schwächen verb
Fundstelle: Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2157, Z. 7
debilitare, mhd. swechen mhd. wb. 2, 2, 782ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 1348; mnd. sweken Schiller-Lübben 4, 483ᵃ; nnd. swäkken, entkräften brem. wb. 4, 1108; swäken, sweken Dähnert 476ᵃ. 477ᵃ; nld. sweken, infirmare, labefactare, deficere Kilian. die schreibung schwechen hält sich lange im nhd. neben schwächen: schwächen, fälschen, adultero; schwechen, verunreynigen, violare, viciare Dasyp.; schwächen, schwach unnd blöd oder kranck machen, die krafft oder stercke entziehen, infirmare. Maaler 364ᵈ; schwechen, die stercke nemmen, krafftlosz machen. 366ᶜ; beschlaffen, schwächen, condormire, concumbere Henisch 305, 32; mit abbruch anfallen, schwechen, allidere, attenuare. 984, 9; gering machen, schwechen, comminuere 1517, 48; schwechen, matt und schwach machen Hulsius diction. (1616) 292ᵇ; schwächen, schwechen, violare virginem Schottel 1411. 1412; der index von Comenius sprachenthür übersetzt von Docemius hat schwechen (1657). die neuere sprache geht beim gebrauche von schwächen von schwach im sinne von kraftlos aus; dagegen ist in der älteren sprache die grundbedeutung des verbums verächtlich, niedrig, elend machen, an werth herabsetzen; der sinn des wortes ist daher in älterer zeit meist energischer; daneben findet es sich aber auch in der uns geläufigen anwendung.
1)
schimpflich, verächtlich machen, beschimpfen, erniedrigen, herabsetzen:
sô brichstû sicherlîch
an mir dîne triuwe   und diu êre dîn,
und muost vor allen recken   immermêr geswechet (geswachet Martin) sîn.
Alpharts tod 8, 4;
diu wænet tiuren sich dâ mite,
nein, siu swechet sich vil sêre.
Lanzelet 6013;
wê im, swer swechet vrouwen namen
mit arger rede.
minnes. 1, 340ᵇ Hagen;
waʒ habe ich ir getân? si swechet sich.
2, 308ᵇ;
wolt widerbringen dütsches landes ere, die do sere geswechet waʒ von des flihendes wegen. d. städtechr. 8, 51, 17; formelhaft: schwechen jemand an seinen ehren, rodere famam alicuius Dasypodius;
und wolt euch iemant swechen an eurn eern,
dem wolt wir selber sein haut vol pern.
fastn. sp. 627, 17;
mit besonderer beziehung auf die weibliche ehre (s. unter 2):
gerechtigkeit ist weg! wohin! sie ist in himmel.
...... sie wäre von der welt
schon längst an jhren ehrn geschwächet und gefält.
Angelus Silesius 103 neudruck.
sinnlich:
und schwecht im seiner eren schilt,
das er zu stücken musz prechen.
fastn. sp. 710, 11.
mit sinnverwandten verben verbunden: wurden gar sêre gesmêhet und geswecht. quelle im mhd. wb. 2, 2, 782ᵇ; die heilge kirche und cristenheit von dinen bösen nuwen sünden ist vil geswechet und beswert. d. städtechron. 8, 434, 1; damit sie ansehnlicher bey dieser stadt wohlverdienter regiments personen, getreuer officianten und anderer in ehren bekanter leute guten namen, leumund und glimpff dieblicher weis calumniren, schwächen. Schuppius 677.
