Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schwamm, m.

schwamm, m.
fungus, mit starker flexion. mhd. swam, starkes m., swamme, schwaches m. daneben swamp mhd. wb. 2, 2, 760ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 1334. ahd. swam und swamp Graff 6, 878, mnd. swam Schiller-Lübben 4, 484ᵃ, ags. swamm, starkes m., nld. zwam, got. swamms, altisl. svo̜ppr (diesem würde, da es auf ein urgermanisches swampuz zurückweist, ein hochd. swampf entsprechen). dän. schwed. svamp. vgl. swampe, swamp (Ostfriesl.) ten Doornkaat Koolman 3, 371ᵃ. 'swamm und im gemeinen gebrauch häufiger swamp' brem. wb. 4, 1110, md. schwamb Hertel thür. sprachsch. 223. es stehen also schon im urgermanischen mehrere bildungen nebeneinander, denen wol auch abweichende bedeutung zukam. der dichter des Hel. läszt 5650 eine spunsia (bei Ulfilas swamms) tränken, die dem gekreuzigten zugereicht wird, spunga Tatian 208, 3; vgl. mhd. sponge Lexer 2, 1105; nld. spons, engl. sponge. vgl. dagegen:
eʒʒich dô ein jude nam,
den eʒʒich gôʒ er in einn swam.
bruder Philipp Marienl. 7567.
der etymologische zusammenhang mit schwimmen (schwamm, das schwimmende) ist unwahrscheinlich; denn erst von den heimischen gewächsen am boden und bäumen ist die bezeichnung auf den seeschwamm übertragen; es scheint ursprünglich die nachgiebige, schwankende masse durch die bezeichnung characterisiert zu sein. vgl. schwampeln, schwammetzen, engl. swamp sumpfiger grund, nd. swampen, schwappen, schwanken, vom sumpfigen boden Woeste 264ᵇ. plur. umgelautet: welherlai swäm man kochet mit den pirn. Megenberg 341, 4; nhd. schwämme. schwache flexion (s. die mhd. wb. a. a. o.): swammen und pfifferlinge. quelle bei Diefenbach-Wülcker 848; den schwammen auff den hobelwagen. Fischart Garg. 162ᵇ; fungi, schwammen. 42; gaben unsz weisze und rothe schwammen in die hände. Rollenhagen ind. reisen (1687) 54; ein weiszer, weicher und lucker schwamme. Hohberg landleb. 1, 527ᵃ; die schwammen. 518ᵃ; einen gifftigen schwammen. 518ᵇ;
das pewt ich im in ainem schwammen.
tirol. passionssp. 153, 2420 Wackernell;
erdbeer oder schwammen
dir zum futter such.
wunderh. 2, 238 Boxberger.
in oberd. mundarten ist die schwache form noch lebendig: der schwammen, seltener der schwamm. Schm. 2, 632; der schwamme (Straszburg) Weigand⁴ 2, 659. als fem. mit einer padschwammen. quelle bei Schm. 2, 633; vgl. die schwamme, zunder. neben schwamm begegnet in gleicher bedeutung in älterer sprache und lebend in mundarten das im ablautsverhältnis stehende schwumm (s. dieses).
1)
schwamm als bezeichnung poröser pflanzengebilde. die neuere sprache zeigt das bestreben, die bedeutung des wortes einzuschränken und für die gewächse, 'die mehr das ansehen einer pflanze habend in die höhe wachsen, und theile, als den stiel oder strunk, den hut mit seinen theilen etc. deutlich unterscheiden lassen' ( Campe) die bezeichnung pilz (lehnwort aus lat. boletus) einzuführen. für diese gewächse erhält sich der name schwamm besonders in einzelnen mundarten, so z. b. im schles. gebirgsdialect (dim. schwammla); im bair.: schwamm, gewöhnlicher das schwämmelein, der schwämmeling Schm. 2, 633; kroasswam, eszbarer pilz Zingerle lusern. wb. 54ᵃ; Steinbach 2, 550 bezeichnet schwamm in diesem sinne als vocem non ubique usitatam. zahlreich sind neben schwamm die näher bestimmenden zusammensetzungen: agaricus, tannen-, buch- (nd. bucke-)swamp, swam; habecheswum, lerchenschwamm Dief. 17ᵃ; asparagus, ein swam, pfifferling. 