Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geschwänzt, part. adj.

geschwänzt, part. adj.
mit einem schwanz versehen: geschwentzte affen. S. Frank weltb. 16ᵃ;
nicht häricht, nicht geschwäntzt (wie Pan).
A. Gryphius (1698) 1, 658;
ein heidnisches
geschwänztes ungeheuer.
Platen 298;
ein schwarm geschwänzter gäste (katzen).
Lichtwer fab. 1, 21;
diese (frauen) führt, als stolz geschwänzte pfauen,
sie (Fortuna) auf bäll' und assembleen aus.
Bürger 57ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1893), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3981, Z. 49.

schwanz, m.

schwanz, m.
cauda, mhd. swanz, verbalsubstantiv zu swanzen (s. dies unter schwänzen), als lehnwort auch mnd. swanz Schiller-Lübben 4, 485ᵃ, nnd. swanz, swans Dähnert 477ᵃ. Schütze 4, 232. Danneil 217ᵇ. Schambach 220, schwed. swans. der plur. hat im hochd. stets umlaut.
1)
in verbalem sinne, schwenkende bewegung.
a)
vom tanze, wol besonders von starkem schwenken beim tanz, das der geistlichkeit immer als ausgelassen und üppig galt, dann von üppigem oder auch von zierlichem, geschicktem gebahren beim tanz und allgemeiner: do komen studenten in ein frawenkloster, da machten sie den schönpöszten tanz mit ungeistlichem swantz, und vier singerin kunden so meisterlich den hymnum: quem terra, pontus, aethera zum tanz singen, daʒ eʒ wunder was in arg. quelle von 1450 bei Schm.² 2, 641;
in mangem hôhem dôʒe
[des] habent si den êrsten tanz,
darzuo kumt Ranz
unt Vrideher der grôʒe
unt Huʒ, sîn spieʒ genôʒe,
hânt dâ vil üppiclîchen swanz.
minnesinger 3, 267ᵃ Hagen;
von den rittern etlich
menlich justieren,
etlich sich conduwieren
mit vil kluogem swanze
zden frouwen in dem tanze,
des man dô vil phlac.
Ottokar 90745 Seemüller;
alsô giengens' alle den tac
diu hûsvrouw(e) und er,
hôch brogent in dem hûs entwer,
ir kurzwîl(e) diu was ganz,
si kunden beide wol den swanz.
gesammtabent. 2, 416, 262 Hagen;
Götz und Panz
sollen machen den tanz,
das Fridrauna haben irn swanz
mit irn maiden und tritten,
als auf dem dorf ist sitte.
fastn. sp. 446, 7 Keller.
heute im allgemeinen veraltet, aber studentisch noch in neuster zeit im sinne von 'ball'. Kluge studentenspr. 124ᵇ (beleg von 1846).
b)
wie 'umlauf, kreislauf', in zeitlichem sinne:
ouch in des jâres swanze
bûwt an der Driwanze
Nûwenmarkt der vesten werc
brûdir Otte von Luttirberc.
Nicol. v. Jeroschin 26414 Strehlke.
c)
der eigentlichen bedeutung näher, im sinne von 'umweg, abstecher' noch bei Göthe, vielleicht als eine art neubildung zu dem landschaftlich erhaltenen intransitiven schwänzen, vielleicht aber als eine übertragung von 2, c aus, die dem alten sinne des worts wieder nahe kommt: am liebsten gingen wir über die Furka auf den Gotthard, der kürze wegen und weil der schwanz durch die italienischen provinzen von anfang an nicht in unserm plane war. 16, 255.
d)
im anschlusz daran unsinnlich mit bezug auf das abweichen vom geraden wege der rechtlichkeit: einen schwanz machen, sein wort brechen, treulos sein Schm.² 2, 643. Schöpf 657.
e)
in verwandtem sinne studentisch, eine vorlesung per schwanz hören, auf unrechtmäszige weise, sie 'schinden' Kluge studentenspr. 124ᵇ (19. jh.).
f)
der bekanntere studentische gebrauch als 'versäumnis einer vorlesung' geht augenscheinlich gleichfalls auf einen begriff wie 'umweg' zurück: einen schwanz riskiren, eine vorlesung versäumen Kluge studentenspr. 124ᵇ. dann auch concret, lücke im collegheft, einen schwanz nachreiten, nach dem heft eines andern die lücke ausfüllen:
ochse, deutscher jüngling, endlich,
reite deine schwänze nach;
einst bereust du, dasz du schändlich
hast vertrödelt manchen tag!
H. Heine 2, 59 Elster.
freier, einen schwanz im examen nachmachen, in einem fache, wo man durchgefallen ist, eine nachprüfung bestehen.
2)
concret, was schwenkend bewegt wird, und ähnliches.
a)
im anschlusz an den verbalen gebrauch vom tanze (s. o. 1, a), untertheil, schleppe eines tanzkleides, allgemeiner eines kleides überhaupt, schwantz an den weibskleyderen, syrma Dasypod., schwantz an kleideren, so die wyber nach hin schleipffend, syrma Maaler 366ᵇ, schwantz am rock, queue de robbe de femme Hulsius (1616) 292ᵃ, ein langer schwantz an einem weiberrock, eine schleppe, peniculamentum, idem quod syrma in traho Corvinus fons lat. 1 (1660), 479ᵇ, schwantz am rock, syrma, peniculamentum Stieler 1954, der schwanz an den nachschleppenden kleidern, syrma Frisch 2, 242ᵃ. nach Adelung lieber dafür schweif oder schleppe, heute völlig veraltet und durch schleppe ersetzt: es geschicht zum ersten durch die langen schwentz die sie in dem kat noher ketschen, als etlich pfaffen thuͦnd und prelaten, und die wehen weiber. Keisersberg narrensch. 29ᵃ; ertzherzog Ferdinandus hat angehept ob andern klaidern ain langen, schwartzen mantel mit einem langen schwantz, den haben im 2 diener nachtragen. d. städtechron. 23, 174, 8; (Esther) nam zwo megde mit sich, und lehnet sich zierlich auff die eine, die ander aber folget jr, und trug jr den schwantz am rocke. stücke in Esther 4, 4; wann under den hofjungfrauen und frauenzimmer ein jede meint dester basz daran zu sein und den göttern nähern, sovil sie einen längern schwanz am kleid nacher zeucht. S. Franck moriae encomion 60ᵇ; die braut aber liesz ihr den schwanz am rocke durch einen kleinen jungen allezeit nachtragen. Schweinichen 3, 23;
ob ein schœn wîp im bequam,
daʒ er der ware niht fürbaʒ nam,
danne als der swanz gie ze den füeʒen
und si vil kûme getorste grüeʒen.
Hugo v. Trimberg renner 3381;
sie ist niden von dem schwantz
nasz von tauw untz auff die knye.
altd. ged. 6, 28 Keller;
wol mit anspielung auf den gebrauch im sinne von c:
haben lange mäntel und lange schwänz,
paradiren mit eichel- und lorbeerkranz,
trottiren und stäuben zu hellen scharen,
machen ein gezwatzer als wie die staren.
