Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

schlund, m.

schlund m
haustus, gula, zum verbum schlingen, vorare, älter schlinden gehörig, mhd. slunt, gen. slundes, ahd. slunt, gen. sluntes und slundes Graff 6, 798. 799, alts. slundos, plur. haustus Haupts zeitschrift 15, 524, 381, nnd. slund (selten) ten Doornkaat Koolman 3, 216ᵃ, slunk Schambach 196ᵃ. schlund hat im gewöhnlichen sinne von gula bis in die heutige schriftsprache den alten dental gewahrt, der sich bei dem zugehörigen verbum in einen guttural umgesetzt hat. im verbalen und concreten sinne von haustus, schluck, wo der zusammenhang mit dem verbum noch deutlich gefühlt wird, verzeichnen Adelung und Campe schlung, und so wird das wort in dieser anwendung auch heute lauten, falls es überhaupt die sprache wirklich noch so verwendet. das der späteren umbildung des verbums angepaszte schlung begegnet in älterer sprache und in heutigen mundarten nicht selten, doch ist es hier durchaus nicht auf die bedeutung haustus beschränkt: merslunc, sirtis voc. von 1420 bei Lexer mhd. handwb. 2, 991, schlung, faux Clajus gramm. (1578) 33, 11 neudruck, gula Dief. 271ᵃ (von 1587), schlung et schlund, gula, guttur, fauces, et vorago, dicitur etiam frumen, larynx, et oesophagus Stieler 1853. Steinbach 2, 454 verzeichnet schlund (der, quasi dicas schlund, idem significans), gula, oesophagus, fauces und schlung (der) gula, vorago, haustus, erkennt also wol die bedeutung haustus der form schlund nicht zu. überhaupt scheint diese in solcher anwendung in der ganzen nhd. zeit nicht mehr üblich gewesen zu sein (vgl. die unter 1 gegebenen belege). nach Adelung ist schlunk im sinne von gula oberpfälzisch, doch bieten in gleicher anwendung schlung Schm.² 2, 528, schlunk 529 (neben schlund 526), schlung, schlunk Frischbier 2, 290ᵇ, schlung Hügel 139ᵇ, schlunk Frommanns zeitschr. 5, 459 (Iglau). Albrecht 203ᵃ. Pfister 257. Kleemann 19ᵇ. Jecht 96ᵇ. Liesenberg 196, schlonk, feiner schlunk Schmidt 192. Kehrein 1, 354. schles. wird schlung wie 'schluck' gebraucht Weinhold 84ᵇ, während im kärnt. schlunt neben der gewöhnlichen auch noch diese bedeutung hat Lexer kärnt. wb. 221 (dort lautet das verbum allerdings auch noch schlinten 220). über den in diesen formen zu tage tretenden wechsel von muta und media vgl.schlingen, formales. die ahd. formen slunta, slunda Graff 6, 799 und das oben erwähnte alts. slundos lassen das wort als a-bildung erscheinen, so dasz der heute gewöhnliche und schon mhd. vorhandene umlaut im pl. durch analogie zu erklären wäre. nach Frischbier 2, 290ᵇ gebraucht man in Ost- und Westpreuszen schlunk, schlung als masc. und fem., und auch die ältere sprache kennt anscheinend das wort als fem.: da ist das möhr eyngepfrengt, ungefär vier meil breyt, zwischen bergen, das man die schlund des mörs heyszt. Franck weltb. (1542) 186ᵇ (oder ist hier unumgelauteter plur. anzunehmen?). ein schwaches fem. oder masc. kann in folgender stelle vorliegen:
den tîefel er (Christus) gibant,   warf im einen boͮch in den munt,
daʒ deme selben gûle   alzane stê offen daʒ mûle,
so wir vone sunten   chomen in sîne slunten,
daʒ der ubil hunt   ni mege zuͤ luchin den munt.
genesis in Hoffmanns fundgr. 2, 78, 38 (vgl. 109, 29 ff. Diemer).
in Wien nennt man den schlund des rindviehs schlunken, f. Hügel 139ᵇ, niederl. heiszt der schlund schlonde, f.
bedeutung und gebrauch.
1)
im sinne von schluck, haustus, so ahd. slunt (in glossen Graff 6, 798. 799), ebenso mhd. slunt (s. die belege), nhd. meist schlung Adelung. Campe, kärnt. schlunt Lexer kärnt. wb.
a)
verbal, das schlucken, besonders einmaliges schlucken: und ist ifg. letzter schlung hanisch bier gewesen. Schweinichen 3, 129; ey das ist versehen dasz ich bei der letzten kanne bier nicht gröszere schlünge gethan. causenmacher 73;
von ûren und von elhen
wart solher slünd nie getân (wie vom weinschwelg).
weinschw. 11 Lucä;
dô huob er ûf unde tranc
einen trunc von zweinzec slünden.
