schludern verb
Fundstelle: Lfg. 5 (1895), Bd. IX (1899), Sp. 808, Z. 64
(vgl. schlaudern sp. 511, mhd. slûdern Lexer mhd. handwb. 2, 990); das verhältnis von slûdern zu mhd. slûr, träger zustand, träge person ist nicht klar, gewöhnlich denkt man slûr als kontrahiert aus slûder; doch vgl. auch schlaudern II a. a. o. in der schriftsprache ist schludern selten; von überhasteter, unsicherer bewegung: (der wanderer soll) luͦgen daʒ er an dem anfang sines wegs .. nit eins mols uber einanter schluder, aber daʒ er gemechlich und sittlich gang. Keisersberg christl. bilg. 154ᵇ; Maaler 429ᶜ hat das sein verschluderen .. uneerlich verthuͦn. schlendern: lange leben heiszt viele überleben: so klingt das leidige ritornell unseres vaudevilleartig hinschludernden lebensganges. Göthe an Zelter 530 (4, 278); dagegen ist das wort in der sprache des gewöhnlichen lebens und in der volkssprache viel gebräuchlich, besonders in dem sinne von 'nachlässig sich bewegen, nachlässig und flüchtig arbeiten, nachlässig sein' u. ä. (das ist geschludert, nachlässig gearbeitet). vgl. Schmid 465. Schm. 2, 507. Stalder 2, 331. Schöpf 618. Frischbier 2, 290ᵃ; eine waare unter dem preise verkaufen Albrecht 202ᵇ. Dähnert 432ᵃ. Danneil 196ᵇ. Frischbier 2, 290ᵃ. von gang, bewegung, haltung: schlûdern, nachlässig einhergehen Regel Ruhlaer mundart 33; umhergucken, spionieren Mi 81ᵃ. vielfach berührt sich das wort mit schluddern, der md. und nd. nebenform zu schlottern, sodasz bedeutungsübergang stattfindet, vgl. Frischbier 2, 290ᵃ; sluddern, nachlässig arbeiten Schütze 4, 114; sluedern, schlottern, schlotterig gehen, schlendern Woeste 242ᵃ; schluddern, nachlässig gekleidet und müszig gehen Sallmann mundart in Esthland 27ᵃ; dem nd. eigenthümlich ist sludern im sinne von 'plaudern, schwatzen, klatschen' Richey 264. brem. wb. 4, 843. Schütze 4, 122. Dähnert 432ᵃ. Frommanns zeitschrift 3, 552, 15 (Lippstadt). in gleicher bedeutung erscheint aber im hd. schlottern in älterer sprache, s. oben schlottern 3, b. ten Doornkaat Koolman unterscheidet sluddern, schleppend, träge, schlaff, nachlässig, unordentlich gehen, schlendern, schlottern; träge, nachlässig sein, etwas lässig betreiben, unordentlich wirtschaften (also in gleichem sinne wie sonst schludern), und sluderen, slûderen, schlaff, matt hinsinken, in halbschlaf fallen 3, 210ᵃ. 211ᵇ (zur letzten bedeutung vgl. schluder). beim abwinden von garn, zwirn, bezeichnet nd. slûdern verwirrung der fäden Danneil 196ᵇ; in ähnlicher beziehung, aber anders gewendet: Elisabeth. ihr habt aber auch gar zu loses garn auf eurer spule. S. sollte man nicht schludern (garn in verwirrung bringen)? Göthe 42, 292; einige oberdeutsche besonderheiten können hier noch angeschlossen werden (vgl. schlaudern sp. 512): schludern, schlodern neben schluttern, schlottern; in Österreich besonders von unfestem, verfettetem fleische: dem schludert das fleisch vor lauter fett. Klein prov.-wb. 2, 123, vergl. Höfer 3, 97. Hügel 139ᵇ, ferner Schm. 2, 538; daher schluderbauch, wackelbauch, fettwanst. schweiz. unpersönlich, es schluderet, schneit und regnet durch einander Hunziker 224 (vgl. nd. dat wër fangd an to sluddern, regnerisch, schmutzig zu werden. ten Doornkaat Koolman 3, 210ᵇ); diese bedeutung stellt sich der von schluder (schlamm, morast) zur seite, ebenso die folgenden bei Hunziker a. a. o. bezeugten: in einer halbdicken flüssigkeit umrühren; übertragen: so sprechen als ob man brei im munde hätte. Stalder 2, 331 verzeichnet schludern, schlüdern, unreinlich essen und trinken; verschlüdern, verschütten, den tisch überschludern, überschlüdern, überschütten, beschmutzen. wienerisch schludern, viel, aber langsam und oft trinken. Hügel 139ᵇ.
Zitationshilfe
„schludern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schludern>, abgerufen am 08.12.2019.

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