Göthe 13, 3.
sprichwörtlich: wer viel tuch hat, kan einen schwantz tragen (wers lang hat, der läszts lang hangen). Kramer diction. 2 (1702), 697ᵇ.
b)
auch vom kleide selbst, tanzanzug, putzgewand:
lege einen borten ûf daʒ houbet vür den kranz,
dînen swanz
lege an dich,
daswâr, sô bistu sûberlich.
minnes. 2, 77ᵇ Hagen;
und sehe ein münch an einem tanze
ein meit in einem gelben swanze
und mit einem schœnen rôsenkranze.
Hugo v. Trimberg renner 12367;
der heilige Sante Florenze,
der do den kînden behüetet ir swenze.
Konr. Dangkrotzheim namenb. 334 Pickel;
(Marie Magdalena:) o we rosenkrencz!
o we miner swencz!
o we gele gebende!
Alsfeld. passionssp. 1997 Grein.
bildlich wie 'zier, glanz, herrlichkeit', von der geliebten:
mîn spîgil aller wîbe
ein fruchtic frucht der olîbe,
aller glôrste glanz,
zuchtiger wête ein rîcher swanz.
mitteld. ged. 82, 316 Bartsch;
von Maria:
du minneclîcher bluomen glanz,
du blüemest aller megede kranz;
der sælden swanz
dich hât alumbevangen.
lobgesang auf die heilige jungfrau 18, 3 (Haupts zeitschr. 4, 520);
dîn triuwe glanz,
du sælden swanz,
lûter mîne sinne.
Marienleich bei Bartsch erlösung u. and. 190, 13;
prîs, blüender swanz,
prîs, mannâ, himelbrôt.
Frauenlob 287, 6;
din werdickeit und ouch din swancz
ist gar fryszlich czuͤ vornemen.
altd. schausp. 78, 2118 Mone.
c)
vielleicht zunächst in anschlusz an a dann in dem sinne, der heute als der eigentliche empfunden wird, beweglicher rumpffortsatz bei thieren, der schwantz an einem yeden thier, cauda Maaler 366ᵃ und von allen späteren lexicographen gebucht. die bedeutungsverwandtschaft mit a veranschaulichen stellen gleich den folgenden: die natur hat den frauen keinen schwanz geben, sie machen aber ein' schwanz aus tuch der in hinden nachge. quelle bei Birlinger 405ᵇ;
zwâr langer schwäntz kund ich nie schauen,
an leben und an phaben,
wann in dem land die frauen
hinden an den röcken haben.
Oswald v. Wolkenstein 6, 49.
α)
die belege reichen bis ins 13. jh. zurück. Megenberg setzt noch meist verdeutlichend oder zagel hinzu: er (der sittich) hüett seines swanzes mit grôʒem vleiʒ. Megenberg 22, 13; daʒ tier (das wasserpferd) hât ... ainen zagel oder ainen swanz als ain swein. 237, 2; daʒ tier (die meerjungfrau) hât .. ainen zagel oder ainen swanz als ain delphin. 241, 4; daʒ (ansibena) ist ain slang, diu hât zwai haupt, ainʒ an der rehten hauptstat, daʒ ander hinden an dem swanz oder an dem zagel. 263, 9; und do siu also in den nœten waʒ do stunt ein roter trach vor ir ... der zoch mit sime swantz daʒ dirteil der sternen nach üme und warff die uff die erde. quelle in Haupts zeitschr. 7, 145 (offenbarung 12, 4); der schwancz (des wurms) was lanck und rond. Steinhöwel Esop 348 Österley; aber der wurm reket sich behend uff und schluog synen schwancz umb die hindern schenkel der kuo. ebenda; aber der herr sprach zu jm (Moses), strecke deine hand aus, und erhassche sie (die schlange) bey dem schwantz. 2 Mos. 4, 4; und Simson gieng hin, und fieng drey hundert füchse, und nam brende, und keret ja einen schwantz zum andern und thet einen zwisschen zween schwentze, und zündet die an mit fewr, und lies sie unter das korn der Philister. richter 15, 4; (die heuschrecken) hatten schwentze, gleich den scorpion, und es waren stachel an jren schwentzen. offenb. 9, 10; der schwannz (des fisches) ist das pest. Schmidel reise 65 Langmantel; so ein menschs paht oder ein thyer im selbenn wasser trinnckht oder übers wasser schwimen wil, so kumptt ein solche schlanngen unnder dem wasser, schwimptt zu dem menschen oder thier unnd schlecht den schwannz umb dasselbige, zeuchts alsdann unders wasser unnd ist es. 107; dem pferde geht der schwantz bis auf die füsze. Steinbach 2, 534; der pfau hat von natur seinen schwantz zur zierde. ebenda; hättest alle nägel an ihren (der staare) füszen zählen mögen und alle federn an ihren schwänzen. F. Müller 1, 165; die andern (ratten) hab ich wohl beobachtet, und ihre art die schwänze zu tragen bemerkt, dasz ich gute phisiologische rechenschafft davon werde geben können. Göthe br. 5, 75 Weim. ausg.;
(im bilde, die zunge ist gemeint:)
eʒ wont ein wurm in einem hol,
der stiftet manic mort ..
sîn swanz der ist gelüppes vol.
gar giftic ist sîn ort.
Marner 15, 9, 166 Strauch;
heiʒʒent uns gewinnen
premen unslit mucken marck,
da von werden slingen starck.
wir dürfent och ze unser vart
ains phawen swants ain esels swart.
liedersaal 3, 122, 46 Laszberg;
doch gelîch ichʒ (das tanzen) aller best
.. ainer ku die mit ir swantz
fliegen und premen von ir iaigt.
295, 30;
sehr musterlich starret (dem raben) der schwantz.
Rollenhagen froschm. (1595) K 4ᵃ;
du vater (Mars) hast den thieren
in ihren sinn gejagt die waffen so zu führen:
dir trägt ein beer die klau, ein hund den scharffen zahn,
ein löwe seinen schwantz, und jeders was es kan.
Opitz 1, 98, 408;
zwo breite füsz und kurtzen schwantz, rundadinella,
musz haben unsre Mertens-gansz, rundadinella.
Venusgärtlein 67 neudruck;
dasz sie den teufel einstens
beim hexentanz, ertappt,
der sich in einen schaafbock
mit langem schwanz verkappt.
Hölty 9, 48 Halm.