19;
da eyner dem glasz nur gab ein schwunck
und soffs herausz auff einen schlunck.
H. Sachs 1 (1558), 495ᵃ;
mit einem trunck   in einem schlunck
thu ich dir nun das bringen.
Mittler volksl. 1350, 3 (von 1570, auch Garg. 87ᵃ);
dieser schlung,
dieser trunck
geht auf das vergnügen
derer, die
schoosz und knie
fein gemächlich fügen.
Günther 932.
ainslunt oder slunt als bestimmte art zu schlucken aufgefaszt, im gegensatze zu swelher: (der beichtvater frage) utrum bibat magnos haustus qui dicuntur ainslunt (ain slunt?), vel parvos multos qui dicuntur seber, vel magnos et multos qui dicuntur swelher. quelle bei Schm.² 2, 526. doch erscheint das wort nicht allein auf trinken bezogen:
dô wart maneger slunt
mit trinken und mit eʒʒen.
Heinr. v. Neustadt Apoll. 2209.
personificiert:
bruder Slunt fürt vor den rayen,
sîn geselle her Trunk den staup begeuʒet.
H. v. Trimberg renner 9405;
swer vrô wil sein und lang gesunt,
der meide euch zwên, her Frâʒ und her Slunt.
10137.
das schlingen, fressen, saufen als laster: geradten ist zu einer faulheyt, geytz, hoffart, pracht, reichthumb, unnd groszen schlung, der hellische verfurung, des teuffels sewstellen unnd hurenheusern. Agricola sprichw. (1534) 24.
b)
concret, soviel man auf einmal verschlucken kann: schlung essig quelle von 1718 in Zachers zeitschr. 20, 488;
und stüende ein slunt (wein) drîʒec,
ich wil iu gerne gelten.
Helbling 1, 360.
2)
der anfang der speiseröhre im halse, auch allgemeiner der hintere theil der mund- und nasenhöhle und die ganze speiseröhre, ahd. slunt, guilla, palatus, rumen, ruma, os gutturis, quo cibus devoratur (in glossen) Graff 6, 798. 799, mhd. ebenso (s. die belege), nhd. schlundt, gurgulio Dief. nov. gl. 199ᵃ (von 1468), schlund, rumen 322ᵃ, faux Dasyp., rictus, fauces Maaler 357ᵃ, schlung Clajus (s. das formale), schlund, faux Corvinus fons latinit. (1660) 251ᵃ, gula 306ᵇ. Schottel 1402, schlung, schlund Stieler 1853. Steinbach 2, 454 (s. das formale), schlund Frisch 2, 202ᶜ. Adelung und so heute in der schriftsprache unumstritten, doch mundartlich noch vielfach schlung, schlunk (s. d. formale).
a)
beim menschen: et lingua mea adhesit faucibus meis, unde min zunga haftet ze minemo slunde. Notker 21, 16; die speysz im schlung. Lindener schwankb. 182 Lichtenstein; er (der lasersaft) hilft der alten rauheit und schärffe des schlundes und halses. Tabernaemont. (1664) 210ᶜ; (gurgeln mit einem absud von fünffingerkrautwurzel) machet den rauhen scharpffen schlund und lufftröhrlein widerumb lind und glatt. 358ʰ; Dioscorides schreibet, dasz der honig gut sey, wider die gebrechen des schlunds, der mandeln und die halsgeschwür, so man sich darmit gurgelt, und den mund darmit auszwäschet. 1526ᵉ;
endlich, weil sie bisz in den tod,
nur fressen wollen frembdes brot,
wird jhn verknüpfft jhr schlung und hals,
die raben fressen sie nachmals.
Rollenhagen froschm. (1595) Y 1ᵇ;
so hab ich ein weits maul und schlunck,
das hat auszgeschlagen nie kein trunck.
Ayrer 123, 10 Keller;
du hast dafür was schlund und bauch begehrt.
