Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schlier, m.

schlier, m.
I.
geschwür, schwäre, beule, besonders an den schamtheilen, schanker. ein wort, das in der älteren sprache (15.—17. jahrh.) sehr verbreitet ist, jetzt nur noch mundartlich; neben dem masc. begegnet auch das neutr. und das fem. die schliere. im ahd. gehört wol hierher die glosse: frustis sclierrun, s. ahd. gl. 2, 464, 28 (lingua resectam dilaniata gulam frustis cum sanguine implet Prud. psychomach. 424, vgl. Schm. 2, 533. Graff 6, 565). mhd. slier, sliere Lexer mhd. handwb. 2, 975; bubo .. schlier, pl. schlieren Dief. gl. 83ᵃ (vgl. nov. gl. 60ᵇ); ulcus .. der slyer 625ᵃ, .. slyer, slyr nov. gl. 384ᵃ, apostema .. geswer vel schlier 28ᵇ; schlieren, geschwulst oder geschwär, oder truͦsen näbend den gemächten, und under den uͦchsen (achseln), bubones, ulcus inguinarium Maaler 356ᵇ; ebenso schon Dasyp. dict. lat.-germ.; bubo, ein schlier oder drüsz neben den gemächten. Golii onomast. (1582) 264; βουβών, bubo, panus inguinis, schlier Frischlin nomencl. (1586) 85ᵃ. dict. lat.-germ. (Frankf. 1610) 333; schlier, m. pannochia, c'est une sorte de maladie qui vient à l'homme pour avoir trop travaillé. der schlier, trüsen neben dem gemächt Hulsius diction. (1616) 417; drüsz, schlier, bey den ohren oder gemächten, panus, bubo, apostema, hulcus, phlegmone in glandulosis locis dominium ut plurimum exercens, estque quadruplex, sine febre, in febre, sive pestifer, post febrem, Venereus. Henisch 759, 47; schlier, n. pustula, bubo geschwer, poulein drüs Schottel 1401; drüse an der scham, alias schlier, bubo, apostema Stieler 346; schlier autem ulcus est venenosum, bubo: speciatim autem exulceratio spermatis, morbus penis, prodromus nimir. morbi Gallici. 1851; schlier, et schliere, die, bubo, ulcus inguinarium, panus nachsch. 25ᵃ; schlier, n. un bubon, un poulain, bubo, schlier neben dem gemächte, poulain, enflure aux aines, bubonocele neues dict. Genf (1695) 310; glandula schlier, truse, drusen Blancardi lex. nov. medicum (Leiden 1702) 301; schlier (der vel das, terminus chirurgicus) bubo, abscessus inguinalis. Steinbach 2, 447; bereits Frisch 2, 198ᶜ sagt: schlier, ein veraltetes wort, s. m. .. bubo, ulcus inguinale, therioma .. etliche ziehen es auch auf einen kropf, struma, und auf die beulen unter den achseln. bei Campe als veraltet. in neueren mundarten, besonders auf bair.-österr. gebiete, s. Schm. 2, 533. Höfer 3, 95. Schöpf 622. Lexer 220. Frommann 6, 202 (aus d. Lesachthale). Tobler 389ᵇ (schlîer, schleher). Schmid 468. Vilmar 355 (schlier, m., und schliere, f., plur. schlieren, skrophel, blindes geschwür, balggeschwulst). Kehrein 1, 352; westerw. in der form schleïer, schloïyer, s. schleier 4, b, sp. 582. belege aus der literatur:
das drytägig kalt wee, der hellisch rouch,
schlier, eisen, huosten, flusz, toubsucht,
flö, lüs und fygwerzen sygend din frucht!
fastn. sp. 864, 35 (N. Manuel Elsti Tragdenkn. 113);
wer apostem oder slier nach ausgefawlten trwszen hat. quelle bei Schm. 2, 533; ain pflaster tractivum .. von den Teutschen ain ziechpflaster genant, darumb das es den ayter unnd ander unnrainigkait an sich zeucht, der geschwer, apostemen, schlier und eyszen. Braunschweig chir. 110ᵈ; von geschwulst und apostem oberhalb des schenkels und der macht, schlier genant. Ryff chir. (Frankf. 1559) 2, 80ᵃ; L. Symphorian mit priapischem schlir. Fischart Garg. 259ᵃ; aber wann die sonn im krebs gehet, .. so mögen sie sich wol zeichnen und hüten vor desz Frantzosen hosen, .. krebs, schlier, kolben und andern dergleichen kleinoten. groszm. 83 (kloster 4, 612); darunder das (geschwür) so die Lateinischen bubones, wir schlier oder eiszen nennen. Wirsung arzneib. 241; etliche sieden die wurtzel (der lilie) allein in geyszmilch und brauchens zu den harten geschwollene brüsten, zu eyszen und schlieren. Tabernaemont. 1028 B; deszgleichen so sind auch etliche ander kranckheiten, als krebs und seines gleichen, schlier, etc. Paracelsus opp. (Straszb. 1616) 1, 822 C; also von schlier unnd aussatz ist entsprungen die kranckheit der blatern. chirurg. schr. (1618) 67 B; dann ausz dem (mineralischen) wachsen kröff, schlier, drüsen und kolben. 211 B; ich sag vom kolben, dasz er kompt von der materi des schliers. 442 A; ja es (der krampf) kompt auch etwan daher .., wenn es, das pferd, an einem spannäderischen ort verletzt unnd der nerven .. der länge, schlimme oder quere nach ist verwundet worden, oder hinden in dem dicken theil der arsbacken oder in den sayten neben dem gemächt verletzt (welche letzte kranckheit denn der schlier genennet wirdt). Uffenbach neues roszb. (1603) 2, 54; die wasser von dem bley, galmey wasser helffen für alle fressende schäden als .. grind, malcey, schlier, kolben, fisteln. Thurneisser von wassern (Straszb. 1612) 80; (ich) bewiese mit vilen exempeln, dasz die buler gemeingklich nur bettler werden und schlier und kolben heimbringen. Albertinus landstörzer (1615) 455; gleichermaszen sol man (pest-)beulen, schlieren, drüsen nicht anders ansehen, als solche blühknospen, dadurch der nahe sommer des ewigen lebens angekündiget wird. Chr. Weise reife ged. 673.
II.
1)
mergel Nemnich, öcon. lex. 2605; in dieser bedeutung besonders österr.: ob und wie viel er trächtige äcker habe, .. auch ob er gelegenheit habe, schlier, und anders kot, oder schütt hineinzubringen. Hohberg 1, 11ᵃ; nicht das geringste stuck, einen acker gut zu machen, ist der mergel, schlicht oder schlier, wie er in Oesterreich genannt wird. 2, 19ᵇ. in neuern österr. mundarten der schlier in der bedeutung 'mergel', s. Höfer 3, 95. Castelli 244. Scheuchenstuel 214. Schmid 468.
2)
dasselbe wort liegt bereits ahd. vor in ortsnamen wie Sleiron Schlieren, Slierapha Schlirf, Slierefebah, Slieraha die Schlierach, Slierbach, Slerseo der Schliersee, s. Förstemann namenb. 2, 1348. mhd. und frühnhd. slier, schlier, masc. und neutr. lehm, schlamm, s. Schm. 2, 533: das ist also, das er es decken sol mit zieglen oder mit brettern .. oder mit schliere. stat. Augsb. bei Scherz-Oberlin 1417, vgl. schlierdach.
3)
leipz. als fem. die schliere, schleimige, zähe masse Albrecht 202ᵇ; hierzu wol auch rhein. schlier, m., schlëier, n. nässe im ackerfelde. Kehrein 1, 352.
III.
besonderheiten.
1)
Campe gibt an schlier der schleier, klar, offenbar nach Jacobsson, der 3, 628ᵇ schreibt: schlier, s. klar, dagegen 2, 406ᵇ zu klar nicht schlier, sondern das auch sonst belegte schier als synonymon anführt; vgl. zweites schier 5, sp. 27. schlier ist wol nur ein druckfehler.
2)
ferner gibt Campe die bedeutung 'eule' als schweizerisch an nach Fulda. sollte diese sonst nirgends bezeugte angabe nicht auf einer vermischung der beiden bedeutungen des lat. bubo beruhen?
3)
über schwäb. schleer, schlier 'mund' vergl. ersteres und schleier 4, a, sp. 555 und 582.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1895), Bd. IX (1899), Sp. 688, Z. 73.