β)
besondere wendungen:
αα)
mit dem schwantz wadlen, iactare caudam Maaler 366ᵇ, mit dem schwanz wädeln, caudam more atque ritu adulantium canum blande movere Stieler 1954. Kramer diction. 2 (1702), 697ᵃ, wedeln Steinbach 2, 534, so bis heute, meist vom hunde: da lieff der hund vorhin, welchen sie mit sich genomen hatten, und wedelt mit seinem schwantz, sprang und stellet sich frölich. Tob. 11, 9; das pferd wädelt mit dem schwanz, equus caudam agit Stieler 1954, bildlich, vom schmeicheln: mit dem schwanze wedeln und mit den zähnen beiszen wie die falschen hunde. Wander 4, 421. den schwantz schütteln, squassare, scotere, menare la coda Kramer dict. 2 (1702), 696ᶜ, ähnlich: das pferd schlägt den schwanz hin und wieder, equus cauda muscas abigit Stieler 1954. den schwanz in die höhe recken, als kälber die aus dem stall kommen, caudam arrigere saliendo, et currendo, ferociendo. Frisch 2, 242ᵃ. den schwanz aufrichten wie pfauen, calecutsche hahnen, und auer - hahnen, caudam arrectam rotare. ebenda. den schwanz hängen lassen, als hunde die sich fürchten, demittere caudam. ebenda, bildlich: er läszt den schwanz hängen wie ein begoszner hund. Simrock 440, 9335, in älterer sprache den schwanz hängen, hangen (mit starker flexion):
da war dem fuchsz nicht wol zu sinn,
er dacht, es ist hie kleinr gewinn,
mit seiner rott hing er den schwantz,
die sach ist nun verderbet gantz.
Alberus fabeln 21, 291 neudruck;
und ist die sache niergend gantz,
denn hangen solche gsellen den schwantz,
und rufen Friderichen an (bitten um frieden, schonung).
Waldis Esop 1, 55, 54 Kurz.
den schwanz zwischen die beine nehmen, einklemmen, einziehen, von hunden, auch bildlich: er klemmt, zieht den schwanz ein wie ein hund. Wander 4, 420, 45 (Nürtingen). ähnlich: mit dem schwantz zwischen den beinen, id est beschimpft oder beschämt davon gehen. Kramer dict. 2 (1702), 697ᵃ. sprichwörtlich: den schwantz über das nest auszstrecken. Franck sprichw. 1, 121ᵇ, den schwanz durch manche hecken gezogen haben (mit anspielung auf den unter d erwähnten gebrauch):
manch arme dirn (hatte er) dabey betrogen,
den schwantz durch manche hecken zogen.
Waldis Esop 4, 16, 8 Kurz.
wol eigentlich vom fuchse, von dem es auch heiszt: der fuchs kan sein schwantz nicht bergen, id est, man erdapt doch den schalck zu letzt, wan jhn gleich einer ein weil verbergen wil. Corvinus fons latin. (1660) 1, 131ᵃ. Stieler 1954. Kramer dict. 2 (1702), 697ᵃ. von langen meilen sagt man nach Campe: der fuchs hat sie gemessen und noch den schwanz zugegeben. das sprichwort: wann die kuh den schwantz verloren hat, merckt sie erst worzu er gut gewesen, malo accepto stultus sapit Dentzler 2, 258ᵃ wird auch auf den esel bezogen: der esel erkennt nicht, wie nutz ihm der schwantz ist, bis er drumkommen. Kramer diction. 2 (1702), 697ᵃ. mit bezug auf ein zweifelhaftes, nichtiges lob heiszt es: disz lob hett ein mücklin wol auff dem schwantz hinweg gefürt. Kirchhof wendunm. 1, 115 Österley. im göttingischen sagt man: kleine mü̂se hebbet, krîget âk swense, kinder sind auch zu beachten. Schambach 220ᵃ.
ββ)
bey dem schwantz nehmen, ziehen, schleppen, pigliare, tirare, strascinare per la coda Kramer dict. 2 (1702), 697ᵃ: het ein pferd einen langen schwantz, so zoch er sie bei dem schwantz, stuͦnd inen dʒ lang har leisz im schwantz, so kaufft er dʒ nit. Eulenspiegel 101 neudruck (65. hist.);
solte er (der ritter) aber ungeluck han,
so liesz der hunt das rosz nit gan,
bey dem schwantze er es zoch
und alles wider heim floch.
altd. gedichte 53, 9 Keller.
gnomisch: wir hätten unsern roman von hinten müssen anfangen. allein es ist auch nicht allzu sicher, die katz bey dem schwanze aus dem ofen zu ziehen. Lessing 1, 326. auf das sprichwort: wes die kuh ist, der nehme sie selbst beym schwanz. Lehmann 83 nimmt die folgende stelle bezug:
zwar wer itzund den fuchs nicht nach den haaren streicht
und dennoch seine kuh nicht bey dem schwantze zeucht.
Stoppe bei Steinbach 2, 534
(mit der erklärung: qui hodie alios non mulcet, res vero proprias levi brachio tangit). das pferd beym schwanz zeumen, prov. de negotio, quod praepostere geritur Stieler 1954, aufzaumen Kramer dict. 2 (1702), 697ᵃ, aufzäumen Frisch 2, 242ᵃ. appenz. einem den schwanz in die hand geben, beim viehverkauf, ein thier verkaufen ohne für etwaige mängel einzustehen. Tobler 402. dem hunde auf den schwanz treten, bildlich wie 'einen beleidigen' Campe, so auch jemanden auf den schwanz treten. Adelung. eins auf den schwanz geben, bildlich:
des künigs wendt wir nit vergessen
und fragen, wie der bapst husz halt,
und klagen des Frantzosen gewalt,
ouch wie er uns mit list dor neben
eyns uff den schwantz unsz werde geben.
Murner schelmenz. 40 (nr. 24), 26 neudr.
ähnlich auf den schwanz schlagen, so: die wahrheit, lügen Schmeller² 2, 643. anders etwas auf den schwanz schlagen, klopfen, auf die seite bringen, für sich behalten, unterschlagen Frisch 2, 242ᵃ. Schm.² 2, 643. Spiesz 229. Sartorius 182. Wander 4, 420, 44. 421, 51. 56 (auch nd.), nach Frisch wie, wann man die schlangen und eidexen auf den schwanz schlägt, ein stück abspringt, eher vielleicht 'durch einen schlag in die flucht jagen' oder vom viehverkauf hergenommen: 'auf den schwanz des verkauften thieres rechnen'. zur entwicklung der bedeutung mag schwänzen und einen schwanz machen (oben unter 1, d) im sinne von 'betrügen' beigetragen haben. vgl. auch schwänzelgeld, schwänzelpfennig und schwanzgeld: (nichts) von dem marktgeld auf den schwanz schlagen. mägdelob 65; ein paar ducaten auf den schwantz schlagen. Kramer dict. 2 (1702), 697ᵃ; so schlugen sie dennoch drei (bierkrüge) auf den schwanz. Salinde 117; vier groschen auf den schwanz schlagen. Adelung; einen thaler, einen brief auf den schwanz schlagen. Albrecht 209ᵃ. den schwanz streichen, kosend: die spatzen essen nicht, man streich ihnen dann den schwantz. Garg. 101ᵃ, einem den schwanz streichen, met. adularlo, accarezzarlo, lusingarlo Kramer diction. 2 (1702), 697ᵃ, adulari Frisch 2, 242ᵃ, den schwanz streicheln, nach dem munde reden Adelung. etwas in den schwanz knoten, dem gedächtnis einprägen, landschaftlich. häufiger scheint auch die bildliche wendung der folgenden stelle gebraucht worden zu sein: noch kont er (ein kranker) seine bossen nit lassen, sonder sprach, er könte kain trost seins lebens haben, dann er were weit über den mittentag und sesze iezmals der gais so nahe ufm schwanz, das er schier herab fiel. Zimmer. chron.² 2, 67, 27. es erinnert daran die heute übliche redensart kommt man über den hund, so hommt man auch über den schwanz, womit eine schwierigkeit, unannehmlichkeit als unwesentlicheres anhängsel einer gröszeren bezeichnet wird.
