem sinne stark oder schwach flectiert. üblich ist es im bair. Schmeller 2, 509 (hier auch: einen hinschleiffen, weiter glitschen als ein anderer; einen einschleiffen, ihm zwischen beine glitschen, um ihn zu fall zu bringen); in Tirol Schöpf 620, in Kärnten Lexer 220, deutsch-ung. Frommann 6, 342, im Elsasz Schmid 466, im meiningischen Reinwald 2, 111, schweizerisch als starkes verbum schliffe (schwache form schleipfe) Hunziker 223. Seiler 255ᵇ. Stalder 2, 327 verzeichnet daneben auch das schwache verbum (oder nur die schriftdeutsche form des starken verbums?): schleiffen, schliffen. Adelung (schleifen II, 1, b) gibt schwache flexion an. es geht wie geschliffen, ganz leicht Seiler a. a. o.
β)
im tanze sich gleitend bewegen, im gegensatze zum hüpfenden tanze:
schône umbe slîfen,
unt doch mit gedrange.
minnes. 1, 201ᵃ Hagen;
lîs ûf den füeʒen slîfen
und dar nâch balde springen
wart dâ mit hübischen dingen
an in beschouwet unde erkant.
troj. krieg 28206;
ûf den zên sleif er hin.
zeitschr. für deutsches alterthum 6, 518;
daher bezeichnet der schleifer eine bestimmte art des tanzes. die wendung geschliffen tanzen ist bezeugt bei Schmeller 2, 509. bemerkenswert ist es, dasz noch J. Paul schleifen in diesem sinne stark flectiert: so dasz also da (auf dem monde) ein lustiges mädchen, das von der mutter schon um mitternacht vom balle nach haus gezerret wurde, doch wenigstens seine guten anderthalbhundert stunden gewalzt und geschliffen hätte. Q. Fixlein 48; vgl. noch: wie verschieden von jenen launischen oder ungelenken stiefschwestern, die mit dem halben Kato von Utika auf dem faltigen oder gespannten gesichte, hopsen, abfallen und schleifen. Titan 2, 150;
hackbrett, geigen, pfeifen,
muntern auf zum schleifen.
Schubart 2, 212;
doch schleift und tanzt sie dir
am liebsten nur mit mir.
214.
in weniger prägnanter bedeutung (s. unten B, 2 am ende):
da ringelt's und schleift es und rauschet und wirrt.
Göthe 1, 197.
im mhd. auch transitiv:
dô man die tänze sleif.
Neidhart 52, 9;
über die redensart schleifen und wenden s. unter 2, d.
γ)
freier von anderen gleitenden bewegungen, z. b. der eines herniederschwebenden engels:
unt in des fiures schricke
der engel von himele sleif.
Servatius 399;
niedersinken, im schlafe:
ein gæher slâf mich begreif,
als ich dâ von nider sleif.
2520;
vom rosse, zur erde sinken:
Polixenum stach Delon
daʒ er ûf die erden sleif.
H. von Fritzlar 5370;
dô si her von dem satel sleif.
U. v. Lichtenstein 37, 19;
daʒ er zuo der plânîe sleif.
K. v. Würzburg troj. krieg 39997.
in der folgenden stelle tritt diese alte bedeutung von schleifen schön hervor; allerdings kann man schliff auch als falsch gebildete form zu schliefen auffassen:
aber die göttin Jovis gut,
nemblich fraw Venus wolgemut
gott Martem bey der hand ergriff,
so hinder sich vor ohnmacht schliff.
Spreng Ilias 298ᵇ;
vgl.: darnach das man ins fegfewr schlieff (: brieff).
Fischart 1, 171, 1522 Kurz.
sicher zu schleifen: (er ist) die treppen und das bet hinab geschliffen oder gerutzt. Zimm. chron.² 4, 173, 16.
δ)
wider willen gleiten, ausgleiten; auf blutgetränktem grase:
sî vuoren slîfende ûfme grase,
alsô ûf einem hælen glase.
Eckenlied 126, 4;
freier: pedes meos a lapsu, mîne fuoʒʒe fone slîphenne. Notker ps. 55, 13; setzit die vuoʒe ûf einen stein, der vaste lige und niht walge, ûf daʒ ir niht slîfende werdet. Leyser pred. 129, 34;
dô riet man ime, daʒ er iʒ
mit kurzen worten gar begriffe
und niht vil von dem wege sliffe.
L. von Regensburg S. Francisken leben 380;
vom unsicheren schritt des alters:
nu bin ich worden alt unt krank, mir sinkt daʒ houpt unt slîfe mit den vüeʒen.
minnes. 3, 225ᵃ Hagen.
ε)
unsinnlich:
swer sehzic jâr ergrîfet
und dar ubir slîfet.
Martina 124ᶜ, 68.
ζ)
von der bedeutung des raschen gleitens aus nimmt schleifen auch den allgemeinen sinn von 'laufen, in bewegung sein, sich umtreiben' an:
laufen alles anderswar
mit iren predigatin schliffen,
daʒ wir sy nummermer begriffen.
Mone altd. schausp. 1, 647;
wo schleuffts den gantzen tag umb.
H. Sachs 3 (1561), 3, 69ᵃ.
in dieser stelle so wie in den beiden folgenden können auch formen von schliefen vorliegen:
wann du alle wirtsheuser ausschleufst
und dich alweg vol frist und seufst.
fastn. sp. 253, 15;
mit dem nebensinne des heimlichen:
bei euch maint ich verholn zu sein
vor meinem weib, die mir nach schleuft (: begreift).
252, 27.
η)
schön hat sich das starke verbum (auf personen bezogen) in der mundart von Davos in prägnanter anwendung erhalten; hier heiszt es aus einem dienst sich drücken, sich heimlich davon machen. Bühler Davos 23ᵇ.
θ)
die redensart schleifen gehen, zu grunde gehen (Schm. 2, 510. Kehrein 350) läszt sich ebenfalls auf die alte bedeutung von schleifen zurückführen.
c)
von unpersönlichem in entsprechender anwendung; viel gebräuchlich ist hier in alter sprache die wendung schleifen lassen, gleiten lassen.
