Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

schwänzlein, schwänzel, n.n., m.

schwänzlein, schwänzel, n.,n. m.,
das erstere unzweifelhaft deminutiv zu schwanz, parva cauda Stieler 1954. Steinbach 2, 534. Frisch 2, 242ᵃ. Adelung ('oberdeutsch'), das zweite im allgemeinen gleichfalls, auszerdem aber, besonders als masc., wol eine unmittelbare ableitung von schwänzeln, schwänzen.
1)
mhd. swenzlîn, swenzel, schleppkleid, putzanzug Lexer mhd. handwb. 2, 1361 (vgl. schwanz 2, b), in einigen stellen vielleicht auch schleppe oder lang herabwallender schleier. J. Grimm in Haupts zeitschr. 8, 20 (kl. schriften 7, 292) (vgl. schwanz 2, a): und ob eʒ (das mädchen) halt sleht wolte sîn, sô hât eʒ sîn ane unde sîn muoter bêde lîhte in der hôchvart gewonheit brâht mit swenzeln, mit ermelehen unde mit scheppelehen. Berthold v. Regensburg 1, 416, 19;
ir krenzel,
ir swenzel,
diu wâren sô gemeit.
minnes. 1, 139ᵃ Hagen;
swâ si gât an dem tanze,
mit ir rôsenkranze,
dar obe ein ander krenzel,
ein wîʒ gevalden swenzel.
2, 86ᵃ;
ir sult iuwer swenzel
krispen, dierne guot.
290ᵇ;
Fillis diu liehte sunne gienc
in eine kemenâte hin,
und nam ein sîdîn swenzelîn
und leit' eʒ an ir zarten lîp,
daʒ süeʒe minneclîche wip
het einen pelz dar under.
gesammtabent. 1, 27, 230 Hagen;
zuck eben mir mîn swenzel,
daʒ eʒ obe der erden swebe
und der soum von touwe naʒ
den bluomen kleinen vride gebe.
Virginal 135, 10;
sô heiʒen wir die megedîn
legen an ir swenzelîn
durchrigen wol mit golde.
578, 2.
als masc. in der form swenzil, swanzil:
si treit (im himmel) der megde kranzil
den lîlien wîʒen swanzil
den si mit kiuschi erworben hât.
Hugo v. Langenstein Martina 5, 70;
eʒ was och niht diu minze
die der engil prinze
stahte an der megde krenzil
zestiure an ir swenzil
den er ir vor gegeben hât
âne snit und âne nât.
27, 24.
bildlich:
wîp, vliuch den glanzen sprenzel (geck).
der treit der hœne krenzel
in sînes herzen swenzel;
bringt er dich zuo dem tenzel
mit sîner list:
swenn er getanzet hât, du bist versmât.
Frauenlob 318, 12.
2)
im sinne von schwanz 2, c:
(zu einem hunde:) waczegl mit dem schwenczle dein.
H. Sachs fastn. sp. 7, 161, 485 neudr.;
dazu sind noch die haselmeusz,
mit jhren breiten schwentzlein greisz
gemustert wie die eichhörnlein.
Rollenhagen froschm. (1595) Oo 2ᵃ;
wenn ich ja übergnädig wär',
so holt' ich eine scharfe scher'
und schnitt' ihm (einem spatzen) ab die flügelein
sammt seinem kecken schwänzelein.
Bürger 20ᵇ;
nach er all (der schneider die teufel) gemessen hat,
nahm er sein lange scher
und stutzt den teufeln d' schwänzlein ab.
d. knaben wunderh. 2, 226 Boxberger;
kein teufel hat kein schwänzel mehr.
227.
3)
nach schwanz 2, d: ob aber die jüden für geben wolten, die Ismaeliten und Ebdomiten etc. hielten die beschneitung nicht so volkomenlich, als die jüden, welche uber das, das sie dem kneblin die vorhaut abschneiten, weiter das heutlin an seinem schwentzlin zurück auffreissen mit scharffen fingernegelin. Luther 8, 54ᵇ; darnach schürzt der mohel, das ist der beschneider, sein arm auff, nimpt des kinds schwäntzlin. Franck weltb. (1542) 153ᵃ; das sein schwäntzlin vornen glatzend und entplöszt bleib. ebenda.
4)
nach schwanz 2, f als bezeichnung eines fortsatzes am rückenstück eines mittelalterlichen turnierpanzers, worauf beim gesteche der rücktheil des stechzeugs am sattel aufruht. Böheim waffenk. 539 und in notenschwänzlein, s. dies th. 7, 904.
5)
als thier- und pflanzenname.
a)
der grünfink, loxia chloris heiszt auch schwanzel. Nemnich 2, 450. vgl. schwanschel und schwunz.
b)
schwänzel ist weiter der name einer fischgattung, hippurus Klein bei Campe und
c)
des sommerlolchs, schwindelhafers, lolium temulentum Nemnich 2, 436, der schwänzel (östr.) Popowitsch 335.
d)
vgl. auch rotschwänzlein, -schwänzel th. 8, 1314.
6)
schwänzel bergmännisch der untere, minderwerthige schlich des schoszgerinnes beim schlämmen der gepuchten erze Frisch 2, 242ᵃ. Jacobsson 4, 76ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2273, Z. 60.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schwänzlein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%A4nzlein>, abgerufen am 29.07.2021.

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