γγ)
jäger sagen: nicht einen schwanz von einem hasen haben wir gesehen, nicht die spur Jecht 101ᵇ, aber nicht nur im mansfeldischen, freier: nicht ein schwanz, gar nichts. Albrecht 209ᵃ.
δδ)
vergleichend heiszt es sprichwörtlich: so rein, wie eine kuhe unter dem schwantz. Kramer dict. 2 (1702), 697ᵃ; da geit he hen, as de hund aan swans, da ist er schlimm weggekommen Schütze 4, 232.
γ)
in bestimmten gebräuchen; beim jüdischen opfer: darnach soltu nemen das fett von dem wider, den schwantz, und das fett am eingeweide, das netz uber der lebber, ... und legs alles auff die hende Aaron und seiner söne, und webe es dem herrn. 2 Mos. 29, 22; auf deutschem boden wie anderswo vielfach symbolisch gebraucht mit beziehung auf den thiergestalteten geist des pflanzenwachsthums. so ziehen im frühjahr, zu pfingsten, Johannis bursche hinten mit einem kalbsschwanze versehen um. Mannhardt mythol. forsch. 64. im kurländ. kocht die wirtin, wenn zuerst im jahre gerste gesäet wird, einen schweinsrücken samt dem schwanze, von dem der sämann iszt. den schwanz schlägt er ab und steckt ihn in den feldrain, dann sollen die ähren so lang wachsen als der schwanz. 186. im herbst, mit der ernte wird der geist beim schwanze ergriffen und desselben beraubt. wer die letzten halme schneidet, haut, wie man in Aurich sagt, dem hasen den schwanz ab. 185. der schnitter der letzten halme, der drescher des letzten gebundes hat das haferschwänzle, den weizenschwanz. ebenda. der in Westfalen im frühjahr herumgeführte fuchs mit abgehauenem schwanze stellt vielleicht den dämon dar, der den schwanz im herbst verlor und erst mit dem wachsthum des getreides wieder erhält. ebenda. der schwanz erscheint so geradezu als das eigentliche symbol des wachsthums, der fruchtbarkeit. dazu stimmt die schwäbische hochzeitsitte, der braut das schwänzchen des gebratenen schweins in verdeckter schüssel darzubieten. 186 und der in Worbis übliche fastnachtsumzug der schäfer, wenn die a. a. o. 191 gegenbene erklärung der bezeichnung desselben der rehschwanz geht um als 'der blutige (sc. widder-)schwanz geht um' richtig ist. offenbar ist in diesen bräuchen eigentlich der penis gemeint, aber es scheint sich auch abgesehen von solcher verhüllung daraus, dasz der schwanz für das thier characteristisch ist, eine prägnante auffassung desselben entwickelt zu haben, der er mehr ist als blosz der hintere theil des thiers.kindern rät man scherzend, wenn sie vögel fangen wollen, ihnen salz auf den schwanz zu streuen.
δ)
der thierartig gestaltete teufel hat auch einen schwanz: als er (Belial) nirgent eyn oder ausz wuste, da schwur er bey seinem lend und schwantz, dasz er dem Moise widerumb ein gleichmessigen schimpff beweisen wolt, und zottelt also sehr betrübt zur hellen. Ayrer proc. 491;
wäre dein schwanz in der klemme, du predigtest nicht so gemüthlich.
Voss 2, 257.
daher die folgenden bildlichen wendungen: sye (die priester und schriftgelehrten, die Christus tödten wollten) worent dem tüfel uff den schwantz gebunden, und stuͦndent zwischen rossz und wandt. Keisersberg post. (1522) 1, 112ᵃ; er weisz, wo der teufel seinen schwanz hat, er ist ein schalck. Kramer dict. 2 (1702), 697ᵃ; Karl Buttervogel (dem ein wunsch abgeschlagen war) ging die söllertreppe hinab und murrte: 'das weisz ich schon, auf all mein glück legt der teufel seinen schwanz'. Immermann 2, 53 (Münchh. 3, 8) Boxberger; die menschen haben den teufel zur welt hinausgejagt, aber den schwanz haben sie ihm ausgerissen und der heiszt tendenz. Auerbach dorfgesch. 3, 30.
ε)
auf den ehemaligen academischen brauch, junge studenten (beani) als thierähnliche ungeheuer zu betrachten, die erst durch die deposition von ihrer miszgestalt befreit wurden, oder auf die entwicklung der frösche (kaulquappen) bezieht sich wol die folgende stelle:
es plagt ihn der gelehrte nabel
von vieler kunst und wissenschafft,
und der noch etwas grüne schnabel
gab jeder sylbe thon und krafft.
ich wolte seinen stand erfahren,
doch, als die balsam-büchse stanck,
so roch und sah ichs aus den haaren,
und sprach: dem ist der schwantz noch lang.
Günther 167.
ζ)
auch von anderem, was thierartig gedacht wird: der schurk (der wein) ist auch so glatt. schenk noch einmahl ein, gar zu glatt, Milon, glätter als ein aal. kaum wollt' ich den schelm am kopf erwischen und ihm ins gesicht sehen, da war mir schon der schwanz zwischen dem daumen. F. Müller 1, 164; unsere mode vergöttert romane, .. die den schwanz der liebe zu ihrem maule fügen; die zu thränen und zu allem reizen, gleich gewissen giften, die zugleich vomieren und purgieren. J. Paul grönl. proc. 1, 51;
eine flasche wird gestochen
und ein dutzend schelmenliedchen
an den schwänzen eingefangen,
am refrain, den alle kennen.
