Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schwalen, verb.

schwalen, verb.
ein vorgang beim schmelzen der erze Jacobsson 4, 75ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2191, Z. 25.

schwälen, verb.

schwälen, verb.,
s. schwelen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2191, Z. 27.

schwelle, f.

schwelle, f.
grundbalken, wagerechte grundlage eines aufbaus. gemeingerm. wort, das indes in zwiefacher form erscheint, idg. *svelyâ und *suliâ entsprechend, wozu auch gr. ὑλιά (glosse bei Hesych: ὑλίας! τοὺς καρπατίνους τόμους) und lat. solea, s. Fick⁴ 1, 580. die zu grunde liegende wurzel ist wol nicht schwellen (Grimm gramm. 2, 32. Weigand 2, 667), sondern eine besondere gleichlautende wurzel (svelo-) in der bedeutung 'gründen', wozu ferner säule (th. 8, 1900 f.) und altn. svalar, plur. balcon. vgl. Kluge⁵ 321ᵃ. die nicht-hochdeutschen sprachen haben meist die form mit tiefstufenvocal; got. sulja (?) sohle, wozu auch gasuljan gründen (nicht aus lat. solea entlehnt, s. Feist s. 146. Uhlenbeck 137; über hochd. sohle s. das.); altn. syll, ganz selten svill, f., neuisl. sylla, f. (schwach); norw. syll, f. Aasen 786ᵇ, schwed. syll, m., dial. auch svill. Rietz 706ᵇ, dän. syld (veraltet); ags. syll, f., mittelengl. sille, sylle, selle, neuengl. sill, s. Skeat 553ᵇ, mnd. sul, sulle, sille, m. Schiller-Lübben 4, 461ᵇ f., nnd. süll, m. Richey 300. Strodtmann 382ᵃ. brem. wb. 4, 1093. Dähnert 472ᵇ. Schütze 4, 224. Mi 89ᵃ. Danneil 216ᵃ; süll, sülle (f.?) Stürenburg 272ᵃ. ten Doornkaat Koolman 3, 216ᵃ. meist als masc. bezeichnet, nur Woeste 262ᵇ hat dat süll (daneben der süll). wenn sich vereinzelt nd. swelle, f. findet, so wird dies aus der schriftsprache herübergenommen sein, so in der redensart dem kreiger up de schwell pisse, nicht bis in die schenke hineinkommen. nd. korrespondenzbl. 11, 60; einheimisch ist dagegen wol dat swell von dem obern querpfosten einer thür.im hd. herrscht andrerseits die form mit hochtonvocal, und zwar in der ältern sprache sowol als fem. wie als neutr.: ahd. suelli, limen, basis, in suellim, in basibus Graff 6, 874 f., daneben als fem. suuella. Wiesbad. gloss. 131, s. zschr. f. d. alterth. 6, 323ᵃ, dazu W. Grimms anm. s. 328 (= kl. schr. 3, 575); mhd. swelle, gew. starkes od. schwaches fem., vereinzelt auch starkes od. schwaches neutr. Lexer handwb. 2, 1356 f. s. auch W. Grimm a. a. o. J. Grimm gramm. 3, 431 (ebenda 431 f. sind die gleichbedeutenden ausdrücke der ältern sprache zusammengestellt). sonst finden sich kaum abweichungen der form: limen hd. swelle, geswelle, suelle, scwelle, swel, schwell, schwöll, swelde, sule, sul vel sulle, geschwöl vel antrit, geschwelle vel geschwel, geswell o. druschuͤfel. Dief. gloss. 330ᵃ; vgl. nov. gloss. 235ᵇ. nhd. ebenso durchgehend die schwelle, schwell, vereinzelt dafür die schreibung mit ö: in meinem hause will ich ihn in ewigkeit nit mehr haben; er soll mir die schwöll nit mehr betretten. Simpl. schr. 4, 337, 26. so auch noch in der bibelconcordanz von Agricola-Zeisius (Frankf. a. M. 1674). über schwell s. das. selbständige parallelbildungen bez. ableitungen sind schweller und geschwelle (s. th. 4, 1, 3991). von weitern synonymen kennt Adelung nd. sull, sülle (s. oben), dörpel, der drüssel (dithmars.) und die lehde (Schleswig). — idiotiken führen das wort selten auf, wahrscheinlich weil der mundartliche sprachgebrauch mit der schriftsprache übereinstimmt; schweiz. schwelle, -i. Stalder 2, 363, im Aargau dafür selle, f. Hunziker 239; bair. gschwell. Schm. 2, 630; thür. schwelle und schwel, m. Hertel sprachsch. 225. bedeutung.
