Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schwank, m.

schwank, m.
lustiger streich und erzählung eines solchen, nominalbildung zu schwingen, ursprünglich identisch mit schwang, s. dieses und Weigand 2, 660. Kluge 340ᵇ. da die formen der ältern sprache und die allgemeinere verwendung in derselben bereits dort mitbehandelt sind, so bleibt hier nur die eingeschränktere gebrauchsweise der heutigen sprache zu belegen. diese hat sich im 15. jh. herausgebildet, sie findet sich auch mnd., s. Schiller-Lübben 4, 485ᵃ (laiendoctrinal). im nhd. ist sie von anfang an vorherrschend und etwa seit dem 18. jahrh. die ausschlieszlich übliche geworden. mundartlich selten und nur oberd., schweiz. Hunziker 234 ('scheint mir importiert'), bair. 'fast nur in der formel schwenk machen, mit lügen umgehen' Schmeller 2, 639; schwank, plur. schwenk Schöpf 657; mach'n s' kani solch'n schwänk! (übertreiben sie doch nicht so stark!) Hügel 145ᵇ. — wie sich nicht selten die schreibung schwank für schwang (im heutigen sinne) findet, so auch hie und da schwang für das heutige schwank, z. b.: mit diesem lächerlichen schwang brachte der predikrug zuwegen, dasz ihm der fürst auch jährlich ein halb fuder wein geben liesse. Simplic. schr. 3, 315, 11 Kurz (ebenso 160, 31 s. unter 3);
den schwang, den ich euch vom hundt sagt.
B. Waldis Esop 3, 88, 45.
H. Sachs fastn. sp. 4, 38 neudruck, s. unten 2. — der plural ist stets umgelautet, schwänke, schwenk(e), ganz vereinzelt und schlecht auch schwenken:
die iunge welt kan so fil schwencken,
das die alt nie dorfft gedencken.
Murner schelmenz. 17, 29 (s. 30 neudr.).
in scherzhafter weiterbildung schwenkalia, s. das.für schwank auch geschwank, s. das. (th. 4, 1, 3981):
anstat der gleichen leichtfertigen geschwencken.
Schmelzl hochz. 2ᵇ.
1)
besonders im ältern nhd. hat schwank vielfach noch einen etwas stärkeren sinn als heute 'boshafter oder listiger streich, ränke, finten'. diese verwendung geht wol auf die bedeutung 'fechterstreiche' zurück (s. schwang 1, k); boshafter streich: da lag die stadt wie Gomorrha und Sodom, der ganze horizont war feuer, schwefel und rauch, vierzig gebürge brüllen den infernalischen schwank in die rund herum nach. Schiller räuber 2, 3 schausp.;
ist das nit ein wilder schwank,
darzuͤ ein teufelischer zank?
Schade sat. u. pasqu. 2, 167, 79;
schabernack:
sie hat offt gliden hohn und spot ...
was sie offt hat vor arge schwenck
vom gsind must leyden in dem haus.
Ackermann Tobias 1244.
ähnlich: vexieret jhr mich, oder wöllet jhr mich schrecken, oder treibet jhr sonst euwere schwenck? buch d. liebe 204ᵇ. — listen, ränke:
das lernt' ich
jenes tages zuerst von meinem listigen vater,
der in ränken und schwänken und allen streichen gewandt war.
Göthe 40, 79;
schwager, warst auch sonst voll ränke,
schwager, wo nun deine schwänke,
deine pfiffe schlauer kopf?
Schiller 1, 213;
im collectiven singular (list?):
hyet ich dy künigin zw einem weib
und graff Hansen von Diernstain leib
und der von Venedig gut
und der von Ulm ubermut
und der von Zürch tükg
und des von Maylanntz gelügck
und der von Kostnitz swangk,
so gäb ich umb all werlt nicht ainen stanck.
quelle bei Schmeller 2, 639.
die bedeutung 'streich' auch in der zusammensetzung liebesschwank, s. th. 6, 954: x. geschicht führt eine verliebte nonne auff den schau-platz, die wegen eines artigen liebes-schwangs, den sie der Lea nachgethan, wider ihren willen ins kloster gehen muste. Wiedemann gefangensch. 2. vorr. 3ᵇ.
2)
meist von einem komischen, spaszhaften streiche zur belustigung und unterhaltung, oder possen, die man jemand spielt: bossen, schwencke, iocus, cavillum, cavillatio, facetiae, ludicrum, res ludicra, gesticulatio, ludibrium Henisch 466, 61; vielleicht liegt in folgenden stellen die sinnliche grundbedeutung vor ('komische gesten, geberden, capriolen'): sie (die studenten) sprungen auf so wunderlichen manieren, ränken und schwänken hervor. wurm - logia (studenten - trinkcomment von 1690), s. Wagners archiv s. 44;
daz si (die henne) jr rennen nit vermait.
dez rett der han aber zu jr:
al dine swencke duͤ verbir.
Laszberg lieders. 1, 260, 44;
und ich will ihm noch schenken
ein schöns eichhörnelein;
ist auch von manchen schwänken
ein hurtigs meisterlein.
Spee trutzn. s. 157 Balke (36, 67);
und ich will ihm noch schenken
ein junges böcklein schön;
es treibt wohl tausend schwänke
und bleibt nicht lange stehn.
wunderh. 2, 535 Boxberger (bearbeitung des vorigen gedichts).
s. auch schwang 1, a. im gewöhnlichen sinne: bei allen gottes heyligen, keyser Carle soll den besten schwanck sehen. Aimon k 2ᵃ; auff dem reichstag zuͦ Augspurg anno geschach ein guͦter schwanck von einem singer an desz hertzog Wilhelmen von München hoff. Wickram rollwagenb. 94, 22 Kurz; du bist bei laune freund. bring deine schwänke bei tag. Schiller Fiesko 5, 1; mein bruder könnte unsern schwank mit Andrea stören, wenn er zurückkehrt. Geibel 7, 158; dasz so wenig leute ächten spasz verstehen! und wenn sie sich einmal auf einen schwank einlassen, so müssen sie ihn regelrecht ausbauen, wie der biber sein haus. ebenda;
der teufel schlah zu disen schwenken!
fastn. sp. 538, 2;
zu aller zeit,   ohn widerstreit,
treib ich mein schwenck und bossen.
Ambr. liederb. 191, 8;
was weins wir öszten waistu wol.
und wann ich nach daran gedenck,
so lach ich mir der guͦten schwenck.
Schwartzenberg Cic. 144ᵈ;
ich folg eweren guͤetten schwencken.
H. Sachs fastn. sp. 7, 102 neudruck;
darmit ob wir jn möchten feln
und mit eim solchen schwanck zu decken,
jm einen gulden abzuschrecken.
4, 43;
zu Münnichen vor manchem jar
ans fürsten hof mit dienste war
Liendl Lautenschlaber, ein hoffirer,
ein kurtzweiliger phantasirer
mit seltzamen artlichen schwencken:
was er nur seltzams kundt erdencken,
richt er zu dienst dem fürsten an.
werke 4, 3, 60ᵇ;
eins tags zu Augspurg in der statt
ein gut schwanck sich begeben hat.
