Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schwärze, f.

schwärze, f.
nigror, atramentum. ahd. sind zwei bildungen bezeugt, suarzî, nigredo, ferrugo und suerza, dat. sing. suerzo, melanteria, ferrugo Graff 6, 900, die erstere die gewöhnliche art der substantivbildungen zu adjectiven darstellend, die letztere eine ableitung mit -jâ (-jô), die vielleicht auf späterer umformung beruht, vgl. Wilmanns gramm. 2, § 203 anm., vielleicht aber als eine bildung zum verbum swerzen (*swartjan) aufzufassen ist. vgl. Wilmanns gramm. 2, § 168, wonach sie eigentlich die unter 2 erwähnte bedeutung hat (die glosse melanteria zeigt sie unzweifelhaft in diesem sinne). möglich wäre auszerdem noch eine verbale bildung auf -în, die aber nicht bezeugt ist (s. 3). die mhd. entsprechung der ahd. formen ist swerze, das neben der regelmäszigen starken flexion gelegentlich auch schwache formen zeigt, vielleicht nur zufällig blosz in der anwendung im sinne von 2 (s. dies a). in heutigen mundarten hat sich die schwache flexion noch erhalten, bair. schwerzen neben schwerz. Schmeller² 2, 649. das nhd. schwärze wird von fast allen lexicographen gebucht. Maaler schreibt schwertze 367ᵇ, Hulsius schwärtze (1616) 292ᵃ, ebenso Corvinus fons lat. 1 (1660), 74ᵇ. 75ᵇ. 431ᵇ, Kramer dict. 2 (1702), 702ᵇ, Steinbach 2, 536. Stieler gibt die heutige schreibung 1956, ebenso Frisch 2, 243ᵃ, Adelung und Campe. Dasypodius bietet schwartze, pulligo, eine form deren umlautlosigkeit wol auf anlehnung an das frühnhd. noch häufigere schwarzen, schwarz sein (s. dies unter schwärzen) beruht, so dasz sie eigentlich nur im sinne von 1 (s. unten) gebraucht sein könnte. in der folgenden stelle liegt sie vielleicht gleichfalls vor, doch läszt sich schwartz auch als n. auffassen:
wiewol er nicht dörfft dieser kleider,
dann er ist vor schwartz heszlich leider.
Fischart 1, 4, 46 Kurz.
dem hd. schwärze entspricht mnd. swerte Schiller - Lübben 4, 493ᵇ, nnd. swärte, swätte Woeste 265ᵃ.
1)
als bezeichnung eines zustands, so in allen oben genannten nhd. wörterbüchern angeführt.
a)
im sinne von schwarz I, 1, dunkelheit.
α)
nach a, nachtschwärze, color noctis Stieler 1956, wolkenschwärze, obscuritas nubium. ebenda, schwärze des himmels: ihre (der wolken) schwärze hätte unerträglich von dem schnee abstechen müssen, ... dämpfte nicht ihr wiederschein den weiszen glanz. Ludwig (1891) 1, 358;
und dahin steht der Jupiter — doch jetzt
deckt ihn dîe schwärze des gewitterhimmels.
Schiller Wallensteins tod 5, 3.
aber auch ohne zusatz so: es ist eine rechte schwärze, finsterer himmel, dunkle luft Adelung; vom dunkel der nacht:
die legen alle jr synne,
wenn der wachter verkündt den tag,
das sie dann unvermeldt durch das hag
komen jnn der schwärtze hin.
altd. gedichte 9, 11 Keller.
im rotwelschen ist das wort der allgemeine ausdruck für 'nacht', schwerz. liber vagatorum. Weim. jahrb. 4, 100, schwärze Avé-Lallemant 4, 606: es sind vor zwo schwärzen (nächten) drei vornehme kummerer (kaufleute) hierdurch auf schönen klebs (pferden) nach Mainz geschwänzt (gereist). Arnim novellen 5, 151; gute schwärze. 152; eine gute schwärze (nacht), versetzte der andre, es schlunt (schläft) noch alles im schöcherbeth (wirthshaus). Eichendorff (1864) 3, 398.
β)
nach c:
keine kerze
erhelle jener kammer schwärze.
Immermann 13, 257 Boxberger.
b)
im sinne von 2, schwarze färbung.
α)
nach d, von menschen, mit bezug auf leibesbeschaffenheit, morenschwärze Stieler 1956: aber alles disz ist nicht die ursache der schwärtze an den mohren. Lohenstein Armin. 2, 1025ᵇ;
nu wænt manc ungewisser man
daʒ mich ir (der mohria Belakane) swerze jagte dane.
