Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schwänzel, n.

schwänzel, n.,
s. schwänzlein.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2265, Z. 65.

schwänzlein, schwänzel, n.n., m.

schwänzlein, schwänzel, n.,n. m.,
das erstere unzweifelhaft deminutiv zu schwanz, parva cauda Stieler 1954. Steinbach 2, 534. Frisch 2, 242ᵃ. Adelung ('oberdeutsch'), das zweite im allgemeinen gleichfalls, auszerdem aber, besonders als masc., wol eine unmittelbare ableitung von schwänzeln, schwänzen.
1)
mhd. swenzlîn, swenzel, schleppkleid, putzanzug Lexer mhd. handwb. 2, 1361 (vgl. schwanz 2, b), in einigen stellen vielleicht auch schleppe oder lang herabwallender schleier. J. Grimm in Haupts zeitschr. 8, 20 (kl. schriften 7, 292) (vgl. schwanz 2, a): und ob eʒ (das mädchen) halt sleht wolte sîn, sô hât eʒ sîn ane unde sîn muoter bêde lîhte in der hôchvart gewonheit brâht mit swenzeln, mit ermelehen unde mit scheppelehen. Berthold v. Regensburg 1, 416, 19;
ir krenzel,
ir swenzel,
diu wâren sô gemeit.
minnes. 1, 139ᵃ Hagen;
swâ si gât an dem tanze,
mit ir rôsenkranze,
dar obe ein ander krenzel,
ein wîʒ gevalden swenzel.
2, 86ᵃ;
ir sult iuwer swenzel
krispen, dierne guot.
290ᵇ;
Fillis diu liehte sunne gienc
in eine kemenâte hin,
und nam ein sîdîn swenzelîn
und leit' eʒ an ir zarten lîp,
daʒ süeʒe minneclîche wip
het einen pelz dar under.
gesammtabent. 1, 27, 230 Hagen;
zuck eben mir mîn swenzel,
daʒ eʒ obe der erden swebe
und der soum von touwe naʒ
den bluomen kleinen vride gebe.
Virginal 135, 10;
sô heiʒen wir die megedîn
legen an ir swenzelîn
durchrigen wol mit golde.
578, 2.
als masc. in der form swenzil, swanzil:
si treit (im himmel) der megde kranzil
den lîlien wîʒen swanzil
den si mit kiuschi erworben hât.
Hugo v. Langenstein Martina 5, 70;
eʒ was och niht diu minze
die der engil prinze
stahte an der megde krenzil
zestiure an ir swenzil
den er ir vor gegeben hât
âne snit und âne nât.
27, 24.
bildlich:
wîp, vliuch den glanzen sprenzel (geck).
der treit der hœne krenzel
in sînes herzen swenzel;
bringt er dich zuo dem tenzel
mit sîner list:
swenn er getanzet hât, du bist versmât.
Frauenlob 318, 12.
2)
im sinne von schwanz 2, c:
(zu einem hunde:) waczegl mit dem schwenczle dein.
H. Sachs fastn. sp. 7, 161, 485 neudr.;
dazu sind noch die haselmeusz,
mit jhren breiten schwentzlein greisz
gemustert wie die eichhörnlein.
Rollenhagen froschm. (1595) Oo 2ᵃ;
wenn ich ja übergnädig wär',
so holt' ich eine scharfe scher'
und schnitt' ihm (einem spatzen) ab die flügelein
sammt seinem kecken schwänzelein.
Bürger 20ᵇ;
nach er all (der schneider die teufel) gemessen hat,
nahm er sein lange scher
und stutzt den teufeln d' schwänzlein ab.
d. knaben wunderh. 2, 226 Boxberger;
kein teufel hat kein schwänzel mehr.
227.
3)
nach schwanz 2, d: ob aber die jüden für geben wolten, die Ismaeliten und Ebdomiten etc. hielten die beschneitung nicht so volkomenlich, als die jüden, welche uber das, das sie dem kneblin die vorhaut abschneiten, weiter das heutlin an seinem schwentzlin zurück auffreissen mit scharffen fingernegelin. Luther 8, 54ᵇ; darnach schürzt der mohel, das ist der beschneider, sein arm auff, nimpt des kinds schwäntzlin. Franck weltb. (1542) 153ᵃ; das sein schwäntzlin vornen glatzend und entplöszt bleib. ebenda.
4)
nach schwanz 2, f als bezeichnung eines fortsatzes am rückenstück eines mittelalterlichen turnierpanzers, worauf beim gesteche der rücktheil des stechzeugs am sattel aufruht. Böheim waffenk. 539 und in notenschwänzlein, s. dies th. 7, 904.
5)
als thier- und pflanzenname.
a)
der grünfink, loxia chloris heiszt auch schwanzel. Nemnich 2, 450. vgl. schwanschel und schwunz.
b)
schwänzel ist weiter der name einer fischgattung, hippurus Klein bei Campe und
c)
des sommerlolchs, schwindelhafers, lolium temulentum Nemnich 2, 436, der schwänzel (östr.) Popowitsch 335.
d)
vgl. auch rotschwänzlein, -schwänzel th. 8, 1314.
6)
schwänzel bergmännisch der untere, minderwerthige schlich des schoszgerinnes beim schlämmen der gepuchten erze Frisch 2, 242ᵃ. Jacobsson 4, 76ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2273, Z. 60.