α)
in sinnlicher anwendung, über eine fläche dahingleiten, so vom schiffe:
daʒ schef her zem gestade sleif.
Lohengr. 778;
von der gleitenden bewegung des fingers auf den saiten eines instrumentes:
ir vinger sah man slifen,
sie wâren sinewel unde lanc.
sie teten mangen süeʒen swanc,
in der herphen ab und ouf
ze flîʒe snel was ir louf.
H. v. Neustadt Apoll. 16073;
ähnlich noch bei Günther:
denn dasz oft der bogen die quinte zersprengt,
macht, weil die finger so lange drauf schleiffen.
259.
niedersinken, niedergleiten (s. 1, b, γ); vom herabgleitenden fallthor:
dô daʒ tor her nider sleif.
Iwein 1111;
das schwert gleitet aus der scheide:
sô sleif eʒ ûʒ der scheide.
krone 8524.
und so in allgemeiner anwendung: wær der mag sleht und glat, so sliff daʒ eʒʒen ê der zeit ze tal und belib ungekocht. Megenberg 32, 12; lasz den campher nicht gähling in den wein fallen, sondern nur gemachsamb hinein schleiffen. quelle bei Schmeller 2, 509. auch von lebhafter bewegung:
daʒ swert lieʒ er slîfen
und sluoc im ab die schære lanc.
H. v. Neustadt Apoll. 10051;
do lieʒ er nider slîfen
dem orse in die sîten die sporn.
Rabenschlacht 955;
von einsinkenden mauern: dise zwô mûre sint von irdenischer materie, dâ von slîfent si unde werdent krank. B. v. Regensburg 1, 365, 10. vom fusze, ausgleiten (s. oben 1, b, δ):
von ime begunde slîfen
ein vuoʒ, daʒ er sich erviel
in ein mos.
krone 9906;
besonders von der gleitenden bewegung der hand, des armes; bisweilen tritt der nebensinn des leisen, heimlichen hervor:
diu hant ir gegen der erde sleif,
ir mannes swert si begreif.
Erec 6062;
Obîen hant fürn mantel sleif.
Parz. 396, 25;
unzühteclîch ir hant lie slîfen.
br. Philipp Marienleben 2130;
er begonde nâher grîfen,
den arm lieʒ er slîfen
und leite in under ir helsilîn.
H. v. Freiberg 754;
sîn hant im ûf die sîten sleif
dâ diu wunde ûfe lac.
L. v. Regensburg S. Francisken leben 3453;
die hant im in den buetel schlaiff,
das er den pfenning do begraiff.
quelle bei Schmeller 2, 509.
β)
in übertragener anwendung:
sus in thesa wîsun   sô sleif thiu worolt herasun.
Otfrid an Hartmuot und Werinbert 107;
die wîsheit diu vom himel slîfet.
L. v. Regensburg tochter Syon 2850;
sô diu gerunge slîfet
zuo dem herzen mit der minne.
3697;
besonders wie dahingleiten, entgleiten, entschwinden:
diu jugent dannan slîfet.
Diemer ged. 363, 9;
sîn trûrigeʒ muot
im dô slîfen began (sein sinn erheiterte sich).
kaiserchron. 8344;
'daʒ leistich' sprach der künc 'zehant'.
und lie slîfen sînen zorn.
Reinhart 1891;
dô lieʒ si slîfen ir muot (ihren groll).
ges. abent. 2, 203, 220;
âne kraft, diu von mir gunde slîfen.
H. v. Laber jagd 347, 4;
sô die (tage) hin geslîfent.
Martina 276ᶜ, 59;
freud, hoffnung von mir sleiffet.
O. v. Wolkenstein 119, 1, 19.
vgl. die belege bei Schmeller 2, 509. mhd. slîfen lâʒen, hingehen lassen: unde læst eʒ alsô hin slîfen. B. v. Regensburg 1, 513, 21. wie fahren lassen:
si lieʒen slîfen gar ir habe
und lebten jæmerlîche.
Lanzelet 68.
2)
der übergang von der intransitiven bedeutung 'gleiten' zu der von exacuere, polire ist schwer zu erklären. die vorstellung der gleitenden bewegung bei schleifen vermittelt den sinneswandel. im ahd. begegnet die neue bedeutung nur ganz vereinzelt: geslifena, expolitam Graff 6, 808. das nhd. starke verb. schleifen beschränkt sich fast ausschlieszlich auf die secundär entwickelte transitive bedeutung, die nach verschiedenen richtungen sich entfaltet.
a)
waffen, schneidende werkzeuge scharf machen: lapsare, sly-, slif-, schlif-, sley-, schleyfen Diefenbach 318ᶜ; die achs schleyffen oder wetzen, in cote securim subigere Maaler 356ᵇ; ein räbmässer wol schleyffen oder wetzen, wol hauwend machen, excitare aciem falcis. ebenda; scheren schleifen, forfices coti atterere Stieler 1808; geschliffen, acutus Frisch 2, 195ᵇ. sensen, sägen schleifen; den säbel schleifen lassen; das messer schleift sich schlecht; der stein schleift gut; eine hohlkehle in eine klinge schleifen. ich han daʒ sper gescliffen und gewezzet. Grieshaber pred. 2, 147; der hât gar eine griulîche mortaxt. diu ist wol gesliffen ze dem êwigen tôde. B. v. Regensburg 1, 135, 32; das die zimmergesellen an der stat arbeit ein kerben haben, doran sie die schnit schneiden so oft sie schleiffen lassen. Tucher baumeisterb. 112, 32;
sîniu wâfen er dô sleif.
K. v. Fuszesbrunnen kindh. Jesu 2548;
sîn swert ist wol gesliffen.
Neidhart v. Reuenthal xlvii, 25;
manic tûsent grelle
gesliffen vil scharf.
Ottokar reimchron. 96324;
das recht ist vor das volck, auff fürsten schleifft man degen.
A. Gryphius 1, 82;
heist sich ein blanckes schwerdt auf seinen nacken schleiffen.
Günther 417;
also redete jener und zog das geschliffene schwert aus.