Keller 10, 216.
vgl. dazu unten h, ζ.
d)
mit bezug auf menschen in naheliegender übertragung und von c aus wie membrum virile (vgl. cauda, mhd. zagel in demselben sinne), früher auch in ernsthafter, züchtiger rede, also als verhüllend empfunden, in neuerer zeit nur als derb scherzhafter ausdruck geltend, swantz, penis Dief. 422ᶜ (von 1517), schwantz, das männlich glid Dasypodius, desz manns glid Maaler 366ᵇ. Stieler 1954, von Kramer diction. 2 (1792), 697ᵇ als unzüchtig bezeichnet, ebenso von Frisch 2, 242ᵃ und Campe, der richtig bemerkt, dasz es auch so gelegentlich mit bezug auf gröszere thiere gebraucht wird. Schm.² 2, 642. Castelli 253: wem sein swantz wee tu von frawn oder sunst. quelle des 15. jahrh. bei Schm. a. a. o.; daselbst waren andere, die namen den bischof, fürten ine zu aim block, daselbs zogen sie im das geschier und den weiber-werkzeug herfür, legten ime den uf den block und zu seiner straf begangner handlung do schlugen sie ime ain hülzin pfal durch den schwanz. Zimmer. chron.² 1, 77, 6; es haben die kleinen buben dieser zeit gröszer schwenz, dann bei herzog Eberharts zeiten die gewachsnen edleut. 2, 67, 8; aufgereckter, stehender schwantz. Kramer dict. 2 (1702), 697ᵇ;
der rock ist kurz, da pristet tuoch, ..
de schouwet man den lieben swanz,
der henget an dem rouch,
und ist gelich einem gouch.
Altswert 52, 24;
für euch (weiber) sind zwey dinge
von köstlichem glanz:
das leuchtende gold
und ein glänzender —
Göthe 14, 307 Weim. ausgabe.
diese bedeutung klingt auch in den folgenden wendungen an: ein verhurter alter wird einem zwiebel verglichen, der einen weiszen kopf und einen grünen schwantz hat. Kramer diction. 2 (1702), 697ᵇ; ihrer viele von denen, so die keuschheit haben angelobt, seynd wie des Samsons füchse, welche auf fremden äckern herumlauffen, und feuer am schwantz haben. ebenda (mit beziehung auf richter 15, 4). es heiszt: wenn der schwanz steht, ist der verstand im arsche. Wander 4, 419, 23 (angeblich ein ausspruch Blüchers); von einem geilen frauenzimmer heiszt es: der schwanz guckt ihr zu den augen heraus. 420, 35 (Wien), aus den augen.
e)
von hier aus erklärt sich wol schwanz als geringschätzige, wenn auch nicht gerade beleidigende bezeichnung männlicher personen, so bair.-östr. Schm.² 2, 642. Schöpf 657. Lexer kärnt. wb. 228, aber auch nd.: een swans vun'n keerl, in der pöbelsprache ein unbedeutender kleiner elender kerl Schütze 4, 232, und ebenso in der gaunersprache narr, geck, groszprahler Avé-Lallemant 4, 606: da hetzt man den lazarmen, latzleren, auszgedörrten, rauchgehenckten bickingischen schneckenfresser und hafenscharrer bruder Lantzenstil sampt seiner lären sackpfeiffen mit kröpfigen hunden ausz, das dem armen schwantz vor feisztem schrecken möcht das pruch entfallen: denn armut schneid da kein speck. Garg. 81ᵃ. für die herleitung der bezeichnung aus der vorigen bedeutung (penis) spricht, lasz sie auch ohne allen spöttischen nebensinn gebraucht wird: a saͦgra schwaͦnz, ein rüstiger mann Castelli 253. doch tritt wol eine beziehung auf den thierschwanz hinzu, wie die gleichfalls spottend von menschen gebrauchten zusammensetzungen sauschwanz, biberschwanz, katzenschwanz. Schm. a. a. o. zeigen.
f)
weiter auch als übertragung von c aus von anderem, was ähnlichkeit mit einem thierschwanz hat, schwanzförmiges anhängsel, ende.
α)
schwanz oder schweif (so heute lieber) eines kometen. Adelung, sternschwanz Stieler 1954: des jars an sant Veits obent da sah man einen stern auf der vesten, der gab einen schein als feurein flammen und het einen swantz, der was weis als ein weisze wulken. d. städtechron. 10, 215, 10; item 1456 jar da kom ein stern an den himel, den sah man ein or auf den tag auf gen, und het einen langen schwantz, und weret bei 14 tagen am himel, das was umb sant Johanns tag zu sünbenden; und die sternseher die heissen in ein cameten. 216, 1;
die sonn gieng unter wie ein fewr,
und warff die stralen jmmer forth,
wie spiesz, und ruhten, hin nach north,
als strich durch ein nebel jhr glantz,
oder macht ein cometen schwantz.
Rollenhagen froschm. (1595) Hh 3ᵇ.
β)
vom haarzopf Adelung. Danneil 217ᵇ:
bald ziert ein knoten die peruque,
bald führt man schwantz und beutel ein.
Picander 3, 270.
γ)
von den strichen an den noten, im gegensatz zu den runden köpfen Jacobsson 7, 285ᵃ: wenn sie (ein schuhmacher) ihr lebtag nur für die füsze gesorgt haben, so habe ich die schönsten jahre meines lebens damit verschwendet, blosze köpfe zu machen, nämlich notenköpfe, und freilich auch recht artige schwänze daran; aber das beste fehlte: hand und fusz wollten die spitzbuben nicht kriegen. Heyse kinder der welt 2, 260.
δ)
schwäntze an buchstaben, code, it. haste delle lettere Kramer dict. 2 (1702), 697ᵇ.
ε)
schwäntze an knöpfen, code a bottoni, alemari. ebenda.
ζ)
nautisch schwanz der seitengallerie, der in einen schnörkel endigende untere theil derselben. Bobrik 618ᵃ.
η)
in der botanik von fadenförmigen anhängseln an den samen der pflanzen, cauda. Campe. Behlen 5, 570.
θ)
im bergbau ein ring am 'hunde', dem dort üblichen karren. Veith 437.
ι)
ebenda das zugespitzte ende eines pfahls (treibepfahls) bei der abtreibezimmerung, mit dem er in das gebirge eingetrieben wird. a. a. o.
κ)
bei den bürstenmachern die unteren spitzen enden der borsten. Jacobsson 4, 67ᵃ.
λ)
bei den büchsenmachern das vorspringende stück eisen an der schwanzschraube. Jacobsson 4, 76ᵃ.
μ)
weidmännisch der zapfen, der beim kugelgieszen entsteht und abgeschnitten oder abgezwackt wird. Kehrein waidmannspr. 268.
ν)
an den geigen das stück holz unterhalb des stegs, an dem die saiten befestigt werden. Jacobsson 3, 334ᵇ.
g)
allgemeiner, wie 'anhängsel' überhaupt.
α)
mit anlehnung an 2, a: herrenschwanz, comites et satellitium principis Stieler 1954; einen langen schwanz bei sich haben, ein unnöthig langes gefolge Adelung: der kammerherr und der ganze schwanz von pagen, lakayen und trabanten des goldnen hahns rannten in blinder verzweiflung in die voraustretende garde des sultans. Klinger 10, 82. ähnlich: einem einen schwanz machen, abgeben, ihm in allen absichten und launen zu diensten sein. Schm.² 2, 643.
β)
einem ding einen schwantz anmachen, far coda à qualche cosa, codare, incodare Kramer dict. 2 (1702), 697ᵃ.
γ)
von einer musicalischen schluszerweiterung, coda oder verzierung:
ir hiet ûf iwer seitensnuor
mit drîvaltigem swanz
gemachet ein sô süeʒen tanz,
mit iwer selbes liden
eʒ wær kunic Daviden
der kunst genuoc gewesen.