54ᵇ; boletus, swam, schwamme, schwam, swum, swamp, ert-, herzen-, hirzes-, hirz-, hus-, dorn-swam 78ᵃ; flangus, protswamme 238ᶜ; fungus, swam, schwamme, schwam, swamp, swaump, swan, pirpawmschwam. 252ᶜ; schwamm, der zuessen dienet, fungus edulis; fauler schwamm, fungus putris; giftiger schwamm, fungus venenatus; kochschwämme, fungi innoxii; eichen-, dannen-, fliegen-, heidenschwamm Stieler 1952; in die schwämme gehen, schwämme suchen; baum- ò eichen-, brat- ò milch-, erd-, wald-, gift-, heide-, koch-, eszbarer speisz-, lerchen- ò tannen-, mor- ò morchen-, mucken- ò fliegen-, pfeffer- ò pfiffer-, rot-, wiesen-schwamm Kramer deutsch - ital. diction. 2, 695ᵃ; schwamm, erdschwamm, den man essen kan, unter den andern gifftigen und ungesunden, boletus, bülze; birken-, flieder-, stock-, mist-, schmeer-, kröten-, geiszschwamm Frisch 2, 241ᵃ; zu den verschiedenen arten und namen vgl. Oken 3, 32 ff. Pritzel-Jessen 452 ff.: eʒ ist auch ainerlai swammen, die sint zemâl unrain, die sint prait und dick und oben rôt mit weiʒen plæterln .. nu hüet dich vor in allen, daʒ ist mein rât. Megenberg 402, 7; under andern speisen, welche die herren medici verwerffen, als dem menschen schädliche bisze, seynd auch die schwammen .. dieselbe seynd sehr ungesund, und wann sie zum besten zugericht, alsdann soll mans zum fenster hinausz werffen (vgl. Wander sprichw.-lex. 4, 416, 7). Abr. a S. Clara Judas d. ertzschelm 1 (1686), 282; man findet nemlich auf denen alten kohl- und miehlerstetten zwar am meisten, doch auch auf andern plätzen, wo die hirsche ihren wechsel und stand in der brunfftzeit halten, flach in der erde, dunckelbraune oder röthliche schwemme, wie eine welsche nusz, oft gröszer, oder kleiner, und inwendig hohl. hiervon wird nun judiciret, dasz selbige von des hirsches wasser, welches er in der brunfft von sich läszt, und öfters, ja meistentheils, mit dessen samen vermischt wäre, wüchsen .. überdisz können auch solche schwämme zu sachen, die geilheit erwecken, gebrauchet werden, und thun hierinne starcken effect. Döbel jägerpr. (1754) 1, 14ᵇ; der daran (an der linde) wachsende schwamm ist ein besonderes mittel wider das krancken des rind-viehes. 3, 18ᵇ; an diesem baume (der lerche) ist der so genannte lerchenschwamm zu finden, welcher weisz aussiehet und von den apotheckern theuer verkaufft wird. 26ᵇ; den eszbaren und giftigen schwamm in eine klasse zu werfen. Schiller 4, 62; dürres gras und moos und über nacht geschossene schwämme. Göthe 39, 340; wenn ich beeren such', schwämme brock' oder tannenzapfen klaub'. Anzengruber 3, 242;
die sbammen stuppfen,
lupfen
aus der erde.
O. von Wolkenstein 35, 3, 1;
dri pfenning umb ein korp vol swammen.
K. Dangkrotzheim h. namenb. 452;
ich meinem gemahel vergab
in vergifften schwammen darab.
H. Sachs 16, 16, 23 Keller-Götze;
wer solche ungeschmackte schwammen friszt,
wirdt auch zu eim solchen ungeschmackten tölpel gewisz.
Fischart Garg. 42ᵃ;
ferner was mit kurzen röhren
in und an der erde steht,
weisze rüben, gelbe mören,
zwiebel, rettig, gurken, beet,
trüffel, schwämme, kohl, pomponen,
spargel, erdbeer und melonen.
wer es untersuchet, findt,
dasz sie unentbehrlich sind.
Brockes 9 (1750), 153;
nimm die zitternde schwämme, die heute mir Peter, der kuhhirt,