Voss Odyss. 22, 79;
(von Amors pfeilen) mit frisch geschliffener schärfe,
dringen die andern ins mark.
Göthe 1, 262;
es (das schwert) ist für männer nur geschliffen.
Schiller dom Karlos 2, 7;
ich erwart' es, dasz der rache stahl
auch schon für meine brust geschliffen ist.
Wallensteins tod 1, 7;
die rachegötter beschützen heute seine brust, für die schon ein anderes eisen geschliffen ist. schrift. 8, 292; der meuchelmord schliff seinen dolch im innern der häuser. 9, 337; obscön:
die krankhait kan ir nit entpfliehen,
sie werd denn wider an der kurm ziehen,
dar an man mansdegen schol schleifen.
fastn. sp. 748, 15;
gesliffen, scharf von zähnen und klauen:
an zenen unde an griffen,
die wâren gesliffen,
sêre scharph unde wahs
noch wahser danne ein scharsahs.
G. v. Straszburg Trist. 227, 28 Maszmann.
b)
glätten, polieren, in mannigfaltigster anwendung: hauben sleiffen, helme polieren. quelle bei Schmeller 2, 510; alle ritten thessalische pferde, die sonne spielte auf ihrer geschliffenen eisernen rüstung. Schiller 9, 198. steine glätten, zum bau: marmor, granit schleifen; de (diese steine) slichteden edder slepen de steinbickers Salomonis. quelle bei Schiller-Lübben 4, 242ᵃ;
mit türnen und mit mûre
was eʒ (das schlosz) alumbe bevangen,
mit breiten steinen langen
von marmel gesliffen,
was daʒ werc gar begriffen.
krone 20124.
edelsteine schleifen, sie glätten und ihnen die gewünschte form geben: slijpen het ghesteente, polire gemmas Kilian;
sîn tach was ein berille
gesliffen alsô dünne gar.
troj. krieg 30907;
der mechanische künstler ..., der den rohen demant zum brillanten schleift. Schiller 4, 54. metalle, schmiedeeisen, stahl, bronze, messing, kupfer werden durch schleifen mit glatter oberfläche versehen: schleifen der messingbleche Jacobsson 3, 618ᵃ. in entsprechendem sinne holz schleifen: dat holt mut êrst schâfd und den mit bimstên slepen .. worden. ten Doornkaat Koolman 3, 203ᵃ. glas schleifen, fensterglas schleifen; geschliffene fensterscheiben Campe, schleifen der spiegel Jacobsson 3, 617ᵇ; geschliffene gläser; kelche mit geschliffener arbeit; matt geschliffene zeichnung, einen namenszug, muster in ein glas schleifen u. ähnl.:
sorgsam brachte die mutter des klaren herrlichen weines,
in geschliffener flasche.
Göthe 40, 241.
gläser zu optischen zwecken, brillen, linsen schleifen: wer kann uns zwingen, brillen zu gebrauchen, die nicht nach unserm auge geschliffen sind. Lenz 2, 209;
die schönheit der welt steht grosz und nah
vor des menschen natürlichen augen da;
du brauchst nicht, um sie zu ergreifen,
fernrohr und kleinsehglas zu schleifen.
Rückert ges. ged. 2, 377.
die seife schleifen, die kernseife mit etwas wasser sieden, wodurch die glatte seife entsteht. der technischen sprache gehören zahlreiche zusammensetzungen an: hohl-, flach-, nasz-, trocken-, matt-, feinschleifen; vor-, nach-, ein-, aus-, ab-, wegschleifen u. s. w.
c)
sehr gebräuchlich ist die bildliche und übertragene anwendung von schleifen, mit beziehung auf die unter a geschilderte bedeutung, also unter hervorhebung des begriffs der schneidenden schärfe, oder nach b mit hervorhebung des regelrecht geformten, glänzend gemachten, feingeglätteten, häufig auch in freierer weise: du armer teuffel, wie schleiffestu deinen kopff, wie suchestu hülff. Luther 2, 158ᵃ; dasz er nie hab sein federwehr geschliffen. Fischart Garg. 23ᵃ; solcher leute, die ihren verstand, durch vilerley erfahrung, und manche versuchung geschliffen. Butschky Pathm. 442; die glatten zierlichen puppen, von denen die kunst alle kühne natur hinwegschliff. Schiller 2, 344; denn, weil die nase wenigen menschen auf die art empfindungen und lehren geschliffen ist. Claudius 1—2, 197; Wielands kleinere erzählungen, von welchen gar manche, als wohlgeschliffene edelsteine, in der krone deutscher literatur noch lange zeit glänzen werden. Göthe 45, 231; das kalte, aber keck und schneidend geschliffne auge. J. Paul Titan 2, 32; ein vom schicksal dreischneidig und glänzend geschliffner geist. 1, 4; Gaspards mörderisch geschliffne ironie. 3, 119; dessen herz ein verhüllter groszer geist in dem todtenstaube anderer zerfallener menschenherzen heller und reiner schleift, wie man den demant im staube des demants poliert. Hesperus vorr. xxiv; im erhaben geschliffnen herzen der landsmännin, der kaplänin, gingen die freudenstralen der familie in einen brennpunkt zusammen. 1, 45;
gesang mist us des hemels ort
getzirkelt und gesliffen.
Muskatblut 54, 10;
schleift (im lied) alles rauhe weg.
Uz 2, 323;
und hab' ich gleich die gabe nicht
von wohlgeschliffnen leichten reimen.
