Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schuppe, f.

schuppe, f.
squama, kleine platte als körperbedeckung. eine dem deutschen eigenthümliche ableitung zu schaben, deren stark auseinandergehende und nicht durchweg klare formen sich am ehesten in einer grundform mit langem vocal vor langer consonanz vereinigen. letztere kann dann nur durch ein nachfolgendes j gewirkt sein (*skôbjô?); der infolgedessen zu erwartende umlaut fehlt in der regel, tritt indes doch häufig genug auf, besonders im plural, um eine solche annahme zu gestatten. die spätere sprache hat das wort durchweg erleichtert, indem sie entweder den langen vocal bez. diphthong oder die folgende doppelconsonanz gekürzt hat. unklar ist auch der stammausgang, zumal da hier das zeugnis des ahd. versagt; doch scheint schwache flexion das regelmäszige zu sein, vgl. Kluge⁵ 338ᵇ. Weigand 2, 650 f. Grimm gramm. 3, 410. — die formen in den einzelnen dialekten sind folgende: ahd. scuͦpa, scúpa, scuobba squama (nur im nom. sg. belegt) Graff 6, 410; mhd. schuop, schuope, schueppe, schuobe, schuebe, schûp, schûpe, schupp, schuppe, schiep, schieppe, im plur. auch schüebe, schüppen, sogar schüpfen Lexer handwb. 2, 824; squama scuͦpa, schupe, schuppe, schuppen, schupp, schup, schube, schubbe, schope, schopp, schuͦpp, schieppen, schiep, schyben vel schippen, schoepel, eyn vischschup, -schuopp, -schuebe, -scuͤpel, -schuͤpel, -schupfel, -schiephel, -vlume .. eyn fische schupe, schuop, var. schiep .. sine squamis on schuͤpen Dief. gloss. 549ᶜ; schüppel .. schuppel, schiep, vischhawpp. nov. gl. 346ᵇ, vgl. auch unten die belege. schon die Kölner handschr. des Wigalois aus dem 13. jahrh. schreibt schuppen 179, 1, schuͦppen 3, worin kaum mit Weigand 2, 650 verschiedene formen zu sehen sind (in Heinrich v. Neustadts Apollonius steht mit den schüeben im reim auf üeben; die hdschr. haben fast durchweg schuopen oder schuppen, s. Strobls gloss. s. 251). mnd. findet sich schope, daneben mit umlaut: squama, ein viskvlome vel visk schepen. voc. Kiel. bei Schiller-Lübben 4, 118ᵃ, ferner schubbe 144ᵃ (vgl. das verb. schuppen). ersteres würde dem hd. schupfe entsprechen. das nl. hat nur formen mit bb: schobbe squama Kilian; schubbe von den visch. ebenda, jetzt schob, schobbe und schub, schubbe, vgl. Franck 851. — im ältern nhd. findet sich noch vielfach die form mit langem u und einfachen p: schup squama (dazu schuͤpecht, entschuͤpen, schuͤpelen, aber auch schuͤppechtige raud, lichen) Dasyp.; Maaler 362ᵃ hat schuͤppen, die späteren wörterbücher meist schuppe; doch noch Kramer 2, 682ᵃ: schupe, schuppe, it. schube etc., schuppen etc. plur. scaglia, squamma; ferner: schupe, et schuppe, die, squama Stieler 1781; schupe (die, plur. schupen) squama Steinbach 2, 524; schuppe (quidam adhibent pro schupe) squama 525. unter den belegen aus der litteratur herrscht schupe bei Luther, Rollenhagen, Tabernaemontanus, Sebiz, Weckherlin, schüppen steht bei Kirchhof, ferner in den alten weisen und wiszbad. wisenbr. 2, 214; von den alten bibelübersetzungen haben die Ingolstädter (Eck) schuͦpe, und schuͤppe, die Züricher (1530) und die Wormser propheten v. 1527 schuͤpe, s. Kluge von Luther bis Lessing s. 81. vereinzelt auch diphthongische schreibungen: die pferd werden offt reudig, .. also dasz von den rauden schueppen fallen. Sebiz roszarzn. 238; für die schueppen 254; alle rauden, krätze, schieppen, maͤgre. Thurneisser von wassern 187. — in neuern mundarten ist schuppe besonders auf oberd. und nd. gebiete bezeugt: schweiz. schuepe, pl. schüepe, tschüepe Hunziker 232; bair. die schueppm, pl. schüeppm Schm. 2, 438; ebenso österr. Schöpf 651, schüappn (pl.) Castelli 251; cimbr. schipa mit umlaut im sing., cimbr. wb. 228ᵃ. das schweigen der andern hd. idiotiken deutet wol an, dasz die mundart zu der schriftsprache stimmt. das heutige nd. zeigt dasselbe merkwürdige auseinandergehen der formen wie das ältere, wir finden neben einander schuppe Woeste 234ᵃ, schubbe Stürenburg 235ᵇ. Frischbier 2, 319ᵃ (aber das verb. schuppen 322ᵇ), und schüwwe Strodtmann 209. bedeutung.