Ottokar 719 Seemüller;
kein lied ist wol gemacht,
das nur schwänze heget
und den atem leget.
geharn. Venus 141 neudruck.
δ)
sächs.-thür. sagt man: der kaffee hat einen schwanz, wenn er einen nachgeschmack hat. Campe. Albrecht 209ᵃ. Jecht 101ᵇ. im würzburg. heiszt der beim trinken und kosten des weins zurückbleibende geschmack der gähre schwanz. Sartorius 114. vgl. dazu die unter c, ζ angeführte stelle F. Müllers.
h)
wie 'schlusz, ende, letzter, unterer theil', extremum, infimum Stieler 1954.
α)
waidmännisch von den letzten thieren eines trupps, rudels, so von jagdhunden. Behlen 5, 570: jagen sie um eine ecke wieder so fort, so stopfft man selbige, damit der schwantz auch nachkommt. nb. die fordersten hunde werden der kopf, und die hintersten hunde der schwantz genannt. Döbel jägerpract. 2, 104ᵃ. aber auch vom wilde Behlen a. a. o.
β)
bei der artillerie der hintere theil der laffettenwand. Jacobsson 4, 76ᵃ.
γ)
bei den buchbindern der untere theil eines buchs. Jacobsson 7, 285ᵃ.
δ)
bei den schlossern der theil eines riegels, der nicht aus dem schlosse heraustritt. Jacobsson 7, 73ᶜ, auch der untere theil einer schraube. Campe.
ε)
regelmäszig ist in solchen fällen schwanz der gegensatz zu kopf, das dann das obere, vordere ende, den anfang bezeichnet. kopf und schwanz verbunden bezeichnen in allgemeiner anwendung ein ganzes, totum. Frisch 2, 242ᵃ. man sagt etwas hat weder kopf noch schwanz, wie 'hand und fusz': er wird dir zeug schwatzen, das weder kopf noch schwanz hat. Lessing 2, 57. auch von menschen, die den untersten rang einnehmen, wird schwanz gebraucht: er ist der schwanz, hominum ultimus est, infimum locum obtinet Stieler 1954 und tritt hier ähnlieh in gegensatz zu haupt: der herr wird dich zum heubt machen, und nicht zum schwantz. 5 Mos. 28, 13.
ζ)
bisweilen tritt in solcher anwendung die beziehung zu der hier zu grunde liegenden bedeutung des worts (2, c) deutlich hervor: nicht blos dem falben herbste unsers entlaubten seins werden die schönsten freuden aufgespart .. sondern auch dem ende des blosen kalenderjahrs, dem ende und schwanze eines buchs, eines epigramms, eines gastmahls, eines krebses wird das beste fleisch, das dessertservice, kurz, weihnachten aufgehoben. J. Paul jubelsen. 186.
i)
schwanz das heraldische verzogene [[undefined:heraldigcapg]] des Göttinger wappens, wol wegen der ähnlichkeit mit einem thierschwanz, vgl. f:
de krosse myt dem rudenkrantze,
van Gottingh olt myt dem swantze
scholden gelden pennyngk vere.
d. städtechron. 16, 189, 2737.
k)
in die schwenz fallen scherzhaft für in die schanze fallen (s. dies oben th. 8, 2165): der besorgt, es möchten im die von Rotweil in die schwenz fallen und vileucht Balingen in einem schein einnehmen, das im hernach zu nachtail reichen mochte. Zimm. chron.² 2, 457, 8.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2257, Z. 27.

schwänzen, verb.

schwänzen, verb.
sich hin und her bewegen, einen schwanz machen, mhd. swanzen, swenzen, wahrscheinlich intensivbildungen zu schwanken, schwenken (*swankezen, *swenkezen) Lexer mhd. handwb. 2, 1338. 1361, das erstere also ursprünglich intransitiv, das zweite transitiv. doch greift schon früh das umgelautete wort in das gebiet des umlautlosen über:
sô gip mir, herr, der sünden vînt
lieht, daʒ von dîner hilfe schînt,
daʒ mir diu vart erglenze,
sô daʒ mîn wille swenze
kreftic durch der unkunst phuol.
Heinrich v. Beringen 16;
so dasz der alte grise
eyn kindliin wart und quam zu ir geswentzet
zartlich sam eyn jungher schrantz.
br. Hansens Marienlieder 1648.
im nhd. tritt schwanzen mehr und mehr zurück und ist heute auf oberd. dialecte beschränkt Schm.² 2, 640. Schöpf 658. Seiler 266ᵇ. aber auch schwänzen wird in intransitivem gebrauch, wenn nicht durchaus unüblich, so doch seltener als das iterativ schwänzeln.
1)
intransitiv.
a)
allgemein, sich schwenkend bewegen, schwanken:
des nam er do ein scheuchfas swär
und schütletzs, ob dar in ichcz wär.
do swanczt der most, daʒ gefiel ym wol.
Wittenweiler ring 35ᵃ, 38;
im bilde: sie hând die heilig kristenheit in dem schiff der betrüebniss lâʒen swanzen, hin und har swenken in grôʒem ungewiter. quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 1338.
b)
sich im tanze schwenkend bewegen, drehen:
und het er sank und seitenspil,
so wollt er frolich swanzen
an reyen und an tanzen.
altd. wälder 2, 189;
Gunterfay (der spielmann) der schluog und schluog
so lange weil und ane fuog,
des was do Ofenstek ze fäyss
und hiet geswanczt, daʒ im der swäiss
durch seinen diken schoppen ran.
Wittenweiler ring 38ᵇ, 31;
der solt mit meiner frauen tanzen,
und so er mit ir wurd umb her swanzen,
gab er ir den fisel in die hant.
fastn. sp. 219, 16 Keller;
wann ich euch (eine frau) oft vor hab sehen tanzen,
das ir so hübsch künd ümher schwanzen.
716, 25;
ich kam zu ainem tanze
auf ainem eben pfat,
da sah ich umbher schwanzen
ain magt in ainem kranze.
Heselloher bei Uhland² 506 (nr. 249);
und gehn hin zu den abend tentzen,
da Hans und Gredlin umbher schwentzen,
da sie die diernen weidlich schluddern.
Waldis päpst. reich Qq 3ᵃ.
mit sinnverwandten ausdrücken verbunden:
dô sie nu vrôlîch tanzten,
im vröuden umbe swanzten.
H. v. Freiberg 634;
die juncfroun und die werden man
sach man dâ schône tanzen
und hovelîchen swanzen.
Heinrich v. Neustadt Apollon. 5820;
er hiet gesprungen und getanczet,
dar zuo gsungen und geswanczet.
Wittenweiler ring 9ᵇ, 27;
und wie die schônen meide tanzten,
weidenlîche für dir (Maria) swanzten
in irn wîʒen rôsenkranzen.