Göthe 56, 19;
den verstand schleifen, ingenium acuere Stieler 1808; die leute möchten alles nett geschliffen haben, alles genau nach ihrem sinne haben Schm. 2, 510. besonders auf den menschen, sein wesen und benehmen bezogen: ein geschliffener mann, ein fein gebildeter, gefälliger, angenehmer mann; ein geschliffenes wesen, betragen Campe. gebräuchlicher noch ist uns ungeschliffen, rauh, eckig im betragen: der leser ist nun auf den nachmittag, wo man den eleven in die poliermühle des Wieners schickt, begierig, wie er sich da schleifen lasse. J. Paul Tit. 1, 119; das kann den leichten poeten vorwärts bringen, und ihn schleifen und abwetzen. flegelj. 1, 15; so geschliffen war die rasche vorwelt nicht. Musäus volksm. 1, 79 Hempel. besonders der älteren sprache gehört die wendung an worte schleifen, glatte worte machen, mit dem nebensinn des betrüglichen: wie denn die gottlosen jre wort wissen zu wetzen, zu scherffen, und zu schleiffen. Luther 3, 388ᵇ; die zungentrescher, die glatte worte schleifen. Franck mor. encomion 39ᵇ; die welt ist nicht mehr so narrisch, dasz sie sich läszt mit geschliffenen worten betriegen. Lehmann 115; es gibet der schmeichler übrig viel, die sich bey fürsten und herren können insinuiren; ihre worte so glatt wissen zu schleiffen, und auf der zunge zirlich zu färben, das sie leichtlich groszer herren gunst und gnade erlangen. Butschky Pathm. 449 (vgl. die stelle der schelmenzunft);
und treiben mangerlei gewesch
mit worten uber ort geschliffen.
fastn. sp. 386, 31;
man find ietz meister, die dich leren,
wie du deyn worter umb solt keren,
schliffen glatt und glitzendt gerben
und uff der zungen zierlich ferben.
Murner schelmenz. 37 (22, 15) neudruck;
so sindt es nüt denn wort geschliffen.
göuchmatt (kloster 8, 954).
mit gleichem nebensinne: natter gifft under yren zungen tragen, wie lieblich sys schleiffen. Franck chron. (1531) 412ᵇ. anders bei Maaler: die zungen zuͤ reden schleypffen, linguam exercitatione dicendi acuere 356ᵇ. ähnlich: e g'schliffes mul, eine beredte zunge. Hunziker 223; e g'schliffe mul. Seiler 255ᵇ. vgl. noch Schmid 378. Frommanns zeitschrift 5, 40, 68. dagegen tritt in der folgenden glossierung der begriff des betrüglichen wieder hervor: geschliffen, teuscher, veterator, callidus, tutus et exercitatus in dolis Henisch 1541, 56. vergl.: abg'schliffen, routinirt, pfiffig Schöpf 620.
d)
sprichwörtliches, besondere redensarten; nicht ganz sicher kann scheinen, ob die in älterer sprache häufige formel schleifen und wenden können, ungewöhnlich gewandt sein, leicht mit dem nebensinne des betrüglichen, hierher gehört. die folgende erklärung spricht dafür: schleiffen und wenden wil für sich ain yetliches ainen aignen menschen han. zum schleiffen gehören zwu hende, deszgleichen zum wenden. wer nun zwu schwäre arbeit auff ainmal und leichtig thun kann, der kan schleiffen und wenden, d. i. auff alle tail verschmitzet und abgeschliffen auf alle ecken. vor dir ist er gut, hinter dir ist er dein teufel. bei Wander 4, 235, 16, vergl. auch Schiller - Lübben 4, 242ᵇ. indessen kann in der formel schleifen auch freier gefaszt werden, wie in worte schleifen (unter c): er kann alles glatt, glänzend machen, drehen und wenden, dasz es betrüglich wirkt. Hildebrand (Soltau volksl. 2, s. 17, 9) nimmt an, dasz die formel vom tanz hergenommen ist und eine besondere geschmeidigkeit der bewegung veranschaulicht; diese auffassung scheint wenigstens in der folgenden stelle so wie in den versen aus dem Esop hervorzutreten: wie kan er (der teufel) sich da drehen, schleiffen, lencken, und wenden auff alle seiten. Luther 3, 336ᵇ;
sie kunnten schleiffen und wenden (im kampfe).
Soltau volksl. 2, 17, 9;
beim fuchsz wirdt der fein angezeygt,
dern stein auff beiden schultern tregt,
zugleich beyd schleiffen kan und wenden,
und sich schmücken an allen enden.
B. Waldis Esop. 4, 7, 125 Kurz;
itz können viel schleiffen und wenden,
und haben das spiel in beiden henden.
Petri (1605) 2, Kk 8ᵃ;
Slypenundewenden is notarius.
Reineke de vos 4207;
du kanst slipen unde wenden.
Claws Bur 668.
eine andere wendung mit ähnlicher bedeutung geht dagegen sicher auf schleifen, acuere zurück:
ock kan ick smeichlen und lipen
und kan ock sunder water slipen.
der schewe klot 156 (vgl. 33);
he kann schliepen on dreien. Firmenich 1, 403, 196; anders gewendet: es ist bösz schleiffen, wo kein wasser ist. Petri 2, Aa 4ᵃ; hei schlîepet auk nie ohne water, er kann auch nicht mehr als andere. Wander 4, 235, 15. humoristisch: he slipt nig dröge, er trinkt gern ein gläschen. brem. wb. 4, 832. man musz die gelegenheit ergreifen: man musz schleifen, wenn sich der stein dreht. Wander 4, 234, 4. 235, 5;
gelegenheit bein haarn ergreiff,
laufft der stein umb, das messer schleiff,
nicht seum dich, wenn das obst wird reiff.
Kirchhof wendunm. 3, 36 Österley;
hier ist nichts zu schleifen, nichts zu gewinnen Frischbier 2, 284ᵃ; ein stal schleifet den andern, ferrum ferro acutiur Stieler 1808. altbezeugt ist folgende redensart: sleht geslagen (glatt geschlagen) ist schier gesliffen. mhd. wb. 2, 2, 400ᵃ; dunne gheslaghen is drade gheslypet. Schiller - Lübben 4, 242ᵃ; schlecht ist baldt geschliffen. Henisch 1541, 59; glatt geschliffen ist baldt gewetzt. 1629, 3. Petri 2, Ff 5ᵃ. vor übertreibung wird gewarnt: zu scharf geschliffen, wird schärtig. Schottel 1113ᵃ; z'fin g'schliffe, haut nit. Wander 4, 235, 8.