schwänzeln, verb.

schwänzeln, verb.,
weiterbildung zu schwänzen, mhd. swenzeln, nur in transitiver anwendung bezeugt. Lexer mhd. handwb. 2, 1361, in neuerer zeit meist intransitiv, von Stieler 1954 und Kramer dict. 2 (1702), 698ᵃ als gleichbedeutend mit schwänzen bezeichnet, auch von Frisch 2, 242ᵃ, Adelung (nur vom hunde) und Campe gebucht. heute hat es schwänzen im intransitiven gebrauche völlig verdrängt. vgl. schmeicheln und schmeichen.
1)
intransitiv.
a)
sich drehend, geziert einhergehen, besonders von frauen, sodasz der rock eine schwenkende bewegung macht, ambulando ostentare se Stieler 1954, als thörichte stolze weiber, nates jactando inter eundum etiam vestes dependentes jactare ut caudam, fluctuatim ire Frisch 2, 242ᵇ (doch ist die unmittelbare beziehung zu schwanz, cauda erst später hineingetragen). Campe. Klein 2, 147 (Pfalz, Ansbach). Reinwald 1, 150. Schmidt 214. Stalder 2, 360. Schm.² 2, 643. Hertel thür. sprachsch. 224. Albrecht 209ᵃ. Jecht 101ᵇ. Kehrein 1, 171. Spiesz 229. Sartorius 114. 148: da kommt meister Friedrichs tochter .. wie sie sich herausgeputzt hat, wie sie schwänzelt. Salzmann anweisung zu einer unvernünftigen erziehung d. kinder (1788) 43; und nun machte er den gang seiner frau nach, kleine schritte, den kopf in der luft, er spielte mit dem fächer, er schwänzelte, es war die caricatur unserer kleinen coquetten, so neckisch und lächerlich als möglich. Göthe 36, 149; so schwänzelte und tänzelte sie mit angestrengter anmut herum. Keller 4, 97. freier, mit angabe der richtung: und, weil ich just in meinem beruf ausgeritten war, so machten sie (frau und tochter) sichs zu nutz, und schwänzelten auf den ball. Wagner kindermörderinn 26. in Leipzig wie 'viel herumlaufen' Albrecht 209ᵃ. die mecklenburgischen bezeichnungen swenzellisch, swenzelpeter, die auf unsolide lebensart gehen, nd. korrespondenzbl. 9, 84, schlieszen sich an solche anwendung an.
b)
mit unmittelbarer beziehung zu schwanz, cauda (s. dies 2, c) caudam agere, clementer, blande movere Stieler 1954, als ein hund, caudam agitando adulari Frisch 2, 242ᵃ, liebkosend mit dem schwanze wedeln Adelung. Sartorius 114. 148. Frommanns zeitschr. 3, 303 (Vorarlberg), nach Kramer dict. 2 (1702), 698ᵃ auch: den schwanz schleppen, schleifen. von der schwenkenden bewegung des schwimmenden fisches: er (gott) schwänzelt mit dem fisch in der tiefe des wassers und späht im auge des habichts, der in den lüften fliegt. Keller 6, 352. in dieser stelle wird das wort kaum auf den schwanz allein bezogen, und noch deutlicher tritt die beziehung auf den ganzen körper in der folgenden hervor: das (ziegen sind gemeint) springt, bockt, bäumt, stöszt, rennt um mich her, das schüttelt sich, rüttelt sich, tänzelt, schwänzelt, hänselt. Immermann 2, 74 (Münchh. 3, 9) Boxberger. solche anwendung schlieszt sich eng an a an und zeigt, dasz auch der gebrauch vom hunde zunächst wol auf die schwenkende bewegung des ganzen körpers geht.