84ᶜ;
sehr hat mich ergetzet dein lustiger schwanck.
Bürger 67ᵇ (kaiser u. abt);
versuch' ich klug und hoff' es soll mir glücken,
mich pantomimisch deutlich auszudrücken.
hand, fusz, gebärde reicht mir da nicht hin,
da musz ich mich um einen schwank bemühn.
wie feuchten thon will ich das gold behandeln.
Göthe 41, 53 (Faust II, 1; 'Geiz' spricht);
lasz dir erzählen einen lust'gen schwank,
weil jetzt die zeit ist, schwänke zu erzählen!
Uhland Ernst von Schwaben 4, 3.
thörichte streiche, kindereien u. ähnl.:
möget ihr das licht zerstückeln,
farb' um farbe draus entwickeln,
oder andre schwänke führen,
kügelchen polarisiren.
Göthe 3, 110.
schwänke treiben: ich treib guͦt schwenck, ich bin kurtzweilig. Keisersberg narrensch. 193 (l. 143, richtig 135ᵇ); du farst und singest und mit freuden farst zuͦ der hellen mit denen, vor denen du guͦt schwenck treibest. ebenda; solchs verdrosz den mönch, der allzeit mit diesem raben viel schwencke und kurtzweil zu treiben pflegete. Schütz beschreibung der lande Preuszen 26ᵃ; voller einsicht, heiterkeit und glücklicher einfälle war er der beste gesellschafter, und wir trieben manchen schwank zusammen. Göthe 32, 17;
diser nit gar einfeltig ist,
sonder stecket vol schwinder list ...
drumb ich kein schwanck mit jm mehr treib.
H. Sachs 5, 244ᵇ.
etwas in einem schwank (als schwank, spasz) aufnehmen:
wir wöllen wol ein sinn erfinnen,
das mans in einem schwang auffnem;
wenn es gleich für den pfleger kem,
er liesz uns beid darumb nit hencken;
wann jm ist wol mit guten schwencken.
H. Sachs fastn. sp. 4, 38 neudruck,
3)
erzählung eines lustigen streiches, schnurrige geschichte und dergl.: darumb das du gewon bist, ab disen, und dergleichen schwencken, das ist, die nit so beürisch ... noch so gar unhöfflich und ungesaltzen, sind, fast erlüstiget werden. Franck moriae encom. vorr. A 2ᵃ; dasz jr mit guͦten schwencken und kurtzweiligen bossen zuͦ yeder zeit .. gefaszt sind. Wickram rollwagenb. 4, 3 Kurz; dieweil man aber an solchen orten sich dannocht auch mit kurtzweiligem gesprech ergetzen muͦsz, hab ich euwer aller gunst und liebe allhie ein kurtzweiligs büchlin für augen gestellt, in welchem jr nit wenig kurtzweilig und schimpfliche schwenck vernemmen werdet. 6, 3; weyl .. ich auch weisz, das ir geren von mancherley guten schwencken höret sagen, hab ich alda ein büchlein von guͦtten unnd lieblichen, auch warhafftigen geschichten, schimpflichen possen .. zusamen gezogen. Schumann nachtbüchl. 3, 23 Bolte; auch so seind darunder vierzehen guͦtter bossen unnd kurtzweyliger schwenck, die man mage offt lesen. 171, 15; ich habe inn meinem ersten thail des nachtbüchleins gesetzt bossen unnd grobe schwencke, die sich nicht gezymen eheleütten zuͦ lesen. 172, 16; hat doch mein hochgeehrter herr selbsten in seiner lebens - beschreibung so manchen lächerlichen schwang eingebracht, warumb wolte er dann ietzt seinen alten cammeraden zugefallen ein einzige lächerliche geschicht nicht erzehlen? Simplic. schriften 3, 160, 31 Kurz; welche in gesellschafft einen lustigen schwanck artig zu erzehlen .. wissen. Thomasius v. nachahmung der Franzosen 8, 12 neudruck; indem er niemals direct auf eine frage antwortete, wuszte er, durch eine geschichte oder einen schwank, die artigste und vergnüglichste erläuterung beizubringen. Göthe 19, 122;
darumb wer iederman still hinnen,
so wert ir hubscher schwenk noch innen.
fastn. sp. 330, 13,
man bitt jnn, das er noch eyns sag.
man spricht, das ist eyn guͦtter schwanck,
do mit würt uns die wyle nit langk.
Brant narrensch. 72, 69;
willkommen! und willkommen auch
für's wackre fünfte paar,
das voll geschicht' und neuigkeit
und frischer schwänke war.
Göthe 1, 122.
so auch von komischen erzählungen in versen, als bezeichnung einer dichtungsgattung, s. z. b. H. Sachs, herausg. von Keller und Götze, reg. zu band 5, 9, 17 und 21; gut schwenck von sibentzechen pauren guot zuo hören. fastn. sp. 1346. — in neuerer zeit nur von dichtungen in dramatischer form, eine niedrigere abart des lustspiels, aber feiner als die posse: in der groszen festhütte sollte eine einfache bühne .. in tüchtiger höhe errichtet und darauf allabendlich ein höchstens halbstündiger schwank aufgeführt werden. Keller nachl. 57.
4)
häufig geht schwank über in den sinn 'spaszhafte rede, scherz, schnurriger einfall, witz' u. ähnl.: guͦte schwenck (die) facetiae. kurtzwylige reden. Maaler 367ᵃ; schwenke, f. facetiae, railleries Schottel 1413; schwank, m. schwänke, plur. scherzo, motto, facetia, burla, piacevolezza, buffoneria, sali. v. bossen, schertz, schimpf. ein artiger schwank, una bella facetia, burla etc. uno scherzo spiritoso, sottile, ingegnoso, ben pensato. schwänke vorbringen, lustige schwänke erzehlen. er hat allezeit schwänke im maul. Kramer dict. 2, 696ᶜ; schwank, .. plur. die schwänke, eine rede oder ausdrückung mit worten die nicht gerad zu, als in linea recta, etwas sagte, sondern einen artigen umschweif machte, wie man auch ränke sagt, s. rank, jocus sobrius, genus jocandi ingenuum, urbanitas, facetiae, sales. Kaisersberg postill fol. 156 und Dasypod. in lex. sagen gute schwänke, zum unterschied der groben säuischen scherze. Frisch 2, 241ᶜ; item er tett dero vil, so wider inn redten, mit hoflichen schwencken und ir etlich mit schimpfierlichen worten, rupfen, rüren und klampfen. Nic. v. Wyle translat. 224, 27 Keller; dergleichen lassen sie (die prediger) jetz schwenke laufen (item nunc jocos spargunt). Virgilius v. d. erfindern, übers. v. Alpinus (Augsb. 1537) 145ᵇ;
weg, weg mit wünschen, reimen, schwänken!
trinkt fleiszig, aber trinket still!