1)
kleines festes plättchen, wie sie den körper der fische und amphibien bedecken, squama Nemnich, eigentlich das, was vom fische abgeschabt wird, wenn man ihn kochen will, vgl. auch Oken 4, 92. 337. 341. 6, 14. öconom. lex.² 2654. Behlen 5, 557; schuͤppen, die, squama, erhebt schuͤppen, adstantes squamae Maaler 362ᶜ; schuppe am fisch, f. escaille de poisson Hulsius 291ᵃ; schuppe, f. squama Schottel 1410; schuppe, squama, der fische und der schlangen, tegmen naturale piscium et serpentum Frisch 2, 234ᵇ.
a)
hauptsächlich von fischen: die fische haben schupen, pisces squamis obducti sunt; was schupen, wie die fische hat. Steinbach 2, 524; die vische die aber ân schuͤbe sint, die ligent allewege an dem grunde und koment selten über dc waʒʒer. Grieshaber pred. 1, 146; seine (des Leviathans) stoltze schupen sind, wie feste schilde, fest und enge in einander. Hiob 41, 6; wir Deutschen schufen auch einmal .. aus den sonst weggespülten schuppen der bärsche etwas das eine blume heiszen sollte. Möser patriot. phant. 4, 46; die schuppen des seegewaltigen (lachses) glänzten. Scheffel Ekkeh. 293;
als von den schuopen noch ein visch
vil schône wirt gescheiden.
Konrad v. Würzburg Engelh. 6346;
als ein visch, der nindert blect,
sô in die schuppen habent bedect.
Ottokar reimchron. 69255;
Hansel am bach
hat lauter gut sach,
hat fischlein gefangen,
hat die schuppen heim bracht.
wunderhorn 2, 609 Boxberger;
aber die köchin verlangt noch hechtlein, den abt zu bewirten,
welche, blau mit den schuppen gekocht, in die schwänze sich beiszen.
Voss 141, 16 Sauer.
b)
daher alles was schuppen hat u. ähnl. als zusammenfassende umschreibung für die fische oder meeresthiere: und daʒ ist wider aller tier nâtûr, die vedern habent oder schuopen oder schaln. Megenberg 283, 23; alles was flosfeddern und schuppen hat in wassern, im meer und bechen, solt jr essen. alles aber was nicht flosfeddern und schupen hat .. sol euch eine schew sein. 3. Mose 11, 9. 10; ähnlich 5. Mose 14, 9. 10;
also was leben hat, mit schupen, federn, haar,
beklaidet, burger ist des meers, luffts und der erden.
Weckherlin ged. 227 (ps. 104, 34);
auch geradezu schuppen für fische:
so viel die erde grasz, das welt-meer schuppen trägt.
Günther 702.
c)
ebenso werden den menschenähnlichen wesen, womit sage und dichtung das wasserreich bevölkern, meermenschen, nixen, sirenen u. s. w. schuppen zugeschrieben:
enzwischen gürtel und houbet
was si geschaffen als ein man.
breite schuopen wâren dran
gewahsen herter denne ein stein.
Wigal. 179, 1;
ûʒ des meres grunde   gienc ein ungehiureʒ wîp:
si truoc an ir lîbe   von schuopen eine hût.
Wolfdietrich A 470;
wo den schilf'gen strom hinabwärts
schwimmt der nix mit flosz' und schuppe.