c)
im anschlusz daran sagt man es (spöttlicher weise) von einem schmeichler, caudam jactare alicui, adulantium canum more Frisch 2, 242ᵇ, schmeicheln, schönthun Campe. Spiesz 229. die nahe beziehung zu b veranschaulicht der folgende beleg: die republicaner winseln und schwänzeln zu unsern füszen. Oppermann 100 jahre 4, 196. mit a vermittelt der nächste, wo ein gehen in der art des schmeichelnden hundes, zuthunlichkeit zu beweisen, gemeint ist: darum machte er Annen aus der ferne ein ganz saures gesicht, als ob er in ein essigfasz gerochen und schwänzelte dann wieder freundlich zu ihr, weil eben ein andrer mit ihr sprechen wollte. Arnim kronenw. 1, 241. schwänzeln geht überhaupt meist auf eine mit körperlicher schmiegsamkeit verbundene zuthunlichkeit, besonders die verbindung um einen her, herum schwänzeln: gelt, wie unser graf hier war, was er dir da so höflich um einen herschwänzelte und dir so freundlich und manierlich that. F. Müller 1, 276; schon in der schule sah man, welch früchtgen das geben würde! das schwänzelte um den lehrmeister herum und horchte und schmeichelte und wuszte sich fremdes verdienst zuzueignen, und seine eier in fremde nester zu legen. Schiller parasit 1, 2. ohne solche locale zusätze zeigt das wort diese sinnliche färbung aber auch weniger deutlich: (von Rosenkranz und Güldenstern) dieses leise auftreten, dieses schmiegen und biegen, diesz jasagen, streicheln und schmeicheln, diese behendigkeit, diesz schwenzeln, diese allheit und leerheit, diese rechtliche schurkerey, diese unfähigkeit, wie kann sie durch éinen menschen ausgedruckt werden? Göthe 19, 167, und zuweilen verschwindet sie ganz: die mutter war so neugierig den schwänzlenden brief ihrer durchlaucht zu lesen. Schubart bei Strausz Schubarts leben 2, 398. vgl. fuchsschwänzeln theil 4, 1, 1, 354.
2)
transitiv.
a)
in älterer sprache den flachs swenzeln, schwenken (vgl. 1, a), verhüllend für futuere:
swentz(e)l,
rentz(e)l
mir den flachs.
Osw. v. Wolkenstein 64, 3, 8.
b)
mhd. ûf swenzeln, aufputzen (vgl. schwanz 2, b): die (mädchen) zepfelnt sie unde swenzelnt sie ûf, sô sie dannoch kûme vier jâr alt sint. Berth. v. Regensburg 1, 416, 14.
c)
mit einem schwänzchen versehen. Campe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2266, Z. 13.

schwenzel

schwenzel,
s. schwänzel (6) und schwemmsel. — auch im sinne von 'schwindel'. Schm. 2, 643.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2538, Z. 73.

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Zitationshilfe
„schwänzeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%A4nzeln>, abgerufen am 23.07.2021.

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