Lessing 1, 23.
thörichte reden, possen, unsinn, besonders um eine äuszerung zurückzuweisen und als nichtig hinzustellen:
ey, mein mann, schweig von solchen schwencken.
H. Sachs 4, 3, 48ᵃ;
drumb schweygt nur still mit disen schwencken!
fastn. sp. 2, 64, 150 neudruck;
faule ausrede, vorwand:
den vierden (tag) macht sie mir ein schwank,
es irr sie an ir antlasfart.
fastn. sp. aus dem 15. jh. 541, 26.
stichelei (?): den weddermottede do eyn van synen heteleren (feinden) up dem wagen van Goslar gefaren: 'wer nu de greve gegrepen were?' dussen swangk moste he lyden van synen heteleren. d. städtechron. 16, 179, anm. 1; scherzhafte sprichwörtliche redeweise: daher der schwanck fleuszt, dasz man spricht gmeynglich in eim pfarrthurn hangen drei glocken, die erst und kleinest anzogen und geleut, spricht: gem wein, gem wein, gem wein [[undefined:etc]]. die ander gröber, so man die nonn glocken nent, spricht: wer zalts, wer zalts, wer zalts, zuletzt leut man die grosz sturmglocken, die brummt: baurn, baurn, baurn [[undefined:etc]]. Franck sprichw. 2, 50ᵃ.
5)
in anderer übertragung, rednerischer umschweif oder redewendung: auf diesen rednerischen schwung und schwank brauchen wir nur so viel zu erwidern. Göthe 54, 128.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2243, Z. 11.

schwank, adj.

schwank, adj.
schwankend, sich hin und her bewegend, dünn und biegsam, schlank. ableitung zu schwingen, vgl. dieses und schwang. dem deutschen schwank steht altn. swangr (schlank, dünn, hungrig) gegenüber mit demselben wechsel zwischen g und k, wie ihn auch das substantiv zeigt. die ältern westgerman. dialecte haben zumeist weiterbildungen, so ags. swancor, dem im deutschen (das zweite) schwanger entspricht, s. das.; ferner mhd. swankel, s. schwankel. — schwank findet sich seit dem 13. jahrh., mhd. swanc Lexer handwb. 2, 1335; mnd. zwank (nur einmal belegt) Schiller-Lübben 4, 484ᵇ; vgl. J. Grimm kl. schr. 6, 329. Kluge⁵ 340ᵇ. Weigand 2, 660. nhd. schwanck, dünn, o. maigre, graisle, menu Hulsius 291ᵇ; schwank, zehe, lentus, lenta salix, schwank machen und dehnen, lentare Schottel 1411; schwank, dünn, schwach, macer, exilis, maigre, mincelet 1412; schwanck, schwank, adj. [da schwingen] gracile, pieghevole, flessibile, flessile, sottile v. rahn. Kramer dict. 2, 695ᵇ; schwanck machen, schwanck werden. ebenda; ran, adj. procerus, agilis, macer, gracilis, alias lang et schwank. Stieler 1505; schwank, adj. macer, exilis, tener, subtilis, aptus ad vibrationem 1986; gracilis, agilis, mobilis Wachter 1482; lentus, flexilis, quod facile flectitur Frisch 2, 241ᶜ; vereinzelt im ältern nhd. auch mit g geschrieben: subtilis, dünn, subtil, schwang, mager. Alb. Qq 1ᵇ. neben schwank auch die form geschwank, s. th. 4, 1, 3981. einige weitere belege:
Rosettgen, deine glieder,
das kurtz-geschwancke schwan-gefieder,
kränckt meinen muth.
Wiedemann gefangenschaft, juni 53;
schätzgen die geschwancken glieder
sind die hoffstatt junger zeit.
61;
und dennoch schaffet uns das glück geschwancke flügel.
december 80.
ebenso steht geschlank neben schlank, s. theil 4, 1, 3902 f. und theil 9, 476. — in neuern mundarten: bair. schwank Schm. 2, 640, thür. schwank biegsam, emporstrebend (ä schwanker torm) Jecht 101ᵇ, am Harz schwunk Hertel sprachschatz 226; nd. swank, dazu Swanckenbast, langer, hagerer mensch Richey 301. Schütze 4, 232 (in Osnabrück unbekannt Strodtmann 382ᵃ), swank Schambach 220ᵃ, westf. swanke elastisch, gewandt, hurtig, als adv. schnell Woeste 264ᵇ. vgl. auch Schm. a. a. o.
1)
zunächst von dünnen, biegsamen pflanzen oder pflanzentheilen, laxus Nemnich, schwanker stamm, der sich leicht im bogen biegen läszt Jacobsson 7, 285ᵃ; lentus, adj. zehe, schwanck, ut: lenta salix. Corvinus fons lat. 357ᵇ; vimen, allerley schwancke reiser, damit man bindet, weidenband. 731ᵃ; eine schwancke weide, schwanckes rohr, salice pieghevole, canna flessibile, pieghevole ad ogni vento. Kramer dict. 2, 695ᶜ; eine schwanke weide, lenta salix Stieler 1986. Steinbach 2, 533; eine schwanke rute, lenta virga Frisch 2, 241ᶜ; der weiden - baum gibet schwancke reiser(bänder) aus derer zusammenflechtung die korbe und hürden werden. Comenius sprachenthür 114; der mann geht ins holtz und sucht schwancke ruthen, darnach setzen wir uns zusammen, und flechten körbgen. Weise kl. leute 149;
men bant ene umme eine sûle vaste
unde geiselde ene mit haste,
dat ût sîneme lîve mannich revêr untsprank
sô blôdichlik van der rôden swank.
van d. holte des hill. cruzes 718
mit schwanker gert' ein schlag davor
zersprengte schlosz und riegel.
Bürger 15ᵃ (Lenore);
schütz' euch gott, ihr reiser schwank!
mögen unter euren kronen,
rauscht ihr einst den wald entlang,
gottesfurcht und freiheit wohnen!
Geibel 2, 44;
schwanker stab, stecken: sie (die kamele) sind ihre last auff sich zu nehmen willig, wenn man nur mit einem schwancken stecken ein wenig die kniehe an den forder beinen berühret. Olearius pers. reisebeschr. 300ᵇ; er .. hielt einen schwanken stab in der hand. Stolberg 14, 89. — schwanker ast, zweig: der paum (die birke) .. hât vil swanker ästel, dâ man pesem auʒ macht. Megenberg 331, 13; ausz der wurtzel kommen schwancke ästlein, so sich auff der erden auszbreiten. Tabernaemontanus 1208 E;
man sol im einen stecken geben,
dâ mit er were sîn leben,
noch ze grôʒ noch ze swanc.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 20440;
die zweiglein schwank
zum vogelsang
sich auf, sich nieder neigen.