Immermann 12, 108 Hempel (Tulif. ⅠⅠⅠ, 6);
(im bilde):
nun, nun, ich mag keine lobrede auf eine sirene hören, die ihre häszlichen schuppen so klug unter dem wasser zu halten weisz.
Lessing 1, 345 (misog. 1, 2).
d)
ferner haben reptile schuppen, daher auch die drachen der sage: item 1496 jar da kom her gen Nürmberg ein track, hiesz idra, .. und was als grün schupen. d. städtechron. 11, 586, 15;
dô daʒ tier sô wilde   des herren helfe ersach,
âhî, waʒ starker schuopen   er von dem wurme brach!
Wolfdietr. D ⅤⅠⅠⅠ, 88;
der hüter (des schatzes) aber ist ein drach ..
der schuppen jed' ist ihm ein aug',
und kralle jedes glied.
Grillparzer⁵ 2, 212.
so im bilde: Pharao du könig in Egypten, du grosser drache, ... ich wil dir ein gebis ins maul legen, und die fissche in deinen wassern an deine schupen hengen, und wil dich aus deinem strom heraus ziehen, sampt allen fisschen in deinen wassern, die an deinen schupen hangen. Hesek. 29, 4. ferner vom teufel, s. 2. schuppen des nashorns: das nasehorn ist mit beinern schuppen bekleidet (angethan). Comenius sprachenthür 192.
e)
schuppe in vergleichen: wie das dorf hier so friedlich im mittagsschlummer daliegt, als wär's ein groszes wasserungeheuer, ... die strohdächer sind wie grosze schuppen. Auerbach dorfgesch. 3, 5.
2)
hieran schlieszen sich freiere verwendungen.
a)
so wird in einem kühnen bilde von den schuppen des meeres geredet:
die königin des lichts läszt ihre letzten stralen
des meeres blaue schuppen mahlen.
Uz 1, 233.
b)
bildlich vom menschen (vgl. 3 und 4): das musz einen befestigen, dasz man mit allem guten bleibender und näher wird, das andre wie schaalen und schuppen täglich von einem herunter fällt. Göthe briefe 5, 1 Weim. ausgabe; vom geiste fallen mir täglich schuppen und nebel, dasz ich dencke er müsste zulezt ganz nackend dastehn, und doch bleiben ihm noch hüllen genug. 88.
c)
ferner gehört hierher die bei Luther und andern autoren des 16.—17. jahrh. sehr gewöhnliche verbindung der teufel und seine schuppen u. ähnl.; dasz damit wirklich die schuppen des als drache gedachten teufels gemeint sind, zeigen folgende stellen: widerumb, die schlange sampt jrem samen und schupen nicht lenger könne, jre hohen klugen gedancken verbergen. Luther 8, 3ᵇ; yhe reicher und grosser gnade uns gott hie anbeut, yhe unsynniger die fürsten, bischoff, und alle breyte schüpen des Behemoth sich da widder streuben. 12, 147, 15 Weimarer ausg. (auch briefe 2, 374); wie vermöcht ich mit kurtzen worten allhie beschreiben, was massen der leidige teuffel nun lenger denn dreyssig jar lang umb der bekannten warheit willen gegen disz land seine zen gebleckt und seines trackenschwantzes schüppen, es zuͦ hassen, gleich wie mit sporen und geiszlen angetrieben. Kirchhof wendunm. 1, 282 Österley (1, 228).