schlipper, adj.

schlipper, adj.,
s. schlipfer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1895), Bd. IX (1899), Sp. 750, Z. 17.

schlipper, m.

schlipper, m.
zu schlippen.
1)
nd. slipper, gleiter, schlüpfer, einmaliges gleiten, glitschen, abschlüpfen, fehler, miszgriff. ten Doornkaat Koolman 3, 204.
2)
im westlichen Hessen ist schlipper die bezeichnung eines zulegemessers ohne feder oder eines federlahmen messers der art. Vilmar 356. eigentlich wol ein messer, das nicht kräftig zuschnappt, sondern gewissermaszen leise zugleitet. vgl.schlippen 1.
3)
schlipper, geronnene milch. das gleitende oder schlüpfrige ist anscheinend der grund der bezeichnung. vgl.schlippermilch: aus den eutern gewinnen sie süsze milch, und nachher machen sie den sauren schlipper daraus. Immermann 1, 10 Boxberger. im gegensatze zu molken: (die milch) fährt in reue und scham zu den klaren molken und dem gehaltvollen schlipper aus einander. 11.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1895), Bd. IX (1899), Sp. 750, Z. 18.

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schlichter schlunks
Zitationshilfe
„schlipper“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schlipper>, abgerufen am 17.06.2021.

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