2)
sehr gewöhnlich (erst in neuerer zeit veraltend, s. Adelung unter diesem wort) in prägnanter anwendung, ein frauenzimmer schwächen, d. h. schänden, entehren: eyn jungfraw schwechen mit gewalt, rapere virginem Dasypodius; schwechen, verfellen, den bluͦmen nemmen; das schwechen unnd geschenden der weyberen unnd der töchteren. Maaler 366ᶜ; beschwächen Henisch 310, 10; schwechen, ein jungfraw schenden und beschlaffen. Hulsius 292ᵇ; mit gewalt schwächen, puellae vim afferre Stieler 1949; eine geschwächte, ungeschwächte jungfrau. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 693ᶜ, vgl. Steinbach 2, 531. Frisch 2, 239ᵇ; die frawen vor geschweht, ee siesz ertötten. d. städtechron. 10, 200, 10; verstund die iungfrowen vom Enuchum geschwecht. Terenz (1499) 36ᵇ; sie haben die weiber zu Zion geschwecht, und die jungfrawen in den stedten Juda. kl. Jer. 5, 11; der sy mit gwalt schwechen wolt. Morgant der riese 158, 12 Bachmann; (Romulus) welcher .. der Sabiner, seiner nachbauren frauen und jungfrauen ... raubt und schwächte. Fischart bienenk. 230ᵃ; ein kranz ist nur das zeichen reiner zucht, welchen auch geschwächte weibsbilder ... tragen. pol. stockfisch 349;
er schwecht auch frawen und junckfrauwen:
H. Sachs 16, 230, 18 Keller-Götze;
der ein jungfraw darff schwechen,
darff auch in ein capell brechen.
Fischart Garg. 63ᵃ;
ach wehe! wie wird der könig than,
zu mal wenn man jhm zeiget an,
dasz Areadnea gschwecht sey.
Ayrer 1277, 18;
du klagst, du seyst sehr schwach, ich glaub es. unser knecht,
hat in den stalle dich geschwächt ohn red' und recht.
A. Gryphius 2, 466 (1698);
Blandinen, dein gleiszendes töchterlein, schwächt,
zur stunde jetzt schwächt sie ein schändlicher knecht.
Bürger 33ᵇ;
Laodameen schwächte vater Zeus.
171ᵇ;
bring ich mein frauen here,
so wird sie mir geschwächt.
wunderhorn 1, 361 Boxberger.
veräuszerlicht: Messalina plach zo goen in die huys, da man die gemeyne vrouwen inne plach zo suecken. niederrh. quelle bei Schm. 2, 623; die ehe, das ehebett schwächen: herzog Ludwig gedacht, dasz die fraw hett mit dem ritter die ehe geschwöcht. quelle bei Schm. a. a. o.; von denen, so die ehe brechen unnd schwechen. Höniger narrensch. 121ᵇ;
der mann hat müssen sehn sein ehebette schwächen.
Opitz 3, 268.
3)
in allgemeiner anwendung (der begriff der verringerten kraft, actionsfähigkeit, wirksamkeit tritt besonders in neuerer sprache in den vordergrund), im sinne von im werth herabsetzen, verringern u. ä.; mit beziehung auf ansehen, äuszeren wolstand, lebenshaltung und ähnliche verhältnisse, mit persönlichem objecte: dat de bischop dar na arbeide se to swekende und in beswernisse to bringen. d. städtechron. 7, 363, 23; und die bösen leute sollen es (Israel) nicht mehr schwechen. 1 chron. 18, 9; gewaltsame mag man mit gewalt schwächen und hindern. Kirchhof milit. disc. 5; dasz man sich erst bis auf das gut und blut schwekket und aussauget. Reinh. fuchs (1650) 407; er schwächt die unterthanen, subditos debiles facit Steinbach 2, 531. mit unpersönlichem object, auf geld-, vermögensverhältnisse bezogen: die mittel, das vermögen, das capital schwächen; die cassa ist geschwächt. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 693ᵇ; sô soltû nieman sînen kouf swechen noch verlützeln (den preis herabdrücken). B. von Regensburg 1, 149, 30; (güter, die) durch sein faul und nachlessigkeit und unersettige trunckenheit dermaszen geschwecht und geschmelert worden. Kirchhof wendunm. 1, 203 Österley; dadurch (wir) unsere gantze nahrung umbs halb schwächen müsten. Simpl. 3, 319, 6 Kurz; dasz dardurch den anderen erben die legitima oder pflicht-theil geschwächet würde. Mainzer landrecht 1755 xvii, § 1; er lernte klein schreiben um das porto zu schwächen. J. Paul bei Campe; das geld seiner kinder in händen haben und es nicht angreifen und um keinen heller schwächen. Pestalozzi 12, 26. in anderer wendung, wobei die vorstellung des krank, entkräftet sein zu grunde liegt: ich machte dem prinzen begreiflich, dasz sein längeres bleiben in Venedig mit dem geschwächten zustand seiner kasse durchaus nicht bestehen könne. Schiller 4, 323. mit beziehung auf macht, gewalt, militärische stärke (in letzterer anwendung zum theil wieder mit persönlichem objecte): die armee, das regiment schwächen, eine stadt mit langer belägerung schwächen, eines macht, gewalt schwächen. Kramer deutsch-ital. diction. (1702) 2, 693ᵇ; die mannschaft durch die schlachten schwächen. Steinbach 2, 531; die besatzung schwächte sich durch viele detaschements. Adelung; und es begab sich darnach, das David die Philister schlug, und schwechet sie. 2 Sam. 8, 1; das feste stedte zustöret werden zu steinhauffen? und jre einwoner geschwecht und zaghafft werden. Jes. 37, 27; eilte, den um die hälfte geschwächten feind mit seiner ganzen macht anzufallen. Schiller 8, 284;
du kannst des kaisers
begehren nicht erfüllen — kaunst das heer
nicht schwächen lassen.