d)
gewöhnlich ist indes die bedeutung ganz abgeblaszt, sodasz die schuppen des teufels nichts als seine anhänger, diener bedeutet: gott wolle .. auch dem teufel, und seinen schuppen, so dis werck hindern wollen, allzeit steuren und wehren. Luther 1, vorrede 5ᵃ; es ist ein gros thewer zeichen eines rechten glaubens und lerens bey uns, das uns der satan durch seine schupen, so bitter und manchfeltiglich angreifft. 2, 93ᵇ; so wollen wir .. dem teufel mit seinen schuppen und gliedern trotz bieten. 3, 98ᵇ; das Christus stercker ist, denn der leidige satan (sampt allen seinen schuppen). 402ᵇ. 405ᵃ; es sey dem teufel und allen seinen schuppen lieb oder leid. 6, 9ᵃ; so müssen wir auch den gast haben, den teufel mit seinen schupen, der uns den schaden thut. 45ᵃ; so lasst uns doch auch trotzen wider den teufel, und seine schuppen. 7, 49ᵃ; bisz sie alle zum schemel seiner füsse gelegt sind, trotz dem teuffel und alle seinen schupen. tischr. 72ᵃ; (das evangelium) ist ein gemein ertzney, so man brauchen sol wider alle bisse und stechen der gifftigen würme, das ist, des teuffels und seiner schupen und diener. 126ᵇ; da er widerumb seine göttliche krafft, wider den teufel und seine schuppen, sehen lassen und beweisen wird. 202ᵃ; so machet der teuffel seinen schuppen und hexen-gesindlein solchs weiss, dass sie auch mit feuer als feuer-wische auf besen und dergleichen, in und durch die lüfften fahren. Simpl. 1, 274 Keller (1, 2, 18).
e)
dann auch vom papst; wol beeinfluszt durch die zahlreichen darstellungen des sog. bapstesels, der gewöhnlich mit schuppen an armen und beinen ausgestattet ist, s. eine solche bei Luther 2, 290ᵃ, in der deutung desselben: auffs siebend, sind fisch schupen an den armen, beinen und hals .. bedeuten die weltlichen fürsten und herrn, denn das meer in der schrifft, bedeut diese welt, fisch, bedeuten die weltlichen menschen .. so bedeuten die schupen, das ankleben und anhangen, wie gott spricht, Job. 39. ein schupen klebt an der andern, das nicht ein lüfftlin dazwischen gehen kan. 291ᵇ; kom herr Christe bald, und stürtze durch deine herrliche zukunfft in den fewrigen pful, den widersacher und ertzfeind den antichrist zu Rom, sampt allen seinen schupen, gliedern, und anhengern. 3, 94ᵇ; des bapsts und seiner schuppen ernste meinung. 6, 10ᵃ; das die mordbrenner, bapst, Meintz, Heintz, sampt jren schupen solchs nicht gleuben. 8, 1ᵃ; denn wir wissen, das der bapst und seine schupen nicht zu bekeren sind. 251ᵃ.
f)
selten werden die schuppen (des teufels) anders verstanden, so von den sünden: dazu lereten sie (die papisten) allein die schupen, die gemeinen groben sünde bedencken, aber die starcken, rechten grewel und teufelsköpffe, und gifftigen geistlichen drachenschwentze, nemlich, unglauben, murren wider gott .. kenneten sie nicht. Luther 5, 236ᵇ. ein ganz ähnliches bild begegnet bei Wieland: das ist wohl die dickste und häszlichste von allen schuppen, kein gemeiner mensch seyn zu wollen, wenn man im grunde doch nur ein gemeiner mensch ist. 25, 304; wir waren alle nur gemeine menschen. — mehr oder weniger häute. schlechtere oder buntere schuppen, machten den ganzen unterschied. 305.
3)
weiterhin wird dann schuppe auch von den kleinen blättchen gesagt, die sich von der haut des menschen und anderer säugethiere loslösen, abschilferungen der epidermis, zumal der kopfhaut (grind): schüppen am leyb, furfures Maaler 362ᶜ; schupen auf dem kopf (kopf-schupen), scaglie cioè forfore Kramer dict. 2, 682ᵇ; schupe .. it. porrigo et furfures capitis. haubtschupen Stieler 1781; schuppen des haupts, furfures Dentzler 2, 257ᵃ; schupe auf dem haupte Steinbach 2, 524; schuppen auf dem kopf, furfures, von grind am leib, porrigo, schäbigkeit Frisch 2, 234ᵇ; meist als krankheit, grind, räude: denn du .. bist .. grindig an deinem gemecht ... unnd deine haut ist voller schuͤppen. alte weisen 84ᵇ; die schupen zuvertreiben, wäschet das haupt bisz aufs blut mit ochsenbruntz. Sebiz feldb. 95; wermuth in wasser gesotten und das haupt damit gewäschen, heylet den grind und vertreibt die schiepen. Tabernaemontanus 9 D; das haupt offt damit gewäschen, nimbt die milben und schüppen. 685 D; (kressensamen) mit gänszschmaltz vermenget, und übergestrichen, vertreibet die schüppen und grinde auff dem haupt. 842 I; so heylet es den fliessenden grind (milwen und schuppen). 1018 G; vom auszsatz der schuppen der haut nach der Indianer lehr. Coler traumb. (1680) 16ᵇ, cap. 98; die schuppen des haupts nennen die gelehrten furfures, von den kleyen, dasz sie gleich seynd, als wann die haut des haupts mit kleyen beschütt wäre. hausb. 2, 83ᵃ.
