schmunzeln verb
Fundstelle: Lfg. 6 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1133, Z. 8
den mund zum lachen verziehen, wolgefällig lächeln. es ist eine iterativbildung zu schmunzen und beide sind nasalierte nebenformen zu den in der ältern sprache vorherrschenden schmutzen, schmutzeln. vergl. diese artikel und Kluge⁵ 332ᵃ. Weigand 2, 609. schmunzeln kommt zuerst mittelrheinisch im 15. jahrh. vor: subridere (eyn) wenig lachen .. smotzen, schmollen, smonczeln, smuceln Dief. gl. 561ᵇ. in der heutigen form: ich lächel, schmünzel Alberus dict. a 2ᵇ; dann erst wieder bei Frisch aufgeführt: schmunzeln, ein unnützes pöbel-wort, vielleicht von mund, wie schmollen vom maul, subridere 210ᵃ; den pöbelhaften character des wortes bestreitet Adelung, indem er es in übereinstimmung mit dem heutigen sprachgebrauche der vertraulichen sprechweise der hochdeutschen zuweist. mundartlich auf dem ganzen hochdeutschen gebiete, aber nicht häufig, s. Schm. 2, 552. Hügel 141ᵃ. Klein 2, 130 (Pfalz). Schmidt 198. Frischbier 2, 300ᵇ; daneben werden mundartlich zahlreiche ähnliche bildungen verwendet, so auszer schmutzen, schmutzeln (besonders bair.-österr.), schmutzlachen, schmötzeln (Augsburg), hochd. noch schmustern, schmezeln (schwäb.), oberd. auch noch schmielen, schmollen, nd. smunstern, smunsterlachen, smuschern, s(ch)mutzern, schmunzern, s. diese. in der schriftsprache schon seit dem 16. jahrh., doch besonders häufig seit mitte des 18., ohne varianten der bedeutung: jetz rollig, nun schmollig: jetz runtzelend, dann schmuntzelend. Fischart podagr. trostbüchl. B 8ᵇ; so hab ich auch noch einen topff unter dem bette stehen, den habe ich Lutzen der grossen magd bescheiden, wie wird sie schmuntzeln, wenn sie wird sehen, dasz er so fein grosz und geraume ist. Schoch stud. leb. E 4ᵇ; ich bemerckte, dasz der gouverneur, seine gemahlin und kinder über mein verfahren schmuntzelten. Felsenb. 4, 83; meine frau schmunzelte und zeigte die zähne, die sie nicht mehr hat. Hebbel (1891) 2, 39; Züs schmunzelte falsch und freundlich, Dietrich schmunzelte schlau und süszlich. Keller 4, 256;
(sie) schmunzelt drauf und lachte.
wunderhorn 2, 390 Boxberger
(im original, Venusg. s. 111, 17 neudruck dafür: und drauff schmutzerlachte);
Pervonte schmunzelt ...
und spricht kein wort, wie sanft ihm auch die frage thut.
Wieland 18, 134 (Perv. 1);
schon sehe ich im geist die gäste freundlich schmunzeln.
Gaudy 18, 135;
schmunzelt' er süsz und streckte sich faul.
Geibel 1, 26.
im particip: werde niemals ein trauriger, vornehmer, schmunzelnder, bequemer philister! Eichendorff² 2, 10; seitdem sahen mich die tante und der vetter noch häufiger geheimniszvoll und schmunzelnd an. 567; 'ich danke sehr, danke, danke ergebenst!' sagte er schmunzelnd. Keller 4, 250;
da nahm er schmunzelnd wahr,
auf schön beblümten auen,
gar lieblich anzuschauen,
vergnügter mägdlein schaar.
Bürger 21ᵇ;
schmunzelnd in dem schlafe drücke
fest mein bild mit einem schmatz!
Hölty 208 Halm;
der wirth steht schmunzelnd am gefüllten fasse.
Gaudy 21, 147;
ich aber beschreibe schmunzelnd
diesen zweiunddreiszigtel bogen papier.
23, 35;
im substantivierten infinitiv: ich weisz zwar wohl, fuhr er nach einem weilchen mit schmunzeln fort, wie's die weiber zu machen pflegen. Engel Lorenz Stark s. 33; seine alte mutter, in ihren gesichtsfalten das seligste schmunzeln, trägt das jüngste enkelchen auf dem arm. H. Heine 4, 129 Elster;
ein altes weib war in seinem strick,
voll runzeln und schmunzeln, tück' und nück'.
Rückert Firdosi 1, 337.
schmunzelnd sagen: so arg ist es nun wol nicht mit dem eifer, schmunzelte der fuchs. Benzel-Sternau bei Campe. — in den bart schmunzeln Frischbier 2, 300ᵇ, in sich hinein schmunzeln:
sie schmunzeln in sich herein,
herr ritter? lachen sie immer!
Wieland 4, 132 (Amad. 6, 132).
einem ins gesicht schmunzeln:
(ich) sah schmunzeln ins gesicht, und hinterm rücken kratzen.
Gotter 1, 302.
dichterisch auch einem schmunzeln, zulächeln:
wer die terrassen einsam abspaziert,
gewahrt die schönste, herrlich aufgeziert, ...
sie schmunzelt uns und blickt nach solcher schedel.
Göthe 41, 66 (Faust II, 1).
mit einem mädchen schmunzeln, schön thun, ihm liebkosen Campe. preuszisch auch transitiv, lieb haben: sie schmunzeln sich, lieben sich Frischbier a. a. o. (im Samlande).
Zitationshilfe
„schmunzeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schmunzeln>, abgerufen am 15.12.2019.

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