Spee trutzn. 27 Balke (8, 45);
die ästlein schlecht,
schwank und gerecht.
wunderh. 1, 162 Boxberger;
wo Philomel' auf schwanken zweigen scherzt.
Haller ged. 4;
die schwanken äste beben.
Uz 271 Sauer;
mir gilt 's gleich, wenn Tulifäntchen
ewig sitzen bleibt im walde
und am schwanken binsenaste
schwertlein, schildelein verrostet.
Immermann 12, 69 Hempel (Tulif. 2, 5);
ihr vögel in den zweigen schwank.
Platen 19ᵇ.
so auch:
nur noch der hauch verliebter weste
belebt das schwanke laub der äste.
Haller ged. 86;
da indessen unedlere heerden geschwätziger gänse
sich, unwillig schnatternd, von einem mädchen beherrscht sehn,
welches das schwanke zepter von weiden gebietherisch schüttelt.
Zachariä tagesz. 15;
(ich) brach mir schwaches gesprosz vom biegsamen weidig.
Voss Od. 10, 166.
seltener von ganzen bäumen: buchenhaine von freudigerm anblick, die schwanke birke und das niedere namenlose gesträuch. Göthe 58, 87; ein schwankes, schlankes weidenstämmchen. Vischer auch einer 1, 350; adverbial:
wo die cypresse schwank sich regt.
Göthe 11, 338.
sonst von langen, dünnen, biegsamen oder elastischen gegenständen: ein langes schwankes eisernes winkelmasz. 21, 6;
die er offt ritterlich geführet,
die schwanke glän'.
Birken ostländ. lorbeerh. 374.
so auch hohe, schwanke pfeiler, obelisci Stieler 123.
2)
übertragen auf die menschliche gestalt, schlank, schmächtig: ein schwancker leib, corpo sottile, gracile, agile Kramer dict. 2, 695ᶜ; schwanke jungfer, juncea virgo Stieler 1986; dat ein vrowe zwank (die heil. Elisabeth) hadde tu hope lesen alzo vele doghede. quelle bei Schiller - Lübben 4, 484ᵇ; Silly, der so lang und schwank ist. Klinger theater 2, 282; das ist ein kerl, wie der, den ich suche! schwank, feurige augen. Göthe 57, 187; meine schwancke person hätt es (das felsstück) gleich niedergedrückt, und mit der völligen last gequetscht. briefe 3, 197 Weim. ausg. (9. dec. 1772 an frau v. Stein); indem ich die augen öffnete, sah ich ihre schwanke gestalt im zimmer auf- und abgehen. Bettina briefe 1, 86; der eine war ihr zu dick, 'das weinfasz!' sprach sie. der andere zu lang, 'lang und schwank hat keinen gang'. Grimm märchen 202;
alse ein gerte ran unt swanc.
Albrecht v. Halberstadt 32, 246;
(Karl war) en mytten wael zo maessen swanck.
Karlmeinet 22, 46;
(er war) weder ze kurz noch ze lanc,
noch ze dick noch ze swanc.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 591;
des (brunnen) kraft was unmâʒen grôʒ,
wann er geaʒ und sîn getranc
sô wart er rinc unde swanc.
6735;
zu baiden seiten ist sy langk,
in der mitt ist sy schwanck.
Hätzlerin 1, 59, 18.
seltener von thieren, meist in etwas abweichender bedeutung: ein schwanckes pferd, un cavallo sottile si, mà leggiero alla mano ed ubbidiante. Kramer diction. 2, 695ᶜ; schwankes pferd, non solum est equus macie corruptus, atque tener, sed et volucer, levis, fugax Stieler 1986;
auch du so schwankes federvieh.
Spee trutzn. 104 Balke (24, 53).
von einzelnen gliedern und körpertheilen: schwancke beine, pedes graciles Steinbach 2, 533; beim affen (sind die knochen ulna und radius) lang und schwank, wie denn dessen knochen überhaupt als verhältniszmäszig zu lang und zu schmal angesehen werden können. Göthe 55, 308;
sîn ôren wârin im vil lanc,
daʒ houbet mager unde swanc.
(Lampreht) Vorauer Alex. 246 (Straszb. handschr. 285 dafür slanc);
da du, mit deinen schwancken armen beyd
dich herter hetst an mich gehenget.
anm. weiszh. lustg. 649;
und ihres (der schlangen) halses schwanke säule nickt
hoch über seiner (Laokoons) scheitel in den lüften.
Schiller 6, 357 (zerstörung Trojas 37).
3)
eine andre entfaltung der bedeutung hält den begriff der bewegung fest; von gegenständen, die in einer schwankenden, hin und her gehenden bewegung sind, so mhd. vom winde:
doch quam ein wint sô swankir,
den man si sach druckin
unz hin an dî bruckin.
Nicol. v. Jeroschin 11722;
von wolken:
suchest du ein firmament, wo in schwanken wolken
schöpfungsbilder stehn und gehn?
Rückert ges. ged. 2, 439;
besonders aber von wellen:
siehst auf und ab lichtgrüne schwanke wellen.
Göthe 41, 62 (Faust II, 1),
es irrt durch schwanke wasserhügel,
im weiten, wildbewegten meer,
ein schmetterling mit mattem flügel,
und todesängstlich hin und her.
Lenau 2, 93 Koch (Faust 1);
ich bin die schwanke woge,
die fern an felsen schlägt.
Ludwig 1, 36;
in ihre tiefen stürzte brausend sich die see,
und liesz ob ihren wundern allen
den blauen schleier auf der schwanken höh,
den schaumesperlgestickten, wallen.
Tit. Ulrich bei Stern dichtung 439ᵃ.
daher übertragen:
und in schwanken silberwellen
wogt die saat der ernte zu.
Göthe 41, 5 (Faust II, 1).
von gegenständen, die auf dem wasser treiben:
einst trägt die fluth
ihn auf des schiffbruchs schwankem scheiterbrett!
Stolberg 14, 45;
traulich forschend nach dem fange,
springt sie in den schwanken kahn.
Kind ged. 3, 72;
'ha', spricht sie, 'fahre wohl, auf schwankem kiel!'
Uhland ged. (1864) 433;
durch eines finstern berges eingeweid'
risz ihn auf schwankem flosz ein wilder strom.
Ernst von Schwaben 3.
im bilde:
ich fuhr auf schwankem kahne,
mit ungewissem sinn,
im lebensozeane
geworfen her und hin.
Rückert (1882) 1, 470 (liebesfrühl. 3, 44).
von andern gegenständen, schwankend (vgl. 1): das war der schwindel, des schieferdeckers ärgster, tückischster feind, wenn er ihn plötzlich zwischen himmel und erde auf der schwanken leiter faszt! Ludwig 1, 351;
und hier auf diesem brett, das schwank und schwach,
soll ich an's ufer?
Grillparzer⁴ 8, 185 (jüdin von Tol. 3);
so im bilde:
er (der sänger) hebt es (das herz) staunend himmelwärts,
und wiegt es zwischen ernst und spiele
auf schwanker leiter der gefühle.