4)
so denkt man sich auch den star (blindheit) als schuppen, die das auge verdecken, daher die redensart es fallen einem die schuppen (es fällt einem wie schuppen) vom auge, einer wird sehend; schon mhd. s. Germ. 9, 178: als schîre so er ime die hant ûf sine huͦbet gelegete, sô vielen ime von ougen als schuͦeben und wart gesehende. Leyser pred. 83, 17; und zu hant vîl von sînen ougen alse schûpen und wart sehende. d. mystiker 1, 74, 30;
dô vielen alsam die schûpen
von sîner ougen grûpen.
pass. 182, 65 Hahn;
sehit, dô vîlin eme zcustunt
di schûpin von sîme lîbe.
Rothe passion, s. Germ. 9, 178 (nach ap.-gesch. 9, 18);
und also bald fiel es von seinen augen, wie schupen, und ward wider sehend. ap.-gesch. 9, 18; jetzt meist auf geistiges übertragen, zur einsicht kommen u. ähnl.: wehm die schuppen von den augen nicht seyn gefallen, wie St. Paulo; der gibet keinen gutten christen, und sihet nicht, was gutt und böse ist. Butschky Pathmos s. 281 (auch bei Lehmann 54, 35, s. Wander 4, 391); aber kaum drey tage hatte ich in diesem paradiese gelebt, dreymal nur die sonne aufgehen sehen, als mir die schuppen von den augen fielen. Thümmel reise 7, 220; wie schuppen fällt es ihm von den augen, dasz er ein thor gewesen, die bisher angebetete für die einzige zu halten, die eine solche huldigung verdiene. Göthe 6, 192; es fiel mir wie schuppen von den augen. alle vorhergegangene güte, gnade, zutrauen stellte sich mir lebhaft wieder vor. 48, 192; o dasz ihrs begreiffen lerntet! dasz euch die schuppen fielen vom auge! Schiller 2, 22 (räuber 1, 1 schausp.); er erwacht wie aus einem traume; es ist ihm, als ob die augen ihm aufgingen, schuppen von denselben fielen. Gotthelf Uli d. knecht 114 Vetter; heiszet ihn Paulus, denn auch er ist schnaubend von wuth und mord gegen die jünger des herrn ins land gezogen, bis dasz ihm die schuppen von den augen fielen. Scheffel Ekkeh. 246;
wem hier, wem itzt
die schuppen nicht vom auge fallen ... doch
sey blind, wer will!
Lessing 2, 249 (Nathan 2, 5);
von seinen augen fällt die graue schuppe hin.
Uz 2, 73;
wie schuppen fällt's herab vom starren blick.
Göthe 13, 266 (des Epimen. erw.);
aber plötzlich fällt's wie schuppen,
offnen sinnes eilt er hin.
Grillparzer⁵ 1, 154;
so fiel's wie schuppen ab von meinen augen,
und all mein ehrgeiz war mit eins geheilt.
(könig Ottokar 3);
dem's vom auge fiel wie schuppen,
seit du mich von fern erblicktest
durch der liebe goldne luppen.
Platen 198ᵇ.
einem die schuppen vom auge nehmen: allein die wahrheiten, die ich sah, als mir ein ehrenmann .. gestern die schuppen von den augen nahm. Gutzkow ritter vom geist 5, 472;
die weiszheit bricht ja schon viel hundert augen auf,
und reiszt durch manchen strahl von ihrem hellen lichte
der deutschen langsamkeit die schuppen vom gesichte.