aus dem walde gebracht. das einzige, welches mein vater
etwan im schmerze noch iszt.
Zachariä Phaeton 1, 31;
reisz da vom baume diesen schwamm
und leg' ihn auf die wunde.
Göthe 33, 256;
zu füszen mir der feuchte schwamm
und überm haupt die wilde biene.
Droste-Hülshoff (1879) 1, 61.
besondere art, aus der eine durch einen funken sich entzündende langsam glühende masse hergestellt wird (vgl. A. Schultz höf. leben² 1, 54. 454): zunderschwamm, fungus igniarius Stieler 1952; zunder-, filtzschwamm Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 695ᵇ; von der zum gebrauch zugerichteten masse: schon dasz er (Basedow) ununterbrochen schlechten tabak rauchte, fiel äuszerst lästig, um so mehr als er einen unreinlich bereiteten schnell feuer fangenden, aber häszlich dunstenden schwamm, nach ausgerauchter pfeife, sogleich wieder aufschlug, und jedesmal mit den ersten zügen die luft unerträglich verpestete. ich nannte dieses präparat Basedow'schen stinkschwamm. Göthe 26, 277. von gewächsen, die an verderbendem holze, feuchtem gemäuer u. s. w. entstehen: schwamm, der aus dem verderbenden holz wächst, und an bäumen. Frisch 2, 241ᵃ; hausschwamm, verwüstender schwamm (merulus vastator) Campe. Karmarsch-Heeren techn. wb.³ 8, 60. als name für eine eigentlich nicht zu dem schwämmen gehörige pflanze: cynomorium, schwamm von Malta. Nemnich.
2)
spongia, see-, meer-, sauge-, badeschwamm. die aus dem meere (besonders in der Levante) gefischten oder durch taucher heraufgebrachten stöcke werden gereinigt, getrocknet und in den handel gebracht, s. Nemnich unter spongia. Oken 3, 212. Karmarsch-Heeren techn. wb.³ 1, 268; penicillum i. e. genus spungie ad tergendos humores et scutellas, swamp, swam, swamm Dief. 422ᶜ; spongia rara, ein badeschwamm Stieler 1952; schwamm im dintenfasz, sive dintenschwamm, penicillum atramentarium. ebenda; aufgehen wie ein schwamm. Kramer deutsch - italien. dict. 2, 695ᵃ; mit dem schwamme ab wüschen; einen nassen schwamm aus drücken; die augen mit einem schwamme wohl auswüschen. Steinbach 2, 550; kinder mit einem schwamme abwaschen, das blut mit einem schwamme abwischen, etwas auf der tafel mit einem schwamme auslöschen u. s. w.: wenn der schwamm zu voll ist, so druckt man jhn ein mal ausz, oder hengt jhn gar an die sonnen. Henisch 757, 31; jah suns þragida ains us im jah nam swamm fulljands aketis, jah lagjands ana raus draggkida ina. Wulfila Matth. 27, 48; und bald lieff einer unter jnen, nam einen schwam, und füllet jn mit essig, und steckt jn auff ein rhor, und trencket jn. Luther; dunck dein schbam drein, las in wider ausdrucken und vir das ohr halten. Paumgartner briefe 280 Steinhausen; wie ein schwamm, der fast zu nichts wird, wenn man ihn drükt. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 197 (1790);
hierauf eilt, auch tisch' und stattliche sessel vom unrath
wiederum mit wasser und lockeren schwämmen zu säubern.
Voss Od. 22, 439.
3)
bildlicher, freier gebrauch, redensarten: über alle mögliche sinnliche einfälle seiner herde den schwamm zu ziehen. Thümmel reise (1794) 4, 135; mit dem schwamm über alles hinzufahren, was bisher auf die tafel der menschheit verzeichnet worden war. Göthe 53, 164;
den ruhm verlöscht kein schwamm der zeit.
Hagedorn versuch einiger gedichte (lit. denkm. des 18. jahrh. 10, 40);