Schiller 11, 15;
dem schwanken zünglein lauschend wachte Cäsar dort!
Göthe 41, 113 (class. Walpurgisn.);
nicht mehr zum lustschlosz umgelogen,
scheint mir die erde, was sie ist:
ein schwankes zelt, das wir bezogen
— gott habe dank! — auf kurze frist.
Lenau 1, 61 Koch (unmut).
von gebäuden, wankend, einsturz drohend, im bilde:
über dir mag auch Fortuna gaukeln ...
menschen bald auf schwanken tronen schaukeln.
Schiller 1, 181;
filosofen — könige — matronen ...
deren tugend wankt auf schwanken tronen.
186;
o mein gemahl! sie bauen immer, bauen
bis in die wolken, bauen fort und fort
und denken nicht dran, dasz der schmale grund
das schwindelnd schwanke werk nicht tragen kann.
12, 280 (Wallensteins tod 3, 4).
in poetischer übertreibung von der erde:
von rosseshuf ward die erde schwank.
Rückert Firdosi 1, 59;
die erde ward schwank wie ein schiff auf der flut.
378.
4)
von lebenden wesen, so vom betrunkenen mit hinblick auf seinen schwankenden gang:
und vor und hinter ihm die kinderschar
umdrängt' ihn, wie ein klein-bacchantenchor,
draus ragte schwank der selige empor.
Keller 9, 110.
ähnlich: es (das böcklein) stand schwank auf den füszen. Vischer auch einer 1, 336. von der hand, zitternd oder unsicher zufassend, fehlgehend:
das hat nicht mein sohn gethan!
tiefverhüllte, finstre mächte
lenkten seine schwanke rechte!
Grillparzer⁴ 3, 107 (ahnfrau 4);
sie (die mutter) legte auf des sarges wappenschild
mit schwanker hand die jungfräuliche myrte.
Geibel 1, 179.
auch die bewegung selbst wird schwank genannt, schwanker gang:
als Rudello, schwanken ganges,
eben das gestad betreten.
Uhland ged. (1864) 269;
so trat ich in den hohen dom
mit schwankem schritt und freudgem zagen.
399;
im bilde:
und mit also schwankem gang,
mit so ärmlich halbem muthe
wolltest du der herrschaft sprossen ...
du erklimmen macht und rang?
Grillparzer⁴ 6, 215 (traum ein leben 4).
von andern bewegungen:
es (das pferd) hube sich in schwanken sprüngen,
schlank als ein wurm.
Birken ostländ. lorbeerh. 375;
im ritt führt' er den hieb so schwank,
der wackre Türk' aus dem sattel sank.
Rückert Firdosi 3, 124.
so auch:
in meeresfrische
glatt behagen sich die fische,
schwanken lebens ohne leid.
Göthe 41, 159 (Faust II, 2).
von der stimme:
er ihm singlet süsze reimen
mit gar süszem stimmlein schwank.
Spee trutzn. s. 168 Balke (39, 86).
5)
auf geistiges oder unkörperliches bezogen.
a)
gern von traumerscheinungen:
denn nur in geheimen nächten
nahte sie dem sänger leise,
selbst den boden nie berührend,
spurlos, schwank, in traumesweise.
Uhland ged. (1864) 267 (Rudello).
in ähnlichem sinne: von der seele aber, die in der reihenfolge des werdens ihr ohne aufenthalt entschlüpft, war ein teil in der tochter wieder zum vorschein gekommen, freilich so schwank, still und elementarisch, wie das leibliche, in dem sie wohnte. Keller 2, 171.
b)
schwanke vorstellungen, unsichere, flieszende, haltlose: der mahler, der nach der beschreibung eines Thomsons eine schöne landschaft darstellet, hat mehr gethan, als der sie gerade von der natur copiret ... dieser macht aus lebhaften sinnlichen eindrücken etwas schönes; jener aus schwanken und schwachen vorstellungen willkührlicher zeichen. Lessing 6, 447; und sie wollen doch wohl nicht behaupten, dasz unter verblümten, bilderreichen worten nothwendig ein schwanker, schiefer sinn liegen musz? 10, 174;
ein eitles echo schwanker theorie.
Platen 226ᵇ (treue um treue prolog);
wie fügte sich der ewig schwanke,
nie fest zu haltende gedanke?
Lenau 2, 129 Koch (Faust, lekt.).
c)
von empfindungen:
das unstät schwanke sehnen war gebunden.
Schiller braut von Messina 1, 7;
denn, knabe, wie wir uns auch preisen mögen,
sind unsre neigungen doch wankelmüth'ger,
unsichrer, schwanker, leichter hin und her,
als die der frau'n.
Shakespeare was ihr wollt 2, 4;
und hingerissen sind sie wie im sturm ...
zu einer that, die kein besinnen ungethan
mehr machen kann und schwanker reu
den weg abschneidet, je zurückzukehren.
Ludwig 3, 341.
d)
selten von einem menschen in dem sinne 'schwankend, wankend in seinem entschlusse':
nie macht in seiner pflicht ihn furcht und hoffnung schwank.
Wieland 9, 258 (leben ein traum 8).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2246, Z. 15.

schwanken, verb.

schwanken, verb.
hin und her schwingen, wanken, taumeln. junge ableitung zu dem adj. schwank. mhd. swanken (nicht alt) Lexer handwb. 2, 1336 f., nl. swancken librare, vibrare, quatere: et vacillare, titubare, fluctuare, labare Kilian, jetzt zwanken geschrieben. mundartlich in der Schweiz schwanke (wenig gebräuchlich) Hunziker 234, bair. schwanken Schm. 2, 640, nd. swanken ten Doornkaat Koolman 3, 371ᵇ, daneben swunken Danneil 219ᵇ. neben schwanken steht schwenken. jetzt werden beide so unterschieden, dasz schwanken durchweg intransitiv, schwenken transitiv gebraucht wird, der gewöhnlichen bedeutung dieser ableitungen (*swankôn und *swankjan) gemäsz. in der ältern sprache ist dieser unterschied nicht so durchgehend. namentlich wird auch schwanken sehr oft transitiv gebraucht, s. u. 2. seltener ist intransitives schwenken (s. das.) bez. schwänken, z. b.: und als Doon für fuor, gab er im mit sinem kallen uff den schilt ein so hertten streich, das er sich darab duckt. do im Morgant gsach schwäncken (wanken), erwuscht er in by den armen und warff inn usz dem sattel. Morgant 62, 5 Bachmann; (d. fuchs) legt sich auff die erd gleich als were er todt, sein augen verkert er, liesz die lefftzen hangen, den hals schwencken. Franck sprichw. 1, 101ᵃ;
sie aber war an ehren stät
gar lang, bisz er mit grossen schencken
doch endtlichen jr ehr macht schwencken.
H. Sachs 1, 151ᵃ.
vgl. auch Weigand 2, 660.