Piccol. 2, 6.
ansehen, ehre, pracht, wolstand, friede u. ähnl.: eines ansehen schwächen Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 693ᵇ; in schönem bilde:
und schwecht im seiner eren schilt,
das er zu stucken musz prechen.
fastn. sp. 710, 11;
und wolt seins vatters lob nit schwechen.
Waldis Esop 4, 88, 35;
auff das er schwechte alle pracht der lustigen stad. Jes. 23, 9; von natur geartet den seligen und blüenden stand des gemeinen nutzen zu schwächen. Schuppius 742;
gemeinen frid und ru im lant,
er hat zurütt geschwecht geschant.
sat. u. pasqu. 1, 130, 138 Schade;
nd. dat mene beste wert sweket. Dähnert 477ᵇ; die warheit schwächen und undertrucken, hinderstellig machen. Maaler 364ᵈ; (der segen,) der um desto heiliger, unmittelbarer vom himmel zu kommen scheint, weil ihn das irdische werkzeug nicht einmal durch sündhaftes, ja lasterhaftes wesen schwächen oder gar entkräften könnte. Göthe 25, 122; häufige wendungen der neueren sprache: die wirkung, den eindruck schwächen u. ä.; nicht in der absicht, meines mannes befehle zu schwächen (ihre schärfe zu mildern). Gotter 3 (1802), 16. verstärkung des begriffes: swechen, verderben, adulterare Maaler 366ᶜ;
lat sehen, wer wolt uns den raien schwechen?
an dem selben wir uns rechen.
fastn. sp. 399, 29.
in schärferem sinne auch in folgender stelle:
diejenge, die dein recht geschwächt
und freventlich vergessen.
P. Gerhardt 257, 59 Gödeke;
milder:
denn kein verhältnisz schwächt
die rechte der natur.
Wieland Idris u. Zenide 3, 72.
das recht schwächen, jus imminuere Steinbach 2, 531. in älterer sprache vielfach im sinne von ungiltig machen, auszer kraft setzen, nicht halten, fälschen: fälschen, falsch machen, schwechen, verunreinigen, verfälschen, vitiare, depravare, corrumpere Henisch 991; schwechet jn ir sigil (setzte es auszer kraft), dasz niemant darauf hielt. d. städtechr. 3, 148, 7. besonders in beziehung auf eid, gelübde, vertrag, gesetz u. ähnl.: ee dasz sie den aid schwechen wolten, den sie dem vatter, kaiser Hainrich, hetten gethan. d. städtechr. 3, 85, 11; stede vest und unvirbrochlichen gehalten sal werden, auch numer me geswechet. 17, 44, 22; das nicht seine meinung sey, das gesetz auffzulösen, sondern sey darumb da, das ers recht lere und bestettige, wider die, so es mit jrer lere schwechten. Luther 5, 371ᵇ; wenn jemand dem herrn ein gelübde thut, oder einen eid schweret .. der sol sein wort nicht schwechen, sondern alles thun, wie es zu seinem munde ist ausgegangen. 4 Mos. 30, 3; alle gelübd (des gesindes) und eide zu verbinden den leib zu casteien, mag der hausherr krefftigen oder schwechen (bestätigen oder auszer kraft setzen). 14; das dem gesetz unmüglich war (sintemal es durch das fleisch geschwechet ward). Röm. 8, 3;
betet, männer! — denn ein jüngling kniet
und er hat den höchsten schwur geschworen.
hier und dort sei ihm das heil verloren,
wenn er diese worte jemals schwächt!