redensart neuster zeit: schwamm drüber, es sei vergessen, verschmerzt, vergl. Borchardt sprichwörtliche redensarten nr. 1075; schwamm drüber! (neueste Berliner redensart). K. Stauffer-Bern 67 (2. mai 1883). der schwamm saugt ein, ins edle gewendet:
gott ist noch mehr in mir, als wann dasz gantze meer
in einem kleinen schwamm gantz und beysammen wär.
A. Silesius cher. wandersmann 105, 156 neudr.
dagegen derb von einem trinker: er ist ein schwamm, er hat einen schwamm im magen. anders gewendet: Rosenkranz. nehmt ihr mich für einen schwamm, gnädiger herr? Hamlet. ja, herr, der des königs schutz, seine belohnungen, seinen einflusz in sich saugt. Shakespeare Hamlet 3, 4 (1831). fühlloses herz:
nein! es hätte fürwahr statt deines herzens ein schwamm nur
mir im busen gewohnt, wofern ich dergleichen gelitten.
Göthe 1, 339.
schon im mhd. zur bezeichnung eines wertlosen dinges, eines nichts (natürlich ist fungus, nicht spongia gemeint):
manger dô den schaden nam,
dem mîn schimpf niht wol gezam:
daʒ was mir reht sam ein swam.
minnes. 3, 197ᵃ Hagen;
auf eine person bezogen: (die nonne) was noch dem gemeinen sprichwort der schwam des gantzen huses. Keisersberg bilgersch. 88ᵇ; bei Göthe von einem verachteten liebhaber:
aber gegen meinen bräutigam,
ist der herr pater nur ein schwamm.
13, 70.
du schwammel als schimpfwort bei Schm. 2, 633 (dort anders gedeutet); collectiv: er gehört zum schwamm, zu dem nicht zum militärdienst tauglichen; speziell nennt man wieder beim militär die beim manöver in der garnison zurückbleibenden schwamm. thüringisch he es bin schwum jekumen, zu den alten abgedankten Hertel thür. sprachsch. 226. auch von dingen, wertlose masse: de gansse schwamm. Woeste 264ᵇ; ich habe noch 8 groschen, das ist der ganze schwamm. Albrecht 209ᵃ.
4)
geschwulst am menschlichen oder thierischen körper: schwamm, glied-schwamm, tumor spongiosus articuli; schwamm im mund, eine krankheit, sonderlich der kinder. Frisch 2, 241ᵃ (s. schwämmchen). bei den pferden das wilde fleisch in wunden, auch das unbehaarte gewächs an der innern seite der vorderschenkel; auch das rindvieh hat ähnliche geschwülste Adelung; schwämme (überschrift). wann eine linde beulen bleibet, die nicht vergehen wil. Pinter pferdsch. (1688) 422ᵇ; so schon im ahd., vgl. den segen contra malum malannum Müllenhoff-Scherer denkm. IV, 7.
5)
besonderes:
a)
eisenschwamm, 'ein aus möglichst reinen eisenerzen durch kohlenoxyd reducirtes schwammiges eisen' Karmarsch-Heeren techn. wb.³ 2, 756; ebenso platinschwamm, goldschwamm (s. auch schwammgold). mineralischer schwamm Jacobsson 7, 285ᵃ.
b)
schwamm, eine vorrichtung beim gieszen von bleitafeln Jacobsson a. a. o. 284ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2195, Z. 35.

schwämmen, verb.

schwämmen, verb.,
s. schwemmen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2198, Z. 77.

schwämmen, verb.

schwämmen, verb.
schwammig machen, wie einen schwamm aufgehen machen: schwämmen, lück machen, faire leuer comme la paste; der becker pflegt dʒ brot sehr zu schwämmen. Hulsius diction. (1616) 291ᵇ; schwämmen, tumere, fermentare Schottel 1411; hierzu gehört aufgeschwemmt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2199, Z. 1.

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Zitationshilfe
„schwämmen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%A4mmen>, abgerufen am 01.08.2021.

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