e)
bei den handwerkern bezeichnete man mit schleifen eine art der deposition, die mehr oder minder groteske ceremonie der beförderung eines lehrjungen zum gesellen; schleifen ist hier in entsprechender weise wie das anderweitig übliche hobeln aufzufassen: schleiffen .. einem lehrjungen gute lehren und allerhand unterricht geben, wie er sich als geselle verhalten soll, instruere tyronem, docere ritus opificii Frisch 2, 195ᵃ; dasz ich ihn nach handwercks-gewonheit schleiffen, und seinen ehrlichen nahmen seegnen soll. Frisius ceremoniel der böttger (1705) 183; er will nach diesem seinem schleiffen auch ein guter geselle seyn. ebenda. s.schleifgeselle, ↗schleifpate, ↗schleifpfaffe.
f)
in neuerer soldatensprache, einen schleifen, ihn im dienst, z. b. beim exercieren stark anstrengen: der unteroffizier hat die einjährigen heute wieder ordentlich geschliffen. ähnlich in der studentensprache einen beim kartenspiel schleifen, ihm das geld abnehmen.
g)
den fuchs schleifen, eine besondere art des trinkens. Frischbier 2, 284ᵃ.
h)
im kartenspiel eine mögliche partie übergehen. Hunziker 223.
i)
gewisse laute, die der balzende auerhahn ausstöszt, nennen die jäger schleifen, weil sie dem geräusch eines leisen wetzens gleichen: schleifen heiszt es, wenn der auerhahn beim balzen einen ton hören läszt, der demjenigen ähnlich ist, welcher durch das leise wetzen einer sense entsteht. Hartig lehrb. für jäger (1832) 77, vgl. Jacobsson 3, 618ᵇ.
B.
schwaches verbum schleifen.
1)
als factitivum zu slîfen labi im sinne von gleiten lassen, etwas ziehend so fortbewegen, dasz es auf der erde gleitet; die bewegung kann auch je nach den umständen als eine mühsame oder eine gewaltsame gedacht werden. schleifen erscheint zum theil völlig gleichbedeutend mit schleppen, was von Adelung als oberdeutsche besonderheit charakterisiert wird.
a)
gewänder u. ähnl. schleppend nachziehen: dat guldene kleet wert gheslepet by der eerden. quelle bei Schiller - Lübben 4, 233ᵇ; das kleid auf der erde daher schlaipfen. Höfer 3, 89; er schleift seinen säbel über das pflaster.
b)
auf die glieder des körpers und diesen selbst bezogen: den fusz schleifen beim tanze, ihn mit geräusch über den boden gleiten lassen:
kommt der puck und dreht sich quer
und schleift den fusz im reihen.
Göthe 12, 223,
vgl. oben A, 1, b, β; der hund schleift den schwanz; scherzhaft von einem menschen: hä sliepede den stert un gong af. Woeste 240ᵇ. von träger schleppender bewegung:
zerbrich, zerwürff an allen enden,
und schleiff hernach die faulen lenden.
Grobian. 1411 neudruck;
von mühsamem bewegen: eyne maget was so gichtich, dat se up den handen kroep unde dat lame licham ouer de erden slepede. quelle bei Schiller - Lübben 4, 233ᵇ. er schleift den fusz etwas kann auch heiszen: er zieht in folge eines körperfehlers den einen fusz etwas nach.
c)
gegenstände über den boden ziehen, so dasz sie sich gleitend fortbewegen: ein seil nahin schleipffen oder ziehen, funem ducere Maaler 355ᵈ; sleypen, ... ita rem aliquam trahere aut gestare, ut tamen humo non attollatur. Kilian; auch auf einer schleife (s. dieses 5) fortbewegen: item es solt der zenner ein schleiffen holtz ausz der gemeinen busch nemmen, wasz vier pferdt schleiffen kundten. Grimm weisth. 2, 569; schleifen des holzes Behlen lex. der forst- u. jagdk. 5, 495; die kaufmannsgüter werden geschleifft, merces trahuntur traha Steinbach 2, 446; den pflug schleifen, als rechtssymbol: (einer, der in der gemarkung nicht alteingesessen ist, soll, wenn er zu acker fährt) einen pflug schleifen und sein vieh derselben schleife nachtreiben. Grimm rechtsalterth. 518; wie schleppen:
ic enghinc slepen ende draghen
sonder kerre ende sonder waghen.
Reinaert II, 2435;
de joden dô tô grêpen
unde dat holt ût deme tempel slêpen (hier eigenthümlich
mit starker flexion).
van deme holte des hill. cruzes 606;
(die maus spricht:)
(ich) rück das dacht zur lampen ausz
und schleiff es weit hinwegk ins hausz.
Rollenhagen froschm. D 5ᵇ;
dort ist auch ihr markt um den prangenden tempel Poseidons,
rings umhegt mit geschleiftem (ῥυτοῖσιν λάεσσι) und eingegrabenem
bruchstein.
Voss Od. 6, 267;
von einer stoszenden bewegung: hie und da schleifte die abendluft einen vorboten des herbstes, ein gelbes blatt, an dem sandboden hin. Ludwig (1891) 2, 608; freier in poetischer sprache:
(die stürme) schleiften den erdball, und schleiften den ewigen himmel
mit sich dahin.
Schiller 1, 121;
wo verlornes heulen schweift,
thränenwellen der Kozytus schleift.
217.
d)
gefangene schleifen kugeln an ihren fesseln: sagt er ja, so lassen sie den sekretair Wurm drei jahre kugeln schleifen. Schiller kak. u. liebe 1, 5; von verfluchten geistern: die allgemeine sage geht, dasz die gespenster meiner väter in diesen ruinen rasselnde ketten schleifen. räuber 4, 5 schauspiel.
e)
mit hervorhebung des gewaltsamen fortschaffens wie rauben:
sie hatten alle roubes gnûc,
jener sleifte dirre trûc,
sô man in den reisen pfliget.
livl. reimchr. 1266;
schleyffen, rapere, raptitare Dasypod.; wie das gesind in jhres herrn tödlichem hinzug anfiengen auszzutragen, zustelen, zuketschen, zuschlaiffen, zuverstecken. Fischart Garg. 68ᵇ; ich sage dir, ich hab aus dem kloster mehr dann tausend thaler werths geschleift. Schiller räuber 2, 3 schauspiel.
f)
das object ist ein lebendes wesen, eine person.