Göthe 41, 70.
b)
bei thieren: wie auch daʒ sei, daʒ er (der walfisch) der grœst sei ob allen vischen, iedoch hât er ainen klainen slunt, und dar umb verslint er neur die klainen visch. K. v. Megenberg 247, 26; als das, wie Busbequio erzehlt, ein Venetianischer goldschmid, so zu Constantinopel wohnte, kaum desz volcks wütigkeit entflohen ist, weil er einem vogel den schlund desz langen schnabels, mit hinein gethanem stecken voneinander gethan hätte. Schuppius 755;
wenn er (der kranich dem wolf) auszzög ausz seinem halsz,
den knochen der von seinem essen
ihm gefehrlich den schlung besessen.
Rollenhagen froschm. (1595) Q 2ᵃ.
c)
besondere verbale verbindungen: etwas in den schlund laufen lassen: nachdem er von Ferrario ein groszes glasz wein bekommen, und selbiges, um die ermattete zunge zu erquicken, in den schlund laufen lassen. Happel acad. roman 17; durch den schlund gehen lassen, verprassen: unde des sîn hûsfrouwe unde sîn kint etelîcheʒ iemer verdorben sint, daʒ læt er eine durch sînen slunt gên unde læt sîne hûsfrouwen hungeric unde sîn kint frostic iemer sîn. Berthold v. Regensburg 1, 431, 25. den schlund füllen:
wie ist nur ein sieden und braten,
da mag uns auch ein schantz geraten,
das wir auch füllen unsern schlundt.
H. Sachs 3 (1561), 1, 94ᵈ.
scherzhaft den schlund schmieren:
schneid ab vom faisten braten,
damit schmir deinen schlunk!
Uhland volksl.² 465 (nr. 230), 4.
einem den schlund verschwellen, anschwellen machen, durch übermäszig viel speise:
ich fülle in pisz auf den grunt
und verschwell im seinen schlunt.
fastn. sp. 607, 24 Keller.
der erkrankte schlund verschwillt, schwillt an. krankheit fällt in, auf den schlund: es haben aber ifg. aber nichts hinderbringen (hinunterschlucken) mögen, denn der flusz war ifg. so stark in den schlung und brust gefallen. Schweinichen 3, 129; diese resolution humorum so es felt auff die lungen, schlung, oder auff die meatus aëreos, als dann macht er suffocationem, das apoplexia geheiszen wirt, und ist nichts anders als ein verstopffung der meatuum desz luffts. Paracelsus 1 (1616), 672 B. einem verläumder wird gewünscht:
der teuffel fahr jm in sein schlundt!
H. Sachs fastn. sp. 4, 12, 311 neudruck.
in Ost- und Westpreuszen sagt man: schäm dî ön dîne schlunk! Frischbier 2, 290ᵇ.
d)
lob und tadel des schlundes. der schlemmer lobt den weiten schlund:
mînen slunt ich prîse:
mih würgt niht ein gans sô ich si slinde.
Steinmar 1, 5, 6 Meiszner.
in seinem sinne spricht Hugo v. Trimberg spottend von des slundes künichreiche:
swer under sein kinne drei vinger leit,
der hat schier gemeʒʒen, wie preit
des slundes künichreiche sei.
renner 10100.
tadelnd heiszt es:
der selbe slunt hât manic pfunt
verzert, in der helle grunt
manic sêle versenket.
10102;
gnomisch: der schlund richtet viele zu grund. Wander 4, 249.
e)
in bildlichen wendungen: quam dulcia faucibus meis eloquia tua super mel ori meo, uuieo suoʒʒe minemo slunde diniu gechose sint. Notker ps. 118, 103; da ist nicht einer der gutes thu, auch nicht einer. jr schlund ist ein offen grab, mit jren zungen handeln sie trüglich, otterngifft ist unter jren lippen. Röm. 3, 13; andere ort, so auch vor desselben veinds schlund in fehrlichkeit stehen. quelle von 1522 bei Diefenbach-Wülcker 841;
wie oft hat mich got ausz gefahr,
und ausz der mörder schlund gezogen?
Weckherlin 118.
des todes schlund:
ach, risz aus des todes schlund
mich darum das geschick?
Gotter 2, 407;
ich will harren, ich will bleiben,
gähnte weit des todes schlund.
Grillparzer 6 (1887), 174.
f)
der unrechte schlund heiszt volksmäszig die luftröhre in wendungen wie: es ist ihm in unrechten schlund, sive käle kommen, guttur devio cibo ei exasperatur, cibus deerravit in alienum tramitem Stieler 1853; etwas kommt in den unrechten schlund. Adelung (oberd.). Lexer kärnt. wb. 221. Sartorius 180. Hügel 139ᵇ (schlung). im scherz wird die luftröhre in solchen fügungen auch feiertagsschlund genannt Schöpf 623.
g)
übertragen auf andere öffnungen, zunächst von solchen, die den menschen zu verschlingen geeignet erscheinen, wie der schlund die speise, dann überhaupt von unheimlichen, tiefen, dunklen öffnungen. den bedeutungsübergang vermitteln fügungen gleich der folgenden, in der die vorstellung einer persönlichkeit durchschimmert:
die erde thu sich auf und reisze mich
in ihren schlund hinab, wenn ich das lüge!