1)
eigentlich, grundbalken, der irgend einen aufbau trägt.
a)
ein schwell unter einen baw ziehen, faire un seuil. Hulsius 293ᵃ, so als grundlage eines ganzen gebäudes: die haus-schwelle, limen aedificii lignei, trabs infima. die untersten balcken, trabes liminares Frisch 2, 247ᵇ;
(der löwe) suochte al umbe unz er vant
bî her erde an der want
eine vûle swelle.
Iwein 6745;
doch tröste gott den hausherrn, der noch hofft,
sobald der kern in schwell' und ständer modert!
Bürger 69ᵇ;
gleich, als loderte schon die hochaufragende Troia
hoch von oben bis tief hinab zu den schwellen im feuer.
240ᵃ (Ilias 22, 410).
hierher auch:
ich sunge ein swellen in daz hor.
Kolm. meisterl. 94, 46?
b)
die einzelnen schwellen werden ihrer lage nach unterschieden als grundschwellen, plattstücken, saumschwellen, sohlbänder, dachschwellen, stuhlfetten u. a., s. Eggers kriegslex. 2, 861. Jacobsson 4, 99ᵃ. bei einzelnen bautheilen, thürschwelle (siehe unten 2), fensterschwelle ebenda; von gesimsen:
gesimse dar under,
die alle glîch besunder
ir swellen hatten unde keln.
erlösung 445.
c)
so auch bei andern bauanlagen: die grundschwellen der schleusen, les seuils d'écluse, bestehen aus 2 stücken, die gegen die flut einen spitzen winkel bilden. Eggers a. a. o. schwelle bey einem schleusenthor, s. drempel. Jacobsson 4, 99ᵇ; sie besteht aus dem schlagebalken, dem haupte und den beiden schlagschwellen. 1, 465. so schweiz. schwelli, damm von grundbalken an einem wasser; er heiszt drommschwelli, wenn er quer durch das fluszbett liegt, streichschwelli, wenn er mit dem strome parallel läuft. Stalder 2, 363. — schwelle einer zugbrücke, seuil de pont-levis. Eggers a. a. o. — schwelle des hafens im bilde:
mir ist ruhe bereit, und ganz an der schwelle des hafens (in limine portus).
Voss Aeneis 7, 598.
schwelle bei eisenbahnen, die hölzernen balken, worauf die schienen ruhen, bahnschwelle. — in bergwerken, 'hölzer, die quer über die pfahlbäume liegen, und worin die haspelstützen stecken' Jacobsson 4, 99ᵇ.
d)
schwelle bezeichnet auch die behauenen balken, die zu solcher verwendung geeignet sind: darumb liesz er denselben zu ainer hilzin schwelen füeren, und mit aim bihel die schnebel ab den schuhen hawen. Zimm. chron.² 1, 480, 24 Barack; so einer ein breszhafftigen baw hat, ... so sole man jm nach geburlicher notturft zue stewer kommen mit schweln, rigeln, sparn und drueder, nach zimlicher notturft das die bew ehrhalten mögen werdenn. ordenung der marck Rodenbach in der Wetterau v. j. 1565.
2)
meistens steht schwelle im sinne von thürschwelle; siehe Karmarsch-Heeren³ 8, 111. 9, 456.
a)
thür schwell, limen. das zur schwelle oder thür gehört, liminaris. Dasypod.; die schwell und überschwellen an einer thüren, limen. Maaler 367ᵃ; schwell, f. linteau, ou sueil de l'huis. Hulsius 293ᵃ; schwell, schwelle, f. ... soglia, limitare. thür-schwelle, idem. eine schwelle unter eine thür machen (eine thür schwellen ò beschwellen). Kramer dict. 2, 711ᶜ f.; die schwelle ist verfault, limina computruerunt. Stieler 1695; schwelle (die, plur. schwellen, ...) limen. eine hohe schwelle. Steinbach 2, 511; machet der thürhüter auff (öffnet er), so hebe den fusz auff, damit du nicht an der schwelle (den süll) anstossest: und dasz du nicht das häupt an die uberschwelle stössest, so bücke dich. Comenius sprachenth. 541.