α)
in allgemeiner anwendung, jemand zerrend fortbewegen, sodasz er über den boden hin gezogen wird, nichts zur bewegung beiträgt oder auch widerstand leistet; bisweilen mildert sich die bedeutung zu gewaltsam fortziehen, fortführen: einen für den richter ziehen oder schleipffen, rapere aliquem ad praetorem Maaler 355ᵈ; einen vor gericht schleifen, aliquem obtorto collo ad praetorem rapere Stieler 1808; von einem wagen geschleifft werden, curru trahi per terram Steinbach 2, 446; schleifen, trahere pendentem, als ein pferd seinen reuter, der im steigbügel mit dem fusz hangen geblieben. Frisch 2, 195ᵇ; er wurde noch eine strecke weit geschleift u. ähnl.; twe geiste hadden Valentinus vote gebunden unde slepeden ene ut der kerken. quelle bei Schiller-Lübben 4, 233ᵇ; schleiffeten sie den Jason und etliche brüder für die obersten der stad. ap. gesch. 17, 6; die raisigen, den befolhen war, das si in lebendig fiengen und hinein schlaipften. Aventin bair. chron. 1, 801, 22; er wirt sy bei den füszen nemen und wirt sy hinein schleifen. Pauli schimpf u. ernst (1546) 36; und schleift in durch alle hecken. 93; wann er schon .. eine grosze menig volcks an sich hengt, und mit jm schleifft und sprengt. Fischart bienenkorb 122ᵇ; welche dieselbigen gefangen weggeschleyfft hatten. Kirchhof discipl. mil. 6; an den haaren will ich dich in die kapelle schleifen. Schiller räuber 3, 1 schauspiel; das laufen sei dir diesmal geschenkt. du wirst geschleift werden. Fiesko 2, 9;
Reinaert scoot toe mit alre cracht
an hem, ende heeften ghegrepen
bi den cullen, ende ghinc hem slepen
langs tcrijt.
Reinaert 7354;
weil sich die glieder regen:
ist Michael noch frey, schleifft! würget! dringt und schmeist!
schlagt! bindet! ich bin frey.
A. Gryphius 1, 22;
dann schleif' ich dich,
an blutigen haaren schleif' ich dich,
über des röchelnden glieder.
Fr. Müller 1, 211;
bildlich: seine phantasieen schleiften ihn in die räuber-katakomben des infamierten hinein. J. Paul uns. loge 2, 48. mhd. in der hant sleifen, mit bezug auf das leiten eines jagdhundes:
in mîner hant ich Riuwen
nû lange hân gesleifet.
H. v. Laber jagd 296;
vielleicht ist ähnlich eine stelle des narrenschiffs aufzufassen (oder nach A, 1, b, β?):
do (im tanz) schleyfft man Venus by der hend
do hatt all erberkeyt eyn end.
Brant narrensch. 61, 15.
in neuerer sprache wird schleifen häufig in burschikos - humoristischer anwendung gebraucht: er schleift ihn zu allen sehenswürdigkeiten, allen bällen, auf die kneipe u. ähnl. absolut: mit de gören släpen, die kinder tragen und bei sich her leiten. Dähnert 426ᵃ; vgl. ten Doornkaat Koolman 3, 197ᵃ.
β)
verbrecher werden zur verschärfung der todesstrafe geschleift, auch durch schleifen getödtet, die leiche eines missethäters oder verhaszten feindes wird zur schmach noch geschleift u. ä. an galgen füren oder schleipffen, in crucem rapere Maaler 355ᵈ; einen missethäter auf einer kuhhaut zum galgen schlaipfen. Höfer 3, 89, vgl. mhd. wb. 2, 2, 401ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 970; dar wart en deel gheslepet, radebraket unde quarteret, en deel gheslepet unde radebraket, en deel gheslepet unde koppet. quelle bei Schiller-Lübben 4, 233ᵇ; he let se han unde let se slepen de perede dur de strate wante an den tod. deutsche chron. 2, 1, 235, 25; der hieʒ in slaipfen und daʒ haupt abslahen und hieʒ den cörpel in vieren tailen und auf vier reder setzen und an vier ende der stat stoszen mit siner panier. 333, 12; und solt in binden an eins pferdes swantze und solten sleufen an den galgen. d. städtechron. 8, 55, 7; das man mich pint eynem rosz an den zagel und mich slaipf hin und her. gesta Rom. 164 Keller; item wo durch die vorgemelten entlichen urteyl eyner zum todt erkent, beschlossen würde, dasz der übelthetter an die richtstatt geschleifft werden soll, so sollen die nachvolgenden wörtlin an der ander urtheyl, wie obsteht, auch hangen, also lautend: und soll darzu auff die richtstatt durch die unvernünfftigen thier geschleyfft werden. Carolina art. 193; ja die boszhafftigen juden, sy füren jn nit, sy stoszen jn und schlaiffen jn (Christus). Keisersberg schiff d. pen. 85ᵇ; strichen in pis auf den tod mit gerten, schleiften in darnach durch die stat. Aventin bair. chron. 1, 801, 13; (er ward getödtet) darnach an eim haken oder kreul in die Teufer geschlaipft. 826, 15; der laib der ward durch alle gassen der stat Rom .. offentlich geschlaipft. 907, 27; rissen hin, schlaipften, martereten die christen ân alle erparmung. 1017, 2; hiesz jn damit an den galgen hinausz schleiffen, und liesz jhn auch daran hencken. buch d. liebe 354ᵇ; wart erstlich mit glühenden zangen zerrissen, geschleifft, arm und bein entzwey gestoszen, aufs radt gelegt, und angebunden. Henneberger landtafel (1595) 405; liesz den ungerechten richter mit einem pferdt schleiffen, und zu stücken reiszen. 406; er mag mich richten, kann mich binden, schleifen lassen. Fr. Müller 3, 316; manche angesehene kaufleute .. sah man hier wie gemeines gesindel, mit auf den rücken gebundenen händen an einem pferdeschweif zu der richtstätte schleifen. Schiller 7, 323;
der valsche richter dô gebot,
daʒ man zuhant Georgium
sleifte in der stat alum
und sluge im abe daʒ houbet.
pass. 264, 60 Köpke;
enthoubtet und gesleifet.