Schiller Turandot 4, 9.
vielleicht ist schon die glosse slunt, baratrum Graff 6, 798 in diesem sinne gemeint, weiter so, wie abgrund, tiefe slunt, offenunge, thuffe, vorago Dief. 629ᵃ (13. und 14. jahrh.), slunt, lama voc. von 1420 bei Lexer mhd. handwb. 2, 991, schlund, ein grosz tieff ort oder loch, barathrum, chasma, gurges, abyssus, vorago Maaler 357ᵃ, meeresschlund, abyssus maris Stieler 1853, seeschlund, vortex, vorago, Scylla, Charybdis. ebenda, schlund, figürlich ein tahl oder tiefe, fauces regionis vel montium Frisch 2, 202ᶜ, die tiefe des meeres, wegen des vielen verschluckens, vorago. ebenda; schlund einer höhle, eines feuerspeyenden berges, eines kamines, tiefe stelle in einem flusse, in dem meere, wirbel, strudel. Adelung, enges thal Stalder 2, 332. Schmidt 192 (schlonk, schlung): auszerdem machte das wasser in dem schlunde ... in der stillen nacht ein solches gräszliches getöse, dasz meine ohren mehr als zu verdrüszlich wurden, selbiges anzuhören. Felsenb. 3, 311; ich sah in den schlund hinab, der mich jezt aufnehmen sollte, es erinnerte mich dunkel an den abgrund der hölle, woraus keine erlösung mehr ist. Schiller 4, 77; der todesarten, welche man den verbrechern in Athen zuerkannte, waren dreierlei. entweder man stürzte ihn in einen schlund, auch in das meer hinunter, oder man richtete ihn mit dem schwerd hin, oder gab ihm schierling zu trinken. 9, 172;
wer wagt es, rittersmann oder knapp,
zu tauchen in diesen schlund?
werke 11, 220;
hört, wie der abgrund toszt, der wirbel brüllt,
so hats noch nie geraszt in diesem schlunde!
Tell 4, 1;
und wo im felsengrunde
der eingeklemmte flusz
sich schäumend aus dem schlunde
auf räder stürzen musz.
Göthe 3, 47;
du muszt des felsens alte rippen packen,
sonst stürzt sie (die windsbraut) dich hinab in dieser schlünde gruft.
12, 206;
die zwerge führen den groszen Pan
zur feuerquelle sacht heran,
sie siedet auf vom tiefsten schlund,
dann sinkt sie wieder hinab zum grund.
308;
dem und jenem schlund
aufwirbelten viel tausend wilde flammen.
311.
des meeres schlund:
alls alle wasser haben grund
flus aus des meres slund.
O. v. Wolkenstein 26, 234;
meeresschlund, abyssus maris Stieler 1853, seeschlund, vortex, vorago, Scylla, Charybdis. ebenda. schlünde, abgründe, eines flusses:
hier in meine (des Rheines) schlünde
werfet eure sünde!
Rückert 1 (1882), 127.
schlund der erde, des gebirges, der klüfte, des abgrunds:
der klüfte schlund
brüllt dumpfig.
E. v. Kleist (1771), 2, 69;
wie seltsam glimmert durch die gründe
ein morgenröthlich trüber schein!
und selbst bis in die tiefen schlünde
des abgrunds wittert er hinein.
Göthe 12, 205;
magst du im schlund der erde sie verstecken,
lasz tausend todtengrüfte sie bedecken,
sie bringen deine übelthat ans licht.
Schiller Turandot 4, 2;
wenn sich Boreas naht vom nördlichen schlund des gebürges,
schont er die blüten am baum?
Platen 49ᵃ.
schlund eines feuerspeyenden berges. Adelung, der krater. in gleichem sinne feuerspeiender schlund: wenn man bedenkt, dasz die öffnungen, wodurch das unterirdische feuer ausgang sucht, nirgends anders, als in den gipfeln der berge sind, dasz man niemals in den ebenen feuerspeiende schlünde wahrgenommen hat. Kant 9, 43 und schlund allein:
den andern (schlemmern) dampfft es aus dem munde,
wie um den schlund bei Tänara.