b)
der der schwelle entsprechende balken, der die thür oben deckt und abschlieszt, heiszt über- oder obere schwelle; in analogie dazu wird die eigentliche schwelle auch unter- oder niederschwelle genannt: oberst schwell, limen superum, superliminare. Dasypod.; limen, n. die schwelle. duplex est: superum, et inferum, die ober und unter thür schwelle. Corvinus fons latinit. 363ᵇ; oberschwelle, sublimen, superlimen, limen superius. under- sive niederschwelle, hypothyrum, limen inferius, inferum. Stieler 1694; und solt seins bluts nemen, und beide pfosten an der thür, und die öberste schwelle da mit bestreichen. 2 Mose 12, 7.
c)
belege aus der litteratur: 'bruoder Berhtolt, ob diu swelle danne hôch ist unde wirn (den leichnam) an die swellen bringen, sô müeʒen wir in dannoch an grîfen.' niht, in deheine wîse! ir sult eine gruoben in die erden graben under der swellen unde sult in under der swellen hin an daʒ velt ziehen als ein schelmigeʒ rint. Berthold v. Regensburg 1, 119, 25—29; (als etwann geschach den wuͦchrern) wenn ainer gestarb in seinem haus so zoch man in under den schwellen naus und ward im der kirchhof verzigen. quelle bei Schm. 2, 630; sihe, da lag sein kebsweib fur der thür des hauses, und jre hende auff der schwelle. richt. 19, 27; aber sein heubt und seine beide hende abgehawen, auff der schwelle. 1 Sam. 5, 4; ich zog einen ertrunkenen knaben aus dem wasser und schnit ihm den finger ab. denn unter die schwelle gelegt, läszt er den teufel nicht drüber, bis er verfault. H. v. Kleist 1, s. 345 Zolling (fam. Ghonorez 5);
ir wiʒʒet wol, als der diep
dem wirt die want an gehebt
unde im die swellen undergrebt,
so geschiht vil lîhte schade dâ.
Eraclius 3796;
dieselbe redensart auch freier, eigentlich einen einbruch begehen, dann überhaupt betrügen, s. Germ. 30, 398 f.:
(sie) wöln doch sîn gesellen.
und graben under die swellen:
hie vor man über swellen gie,
drunder hin sliefen sie.
Kön. v. Odenwalde XII, 24 f. (Germ. 23, 306);
nu mirchet, wî he mit Adâme ani hûf,
deme he zêrst durch sîne svelle grûf
undi rît, dat in got virstîʒ,
dû hê im mit logen wârheit inthîʒ.
der wilde Mann III, 240 Köhn;
ferner:
und sæʒen ûf der swellen mîn
alle [die tiuvel], die in der helle sîn,
ir getörste keiner zuo ir komen.
ges. abent. 3, 365, 350;
daʒ ich mich nit stiesz
mit füeʒʒen an dü swellen.
Laszberg liedersaal 3, 10, 212;
des lammes [blut] saltu rein
under die sweln der thoren lein,
darzu uff die oberthore.
Alsf. passionssp. 3257;
denn wer mein kindlein stehlen thut,
den müszt ihr binden an die schwell,
dasz er nicht kann von seiner stell.
wunderhorn 1, 116 Boxberger;
und von jeder hohen schwelle
sah ein himmlischer mich an.
Grillparzer⁵ 1, 213.
3)
vielfach in formelhafter und freierer anwendung, so besonders in einer reihe festgeprägter, meist präpositioneller, verbindungen.