Martina 136ᵈ, 105;
daʒ er hieʒ den werden man
zeines pherdes zagel binden ...
er wurde gesleift sô.
Ottokar reimchron. 11927;
dô wurdens an den stunden
ze pherden gebunden
und gesleiphet über al
beide berc unde tal.
61199;
ein teil gesleift ein teil gehenkt,
das land verboten und ertrenkt.
Liliencron hist. volksl. 1, 189ᵇ;
man band ihn an ein hohes rosz;
man schleift ihn durch das tiefe moos,
darin man seinen leib begrub.
wunderhorn 2, 156 Boxberger;
dj findestu bey frummen dick,
den hencker schlaiffen an dem strick.
Schwartzenberg 188ᵃ;
darfür wöll wir sie ernstlich straffen,
durchs läger schleiffen mit etlichen rossen.
Ayrer 1550, 6 Keller;
als bis ich sie zu meiner braut gemacht,
und sie, die stirn bekränzt mit todeswunden,
kann durch die straszen häuptlings mit mir schleifen.
H. v. Kleist Penthesilea 4.
freier und in bildlicher anwendung:
muszt du mich in ketten schleifen
stärker als von demantstein?
Tieck Sternb. 2, 329;
sein herz war zwar vom schicksal über einem steinigten weg wund geschleift. J. Paul Hesp. 4, 43; durch lesezimmer und kritische gerichtstuben wund geschleift zu werden. Kampanerthal 4.
g)
schleifen in prägnanter anwendung von niederreiszen, dem erdboden gleichmachen. die neuere sprache schränkt den gebrauch ziemlich ein auf das abbrechen und zerstören von festungswerken: eine festung schleifen, sie zur offenen stadt machen; geschleifte werke, zerstörte befestigungen u. ähnl. in älterer sprache ist der gebrauch viel beweglicher, das wort wird auch angewandt auf das niederreiszen von einzelnen bauwerken jeder art und bestimmung. das zerrende umreiszen des mauerwerks, auseinanderreiszen des gebälkes durch winden u. s. w. wird zu dem sprachgebrauche veranlassung gegeben haben. schleiffen, solo aequare Schottel 1400; eine stadt schleifen, urbem diruere, tecta pervertere, vastitatem efficere; die stadt ist geschleift, urbs illa periit, interiit, jacet, prostrata, labefactata, direpta, aratrum oppido inductum est. ebenda; ein haus schleiffen, domum complanare; eine mauer schleiffen, murum ab imo subruere; den wall gantz schleiffen, vallum a fundamentis proruere; ein schlosz schleiffen, arcem destruere; die festungswercke schleiffen, munimenta vellere Steinbach 2, 445. 446; wonninge und huser afgebrant und to bodden ellendich verstuert und gesleift. quelle bei Schiller - Lübben 4, 233ᵃ, vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 970; solo aequata domus, haus auff den boden geschlaipfft. quelle bei Schmeller 2, 531; zerrais das schlosz, schlaift die stat und liesz all ir mauer niderbrechen. Wilw. von Schaumburg 42; ire heusser umbgerissen und zu drummen geschlaift. coadjutor Johann von Fulda an landgraf Philipp von Hessen 28. april 1525 (archiv in Marburg); sie haben unser wonunge geschleifft. Jer. 9, 19; (ieh) wil jre steine zu tal schleiffen, und zu grund einbrechen. Micha 1, 6; so wil ich dis gotteshaus schleiffen. 2 Macc. 14, 33; und werden dich (Jerusalem) schleiffen und keinen stein auff den andern lassen. Luc. 19, 44; die Gothen und Wenden schleiffen hernach Rom. Mathesius Sar. 92ᵃ; die Danzker schleiften bald darauf das schlosz bis aufn boden. die Elbinger desgleichen eröberten ir schlosz und schleiftens zu grunde. Waissel chron. (1559) 176ᵃ; man solte sie alle mit einander erwürgen, die heuser abbrechen, die flecken auff dem boden schleiffen. Kirchhof wendunm. 1, 581 Österley; was noch vorm feuwer an häusern, wehren, mawren .. auffrecht und stehen blieben dem boden gleich geschleyfft und gemacht wirdt. mil. disc. 196; brennen und schleyffen. ebenda; wenn ich meine sieben schlösser schleifen lasse. Sghiller räuber 5, 1 schauspiel; man habe die schanze erobert, geschleift. Göthe 30, 309; auf die neue musenberg-berg-partei einzudringen und manche ihrer werke zu schleifen. J. Paul kom. anhang zum Titan 1, 91;
verhörget, schryhen sie, und schlaiffet auff den grund
all die bild-losen tempel.
Wekherlin 295 (ps. 137, 9);
und auch sein (Hectors) grab geschleifft bisz auff den grund der erden.
Opitz 1, 230;
die mawren hast du ihm herunter lassen reiszen,
und seine festungen gantz schleiffen und zerschmeiszen.
ps. 89, 18;
(der neu erwählte könig kann)
aufbauen was der sel'ge niederrisz,
und was er baute schlaifen.
Schiller dom Karlos 2, 5;
das ist Neptun, der Trojas veste schleift.
schriften 6, 375.
in älterer sprache auch in allgemeinerer anwendung: ein ganzes land schleifen und verderben, vastas solitudines ex agris facere, provinciam funditus delere Stieler 1808; eyn vordorff des anderen lant, se sleyffeden dat korn. quelle bei Schiller-Lübben 4, 232ᵇ. in neuerer sprache kommt eine ähnliche anwendung nicht mehr vor; bemerkenswert sind folgende beide stellen: hier das stille glück einer familie geschleift. Schiller kab. u. liebe 2, 3; sie haben den himmel zweier liebenden geschleift. 4, 7.
h)
reflexiv sich schleifen; von personen, sich schlürfenden ganges, langsam und mühsam fortbewegen (vgl. oben unter b): sich schleipffen, correpere Maaler 356ᵃ;
und sich als hagestelz allein zum grab zu schleifen
das hat noch keinem wohl gethan.