1)
gewöhnlich intransitiv: vacillare .. wancken, swancken. Diefenb. gloss. 604ᵇ (voc. v. 1440); schwancken mit den füssen, talpedere, vacillare Dasyp.; schwancken, wancken, wanckelen, vaciller, brasler çà et là, ballancer Hulsius 292ᵇ; schwanken, wankelen, fluctuare, vibrare .. titubare Schottel 1412; vibrare, fluctuare, vacillare, titubare, et nonnunquam claudicare, ac languere flaccereque Stieler 1985, nutare Wachter 1483.
a)
eigentlich, sich hin und her bewegen, von zweigen, bäumen u. ä.: auf einen hintergrund von schwankenden baumzweigen. Göthe 26, 35; die trauben sind zeitig und beschweren die ranken, die lang und schwankend niederhängen. 27, 77;
ach linde, grüne linde,
wie schwankst du froh im winde.
Ludwig 1, 37;
im bilde: hinaus schwindelnd ins grab des verderbens auf des lasters schwankendem rohr. Schiller räuber 3, 2 schausp.; anderes: die grossen hüte schwankten auf ihren köpfen, wie auf zaunstecken. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 32; die schwankenden federn des hutes schienen hinüber zu grüssen. Hauff bettlerin 37;
zehntausend leichte gondeln fahren jetzt
geschäftig unter ihren brücken durch,
und maste schwanken um sie her!
Platen 310ᵇ (lig. von Cambr. 3).
(lauf der) flinte schwankt, wenn der schütze unsicher ist: eine minute lang blieb der lauf meiner flinte ungewisz zwischen dem menschen und dem hirsch mitten inne schwanken. Schiller 4, 71; der wagen schwankt, neigt sich beim fahren bald auf diese, bald auf jene seite:
schwer herein
schwankt der wagen.
11, 315.
b)
sich auf und nieder bewegen, von gegenständen, die auf dem wasser treiben: der kahn schwankt und gleitet eine strecke vorwärts. Göthe 17, 360; sprang ich plötzlich auf, und trappelte so, dasz der kahn heftig schwankte. Bettine briefe 2, 77;
da rauscht der kahn durch hangende gesträuche, ...
schwankt jetzt hervor, tanzt wieder auf dem teiche.
Hölty 168 Halm;
er stöszt schon ab. gott helf dir, braver schwimmer!
sieh, wie das schifflein auf den wellen schwankt!
Schiller Tell 1, 1;
nie hat dies schiff im sturme so geschwanket
wie unser häuschen, wenn mein weib gezanket.
Uhland ged. (1864) 432.
im bilde:
mir gefällt ein lebendiges leben,
mir ein ewiges schwanken und schwingen und schweben
auf der steigenden, fallenden welle des glücks.
Schiller braut von Messina 1, 7.
ähnlich bildlich: wo ich die jugend lebte, gepflegt von meinem alten ritter Horst, der nun in grabes sicherheit, da wir im ärger dieser welt noch schwanken. Arnim 5, 55;
es will mir Schlesien wohl, und Polen schwankt,
wie sturmgepeitscht ein schiff, in meinen hafen.
Grillparzer⁴ 5, 33 (könig Ottokar 1).
c)
ähnlich von leitern, brücken u. s. w.: dasz ich zwar herzhaft die strickleiter ergriff, aber nach dem ersten tritte auf dieser schwankenden stiege alle mühe hatte, mich bey muth zu erhalten. Thümmel reise 7, 109; im bilde:
dieses zittern seiner saiten
ist das schwanken einer brücke,
drauf zurück zum erdenglücke
sehnsuchtsvoll die geister schreiten.
Lenau 2, 69 Koch (Mischka).
von den schalen einer wage, im bilde: dasz er den harfner nicht zu verstoszen brauche, war kein kleines gewicht auf der wagschale, und doch schwankte sie noch hin und wieder, als er seine freundin Aurelie gewohnterweise zu besuchen ging. Göthe 19, 128; die schalen für Ferdel und Wastel schwankten beständig. Anzengruber³ 4, 96 (sie war unschlüssig, welchen sie wählen sollte).
d)
mauern, wände, gebäude schwanken, als vorbote des drohenden einsturzes: ein schwankendes gebäude braucht des erdbebens nicht, um über'n haufen zu fallen. Schiller 2, 63 (räuber 2, 1 schauspiel);
sieh doch bruder! siehst du nicht,
wie die lockern wände schwanken?
Lessing 1, 80.
vergl. auch:
und es bebt' und wippt' und wiegte,
und es schwankt' und schwappt' und schwaumelt',
und es kreischt', es risz, zersplisz,
ritz an ritz, die mauer rings!
Immermann 12, 80 (Tulif. 2, 6).
so auch: alle männlichen mitglieder .. stemmen mit äuszerster kraft der schultern an eine seite des pfeilers, .. sie drücken und drücken, und siehe, er schwankt! er schwankt nicht nur, sondern er dreht sich auch. Vischer auch einer 1, 199, vgl. s. 274. f; starke thürme schwanken, wenn man läutet, gerade beweis ihrer festigkeit. 2, 136; ähnlich von einem baume:
ein fruchtbarer baum, der hoch wuchs empor,
wenn ihm nun steht das verderben bevor,
die blätter welken, die wurzel krankt,
der wipfel nieder zu boden schwankt.
Rückert Firdosi 1, 312.
e)
das licht, sonnenstrahlen schwanken durch die baumstämme u. ähnliches:
und mit schwankenden lichtern, durch's laub, überblickte der mond sie.
Göthe 40, 320.
vergl.: die einzelnen rothweiszen häuser schwankten durch die besonnten baumstämme. J. Paul flegelj. 1, 54. — augen schwanken, blicken hin und her:
auch hab man wol acht der fünff sinn
und meid all bösz gedancken ...
lasz die augen nicht schwancken.
Ayrer 2130, 17 Keller;
das mägdlein sprach: 'steig ab, steig ab!'
ihre äuglein schwankten auf und ab.
wunderhorn 2, 140 Boxberger.
f)
von menschen, mit bezug auf den gang, taumeln, wie betrunkene, kraftlose u. s. w.: schwancken, nit wol auff den füssen mögen geston, als die truncknen und kranck(n)en, titubare, incerto pede ferri, vacillare. anfahen schwancken, wöllen fallen, zum faal gericht sein, zum faal sencken, labascere. niderfallen oder schwancken. von trunckenheit schwancken. Maaler 366ᵃ; hin und wieder schwanken, lapsare. er schwanket hin und wieder vom trunke. Stieler 1985; schwanken, unbeständig gehen, zittern, sich mit mühe auf den füssen halten, titubare Frisch 2, 242ᵃ; in deinem thun so wenig zuverläszig .., als ein schwankendes kind in seinen schritten zuverläszig ist. Pestalozzi 3, 222; sie fühlt nicht, dasz ihr herz pocht, dasz ihre füsze schwanken. Göthe 17, 360; auf dem linken arme das kind, in der linken hand das buch, in der rechten das ruder, schwankt auch sie und fällt in den kahn. ebenda;
ainer swankt hin der ander her wider,
etzlicher viel da nider,
den der win uberwant.