a)
über die schwelle schreiten, limen transgredi Corvinus fons latin. 363ᵇ; über die schwelle gehen, tretten, die schwelle ein- ò austretten, passare la soglia, scavare la soglia. er darf nicht mehr über die schwelle gehen, er soll mir nicht über meine schwelle kommen. Kramer dict. 2, 712ᵃ; keinen fusz über die schwelle setzen, pedem limine non efferre; einen nicht über die schwelle kommen lassen, prohibere aliquem limine et tecto Steinbach 2, 541; den fusz nicht über die schwelle setzen, das ist, nicht aus seinem hause kommen. Frisch 2, 247ᵇ; es soll mir wohl leichtlich kein studente wieder über meine schwelle schreiten. Chr. Reuter d. ehrl. frau Schlampampe krankh. u. tod s. 94 ndr. (1, 1); denn steht unsere frau auf, so ist der teufel los. da wollte ichs nicht wagen, einen schritt über die schwelle zu thun. Weisze kom. op. 2, 71 (d. teufel ist los 2, 3); sie soll aber nicht einen fusz wieder über ihre schwelle setzen. 117 (3, 3); nicht über die schwelle! K. Lessing schausp. 281; o, der ist in jahr und tag mit keinem fusze über die schwelle gekommen. Wieland 27, 86; furcht kann nicht über meine schwelle. Schiller Fiesko 3, 5; mir soll er nicht wieder über die schwelle. Kotzebue dram. sp. 2, 264; bevor es über die thürschwelle ging, machte der brautführer auf der mannsseite mit gezogenem degen drei kreuze auf die schwelle in den höchsten drei namen, steckte den degen ein und der zug schritt über die schwelle. Birlinger volksthüml. 2, s. 392;
den segne, lied ...
der über Wingolfs hohe schwelle
heiter, im haine gekränzt, hereintritt.
Klopstock 1, 6;
es sollte kein buch im laufe des jahres
über die schwelle mir kommen, vom bücherverleiher gesendet.
Göthe 1, 344;
noch ist sie rein — noch! das verbrechen kam
nicht über diese schwelle noch.
Schiller Wallensteins tod 1, 4;
tritt über seine schwelle.
A. v. Droste - Hülshoff 1, 237;
nun lautlos gleitet's über die schwelle.
300.
ähnlich: und da sie auff die schwelle des hauses kam, starb der knabe. 1 kön. 14, 17; auch wil ich zur selbigen zeit, die heimsuchen, so uber die schwelle springen, die jrer herrn haus füllen mit rauben und trigen. Zephanja 1, 9. — im bilde: herr Klotz strauchelt bey dem ersten schritte, den er über die schwelle thut. Lessing 11, 184; dafür auch über die schwelle stolpern: wollen wir wohl untersuchen, ob der gaul nicht gleich über die schwelle gestolpert ist? 5, 81. sprichwörtlich: er ist auf der schwelle schon müde geworden. wer über die schwelle ist, hat die reise halb gethan. die schwelle ist der höchste berg. Wander 4, 463 f.seltner über die schwelle treten um hinauszugehen: 'wollen wir doch lieber bleiben?' sagte Melitta, die schon den fusz über die schwelle gesetzt hatte, zu Oswald zurückgewandt. Spielhagen problem. nat.⁴ 1, 93 (cap. 13); eliminare, über die schwellen, oder zum hausz hinausz bringen, auszwaschen. Corvinus fons latin. 363ᵇ.
b)
in gleichem sinne (jemandes) schwelle betreten, kaum verschieden von das haus betreten: manche freude erwartete sie nach ihrer zurückkunft, als sie, mit mancherlei schätzen der kunst und der erfahrung geschmückt, ihre häusliche schwelle betrat. Göthe 32, 229; sie versichern, dasz keiner, sobald dieser anschlag gelungen, die schwelle je wieder betreten werde. 36, 185;
und ich eilte beschämt und verdrieszlich wieder nach hause,
... und schwur nicht mehr zu betreten die schwelle.
Göthe 40, 255;
ja, es schien die thüre zu klein, die hohen gestalten
einzulassen, die nun zusammen betraten die schwelle.
325;
als in der heiligen Pytho er einst die steinerne schwelle
forschend betrat.
Voss Odyssee 8, 80;
als sie nunmehr die kammer erreicht, die edle der weiber,
und die eichene schwelle hinanstieg.
21, 43.
dafür:
tritt ein zu dieser schwelle!
