schnippisch adj
Fundstelle: Lfg. 7 (1896), Bd. IX (1899), Sp. 1339, Z. 27
1)
naseweis, kurz angebunden, spitzig im reden: schnippicht, schnipperlich, et schnippisch, adj. et adv. propr. quidem esset strepens, crepans, sed pro contumelioso, inverecundo, indomito, effrenato, effronte et petulanti sumitur. der kerl ist sehr schnippisch, perfrictae frontis homo est, audacissimus, temerarius, et procax est. schnippische worte, verba proterva Stieler 1894. Kramer 2, 632ᶜ hat in demselben sinne aufschnippisch, schnippisch und schnippfisch. Adelung und Campe stellen schnippisch unter schnäppisch und leiten dieses ab von schnappen, plaudern, vorlaut im reden sein; vgl. schnäppisch, garrulus Frisch 2, 211ᵇ (dagegen aufschnippisch, qui cito irascitur; fastigium suum subito ostendit et indignatur; als adv.: cum protervia, procaci modo 211ᶜ). diese etymologie auch noch bei Weigand 2, 620. ähnlich erklärt es Wachter 1453 aus schnebbe, nasus (vgl. schnippig), obwol er schnippisch, cavillatorius, angibt. ungezwungener erklärt sich jedenfalls die herrschende bedeutung bei der zunächst liegenden ableitung von schnippen 1, vgl. schnippchen. mundartlich besonders norddeutsch, nd. als snippsch Danneil 200ᵃ. Mi 83ᵃ; auch snepsch Strodtmann 378ᵃ; snipp, snippsch, sneppsch Dähnert 438ᵇ, ostfries. und westfäl. snippsk Stürenburg 229ᵃ (schnipp, schnippsk), brem. snappsk und snippsk brem. wb. 4, 881. Richey 273 und Schütze 4, 141 erklären es als snibbisch, zu snibbe, schnabel, geben aber beide ausdrücklich die aussprache snippsch an. in hd. form schnippsch Frischbier 2, 305ᵇ. Schemionek 36. Bernd 273. dagegen in hd. idiotiken selten angeführt, so österr. Hügel 143ᵃ und thüring. Reinwald 1, 146. Hertel 41 und sprachsch. 218, doch hier auch in anderer bedeutung.neben schnippisch finden sich in der neuern litteratur noch folgende schreibungen:
a)
zusammengezogenes schnippsch (vgl. nd. snippsch, s. o.): Marthe (macht ihr ein gesichte) fein schnippsch! Weisze kom. op. 3, 179 (d. jagd 3, 7); die junge frau, die freilich etwas schnippsch ist, konnte das gichern nicht lassen. Soph. reise 3, 386; 'sie, liebe madame Domine', sagte die schnippsche frau Malgré, 'werden den trumpf wol annehmen müssen!' 6, 535;
denn Nettchen sah ein wenig schnipsch dazu,
dasz man ihr so erlaubnisz kaufen wollte.
Göckingk 2, 222 (schlittenf. 4, 13).
b)
schnäppisch Adelung. Campe, s. o.: das wäre eine artige commission, sagte das schnäppische mädgen. Möser patr. phant. 1, 1. ferner schneppisch, s. das.
c)
die spätere ausgabe (von 1820) liest an dieser stelle (1, 3) schnüppisch, vgl. dazu aufschnüpfisch, th. 1, 729 und schnüppig.
d)
die formen auf ig s. unter schnippig.
e)
schnippicht und schnipperlich bei Stieler s. o.
2)
in der neuern sprache wird schnippisch mit vorliebe von mädchen gesagt: o mein herr, ich bitte sie, machen sie mir die kleine närrin nicht noch einbildischer! sie ist ohnediesz naseweis und schnippisch genug. Wieland 19, 162 (Abder. 1, 13); o die will ich dir überlassen, sagte jene schnippisch; und der stich war desto wespenartiger u. s. w. 346 (3, 8); Fernando. ist sie jung? postmeisterin. sehr jung; und schnippisch. Göthe 10, 140; Röse. lieber herr richter! richter. sonst seyd ihr so schnippisch. jetzt könnt ihr bitten. 14, 299; fräulein Luise .. liesz Karln, der sie zum spaziergange einlud, auf eine sehr schnippische weise abfahren. 15, 104; von meinen wädchen wissen sie ja wohl nicht viel, versetzte sie schnippisch. 19, 168; sie .. fiel, als ich ihr schön that, in ein heiter schnippisches wesen, das ihr wohl das natürlichste seyn mochte. 23, 141; allein sie nimmt sich zusammen .. und setzt sich vor, wenn er nicht freundlich ist, schnippisch dagegen zu seyn. 38, 203; o, die ist lange aus den diensten der gräfin, sagte das mädchen mit gerümpftem näschen und betrachtete ihn von oben bis unten mit einer schnippischen miene. Eichendorff² 2, 127; 'aber', sagte ich ganz verblüfft, 'war denn der maler nicht hier?' — 'ja freilich', entgegnete sie schnippisch, 'sein mantel wenigstens'. 3, 80 (taugenichts 8); Melanie wurde vor zorn sogar boshaft, gab schnippische abfertigungen. Gutzkow ritter v. geist 2, 224;
sie ist so sitt- und tugendreich,
und etwas schnippisch doch zugleich.
Göthe 12, 133;
wie schnippisch doch die königin nicht ist,
als hätte sie diesz lied erfunden, uns gelehrt!
Fr. Müller 2, 371;
du kommst auch mit, schnipp'scher grasaff'!
Immermann 12, 79 Hempel (Tulif. II, 6);
ei seht nur, wie sie schnippisch thut!
Ludwig 3, 561 (Hans Frei 1, 1);
so als zuruf: nun fein schnippisch, jungfer tochter! weiszt du auch, dasz du deinen bräutgam vor dir hast? Weisze beitr. z. d. theater 1, 274 (poet. nach d. mode 1, 5; vgl. oben 1, a); fein artig beym abschiednehmen, und nicht gleich schnippisch, fräulein Langnäschen. Fr. Müller 3, 15 (Golo u. Genov. 1, 2). — seltener auf männer bezogen: und so würde ich ganz gern dem nachbar zugestehen, dasz er auf diesen widerspruch geantwortet habe, wenn er weniger schnippisch und verächtlich geantwortet hätte. Lessing 10, 101; ich ward wild und schnippisch. d. arme mann im Toggenb. 74; da stand ein junges, schnippisches, dreizehnjähriges fuhrmännlein in blauem hemde. J. Paul flegelj. 3, 66; ja, du meinst, das ist vernunft, dasz du schnippisch kannst thun und machen, dasz leut, die auch nicht mehr denken als du, .. lachen. Ludwig 2, 292. auf dinge übertragen: drauszen lieszen sie ein kurzes schnippisches gelächter erschallen. Keller 7, 37.
3)
vereinzelt begegnen abweichende bedeutungen.
a)
schnitzicht, et schnitzericht, it. schnippisch, adj. et adv. idem est quod schneidicht, incisus, et incisim. schnippisch autem in specie est protervus, petulanter Stieler 1903.
b)
thür. auch 'wählerisch, lecker' Reinwald 1, 146. Hertel 41 und sprachsch. 218.
Zitationshilfe
„schnippisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schnippisch>, abgerufen am 20.11.2018.

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