Laszberg lieders. 3, 405, 253;
hier schwank ich unter der geliebten last.
Ramler bei Campe 5, 190ᵃ (s. v. unter).
schwankend gehen: sie ging schwankend, auf den arm des jungen mannes gestützt. W. Hauff bettlerin 37. manchmal steht auch schwanken für 'schwankend gehen', sodasz der begriff der fortbewegung mehr hervortritt, so mit angabe der richtung durch ortsadverbien oder präpositionelle wendungen: vor, zurück, hin und her schwanken u. a. m., auch als éin wort geschrieben, s. daselbst:
die amme schwankt an ihren stuhl zurücke.
Wieland 22, 196 (Ober. 5, 10);
sie fliegt dem lager zu, wo er
an ihrer seite lag, und, wie vom blitz getroffen,
schwankt sie zurück — der knab' ist weg.
23, 151 (Ober. 9, 47);
ihr seht uns an mit schelem blick,
ihr schwanket vor, ihr schwankt zurück.
Göthe 4, 351;
aus grönländischem eispalast
schwankt der Winter hervor, zacken und reif im bart.
Voss 3, 6;
wer mit düstern rükgesunknem blike ...
schwankt dem stummgetragnen sarge nach?
Schiller 1, 106;
nur so lange sind die reize
gültig mir von diesen schlanken,
als ich meine zeder sehe
zierlich mir entgegenschwanken.
Platen 156ᵇ;
ich nahte ihr, da stiesz
sie mich zurück und schwankte aus der thür.
Hebbel² 1, 125 (Genov. 3, 8);
dann schwankte er zum fenster.
21 (Jud. 2);
so auch: meine schritte taumelten und schwankten, als wäre ich betrunken. Vischer auch einer 1, 72;
schwer und dumpfig
eine wetterwolke
durch die grüne ebne schwankt der marsch.
Schiller 1, 231.
von thieren:
hier flieht ein leichtes reh, es schwankt und sinket dort.
Haller ged. 32.
vom fluge eines vogels: schwanke hin, beredsamer vogel, sprach sie, von baum zu baum. Musäus volksm. 1, 15 Hempel. vom schweben eines geistes:
still sieht man den junker wallen,
schwankend, wie ein geist.
Kind 2, 116.
ähnlich:
ihr naht euch wieder, schwankende gestalten!
Göthe 12, 5.
g)
sehr gewöhnlich in übertragenem gebrauche mit vielfachen nuancierungen; so vom menschen, unschlüssig, wankelmütig sein, in seinen entschlieszungen, gesinnungen, urtheilen von einer seite zur andern übergehen, sich nicht gleich bleiben: schwancken, hin unnd wider getriben unnd bewegt werden, fluctuare. in zweyfel sein, nutare in aliqua re. das gemüt schwancket unnd ist unstät, unnd weiszt nit was es thuͦn sol, fluctuat animus. Maaler 366ᵃ; schwanckende, zweyfflende, das nit weiszt was es thuͦn sol, fluctuans. ebenda; schwanken, etiam dubitare notat, et animô distrahi Stieler 1985; demnach da sie in nicht gar bekehreten, doch biegen und schwancken machten, also, dasz er zuͦletst fast alles zuͦgab. Kirchhof wendunm. 1, 579 Österley (1, 2, 117); dann solt ich an meinem aller liebsten herren unnd gemahel brichig worden sein, an dem doch meine gedancken nye geschwancket handt. Galmy 96ᵇ; der charakter sey liebe, so kann er zwischen göttlicher aufopferung und menschlicher erschlaffung ab- und zuschwanken. J. Paul vorsch. d. ästh. 2, 82; dasz ich in meiner überzeugung schwankend werden soll, und nicht einsehen, von wem dieses mein unglück herrührt. Tieck don Quixote⁵ 1, 451 (5, 7); so schwankte mir denken und gefühl hin und her. Vischer auch einer 2, 5;
der dorffschultheisz in worten schwanckt.
Kirchhof wendunm. 1, 329 Österley (1, 284);
du verklagest das weib, sie schwanke von einem zum andern!
tadle sie nicht: sie sucht einen beständigen mann.
Göthe 2, 135;
und dieser herzog, der sein lebenlang
geschwankt hat zwischen bös und gut, kann nicht
von herzen hassen noch von herzen lieben.
Schiller jungfrau von Orl. 2, 2;
was sinnest du und schwankest, meine tochter,
in zweifelnden gedanken hin und her?
Turandot 4, 6;
denn dem kann nichts gelingen,
der nicht mit seinem glücke wagt den krieg,
der hin und wieder schwankt,
indessen jeder sinn an trägheit krankt.
Tieck don Quixote⁵ 1, 403 (5, 2).
das schwankende, substantiviert:
ich macht' es zum gesetze mir, zur pflicht.
allein ein vorfall, der mich nah berührt,
hat wieder mich in's schwankende geführt.
Platen 217ᵇ.
in etwas anderm sinne: langes hoffen machet das herz schwanken, exspectatio languorem affert animis Stieler 1985.
h)
in andern verbindungen, von der gesinnung u. ähnlichem: meine schwankende denkungsart ... ärgert mich dermalen nicht im geringsten. Thümmel reise 5, 325;
denn der mensch, der zur schwankenden zeit auch schwankend gesinnt ist,
der vermehret das übel.
Göthe 40, 337.
von tugenden: nur mit ... schielenden, schwankenden halbtugenden verstattet man aufzutreten. Klinger 11, 11. sinne, gedanken schwanken:
und auf den lüften schwanken
aus manchem treuen sinn
viel tausend liebesgedanken
über die schläfer hin.
Geibel 1, 12;
als wie im traume schwanken
trunken die sinne mir.
66;
ähnlich:
ich fühl' es so durch's haupt mir schwanken,
dasz ich das bild, das helle,
das ich von dir trag' im gedanken,
oft finde kaum zur stelle.
Rückert (1882) 1, 442 (liebesfrühl. 2, 53).
schwankende begriffe u. ä.: dasz die natur .. doch schlechterdings kein bestimmtes allgemeines und festes gesetz annehmen könnte, um mit diesem schwankenden begriff (der glückseligkeit) .. übereinzustimmen. Kant 7, 311;
ihr fürchtet nur .. ihr gebt mir schwankende
vermuthungen.
Schiller dom Karlos 3, 6.
anderes: meine schwankende gesundheit. Grillparzer⁴ 15, 81; zwischen monarchie und demokratie schwankte der staat hin und wieder, und gieng mit schnellem wechsel von einem extrem auf das andre über. Schiller 9, 144; ungewisz schwankte der sieg von einer seite zur andern. 324;
von der partheyen gunst und hasz verwirrt
schwankt sein charakterbild in der geschichte.