Uhland ged. 95.
so auch: kerls die zehenmal krepiren, eh sie ihre zinsen überrechnen, trippelten mir die schwelle ab, eine handvoll elende schulden einzutreiben. Schiller räuber 1, 3 trauerspiel.das gegentheil: das letzte kleine gedränge feiler augenknechte zerflosz um seine person, seine schwelle wurde verlassen. Schiller 7, 133.
c)
vor der schwelle lassen u. ähnliches: wisse also .., dasz du, von dem augenblick an, da du dich in dieses grosze haus verdingtest, alles recht verlohren hast, dich als frey und edelgebohren anzusehen; du hast dein gutes herkommen, deine familie, deine vorältern ... auszen vor der schwelle gelassen. Wieland Luc. 5, 138;
wie war es sonst für mich entehrend,
wenn jedermann die duldung pries
und mich als thörig und bethörend
hinaus ach! vor die schwelle wies.
Göthe 11, 341.
d)
an der schwelle stehen bleiben, restarsi, fermarsi, star fermo sulla soglia. Kramer dict. 2, 712ᵃ; an der schwelle stehen, imminere, impendere, propr. ad limen adesse, fores obsidere, observare januam Stieler 1694; die priester die an der schwelle hüteten. 2 kön. 12, 9; das sie warteten an der schwelle der hütten. 1 chron. 10, 19; Talmon und Akub waren thorhüter an der hut, an den schwellen in den thoren. Nehem. 12, 25; er aber sol auff der schwelle des thors anbeten, und darnach wider hinaus gehen. Hes. 46, 2; wenn nicht treue — ewige, an seine schwelle gebannt, mir endlich ihn erwirbt! Bettina briefw. 1, 6; da erschien sie, schüchtern und manierlich, unversehens auf der schwelle der krankenstube. Keller 1, 252;
du zierlicher knabe, du komm herein,
was stehst du denn da auf der schwelle?
Göthe 5, 210;
auf der schwelle will ich liegen
und erwachen wenn du schleichest.
211;
er sah sie sitzen an des hüttleins schwelle.
Geibel 3, 102;
der herr vom hause ... empfing den sänger und seinen freund herzlich an der schwelle des hauses. Eichendorff² 3, 130; sprichwörtlich: jemand oder etwas auf der schwelle begrüszen, einen besuch nicht in die stube führen, sondern an der hausthür oder auf dem flur empfangen, um ihn bald wieder los zu werden; dann auch von gegenständen, womit man nur oberflächliche bekanntschaft gemacht hat. Wander 4, 464. — an die schwelle anstoszen, coffeel. avant. 160. unsinnlicher:
poche siegend an des himmels schwelle.
Schiller 1, 283.
e)
vielfach geht schwelle geradezu in die bedeutung 'haus, wohnung' über: nie wurde seine schwelle leer, wenn er zu hause war. Schiller 4, 269; der diaconus ... rief in den bestimmtesten ausdrücken, dasz er zur zerstörung einer solchen liebe ... nicht die hand biete, vielmehr sie, so lange sie das gastrecht seiner schwelle geniesze, zu schützen wissen werde. Immermann Münchh. 4, 108;
forscht nach in den hütten, ob nicht, entfernt von den schwellen der groszen,
ein weiser sich selber dort lebt.
E. v. Kleist 2, 12;
unentweihte, reine stelle,
werde, wie des tempels schwelle,
mir zum heiligen asyl!
Grillparzer⁴ 3, 36 (ahnfrau 1);
die bewohner dieser insel, ...
sind stets bereit beim ersten hülferuf,
in waffen zu beschützen Sappho's schwelle.
216 (Sappho 4, 5);
von festeszügen, fremden beterschaaren
war nimmer dieses hauses schwelle leer.
6, 8 (des meeres u. der liebe wellen 1).
vgl. auch: welche jre schwelle an meine schwellen und jre pfosten an meine pfosten gesetzt haben, das nur eine wand zwisschen mir und jnen war. Hes. 43, 8. — mit dichterischer freiheit für 'thür':
zwo sind pforten des kriegs ...
hundert eherne hebel, und ewige barren des eisens
schlieszen sie, niemals weicht von der schwelle der hütende Janus.
wann nun kämpfe gebot die entscheidende stimme der väter,
geht er selbst, im Quirinusgewand' und gabinischem aufschlag
feierlich, aufzuschlieszen die knarrenden schwellen, der konsul (reserat stridentia limina consul).
Voss Aeneis 7, 607—613.
f)
zuweilen steht dichterisch auch der plural ohne merklichen sinnesunterschied:
eilt, ihn (Friedrich) in erz den enkeln aufzustellen!
eilt, einen tempel ihm zu weihn
am rande meines stroms! ich brenne, seine schwellen
mit blumen zu bestreun.
