Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schwangern, verb.

schwangern, verb.
schwanger werden, sein Campe. zustandsbildung zu schwanger, so mhd. swangern, s. Lexer handwb. 2, 1336: er swangeret daʒ unreht, parturit injustitiam; suangerenten foetantibus Schm. 2, 638. nhd. nur ganz selten, dafür schwängern [verb. neut. mà raro nè usato che nella frase seguente] sie fängt an zu schwängern, ella comincia sentirsi ò ad esser gravida Kramer dict. 2, 696ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2240, Z. 52.

schwängern, verb.

schwängern, verb.
schwanger machen, befruchten. causativbildung zu schwanger, mhd. swengern Lexer handwb. 2, 1360. nach Weigand 2, 660 wäre der älteste beleg: schwängeren, schwanger machen. Emmelius sylva (1592) Ff 5ᵇ; doch ist es schon im 14 jahrh. bezeugt (bei Teichner, ebenso frühnhd. bei Steinhöwel).
1)
eigentlich: schwängern, schwanger machen, engrossir Hulsius 292ᵃ; gravidare schwängern. Corvinus fons. lat. 305ᵃ. Schottel 1411; schwängern, [verb. act.] gravidare, ingravidare, impregnare, ingrossare, fare, rendere gravida. eine [weibsperson] schwängern. Kramer dict. 2, 696ᵇ; schwängerend, ingravidante u. s. w. schwängerende kraft des samens. er hat sie geschwängert, sie ist von ihm geschwängert worden. ebenda; schwängern, geschwängert, congressu gravidam, praegnantem facere, gravidare, foecundare. ein mägdlein schwängern, puellam comprimere. geschwängerte dirne, foemina gravidata Stieler 1972; frawe das sol nicht war sein das ir nicht wissent sey wer sy geswängert habe. Steinhöwel decam. 353 Keller (5, 7); das erste (kind) kame von einer weibs-person her, die von einem krankenwärter ware geschwängert worden. Mauriceau (1681) 121; Juno mit der blume des sie schwängernden kuckucks. Lohenstein Armin. 1, 1378ᵃ; wenn ein vater das unglück hat, dasz ihm seine tochter geschwängert wird: so musz er noch wohl gar für sie eine geldstrafe bezahlen. Möser phantas. 4, 173;
wie Jupiter der hohe gott,
ein regn von klarem golde rot
heraber von seim throne gosz,
Danæ der junckfraw in jr schosz,
darvon sie auch geschwängert ward.
H. Sachs 5, 219ᵇ;
die weiber wurden erst geschwängert, hernach brachten
viel söhne sie zur welt.
Dietr. v. d. Werder Ariost 20, 32.
2)
bildlich in verschiedenem sinne, im ausgeführten bilde: das Käthchen von Heilbronn, ihr herren, als ob der himmel von Schwaben sie erzeugt, und, von seinem kusz geschwängert, die stadt, die unter ihm liegt, sie geboren hätte. H. v. Kleist Käthchen 1, 1;
die weiszheit, so mit dir genaue buhlschafft macht,
bekennt auf deinen fleisz, der ihre schoosz geschwängert.
Günther 548.
besonders von der fruchtbarkeit der natur:
(die erde) wird vom himmel lieb gewonnen.
der sich herab in jhren schosz
durch einen warmen regen machet,
und sch[w]ängert jhren dürren klosz,
dasz alles frölich sieht und lachet.
Königskerger dichterkreis s. 20 neudruck (1, 16; Dach s. 430 Österley);
du auch, entschleusz die harten schollen
von diesem thau geschwängert land.
A. Gryphius 2, 239;
mit deiner asche düngst und schwängerst du ihr (der erde) feld.
Creuz 2, 190;
der sonne blendend licht, und immer gleich bewegen,
ihr alles schwängernd feu'r.
Haller ged.¹⁰ 53.
ähnlich auch: groszes licht verdichtet sich zuletzt zu wärme, die die menschheit mit leben schwängert und mit auferstehung segnet. J. Paul 34, 46 (friedenspred. 11);
schwängre vor (zuvor), o goldner regen,
uns, dein dürres erb und erd.
wunderhorn 2, 495 Boxberger.
sich schwängern: sie (die tinctur) ist eine jungfraw unter allen kinderen in der natur, und hat nie nichts aus sich gebohren, und kan auch nicht gebähren, und machet doch dasz sich alles schwängert. J. Böhme von den 3 princip. s. 143 (cap. 13, 24);
o, teufel! könnte
die erde sich von weiberthränen schwängern,
aus jedem tropfen wüchs' ein crocodill.
Shakespeare Othello 4, 1.
abgeschwächter, (womit) erfüllen, durchdringen; in bezug auf flüssigkeiten: alles salz, womit die gewässer des oceans und aller mittelländischen meere geschwängert sind. Kant 9, 12; gestein-bildungen ... durch mechanische abscheidung oder chemische niederschläge aus den mit kohlensäure geschwängerten tropfbaren flüssigkeiten. Humboldt kosmos 1, 259; von der luft: war die luft mit wenigen dünsten geschwängert .. so folgten violette schatten. Göthe 52, 47;
du schwängerst die luft
mit balsamgerüchen
und lieblichem duft.
Fr. Müller 2, 389 ('an den frühling');
und der harzbaum würzt die geschwängerte luft und der feine hgeruch des jasmins auch.
Platen 259 (gabel 2).
selten geradezu für anfüllen, voll gieszen: do sage ir ich wöl mer dann tausent sümeren (simmer, ein hohlmasz) der rechten gutenn wol wöllung zuͦ swängern. Steinhöwel decam. 564, 16 Österley (9, 5; Soltau 3, 224 übersetzt: dasz ich ihr tausend masz von demjenigen gönne, was den weibern am besten schmeckt). andere verbindungen:
des wachsenden sturmwinds betaubendes getösz
und durchdrang schwängert stents das meer mit starckem sauszen;
das wasser gleicherweisz umbfanget wild und bösz
den wind mit lauttem brausen.
Weckherlin 249;
so eilt die satte schaar (der kühe), von überflusz geschwängert,
mit schwärmendem geblöck gewohnten ställen zu.
Haller ged.¹⁰ 30.
der wind schwängert das segel, füllt es, bauscht es auf:
mach nun die focke voll, und schwänger den meysan,
o günstiger nordwest!
Fleming 584.
auf geistiges bezogen: jenes (bild), das die seele des grossen Fidias mit der idee des olympischen Jupiters schwängerte. Wieland 32, 27 (Agathod. 1, 3); aber dieser scheiben-hahn wird noch viel wichtiger durch einen traum, womit er Fibels ersten schlummer schwängerte. J. Paul leb. Fibels 77; wie der stoff vom geist gereinigt, wiedergeboren, geschwängert ist, so soll der dialog vom geiste wiedergebornes und geschwängertes gespräch der wirklichkeit sein. Ludwig 5, 264; die geistig geschwängerte, mehr geist- als seelenvolle sprache ist .. der tragödie wesentlich. 460;
kan uns nicht der lieb eigenschafft ...
das hertz mit frewden schwängeren?
Weckherlin 778;
mein beklemmtes hertz
hat in der brust nicht raum, weil es der kummer schwängert.
Günther 834.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2240, Z. 59.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schwängern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%A4ngern>, abgerufen am 05.08.2021.

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