Günther 165.
der helle slund. quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 991, höllenschlund, orci rictus Frisch 2, 202ᶜ; schlund des Orcus:
schaudre rückwärts, zu des Orcus schlunde,
stolzer weiner!
Schiller räuber schausp. 4, 5.
schlund, öffnung, mündung einer höhle Adelung. ähnlich eines kellers:
stand jetzt die furchtsame zofe
vor dem schlunde des kellers.
Zachariä (1772) 1, 292.
eines ofens (im eisenhammer):
und grinsend zerren sie den mund,
und deuten in des ofens schlund.
Schiller 11, 254.
eines kamins Adelung (landschaftlich heiszt nach ihm auch der ganze kamin schlund), einer kanone: ein gewisses grab öffnete sich dem waghälsigen stürmer in seinen (des Lechs) wellen, und am entgegenstehenden ufer zeigten ihm die feindlichen kanonen ihre mördrischen schlünde. Schiller 8, 230. schlund wie 'abgrund' in bildlicher verwendung:
aus diesem tieffen schlund', aus dieser schwartzen gruft,
hab' ich so offt' und offt', o herr, zu dir gerufft.
Fleming 25 (ps. 130 anfang);
ein öffentliches spielhaus ist ein schlund, welcher das vermögen unerfahrner jünglinge verschlingt. Stosch bei Campe. schlund des chaos: bis ein weites grab sie (die menschen) insgesammt .. verschlingt und sie, die da glauben konnten, endzweck der schöpfung zu sein, in den schlund des zwecklosen chaos der materie zurückwirft. Kant 7, 337; des nichts: er rief sie (gott die welt) aus des nichts nur ihm folgsamem schlunde. Lessing 1, 100. mit epexegetischem gen. einer verbal- oder zustandsbildung: hierinnen solten nu keiser, könige, fürsten und herrn wachen, jr land und leute ansehen, das sie rieten und hülffen, von dem grewlichen schlund des wuchers. Luther 1, 198ᵇ; gedenck wie sich unser schöpffer und richter also gar entblöszt hat, uff das wir nach sinem ebenbild nit nachhengten dem bodenlosen schlunt der gytigkeit. Cyrillus speculum sapientiae verdeutscht (1520) 57ᵇ.
h)
mit anderer übertragung wie land- oder meerenge: Morea, ein gar edle landschafft, .. hat ein engen eyngang oder schlund gegen der statt Corinthen, der wird Isthmus Corinthiacus genent. Stumpf 1 (1606), 6ᵇ (cap. 4); Java ... machet an der west-eck mit Sumatra einen engen schlund, welchen sie Sunda nennen. Olearius beschr. etl. oriental. insuln (1696) 147ᵃ.
i)
persönlich, im sinne von schlemmer, in älterer sprache: schlund, ardelio, homo vorax. quelle bei Schm.² 2, 526;
kein slunt wirt nimmer wîse gar.
Tanhauser hofzucht 241;
schement euch slünde und frêʒe,
die tage und naht ir leibe wenent,
daʒ si sich von einander denent.
Hugo v. Trimberg renner 9551.
auch von einer frau:
du kupplerin, geitiger schlunt und nasenrimpf.
fastn. sp. 255, 17.
mit objectivem gen. verbunden:
(von Christus:) er viurfrâʒ, stahel kiunder munt,
er berges slunt, swenne er beginnet wüeten.
Marner 13, 41 Strauch.
ost- und westpreusz. noch so in den zusammensetzungenzwölfschlunk, nd. twelfschlunk, der für zwölf iszt, und drachtschlunk, der eine tracht, zwei eimer voll iszt. Frischbier 2, 290ᵇ.
k)
technische und rein mundartliche gebrauchsarten:
α)
im bergbau ist schlund die bezeichnung der klüfte, die viel länger als breit sind. Jacobsson 7, 242ᵃ.
β)
heiszt so die öffnung, durch die das wasser in das gefälle des mühlgerinnes läuft. 3, 634ᵃ.
γ)
in der botanik die öffnung der röhre bei einblättrigen, rachenförmigen kronen Campe. in der zoologie der der mündung nächste theil der höhlung bei gewundenen schnecken. Illiger bei Campe.
δ)
der schwarze schlund, name einer meerschnecke, strombus luhuanus Nemnich.
ε)
in Schwaben ist schlund auch die bezeichnung kurzer überstrümpfe, die vom schuh bis zu den waden reichen, gamaschen Schmid 469.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1895), Bd. IX (1899), Sp. 831, Z. 34.

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