12, 9 (Wallenstein, prolog);
besser im stillen reift er (der jüngling) zur that oft, als im geräusche
wilden schwankenden lebens.
Göthe 40, 270;
denn ein wanderndes mädchen ist immer von schwankendem rufe.
309.
reden, gespräch, nachrichten schwanken, wechseln oder gehen von einem zum andern: panischer allarm, leere siegesbotschaften schwanken durch einander. Göthe 6, 200; bald gehen die meinungen gleichen schrittes, bald durchkreuzen sie sich, das gespräch schwankt so lange hin und her, kehrt so lange in sich selbst zurück, bis der kreis durchlaufen und vollendet ist. 36, 211;
reden schwanken so leicht herüber hinüber, wenn viele
sprechen und jeder nur sich im eigenen worte, sogar auch
nur sich selbst im worte vernimmt, das der andere sagte.
1, 336.
so auch: es ist sonderbar, dasz diese halbheit sich auch bisz auf die sprache des genannten dichters (Geszner) erstreckt, die zwischen poesie und prosa unentschieden schwankt. Schiller 10, 488.
i)
unpersönliche wendungen: es schwanket sehr mit ihme, satis se pigre movet Stieler 1985; so auch in folgender stelle (?):
in der sach da wull mi (var. will mis) schwanken.
fastn. sp. 830, 24.
Lexer handwb. 2, 1337 liest wil mirs schwanken und erklärt 'nicht von statten gehen, nicht glücken'.
k)
unklar ist die bedeutung von schwanken in folgender stelle: wein, bier und andere schwankende (flüssige?, vgl. b) waaren. quelle bei Birlinger 405ᵃ.
l)
der infinitiv erscheint nicht selten substantiviert, eigentlich vom gange (s. f), taumeln, schwindel: das hin unnd här schwancken, vacillatio Maaler 366ᵃ; (heckenrosenwasser ist gut) für den schwindel und schwancken des gangs. Lonicerus kräuterb. 61 B; da faszte sie plötzlicher schwindel, den gehobenen arm liesz einer sinken — ein schwanken — ein schrei, er stürzte herab. Scheffel Ekkehard 195. übertragen (s. g): ist ihm ein lied ehrenvoll gelungen, so wird auch das zweite und dritte nicht ausbleiben, aus dem schwanken zwischen furcht und hoffnung die volle freiheit des schaffens werden. Keller nachl. 62; es handelt sich um deine ehre, und jeder augenblick schwanken in dir wäre ein unrecht. Freytag dram. 2, 27 (journalisten 1, 2);
naht euch, traumgedanken,
tröstet diesen mann!
sagt ihm ohne schwanken,
was er will und kann!
Immermann 19, 221 Hempet, vgl. s. 223.
2)
transitiv: vibrare .. swancken (vel vas cum liquore) Dief. gloss. 617ᵇ (zu b?); motitare, vide schwenken Wachter 1483; so besonders in der ältern sprache, mhd. häufiger als intransitiv, auch im 16.—17. jahrh. noch häufig. seitdem ausgestorben (nur noch poetisch, s. c), bez. durch schwenken ersetzt. die perfectform schwankte kann auch zu schwenken bezogen werden, s. daselbst.
a)
eigentlich etwas hin und her bewegen, in schwingende bewegung versetzen, schwenken, schwingen, so von gliedmaszen:
ich sehe gerne, wie sie in gedrenge
mit den swerten arm kunden swanken,
und ob liehte helme   von ir ecken rerten iht der vanken.
der jüngere Titurel 3309.
so noch: er (der verklärte leib) kan die finger nicht regen, die arm nicht auszstrecken ohn liebligkeit; er kan den odem nicht auszlassen, auch nicht einholen ohn liebligkeit: er kan die füsse nicht bewegen, die seiten schwancken ohn liebligkeit. J. M. Meyfart das himml. Jerusalem (1630) 2, 202. — waffen schwingen: der keyser zeihet das schwert ausz und schwanckets dreimal. Linck v. Colditz bapsts gepreng (1539) F 4ᵇ. ähnliches vereinzelt noch im 19. jahrh. (dichterisch): aber da sah ich ... dich lebensreichen Rhein, der unsren nachen so begeistert hinschwankt zu der heimath unsrer liebe. Arnim 1, s. xx;
bald klettert' es (das kind) in epheuranken
und liesz sich kühn vom winde schwanken.
Tieck 4, 139.
b)
besondere verwendung. gläser schwanken, durchs wasser ziehen, um sie zu reinigen, ausspülen, vgl. schwenken, schwankkessel und schwankwasser:
der faszhan (hat) teller auffgelegt ...
und der pirgrap die gülden schewerlein (becher)
geschwancket rein von dem haustewerlein.
H. Sachs 1, 425ᵈ;
lauff, pub, trag auff ein guten wein,
ein becher schwanck und schenck uns drein.
Tirolff Isaac u. Rebecca E 7;
dafür auch ausschwanken (intransitiv, s. theil 1, 964):
ey, geh fein nein und hol dir du
ein kandel und schwanck sie fein ausz!
Ayrer 2917, 32 Keller.
so auch den mund schwenken: (der 'rote stein') ist auch gut zum schorbock, den mund damit geschwänckt. Hohberg 1, 254ᵇ;
laszt uns ein weil die keln schwanken!
fastn. sp. 222, 28.
den beutel schwanken, umstürzen, leeren:
dasz triben sie da mit mir an
als lang, pis das mir gelts zuran,
und kunden mir meinn peutel schwanken.
757, 8.
c)
diese gebrauchsweise ist der neuern sprache fremd geworden, doch findet sich zuweilen transitive fügung in dichterisch freier verwendung der gewöhnlichen intransitiven bedeutung, so: die bewegten erlen schwanken ihm aus braunen wipfeln süszen hauch. Fr. Müller 2, 126; einen kahn zum schwanken bringen: (ich) trappelte so, dasz der kahn heftig schwankte ... ich schwankte weiter. 'haben sie ruh, es wird mir schwindlich'. — Westerhold wollte mich anrühren, aber da schwankte ich so, dasz er sich nicht vom platze getraute, der schiffer lachte und half schwanken. Bettina briefw. 2, 77.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2250, Z. 51.

schwänken, verb.

schwänken, verb.
vibrare, s. schwenken. — ein anderes schwänken findet sich zuweilen als denominativ zu schwank in der bedeutung 'spasz machen, im scherz reden': laszt mich auch ein wenig mit euch schwencken. Bebel facet. (1589) 53ᵃ (sinas et me tecum jocare); er habe mit dirnen und kindern unehrerbietig geschwänkt. hexenpr. bei Schöpf 657;
ich hab mit dir geredt von ferrn,
geschwenkt, jedoch unter der rosen.
H. Sachs 2, 1, 25ᵈ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2255, Z. 15.

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Zitationshilfe
„schwänken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%A4nken>, abgerufen am 29.07.2021.

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