Günther 384;
der heilende
verstand benahm die schuppen uns als augenarzt.
Platen 302ᵃ.
vgl. auch: Ekkehard wuszte nicht, wie ihm geschehen. er fuhr mit der hand über die augen, als lägen schuppen davor. Scheffel Ekkeh. 131.
5)
die schuppenbedeckung der fische und reptilien wird nachgeahmt in einer art panzer, der aus kleinen metallplättchen biegsam zusammengefügt ist; diese plättchen heiszen daher ebenfalls schuppen (und die rüstung schuppenpanzer, s. daselbst): schüppen, als an harnisch und prägendiner. Maaler 362ᶜ; der brustpantzer war schupicht, und die schupen waren von feigbonen gemacht. Rollenhagen ind. reisen 76; endlich giengen wir durch, ob wir schon gleich wie ein fisch gnugsam mit schuppen bekleidet waren. Olearius baumg. 64ᵇ (5, 2);
(Apollonius) hete dô geleit an
den harnasch mit den schüeben (: üeben).
Heinr. v. Neustadt Apollon. 7482;
auch vom helm:
der helm mit schuppen was gemacht.
12539;
da hebt sich aus dem grunde
ein ritter jung und fein,
er prangt in goldnen schuppen
und spielt im sonnenschein.
Uhland ged. (1864) 177.
im wortspiel mit schuppen im eigentlichen sinne:
er warf sie (herzog Leopold und seinen knappen) in den see:
'nun trinket, liebe herren, ihr erstecht kein schiffmann mehr!
he, zwen fisch ich heute im see gefangen habe;
ich bitt nur um die schuppen, das fleisch ist schlechte gabe'.
wunderhern 1, 380 Boxberger (vgl. Wander 4, 391).
6)
schuppe heiszen auch noch andre körper wegen der ähnlichkeit der gestalt, so
a)
bei pflanzen die kleinen plättchen, welche die kätzchen bedecken und anstatt des kelches dienen Campe: die scheibe (unterlage der blume) theilt sich auch manchmal in schuppen und fäden, welche wahrscheinlich verkümmerte oder veränderte staubfäden sind. Oken 2, 53; diese pflanzen haben einen kurzen schaft mit schuppen oder wurzelblättern; der kolben steckt entweder in einer scheide, oder hat viele schuppen zwischen den blüthen. 3, 583 (überschrift: schuppenblüthen); ähnlich: was ist das? eine frucht, versetzte der vater, und nach den schuppen zu urtheilen, sollte sie mit den tannenzapfen verwandt seyn. Göthe 21, 4 (wanderj. 1).
b)
bei den kammmachern, die schiefern des horns Jacobsson 4, 63ᵇ.
c)
schüppen von glüenden eisen, strictura (schlacke) Dentzler 2, 257ᵃ.
d)
bei mineralien: wenn bey crystallinischen gestalten zwey ihrer dimensionen gegen die dritte vorherrschen, so erscheinen sie als blättchen oder schuppen. Oken 1, 83.
e)
schuppe, fischschuppe, eine art bohrmuscheln die mit den schuppen der fische viel ähnlichkeit haben, anomia squamula Nemnich.
f)
in der anatomie ein platter theil des hinterschädels, squama, pars squamosa, auch schuppentheil Campe. Meckel anat. 2, 88. 90.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 2012, Z. 11.

schuppe, f.

schuppe, f.
tugurium, s. schuppen, m.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 2016, Z. 55.

schüppe, f.

schüppe, f.