Arndt ged. 232.
4)
in bezug auf körperliche kraft, gesundheit u. ähnl.: das nachtstudiren schwächt den leib. Corvinus fons lat. (1660) 665ᵇ; seine natur schwächen, vim naturae suae inferre, vires suas debilitare Stieler 1949; das viele und stäte lesen schwächet das gesicht; das huren schwächet die kräften; eines mannheit schwächen; durch arbeit, kranckheit, durch viel reisen, durch alterthum etc. geschwächt. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 693ᵇᶜ; die grosze hitze schwächt die leute; das alter hat mich nicht gäntzlich geschwächt; durch den weiten marsch die soldaten schwächen; die augen schwächen Steinbach 2, 531; (schwächen,) stumpfer machen, hebetare, als augen und die sinnen. Frisch 2, 239ᵇ; des hertzen trawrigkeit schwechet die kreffte. Sir. 38, 19; durch sorg willen ewerer glieder darmit zuschwechen. Aimon o 6ᵇ; unter dem vorwande ihrer geschwächten gesundheit. Gotter 3 (1802), 39; ruhe schwächt, auch die verdiente ruhe schwächt, nur die anstrengung stärkt. Pestalozzi 6, 127; füllte für jedes der geschwächten eheleute ein kelchglas. Keller 8, 281;
ich merck wol, dasz sie küchlein bächt,
auff dasz mir mein gsicht werd geschwecht.
H. Sachs 17, 192, 23 Keller-Götze;
durch trawren wird der mensch geschwächt,
die kräffte fallen nieder.
Königsb. dichterkr. 216;
wenn mir geschwächt sind alle sinn
und die umstehnden sagen:
jetzt scheidet er, jetzt ist er hin.
wunderhorn 1, 210 Boxberger.
5)
bezogen auf kräfte des geistes: geschwächtes gedächtnis, sein auffassungsvermögen ist geschwächt u. ä.; sie thet als ob sie der sinne geschwecht (unsinnig) wäre. Fierabras c 5ᵇ (1533). frei auf das vom geiste hervorgebrachte bezogen: den wahren und echten gedanken des schriftstellers, nicht vergröszert, nicht verkleinert, nicht gestärkt, nicht geschwächt. Bürger 137ᵇ. zustände, kräfte des gemüts, willensthätigkeit: einem den muͦt schwechen, ungehertzt und kleinmuͤtig machen. Maaler 366ᶜ; den muth mit grillen schwächen, animum vanis curis debilitare Steinbach 2, 531; die liebe, den glauben, die zuversicht, den hasz, die erbitterung u. ähnl. schwächen;
man sagt, dein eifer läszt sich schwächen;
dich rühret schmeicheln und gewinn.
Hagedorn 2, 56,
doch dieser hasz, den sie dir sonst geschworen,
ist sehr geschwächt.
Schiller Phädra 1, 1.
selten das gemüt schwächen, einen betrüben oder verstimmen:
kein unmuth schwächte dir dein redliches gemüthe.
Günther 602.
6)
allgemein in dem sinne, die volle wirkung, leistung herabsetzen: geschwächte wärme, geschwächte urfeuchtigkeit. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 693ᶜ; die kugel schwächen, ammortire la palla, einem die klinge schwächen, legare, stringere la lamma ad uno. 693ᵇ; die gewohnheit schwächt das gift. Steinbach 2, 531; den ton, das licht schwächen u. ä.; die widerlagen waren durch unterspülungen geschwächt. geschwächte platten, durch gebrauch abgenützte, die keine kräftigen abdrücke mehr geben: aus der Gottschedischen quartausgabe, wozu man die schon geschwächten platten benutzte. Göthe 39, 226. ein bret schwächen, es dünner machen; schwächen, dünner machen, attenuare Frisch 2, 239ᵇ.