Göthe 12, 161.
in freierer anwendung und übertragung: indem sie sich auf der breiten fläche des dilettantismus und der pfuscherey, zwischen kunst und natur hinschleifen. 36, 213; alles kommt wieder in's gleiche, und der theoretische schlendrian schleift sich wieder so hin. 54, 209; die abschrift, welche bisher sich gar zu lange in das nächste jahr hinüberschleifte. Göthe an Zelter 830;
so inniger heisz ich willkommen,
was gräszlich sich mir näher schleift.
Tieck 7, 41.
i)
mundartliches und besonderes.
α)
vom tragen und abtragen der kleider: he het dat tüg alle dage slepet, er hat die kleidung beständig getragen. brem. wb. 4, 823; vom abnutzen, durch schleppen lassen der kleider: sê slä̂pt dat gôde neie klêd in so'n körten tîd gans of. ten Doornkaat Koolman 3, 197ᵃ. oberd. abschleifen, abnutzen: ein kleid abschleifen, aber auch ein landgut abschleifen, es ausbeuten, zu grunde richten. Schm. 2, 507. Schöpf 615.
β)
in anwendung auf aussprache, tongebung: einen buchstab schleifen, ihn ohne stosz aussprechen; so wird das f geschleifet, dagegen das v gestoszen wird. in einem andern verstande wird ein buchstab geschleifet, wenn er gelinde und ohne stosz mit dem folgenden selbstlaute verbunden wird; z. b. leibes, wo das b sanft in das e übergehet (nach thüringischer aussprache). Adelung. diese terminologie ist veraltet. in freierer anwendung von schleppendem vortrage: zu der pronunciation gehört: sonus, dasz man laut oder starck, geschwinde oder geschleift rede. Chr. Weise freim. redner vorr. 10;
das wort heiszt zugedehnt, und das nicht gnug geschleift.
Lessing 1, 181;
wenn im gegentheil die sanften rührenden spieler ihre zärtlichkeit und wehmuth in einem monotonischen gewimmer schleifen, das die ohren zum eckel ermüdet. Schiller 2, 347. zwei noten schleifen, sie ohne stosz mit einander verbinden. Adelung (jetzt binden).
γ)
eine feuermaues schleifen, sie in schiefer richtung, statt senkrechter, aufführen. Adelung; ebenso eine esse schleifen, vgl. schleiflade; aus den sonstigen bedeutungen des verbums ist dieser gebrauch kaum zu erklären. heranzuziehen ist wahrscheinlich nd. slêp, schief, schräg Woeste 240ᵃ. Frommanns zeitschr. 5, 167, 133. 6, 478.
δ)
flachs oder hanf slepen, auf der breche reinigen. brem. wörterb. 4, 823. in ähnlicher anwendung federn schlaipffen, schleiszen. quelle bei Schmeller 2, 531.
ε)
ein netz schleifen, es schleppen lassen: schleifen, beym fischfangen, mit einem garn auf dem grund herfahren. Frisch 2, 195ᵇ.
ζ)
bergmännisch: der häuer ... findet bei dem schleifen (indem er mit dem bohrer auf und ab fährt) an den bohrlochswänden alle unebenheiten heraus. Veith bergwb. 420.
η)
in der studentensprache: kartell schleifen, eine forderung überbringen.
2)
intransitiv, mit berührung des bodens, so dasz hemmende reibung stattfindet, sich fortbewegen: der kopf schleift auf der erde, die kette hinten am wagen u. ähnl.; der rock schleifet auf der erde, tunica talaris solum verrit. Stieler 1808; de mantel is sau lang, dat he up der eren rûter slêpet. Schambach 194ᵇ; de slepe slä̂pt hör wol drê ellen achterna. ten Doornkaat Koolman 3, 197ᵃ; eigenthümlich: släpen gaan, in schleppenden kleidern gehn Dähnert 426ᵃ; den säbel über das pflaster schleifen lassen; es schleudert und schleift und schleppt nichts an ihm. Lichtenberg 3, 209. von schleppendem, schlürfendem gange: er schleift mit den füszen vor alter. Stieler 1808 (vgl. A, 1, b, δ); schlâpfen, schleppend gehen Lexer 219. Castelli 243; schlaifen, schleifen, sehr langsam, faul und träge gehen Schmidt 184; schleifende schritte, schleifender gang; enen slaen, dat em de lenden na slepet. brem. wb. 4, 823; der schlitten schleift, wenn er bei einer biegung seitwärts ausgleitet Campe. bei den jägern: (das wild) schleiffet gerade vor sich weg, so dasz eine glatte fährte entsteht. Fleming teutsche jäger 95ᵃ (hier tritt berührung mit der ursprünglichen bedeutung des starken verbums ein). in freier poetischer sprache:
neunfach durch die heulenden gewölber
spottet mir ein schleifend eche nach.
Schiller 1, 343.
mit hervorhebung des bei einer derartigen bewegung entstehenden geräusches: ein rascher tritt, der näher kommt und näher, begleitet vom schleifen eines schiebkarrenrades im feuchten gras. Ludwig 2, 38; jetzt schleift etwas durch die büsche. 101; das klang schauerlich, wie das eisenzeug an der flinte über die klippen herunterklapperte und die leiche nach durch die büsche knickte und schleifte. 3, 97; wenn sie sich früh vom lager erhob und das schleifen der ausziehenden pflüge hörte. Freytag handschrift 1, 290. so auch beim tanz: man hörte im nebensaal die tänzer schleifen und aufstampfen. s. oben A, 1, b, β.
C.
schleifen, zu einer schleife binden, mit einer schleife versehen gehört zu mhd. sloufe und steht für schläufen (s. oben unter I). einen knoten schleifen Adelung; den hut schleifen, mit einer schleife versehen Campe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1895), Bd. IX (1899), Sp. 590, Z. 44.

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schlank schlichterin
Zitationshilfe
„schleifen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schleifen>, abgerufen am 14.08.2020.

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