Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schwar, schware, m.

schwar, schware, m.
eine bremische kupfermünze: schwaar, teruncius Bremensis Apin. gloss. (1728) 489. 360 gehen auf den thaler Jacobsson 1, 285ᵇ. 5 swaren machen einen groten (früher hieszen diese grote sware). brem. wb. 4, 1113; vgl. Schiller-Lübben 4, 485ᵇ; jeden schwaren dreimal umwenden, ehe man ihn ausgibt, ist probat. Oppermann hundert jahre 1, 371. zu nd. swâr, schwer, vollwichtig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2281, Z. 4.

schwär, m.

schwär, m.,
auch der schwären, m., die schwäre, f., eitrige beule, geschwulst, eitrige wunde u. ä., geschwür (s. dieses und schwären); ahd. swero zeigt eine umfassendere bedeutung und bezeichnet krankheit, körperlichen schmerz überhaupt (Graff 6, 888), entsprechend seiner verwandtschaft mit schwer (ahd. svâri):
suht joh suero manager.
Otfrid 5, 23, 151;
ebenso suero, dolor in den glossen Lips. (Heyne kleine altnd. denkm. 55, 873), mhd. swer (schwaches m.), schmerz, krankheit, daneben aber schon in verengter bedeutung für geschwulst, geschwür. mhd. wb. 2, 2, 809ᵇ. Lexer mhd. wb. 2, 1362. Schmeller 2, 645, apostema, swer Dief. gloss. 41ᶜ, ulcus, swere, eyn sweren, schwer 625ᵃ; geschwäre, abscessus, apostema Dasypodius; mnd. swer, swere, geschwür, geschwulst Schiller-Lübben 4, 491ᵇ, nld. zweer Franck et. woordenb. 1229. schwär, geschwär, ulcere, clou Hulsius dict. (1616) 292ᵃ, vgl. Schottel 1412; geschwär, n., schwären, m. Stieler 1988, vgl. Kramer 2, 699ᵇ; bei Steinbach in folgenden formen: schwar, m., schwär, m., schwier, m., schwur, m. 2, 553; der schwären Adelung (daneben mundartlich das schwär); der schwär, der schwären, die schwäre Campe; der schwer, schweren, geschweren, das geschwer Schm. 2, 645; schweren, m. Schröer 205ᵇ: zuo ainem swern oder zuo ainem apostem. Megenberg 96, 7; swern ... under den üehsen. 110, 20; Lazarus, der lag fur seiner thür voller schweren. Luc. 16, 20; doch kamen die hunde und lecketen jm seine schweren. 21; der schwär ist noch nicht reif, und ist noch zu hart und roh. Luther briefe 4, 523; sie hett aber vielmal die harten schwern mit gebrahten zwybelen auffgeweicht und den eyter herausz gezogen. Kirchhof wendunm. 1, 147 Österley;
die thorheit-wunden stincken.
die schwere gehen auff.
Fleming ged. (1666) 19;
so wenn der arm entbrennt und die erhitzten schweren,
das lebend-faule fleisch als rinnend wachs auffzehren.
A. Gryphius 1, 215 (1698);
dort in Abrahams schosz
gilt mehr ein eitrich schwer, als wol ein göldner klosz.
Logau 1, 204. 43;
verbergt, verbergt die blosze hüfte!
ein jeder schmisz ein gift'ger schwär!
Lessing 1, 93;
es tobte nun der puls nicht mehr;
das fieber war verschwunden.
auch ging hinweg die böse schwär'.
Overbeck ged. 255;
hinaus den eiter aus der menschheit schwäre.
Ludwig 4, 334 (1891).
jemandem den schwären aufstechen, ihm zeigen, wo er gefehlt hat Adelung;
der affter-welt den schwär des irrthums aufzustechen.
Günther 418;
wie ich mich und andre straffe, also stäch ich dir den schwär.
866.
nd. ick will ämm de swä̂rn uppdrück'n, ich will ihm seine schwächen vorhalten Danneil 279ᵇ; das stück auf Winckelmann gefällt mir nicht. es gehört mit zu denjenigen, welchen ich in meinem aufsatz über die populäre poesie den schwähren aufdrücken werde. Bürger briefe 1, 275 Strodtmann. in ähnlicher anwendung: der abt mochte nit leiden, dasz im der cardinal an den schweren grieffe (eine wunde stelle berührte, eine peinliche sache vorbrachte). Kirchhof wendunm. 1, 482 Österley. auch sonst bildlich:
verdrieszen würd' euch mein geschick,
wie es mich schlug mit kummerschwären.
Rückert (1882) 11, 310.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2281, Z. 11.

schwären, verb.