7)
besonderes.
a)
das wasser schwächen, durch vieles fischen der fisch-zucht berauben. Brandenburger fischerordn. von 1574 bei Frisch 2, 239ᵇ.
b)
in der gaunersprache bezeichnet schwächen speise und trank zu sich nehmen, besonders aber trinken, zechen, saufen Avé-Lallemant gaunerth. 4, 608; verschwächen, verzechen, durchbringen. das wirtshaus heiszt schwäche, schwachaules, schwächkitt, der wirt schwächer, das trinkglas schwächfinchen, schwächbecher ebenda; der etymologische zusammenhang ist dunkel, Avé-Lallemant versucht eine ableitung aus dem hebräischen; das wort begegnet auch bei ehrlichen leuten:
vergiesz nicht deinen stab, der dich, o wakkel-fusz,
wenn du zuviel geschwächt, gleich unterstützen musz.
W. Scherffer ged. (1652) 395 (vgl. Drechsler W. Scherffer 239);
darauff wann jederman den wanst recht vollgesackte
ward gantze nächte durch auff deutsch herum geschwecht.
Opitz 1, 104 (1690).
c)
bemerkenswert ist das vorkommen von schwächen im sinne von schwach werden:
wo sind wir! sind wir nicht fast in der löwen rachen?
schwächt nicht die freyheit selbst in mehr den ehrnen band!
A. Gryphius (1698) 2, 371;
Stichus hat ein böses weib; wil sie willig nur vertragen,
meint jhr grimm werd endlich schwäch- und sich müden von dem plagen.
Logau 3, 44, 27;
mnd. sweken bezeichnet schwanken, wankend gehen, vergl. Schiller-Lübben 4, 483ᵃ; ebenso neund.: schwæken, schwach einherschleichen Frommanns zeitschrift 2, 228; he geet nig, he swäket man. Dähnert 476ᵃ; swäk'n, schwanken, wie ein betrunkener Danneil 217ᵇ; swäken Frischbier 2, 327ᵃ; vgl. nd. korr.-bl. 13, 86. ob dieses sweken, swæken mit hochd. schwach zusammenhängt, ist zweifelhaft. eine lautmalende bildung ist nd. swacken, schwappen, in schwankende bewegung setzen, schwanken Schambach 220ᵃ, vergl.swacken, swicken, vibrare Kilian; swacken, swackeln, schwanken, wackeln Woeste 264ᵃ; ebenso hess. schwacken, schwappen Vilmar 373, vgl. Pfister 171; schweiz. schwackeln, wackeln Stalder 2, 527; kärntisch schwaggeln, eine flüssigkeit in bewegung setzen Lexer 228.
schwachen verb.
Fundstelle: Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2156, Z. 67
erst im mhd. bezeugt, im sinne von schwach werden und von schwach machen mhd. wb. 2, 2, 780ᵇ. 781ᵃ. Lexer mhd. handwb. 2, 1331. Schm. 2, 623; mnd. swaken mit der gleichen doppelten bedeutung Schiller-Lübben 4, 483ᵃ (s. unten schwächen); nld. swacken, debilitare et debilitari Kilian, neund. swakken, schwach machen, schwächen ten Doornkaat Koolman 3, 370ᵇ. auch auf dem oberd. gebiete ist das wort erhalten; schweizerisch in der bedeutung von schwach werden, s. Stalder 2, 357. Hunziker 234; dorsbachen, schwach, ohnmächtig werden, schwächen, indebolire, conquidere, abbattere, contristare. cimbr. wb. 225ᵇ. im alemannischen gebiete lebt das wort auch in der schriftsprache der nhd. periode fort: das sie zu schwachen angefangen und zu geschwellen, das sie zu bet sich legen müeszen. Zimm. chron.² 2, 547, 12; der glaube an die mutter schwachet und wanket. Pestalozzi 8, 354;
trunkenheit, davon man schwacht,
die oft ein'n mann zum narren macht.
Eschenburg denkm. 420;
dglieder schwachen von tag zu tag.
Rebmann 416;
unpersönlich: aber hie schwacht uns nicht (hier gehts uns nicht schlimm, hier sind wir wol versehen). Fischart bienenk. 66ᵃ.
Zitationshilfe
„schwächen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%A4chen>, abgerufen am 17.10.2019.

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