Ramler 1, 37;
wie bebend stand sie da, die perle der pücellen!
wie ein verklärter geist. den an des himmels schwellen
ein schauer der verherrlichung
zum erstenmal ergreift!
Thümmel reise 4, 238.
4)
schwelle in übertragener und bildlicher verwendung.
a)
von schwellenähnlichem in der natur:
und dort von fels'ger schwelle
hüpft braun herab die quelle.
Geibel 1, 181.
ähnlich schwelle des kahnes, die schmale hinterwand, über die man eintritt:
auf des kahnes schmale schwelle
legt sie lustig die gewande.
Brentano 2, 411.
b)
freier, schwelle des himmels (s. auch 3, d, f) u. ähnl.:
fern von Olymps gestirnter schwelle
verbannt ihn (Tantalus) Jupiters entschlusz.
Uz s. 120 Sauer;
wohl scheint dies gitter ihm die dunkle schwelle,
nicht weisz er, ob des himmels, ob der hölle.
Schulze bezauberte rose 3, 49.
bildlich: erst wirbelt sie (die hölle) mich künstlich auf der freude leztes glättestes schwindeldach, schwäzt mich bis an die schwelle des himmels. Schiller Fiesko 5, 13. — schwelle des grabes:
o mutter, halte dein kindlein warm,
die welt ist kalt und helle,
und trag' es fromm, bist du zu arm,
hin an des grabes schwelle.
Brentano 4, 18.
c)
schwelle des landes: so weit war Gustav Adolph von sieg zu sieg ... fortgeschritten ... bis an die schwelle der österreichischen monarchie hatte ein nie unterbrochenes glück ihn begleitet. Schiller 8, 236;
ich, den als bettler
das vaterland von seiner schwelle stiesz.
Geibel 7, 31.
d)
ebenso von der zeit: so sind es ermunternde hoffnungen, welche das vaterland an der schwelle des neuen jahrhunderts fassen darf. Fr. V. Reinhard pred. vom j. 1799 bei Wackernagel leseb. 3, 2, 1028, 6; unter vertraulichem gespräch zog sich der abend diesmal bis nahe an die schwelle der mitternacht. Gutzkow werke (1845) 11, 109;
o sel'ge doppelhelle
von wunderbarem schein,
an jedes jahres schwelle
mir leuchtend aus und ein.
Rückert ged. (1841) 239 ('morgen-abendstern').
e)
schwelle des herzens:
in des freundes hertzen swelle
nie wart geleit zu freundes gemach.
Hugo v. Trimberg renner 17189;
o mutter, halte dein kindlein warm, ...
und trag' es fromm in deinem arm
an deines herzens schwelle.
Brentano 4, 16.
schwelle im ausgeführten bilde: beim herzog sagst du? — hast du vergessen, dasz ich die schwelle bin, worüber du springen oder den hals brechen must? Schiller kab. u. liebe 2, 6.
f)
schwelle, der anfang von etwas: dreierlei macht aber den autoren das leben sauer, erstlich der anfang, weil sie gleich auf der schwelle mit wolken und juwelen vor den lesern blitzen wollen. J. Paul leb. Fibels s. 85. vergl. auch:
der, schmählich strauchelnd an der schwelle groszer thaten,
nun umkam jämmerlich, von seinem floh verrathen.
Rückert werke (1882) 2, 207.
schwelle einer kunst, wissenschaft u. ä.: verdienstvolle skizzen groszer meister ... führen den ächten liebhaber nach und nach an die schwelle der gesammten kunst ... der angehende künstler aber hat mehr als der liebhaber zu fürchten .. denn wenn er durch diese pforte am raschesten in den kunstkreis hineintritt, so kommt er dabei gerade am ersten in gefahr an der schwelle haften zu bleiben. Göthe 38, 137; unsere metaphysik ist, wie viele andere wissenschaften, in der that nur an der schwelle einer recht gründlichen erkenntnisz; gott weisz, wenn man sie selbige wird überschreiten sehen. Kant 8, 34. so als kunstwort der psychologie schwelle des bewusztseins von dem stärkegrade, den eine vorstellung erreicht haben musz, um ins bewusztsein einzutreten, unterschiedsschwelle das mindestmasz der differenz z. b. zwischen zwei farben, damit sie als verschieden wahrgenommen werden u. a.