schwären, verb.
eitern, schwellen, in älterer sprache starkes verbum mit umfassenderer bedeutung; in gleicher weise ist die bedeutung von schwär (s. dieses) in neuerer sprache eingeengt: ahd. sweran, prät. swar, schmerzen, schmerz empfinden Graff 6, 888; mhd. swern mhd. wb. 2, 2, 808ᵃ; neben der allgemeinen bedeutung tritt hier die im nhd. herrschende schon bemerkenswert hervor, z. th. in syntactischen fügungen, die der späteren sprache verloren gegangen sind, s. a. a. o. sp. 809ᵃ unter 3; Lexer mhd. handwb. 2, 1362. Schm. 2, 644. die alte allgemeinere bedeutung weist auf den zusammenhang des wortes mit schwer, ahd. swâri, mnd. sweren in starker flexion Schiller-Lübben 4, 491ᵇ; neund. swä̂rn Danneil 218ᵃ; nld. zweren Franck etym. woordenb. 1232. die schreibung schwären (schon bei Keisersberg, s. unten den beleg; erschwären, suppurare Dasypodius) verdrängt älteres schweren, schweeren : schwären, apostumer Hulsius dict. (1616) 292ᵃ; ebenso Schottel 1412; schwären, daneben schwüren (wol nach der form er schwüret, gebildet, vgl. unten bei Schm. 2, 644 schwiern neben schwern; Schöpf 661 verzeichnet g'schwier'n, ebenso Lexer schwîrn 229) Stieler 1988, vgl. Kramer dict. 2, 699ᵃ. Steinbach schreibt schweren, das er stark flectiert und schwären mit schwacher flexion 2, 553. die starke flexion des verbums weicht nur sehr langsam der schwachen, mundartlich bleibt sie z. theil lebendig; starke formen des indicativs präsentis: übel gewonnen gut schwiert ... zu den augen und nägeln heraus. Lehmann 21;
dʒ dir dj wund nit schat noch schwirt.
Schwartzenberg 124ᵃ;
kalck, der schwiert jhm ausz der haut.
Logau 3, 170, 90.
Stieler flectiert: ich schwäre, du schwürest, er schwüret 1988; vgl. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 699ᵃ. ich schwere, suppuro, in pus abeo, du schwirst, er schwirt Steinbach 2, 553; dagegen bei Adelung schwach: der finger schwärt mir. mundartlich ist die starke form erhalten: der finger gschwirt Schm. 2, 644. starke formen des prät.: ich schwur (so schon im mhd. swuor neben swar), geschworen Stieler 1988; ich schwure, geschworen Kramer dict. 2, 699ᵃ; ich schwere, ich schwor, geschworen, daneben ich schwäre, part. prät. geschwäret Steinbach 2, 553; schwären, ich schwor, geschworen (das prät. schwur wird als veraltet bezeichnet) Adelung; schweren, präter. schwach schweret, part. stark und schwach geschworen und geschwert Schm. 2, 644. in der neueren schriftsprache erscheint das wort ziemlich selten. die schwachen formen werden im schriftgebrauche vorgezogen. die freiere anwendung schmerzen, schmerz empfinden, die das verbum im mhd. noch zeigte, verschwindet zu gunsten eines eingeengten gebrauches; bei einer stelle wie der folgenden ist nicht zu erkennen, ob mhd. swern oder mhd. swæren vorliegt:
Scherjhmdenbart, und Schlapp sein knecht,
verstunden sich umbs weltlich recht,
als stricken, galgen, räddern, fewr,
und kundten sonst viel abenthewr,
und das eim kein zan nimmer schwert,
da warn sie uberausz gelert.
E. Alberus fabeln 44, 99 neudruck;
(eine zornige mutter) wünschet jm (ihrem kinde) die trüszen, oder sunst böszes ... jr wer aber von grund ires hertzen leyd, dʒ jm solt ein finger schwären (wehe thun, oder schwären?), ich will geschwigen, das jm semlichs solt widerfaren. Keisersberg post. (1522) 2, 58. im sinne von anschwellen:
wil eime der budel zu ser swern,
er und erzet griffen in den polst
und legen im neder die geswolst.
d. städtechron. 17, 317, 18.
im gewöhnlichen gebrauche der neueren sprache eingeengt auf eitrige vorgänge: die wunde schwüret, vulnus suppurat, in pus vertitur Stieler 1988; es ist alles underschworen, ulcus putulente limosum est; der nagel ist ihm abgeschworen, unguis exulceratione districtus est; ausschwären, exulcerare; arzeneyen, die ausschwären machen. ebenda; einen geschworenen finger haben; der dorn, der splitter musz endlich heraus schwären; eine schwärende geschwulst. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 699; das auge ist ihm heraus geschworen. Adelung;
die hellküchlein frist er gar gern,
die im noch wern ausz dem leib schwern
durch zipperlein odr wassersucht,
Ayrer 2591, 15 Keller;
krank an schwärender wunde vom bisz der verderblichen natter.
Voss Ilias 2, 723;
der tyrann,
desz name schon die zung' uns schwären macht.
Shakespeare Macbeth 4, 3;
sie (die haare) schwuren aus, und die wurzeln derselben waren voll eiters. Hamann 1, 164 (1821). im bilde: wenn die wunde, die ihm deine augen geschlagen haben, zu schwären anfängt. Wieland 13, 61 (nachlasz des Diogenes 17); freier:
dem schwärt's im herzen,
so fröhlich er auch thut.
Hebbel (1891) 5, 26.
in activem sinne, eiterung erzeugen: (den) schwärenden widerhaken .. aus der wunde zu reiszen. Heyse par. 3, 67;
da ich im garten schlief. ...
beschlich dein oheim meine sichre stunde —
mit saft verfluchten bilsenkrauts im fläschchen,
und träufelt' in den eingang meines ohrs
das schwärende getränk.
Shakespeare Hamlet 1, 5.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2282, Z. 9.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schwär“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%A4r>, abgerufen am 29.07.2021.

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