schaufel, spaten; dafür auch weniger gut schippe, s. daselbst (sp. 206 f.). ein niederd.-mitteldeutsches wort, zu schupfen, schuppen und weiterhin zu schieben gehörig, vgl. Kluge⁵ 338ᵇ. Weigand 2, 651; mnd. schuppe Schiller-Lübben 4, 152ᵇ; bacilla .. eyn ysen - schuffel .. schuppe offt schuffel. Dief. gl. 65ᵃ; idrilla eyn schuͦppe 284ᶜ (vgl. Dief.-Wülcker 847); pala (i. instr. fodendi, ventilabrum) schuppe .. schup, schopp vel gabbel, schuffel 405ᶜ, spate vel schüppfe f. (i. q. wett. schëppe), wintschauffel, wann, schup. nov. gl. 276ᵃ; schuppe, pala, dicitur ventilabrum. hor. belg. 7, 33ᵇ (gemma von 1503); so auch nl.: schoppe vel schuppe, pala Kilian, jetzt schop, f. vgl. Franck 858. in der nhd. schriftsprache seit dem 15. jahrh. Weigand giebt an: clevisch schuppe 1475, im 15. jahrh. auch schopp. ferner: schöpp rutum Alb., schüpp rutum, ebenda, beidemale mit verweis auf fewer (also = feuerschaufel, s. unten); später geht die form schüppe durch. ganz vereinzelt findet sich das eigentlich hochd. pf: ligones, vomerculi, schüpffen. Apherdiani tyrocin. (1580) 122. — mundartlich auf mitteld. und nd. gebiete: die schüppen, schippen am Rhein und Mayn Schm. 2, 438 (in Weihers wird die eiserne schöpp von der hölzernen schuffel unterschieden); rhein.-hessisch schüppe, schüpp Kehrein 1, 369. Pfister 269; in Aachen schöp, f. (plur. schöpe) Müller-Weitz 220 f.; thür. schüppe, schibe Hertel sprachsch. 222; schles. schüppe Weinhold 88ᵃ; nd. schuppe. brem. wb. 4, 715 f., schüppen, schuppe Dähnert 416ᵇ, schüpp Danneil 189ᵇ (in der Ukermark schippe Gombert 2, 16). Mi 78ᵃ, schüppe Stürenburg 236ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 161ᵇ. Schambach 187ᵇ. Woeste 234ᵃ. Frommann 2, 179, 32 (Stolberg), 5, 292 (Fallersleben s. unten), vgl. auch nd. korrespondenzbl. 11, 9.
1)
schaufel: schüpp, schüppe, f. .. pala, v. schaufel Kramer dict. 2, 682ᵇ; auf die schüpp fassen. 682ᶜ; schuppe, et schippe, die, pala, rutrum, batillum Stieler 1780; schippe, bey einigen schüppe, pala, scaphium, s. schaufel. schippe, die unten beschlagen, pala ferro armata Frisch 2, 184ᵇ; sie dient zu mannigfaltigem gebrauche: schüpfe oder schüppe, flache eiserne schaufel mit starkem hölzernen stiel, um mist, sand und erde aufzuladen, gartenwege zu ebnen und von unkraut zu reinigen, auch um gräben zu heben. öconom. lex.² 2651. Jacobsson 4, 63; als feuerschaufel, batulus, ein schüpp, damit man die brenn oder kolen zu recht legt, oder ein schauffel, i. damit man grebt. Alb. dict. (vgl. oben); auf der ersten treppe zankten sich schippe und besen. Grimm märchen 168. Kramer 2, 682ᵇ giebt die zusammensetzungen feuer-, grab- ò schorr-, kehricht-, korn-, sand-, schantz-schüppe. besonders als werkzeug zum graben, grabscheit, spaten, doch meist von diesen geschieden: schuppe, schüppe, scaphium, instrumentum fossorum Wachter 1475; myt schuppen und spaden to graven. quelle bei Schiller-Lübben 4, 152ᵃ. beim beerdigen: es wird doch nicht besser, sagen die weisen, man schlegt denn mit der schaufel oder schüppen darnach. Mathesius Syrach 3, 31ᵇ; dann wird er gnug haben, wann man mit der schauffel nachschlägt, wann man jhm eine schüpe voll erden auffs maul wirfft (sarcophago contentus erit). Corvinus fons lat. 127ᵇ. in militärischer verwendung zu schanz- und befestigungsarbeiten, um die lockere erde wegzuschaffen, gräben und pfützen auszufüllen u. ä. Jacobsson 7, 279ᵇ:
snel daden si in begaiden (verschaffen)
beide schuppen unde spaden,
den groissen grave van der baich
in kurter stunt man sleichten saich.
Hagen boich van Colne 976 (d. städtechr. 12, 49);
der storm der wart dar an gericht,
die züschleg und zeune würden schlicht,
die teiche durchgestochen,
hehr. hehr. ir schuppen und spaten herfür.
das laidt mues sein gerochen.