g)
seltener bezeichnet schwelle bildlich den punkt, wo man aus etwas hinaustritt: womit könntest du dich entschuldigen, dasz du in einem so hohen alter, und so zu sagen an der schwelle des lebens, dich selbst in eine so unedle dienstbarkeit gesteckt hast? Wieland Luc. 5, 173. — ähnlich auch die schwelle der natur (?): der zorn wan er allein kumpt von natürlicher complexion, so ist es kein sünd die weill er die schwel der natur nit ubertrifft. Keisersberg narrenschiff 81ᶜ.
5)
besonderheiten.
a)
schwellen, saxi species. Agricola bergwerkb. gloss.
b)
in Aachen op de schwell gohn oder schwelle 'den bauern das obst von den bäumen stehlen.' Müller-Weitz 226.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2487, Z. 25.

schwelle, f.

schwelle, f.
ein anderes schwelle stellt sich dar als nominalbildung zu schwellen in verschiedenem sinne.
1)
selten für 'das schwellen' (vgl. schwellung, schwall):
verlorner schwimmer in der brandung schwelle.
Chamisso 2, 29 Koch (Salas y Gomez 2).
häufiger in zusammensetzungen wie Nilschwelle, stromschwelle. — s. auch rosenschwelle (th. 8, 1218).
2)
häufig eine vorrichtung zum anschwellen, stauen des wassers, damm, wehr, so namentlich im süddeutschen, tirol. schwell, schwöll, f. Lexer 229: es soll auch ieder die tragwahl oder pingern, zugleich schwellen vor oder durch sein stuck rechtens auf tuen und erhalten. tirol. weisth. 3, 124, 8; ferer so seint sie auch verpunden ... zu den schwellen zu laufen und [zu] sehen, dasz durch sollichen anfallenden wasser .. kein schaden geschah. 262, 1; das gleiche that er in rücksicht auf alle ihre öffentlichen einrichtungen, schwellen, brücken, wegen. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 184; aber tiefer wühlt sich der schmerz, wird noch schmerzlicher, wie erst dann die Emme gefährlich wird den schwellen und wehren, wenn sie sich in ihr bette zurückgezogen hat, gefahrlos geworden scheint. Gotthelf schuldenb. 60. — schweiz. dafür auch selle: swaʒ der man gegen dem sêwe hât, dâ sol er nit vür schieʒen wan als sîn sellan oder sîn wuor gât. quelle s. mhd. wb. 2, 2, 792ᵇ. freier:
si kômen vil drât
und brâchen die swelle (das stadtthor),
dâ des bluotes welle
sich hinan verstieʒ.
Ottokar reimchron. 51415.
so auch als name einer art von sandbänken: die aus dem ocean heranstürzenden wogen brechen sich an den weit in's meer hinaus laufenden sandbänken, welche der seemann ihrer gegen das land hin mehr und mehr ansteigenden form wegen 'schwellen' nennt. Willkomm im wald u. am gestade (Dessau 1854) s. 185 (hierher?).
3)
schwelle, geschwulst: schwelle (die) tumor Steinbach 2, 548; (persicaria mag auch gebraucht werden) im menschen, wo dergleichen schwellen würden oder von arbeit etwas aufbricht an händen oder füszen. Paracelsus (1590) 7, 74; für eine schwelle auff dem leibe. nim wermuth, zerstosse sie mit honig, und schmier die schwelle damit, sie vergehet. Coler hausb. (1680) 2, 252ᵃ. vgl. ahd. bûchsuelli, contumatia Notker psalm. 73, 10.
4)
speziell für schwiele, vgl. das.: callus swel in manu vel in pedibus, sweel, swehl ... hd. swelle, geswelle. Dief. gloss. 91ᵃ, swel, hardecheyt. nov. gl. 67ᵇ, schwelle am fusz oder hand, callum Dasypod.; callus schwellen unden an den fussen oder henden. gemma gemmarum (1508), s. Tobler 403ᵃ; so noch jetzt in der Schweiz schwella, plur. schwellena, 'eine durch reiben der haut entstandene blase.' ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2492, Z. 39.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schwälen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%A4len>, abgerufen am 29.07.2021.

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