schmiericht, schmierig adj
Fundstelle: Lfg. 6 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1087, Z. 71
fett oder schmiere enthaltend.
1)
erst seit dem 16. jahrh. im hochd. nachgewiesene bildungen zu dem subst. schmer, in den suffixen verschieden, der bedeutung nach zusammenfallend; früher schon begegnet mnd. smerich, vgl. unten. das innere ursprüngliche w des wortes ist in der form des 16. jahrh. schmirwig gewahrt (Mathesius Sar. 57ᵃ, s. die stelle nachher), später zu b verhärtet: schmirbig, geschmirbig, schmirbet (für schmirbecht), gschmirbet Schm.² 2, 556. die mundartliche niederd. form smerig greift auch ins mitteld.: schmêrig, schmierig, fett Liesenberg Stieger mundart 197.
2)
schmierig in quellen des 16. bis 18. jahrh. noch in der bedeutung fett enthaltend, mit fett versehen: bornstein .. sey ein zeher, schmirwiger und denischer (dehnbarer) safft. Mathesius Sar. 56ᵇ; schmirwig gestein, das fett und zech ist wie seiffe. 57ᵃ; auch als schmiericht: fette und schmierichte ecker. 119ᵃ; vgl. mnd.: neman sal smerich was (wachs) noch valsch was kopen. urk. von 1393 bei Schiller-Lübben 4, 262ᵇ; mit einspielen der folgenden bedeutung (3): in hof, allwo ich ihn in seiner eignen mistlachen herumb sudelte, dasz er so schmirig davon aussahe wie ein kalbsfusz, den man bachen will. Simpl. 3, 332 Kurz.
3)
seit dem 17. jahrh. an schmiere 2, wust, unflat, und schmieren 3, sudeln, besudeln angelehnt, als schmiericht und (in neuerer sprache allein) schmierig: schmiericht, delibatus, illitus, et frequentius sordidus, coenosus, spurcus, luteus, lutosus, lutulentus, schmierichte sau, sus lutulentus Stieler 1882; schmierig, sordidus, squalidus, unguinosus Frisch 2, 209ᵃ; ein ding ist schmierig, wenn es mit einem dicklich flüssigen körper überzogen oder beschmutzt ist. Adelung; sich schmierig machen, eine schmierige arbeit. ebenda; ein schmieriger topf, kamm. Campe; Holbein macht einen schmierigen, häszlichen betteljuden aus seinem Judas, das er doch wohl schwerlich war. Lichtenberg 4, 65; älter auch in der form schmierigt: in seinem rock, welcher ohne zweiffel im bauch desz wallfisches gantz schmutzigt und schmierigt worden war. Schuppius 400.
4)
auch zum schmieren geeignet: schmieriger käse Campe; schmieriges öl, das nicht leichtflüssig ist; schmierige salbe, leicht zu streichen; schmierig, unguinosus Steinbach 2, 461.
5)
übertragen auf sittliche eigenschaften, gewöhnlich in jetziger gemeiner rede: er ist ein schmieriger kerl (schmutzig geizig), er hat sich schmierig gegen uns benommen; er macht schmierige geschäfte, die nicht sauber sind; liebt er gleich 'was schmierige finger, nimmt er hohe procente. Fr. Müller 1, 279; aber auch nach schmieren 4, d, schmeichlerisch, schön thuend, mundartlich verbreitet: niederd., im kreise Iserlohn sméärich, schmeichelnd, dann auch leicht trunken Frommann 5, 69, 30. Woeste 243ᵇ; frankfurtisch: ich musz doch morje emol mein besuch mache, wann mer net de schmierige bei en (bei den verwandten) spielt, nemme se's glei iwwel. Streff des burschen heimkehr 43.
Zitationshilfe
„schmiericht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schmiericht>, abgerufen am 19.02.2019.

Weitere Informationen …