Marien rosenkranz 105 bei Bartsch erlösung u. and. 283;
und laszt uns dafür ein reien tanzen
und mit den frauen gar seuberlich umbher swanzen!
fastn. sp. 57, 29 Keller;
ich sich ain in ainem roten part,
mit dem so will ich tanzen
und frischlichen umb hin schwanzen.
402, 29.
c)
im anschlusz daran: tanzartig, zierlich, geziert gehen, einherstolzieren, pagoneggiare & pavoneggiare, passader se glorifier comme le paon, schwäntzen wie ein pfaw, stoltzieren. Hulsius dittion. (1616) 414, schwänzen, ambulando ostentare se Stieler 1954 (mit dem steusze räncken), fluctuatim ire Steinbach 2. 534. Adelung. Hertel thür. sprachsch. 224, schwanzen Schmeller² 2, 640. Schöpf 658. Seiler 266ᵇ: darumb das die töchter Zion stoltz sind, und gehen mit auffgerichtem halse, mit geschminckten angesichten, tretten einher und schwentzen, und haben köstliche schuch an jren füszen. Jes. 3, 16; ich hab ihren (der dohlen und krähen, deren treiben mit einem reichstag verglichen wird) kaiser noch nicht gesehen, aber sonst schweben und schwänzen der adel und groszen hansen imer für unsern augen. Luther briefe 4, 8; denn ich mag nit seyn ein cardinal allein vom tuttel oder vom buchstaben, es musz basz heyssen mit myr und mehr da sein, denn yn weyssen lindwad schwentzen. schriften 8, 692, 35 Weim. ausg.; hie schwantzt Hammon, der fürst, auff und ab, das hofgsind neygt im alls. H. Sachs 15, 105, 18 Keller - Götze; (Belial) meinet in seinem sinn, er wer gleich mit seinen zeugen, als ehrlichen leuten, gar wol versorgt, ward derhalben so viel desto ubermütiger, schwäntzet auff dem saal vor der cantzley hin unnd wider. Ayrer proc. 338 (1, 12); in einem kostbahren kleide stattlich einher schwänzen. gespenst 272; durch die gassen schwänzen, ambulare per plateas cum pompa, ut quis spectetur ab aliis. Stieler 1954;
dar nâch begunde swanzen
under manger banier
manec grôʒiu rotte schier.
Wolfram Parz. 681, 22;
min her der [hat] mich uʒ gesant
czuᵉ eyner schonen frawen,
so (l. sy) ist schon ubir alle wip
syᵉ swanczt in gener awe.
altd. schausp. 2, 667 Mone;
eyn junger man mit synnen   an synes vader zynnen
in eyme garten sach.
die aller schonste junffrauwe   gieng in des hemels dauwe
und waden durch den clee.
er sach si vur ym swantzen.
Muscatblüt 24, 5;
zwâr ich gewünn sein kain verdries,
möcht ich irs ab erkôsen,
das sy mich in yr(e)n garten liess,
dô sy swantzt durch die rôsen.
Oswald v. Wolkenstein 95, 2, 16;
sy gieng schwantzen her und dar
und stuͦnd by ainem rosenstock.
Hätzlerin 2, 57, 154;
schaw, schaw, wer schwantzet dort herzu
wie ein keiserin reich und mechtig
beklaidt und geschmucket hochbrechtig,
mit hohen augen, stoltzer geber.
H. Sachs 3 (1561), 2, 71ᵇ.
in freierer verbindung kirchen schwänzen, zur kirche, wie kirchen gehen:
mit ablas lesen (lösen), kirchen schwenzen.
derselbe bei Schmeller² 2, 643.
mit zusätzen, die die drehende bewegung bei derartigem gange noch besonders hervorheben: mit den kleidern hin und wider schwenzet als wolt man die gassen kehren. Barth weiberspiegel (1565) T 3ᵃ;
kräftig sie auf den füszen steht,
grad, edel vor sich hin sie geht,
ohne mit schlepp' und steisz zu schwenzen,
oder mit den augen herum zu scharlenzen.
Göthe 13, 126.
d)
von hier aus freier, sich übermütig benehmen: es wird mich's halt noch ie kainer mit gelerten, worten überreden, das stolzieren schwanzen puchen ('pochen', prahlen) laichen, hochmuet treiben ... christlich sei. Aventin 1, 61, 21 Lexer; sondern sie faren fort (spricht Habacuc) und versündigen sich, das ist, sie gehen hindurch, rhümen und trotzen, schwentzen, und gehen daher, als weren sie nu gewis, und uber alle berge, gesprungen. Luther 3, 235ᵇ;
tohter, lâ dîn swanzen sîn,
volge nâch der lêre mîn.
minnes. 1, 349ᵃ Hagen;
sweiget, vraue, und lat euer swanzen.
fundgruben 2, 320, 15 Hoffmann.
e)
von c aus auch allgemeiner: nachlässig, müszig, ohne absicht umhergehen, umherspazieren Adelung. Schmeller² 2, 640: (kaiser Gordianus) beclagt sich, es sei kain ermer man auf erden dan ain römischer kaiser, dem man gar selten die wârhait fürtrug, dieweil er selbs nit umbher schwanzen darf, all sach wârlich sehen, hören, erfarn mag. Aventin 1, 934, 23 Lexer.
f)
in der gaunersprache geradezu wie 'gehen, reiten, reisen' überhaupt Avé-Lallemant 4, 606: es sind vor zwo schwärzen (nächten) drei vornehme kummerer (kaufleute) hierdurch auf schönen klebs (pferden) nach Mainz geschwänzt. Arnim nov. 5, 151; schau, sagte der eine, haben schöne klebis (pferde), werden santzen (edelleute) sein, oder vornehme kummerer (kaufleute), die nach Leipzig schwänzen (reisen). Eichendorff (1864) 3, 398.
g)
mit unmittelbarer beziehung auf schwanz, cauda, schwänzen, caudam agere, clementer, blande movere Stieler 1954. Kramer dict. 2 (1702), 697ᶜ, schwanzen, den schwanz bewegen, wedeln Seiler 266ᵇ. Frommanns zeitschr. 3, 303 (Vorarlberg). transitiv (vgl. 2): gleissner seindt wie hundt, die gegen jhren herren jederzeit den wadel schwantzen. Lehmann 1, 361. nach Kramer a. a. o. auch: den schwanz schleppen, schleifen.
h)
im anschlusz daran wie 'schönthun, schmeicheln':
vertraue leuten nicht die lieblich schwäntzen wollen:
die pfeiffe klinget wol, wann vögel eingehn sollen.
Opitz 1, 301.
vgl. fuchsschwänzen theil 4, 1, 1, 354.