Soltau hist. volksl. 2, s. 248 (33, 7).
auf die verwendung der schüppe zum graben des feldes deutet eine nicht ganz klare verwendung des wortes im mnd.: item wer enem sein land aufbawet (l. afbuwet) mit wetten ofte mit frevelmode, so manche voor (furche) ofte schuppe, so manche v marke. Grimm weisth. 3, 68, vgl. Schiller - Lübben a. a. o.
2)
übertragen in der redensart einem die schüppe geben, einen korb geben, ihn abweisen: eine schüppe bekommen, ricevere una pala cioè la repulsa, la negativa. Kramer dict. 2, 682ᶜ; schüppe, .. it. ejectio, amotio. die schüppe bekommen, repulsam pati, rejici, repudiari Stieler 1780. die wendung geht also aus von der verwendung der schüppe, um kehricht und anderes bei seite zu schaffen, und das werkzeug steht an stelle der handlung: in einem husch ward ich ausgestochen, krigte die schüppe, muste von dannen wandern. Kandide s. 171; für die schüppe geben auch:
es gibt sich keiner an,
der für sie diente zu eim mann.
sie sein ihr auch nicht alle eben,
darf ihn wol von der schüppe geben.
amantes amentes A 3.
vielleicht erklärt sich hieraus auch die redensart einem die schüppe vorschlagen (ihn betrügen?): den du ausz hunger und kummer herausz gerissen, in einen erwünschten stand und zu grossen ehren gebracht hast, der wird dir im auszkehren die schüppe vorschlagen, und das pferd ausz dem stall reütten und sich als ein lotterbub erzeigen. Moscherosch christl. verm. 168.
3)
eine andere bedeutung wird dagegen vorausgesetzt von der redensart auf der schüppe stehen, auf der kippe stehen, sich zum falle neigen (darf man dabei an schupfe 1 denken?): ja wenn auch das vaterland nicht so auff der schüppe stünde, erforderte die eigenschafft so widriger neigungen, dasz sie alle einem Cariovalda unterthänig würden. Lohenstein Armin. 1, 368ᵃ; ich selbst bescheide mich: dasz eine frau nicht nur ihren leib, sondern auch ihren willen, ja ihre eigene wolfahrt zu vergnügung ihres mannes aufzuopfern schuldig sey. ich glaube, sagte Atalanta: dasz sie bereit auf der schüppe stehe. sintemal sich Eriphyle nicht an der herrschafft über des Rhascuporis hertze vergnügen, sondern auch infel und priesterthum an sich reissen wird. 2, 101ᵃ;
mancher sieht erbärmlich aus, welcher auff der schüppe stehet,
und der andre macht sich breit, welchen dieser fall erhöhet.
Chr. Weise cur. ged. von versen 45.
vgl. auch das unter schippe a. a. o. angeführte.
4)
im kartenspiel steht schüppe, schippe für das gleichbedeutende spaten, franz. pique: in den französ. spiel-charten nennt Apherdian. p. 122 die schuppen, ligones, vomerculos, schüpfen. Frisch 2, 184ᵇ. s. die angeführten idiotiken; meist in der pluralform schüppen; bei Hoffmann mundart in und um Fallersleben (Frommann 5, 292) ist daraus merkwürdigerweise ein masc. schüppen geworden:
hat Fritz die karten lieb, das kind weisz insgemein
was schüppen, rauten, kleeb', was pabst und könig seyn.
Rachel sat. ged. 28 (4, 4).
daher schuppenbuur pique bube, übertragen ein grober ungebildeter mensch. brem. wb. 4, 716; schüppedam, f. pique dame, verzwicktes frauenzimmer Kehrein nachtr. 50.
5)
weitere besonderheiten zeigen einige mundarten:
a)
im hessischen schild, schirm an der mütze Kehrein 1, 369. Pfister 269.
b)
zum weinen verzogener mund Danneil 189ᵇ. Mi 78ᵃ.
c)
fingernagel, der lange nicht geschnitten ist Woeste 234ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 2016, Z. 56.

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Zitationshilfe
„schuppe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schuppe>, abgerufen am 25.11.2021.

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