2)
transitiv.
a)
im allgemeinen sinne von 'schwenken' Schm.² 2, 643: schüssel und teller schwenzen, schwenkend reinigen Lexer kärnt. wb. 229, die wäsche schwenzen, die durchlaugte und gereinigte wäsche noch einmal im kalten wasser auswaschen. ebenda. ein glas ausschwenzen Schm. a. a. o., freier: einen weiher ausschwenzen, durch schnellen abzug des wassers vom schlamm reinigen. ebenda. in solcher anwendung wurzelt auch schwänzen als ausdruck der flöszer, 'wenn das holz sich hie und da am ufer anhänget, und man solches fortstöszt, und ihm zum fernern flöszen forthilft' Jacobsson 4, 76ᵃ.
b)
schwäntzen pro betriegen, hintergehen, decipio, dolo ago Steinbach 2, 534. Frisch 2, 242ᵃ, ausziehen, prellen, mit schulden durchgehen Kluge studentenspr. 125ᵃ (mit belegen von 1729—1764), sich einen unerlaubten gewinn zu eines andern nachtheil machen Adelung, übervortheilen Hunziker 234, mit der auszahlung zum besten halten Schröer 205ᵃ, ain schwanze, betrügen, ihm etwas abzwacken Seiler 266ᵇ. Frisch versucht eine erklärung aus dem unter d, δ erwähnten gebrauch, dann die schlechten pferde butzt man am meisten. Adelung faszt es auf als figur einer schnellen, überraschenden bewegung. möglicherweise liegt das intransitive schwänzen, schwenken und besonders schwanz in verbalem sinne zu grunde, etwa als 'ausweg, umweg'. vgl. oben schwanz 1, d, zumal die gleichbedeutende fügung einen schwanz machen, die dann scherzhaft auch im sinne von schwanz, cauda verstanden sein könnte: das gesinde schwänzt seine herrschaft, wenn es sich die sogenannten schwänzelpfennige (s. dies) macht. Adelung;
wenn bursche aus dem bann und gränzen
entweichen und philister schwänzen,
so reiten sie zum thor hinaus
und lachen die philister aus.
Keil d. studentenlieder des 17. u. 18. jh. 88;
er (der alte) hat brav schöne ducaten,
sollen uns fein sauber rathen, ..
sollen brav auf unsrer hochzeit glänzen!
den alten kauzen müssen wir schwänzen.
F. Müller 1, 340.
einen um etwas schwänzen. Kluge studentenspr. a. a. o. aber auch etwas schwänzen, es auf heimliche unerlaubte weise nehmen Schm.² 2, 643, schwanzen Castelli 253, ähnlich, wie 'nehmen ohne zu zahlen, schuldig bleiben':
doch zahlend wîrd von euch (dem studenten) ergänzt
was Schwärmerian vor euch geschwänzt.
Göthe 1, 39, 232 (Urfaust), 320 Weim. ausg.
c)
eng verwandt mit der vorigen anwendung erscheint schwänzen, versäumen, eine vorlesung schwänzen Kluge d. studentensprache 125ᵃ (mit belegen von 1749—1841), besonders: ohne grund versäumen, die schule, die (unterrichts-)stunde schwänzen. Adelung: indem ich mein kurzes amt mit einem gewissen tröstenden bewusztsein niederlege, dasz keiner meiner untergebnen mit vorwürfen irriger lehrart oder geschwänzter stunden gegen mich auftreten werde. J. Paul Levana 1, 21. vom lehrer, auf den es wie hier früher wol häufiger bezogen wurde (eine vorlesung aussetzen, vom professor. Kluge a. a. o.), ist es heute seltener. wir gebrauchen es gleichfalls meist noch vom versäumen von lehrstunden: dagegen brachte man mit meinem abenteuer in zusammenhang, dasz der eine und andere der knaben nachgewiesener maszen die schule geschwänzt hatte. Keller 1, 86, auch wie in der folgenden stelle absolut: ich habe jetzt 99 (zuhörer). sie schwänzen aber brav. Lichtenberg 8, 256. mit bezug auf anderes:
wie soll man siegen,
wenn man die predigt schwänzt und die mesz,
nichts thut als in den weinhäusern liegen?
Schiller Wallensteins lager 8.
absolut: den abend sollte ich auf einem balle seyn, schwänzte aber. Niebuhr 3, 132. mit persönlichem object in entsprechender anwendung, wie 'im stich lassen': ein lehrer schwänzt seinen scholaren. Adelung ist es heute ungewöhnlich.
d)
mit deutlicher beziehung auf schwanz in concreter anwendung, mit einem schwanz versehen, formam caudae rei affigere Schottel 1412.
α)
nach schwanz 2, a, mit einer schleppe versehen, im part. prät.: um 24 elen schwarz damast zu eim' geschwanzten hochzeitrock truog si gen kirchen und zuo danz. quelle bei Birlinger Augsb. wb. 405ᵇ.
β)
im anschlusz daran nach schwanz 2, b freier wie 'putzen, zieren':
der mai het wunnichleichen dar
die pluomen schôn geswenzet,
erleuchtet und erglenzet.
Suchenwirt 24, 100.
γ)
nach schwanz 2, c und den daraus entwickelten gebrauchsarten, besonders im part. prät.: geschwänztes thier Kramer diction. 2 (1702), 697ᶜ; geschwänzte affen im gegensatz zu den ungeschwänzten; geschwänzte noten Kramer 2, 697ᶜ. Steinbach 2, 534; geschwänztes ç, un ç codato, cediglia spagnuola Kramer 2, 697ᶜ; geschwänztes z (ʒ in der schreibung des mhd., z. b. in daʒ, zum unterschiede von z, z. b. in zît), in zusammensetzungen: dick-, lang-, hoch-, starr-, steif-, wolgeschwänzt, ungeschwänzt Kramer 2, 697ᶜ. seltener in anderen formen: einen knopf schwänzen, codare un bottone Kramer diction. 2 (1702), 697ᶜ; eine note schwänzen, codare una nota musicale. ebenda.
δ)
gewissermaszen prägnant, wie 'mit einem schönen schwanz versehen', an β erinnernd: ein pferd schwänzen, den schwanz kämmen und aufputzen, oben allerlei haargeflecht davon machen. Frisch 2, 242ᵃ, nach Adelung häufiger aufschwänzen.
e)
im gegensatz zu d aber auch 'vom schwanz befreien': einen hund schwänzen, ihm den schwanz abhauen Schm.² 2, 643.
f)
nach schwanz, penis (2, d) futuere, in studentischen stammbüchern um 1750. Kluge d. studentenspr. 125ᵃ.
g)
nach schwanz 2, e, einen schwanzen, ihn schwanz heiszen, schelten, verächtlich behandeln. Schm.² 2, 643.
h)
von g aus freier?: plagen, züchtigen. ebenda.
3)
reflexiv, sich entfernen, sich begeben, eine wol von 1 aus entwickelte anwendung, vgl. 1, f: wolf (zum fuchs). so müssen wir uns in Böhem schwenzen. sat. u. pasqu. 2, 70, 23 Schade;
also auff sontag nach Lorentzen
theten sie (die besatzung) ausz der stat sich schwentzen,
acht fenlein all mit weiszen binden
liessen die stat und gschütz dahinden.
H. Sachs 5 (1558), 206ᵈ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2267, Z. 39.

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Zitationshilfe
„schwänzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%A4nzen>, abgerufen am 29.07.2021.

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