Wolfram Parz. 91, 5;
sehzig juncherren balt
in ir swerze wolgestalt.
Heinrich v. Neustadt Apollon. 13938.
verfärbung in folge von krankheit meinend: nu aber ist jr gestalt so tunckel fur schwertze, das man sie auff den gassen nicht kennet. klagel. Jerem. 4, 8.
β)
nach f, von thieren:
unz sich daʒ gefider (der jungen raben) ferwet
nach der swerz als rappen an erbet.
liedersaal 3, 290, 54 Laszberg.
γ)
nach g, von körpertheilen; so von der haut, verfärbung durch die sonne meinend (vgl.sonnenschwärze, nigrido a sole Stieler 1956): die haut offt damit (mit lilienwasser) gewasschen, und leinen tüchlein darinnen genetzet, benimmet die gelbe flecken und masen auch schwärtze von der sonnen. Tabernaemontanus (1664) 1028 E, mit bezug auf verfärbung durch schläge, stösze:
swert klanch und lanzen kraches   von geschoʒʒe und von slingen vil quatschiure
der wart sîn lûter vel nu vêch geverwet
mit swerze und ouch mit rœte.
jüng. Tit. 2723, 4.
die schwärtze der haar, negrezza di capegli Kramer diction. 2 (1702), 702ᵇ: eine kleine unscheinbare figur, krauszes haar von einer unangenehmen schwärze, eine plattgedrückte nase und eine geschwollene oberlippe .. gaben seinem anblick eine widrigkeit, welche alle weiber von ihm zurückscheuchte. Schiller 4, 65; wenn Elga bei der schwärze ihre haare und brauen durch ein hellblaues auge auf eine eigene art reizend ansprach. Grillparzer (1887) 11, 232;
zwei augen, die wie narzissen stralen,
und wimpern, die raben die schwärze stalen.
Rückert Firdosi 1, 149.
δ)
nach h: die schwärtze einer bluhme betrachten, floris nigrorem considerare Steinbach 2, 536. vom holze: sein (des myrthenbaums) holz neigt sich ain klain von der grüen zuo ainer swerz. Megenberg 332, 4.
ε)
nach i, die schwärtze der kohlen, carbonum nigredo Steinbach 2, 536, der dinte: die dinte hat keine gute schwärze. Adelung, von kleidern:
ihrer kleider nette schwärtze
zeigt mir ein vergnügtes licht.
Günther bei Steinbach 2, 536.
ζ)
technisch als bezeichnung einer krankheit des hopfens, wobei er schwarz wird. Jacobsson 7, 287ᵇ. Nemnich 2, 184. vgl. δ.
c)
im sinne von II, 1, auf unsinnliches bezogen.
α)
allgemein, wie 'dunkle seite' im gegensatz zu glanz, 'lichtseite': laszt uns also richtiger und ruhiger die schwärze wie den glanz des kriegs ins auge fassen. J. Paul friedenpred. 2.
β)
nach 1, b, 'hoher grad von abscheulichkeit, verruchtheit' Adelung: da er oft doch weniger schwärze an sich fand als er schilderte: so setzt' er voraus, der andere finde dann sogar noch weniger als er selber. J. Paul Titan 3, 179;
ihr schmäht Marien, meinen kleinen werth
durch ihre schwärze glänzender zu machen?
Wieland suppl. 4, 247.
schwärze des lasters, seiner seele, dieser that. Adelung und ähnliches:
sich selbst hört er nicht an, gläubt was ein heuchler spricht,
dem schein und schwanen - schnee der seelen schwärtze schmücken.
Günther 517;
mein äuszeres wär ihrer (der seele) schwärze bild,
prägt ich nicht die verräther des gewissens
mühsam mit eiserner beharrlichkeit
zu ihren gegentheilen um.
Ludwig (1891) 3, 181.
nach γ überleitend:
(ich) scheue nichts so sehr, als dieses argwohns schwärze,
dasz blinder eigennutz der liebe zunder sey.
Günther 627.
γ)
nach c, 'hoher grad von traurigkeit' Adelung: die schwärze dieses grams. ebenda.
d)
zwischen 1 und 2 vermitteln dichterische fügungen, die sich formell an 1 anlehnen, aber dem sinne nach der folgenden anwendung nahe kommen:
tauch' in die schwärze der fluth den durstenden schnabel bedächtig
(dinte und feder sind gemeint).
Rückert (1882) 12, 343;
die fruchtbare schwärze des erdreichs läuft von der mitte
spröd' in bläulichen kiesz gegen die enden hinaus.
344.
2)
etwas schwarzes, schwarzer körper, farbstoff, eine anwendung, die sich unmittelbar an 1 anschlieszt, wie tiefe sowol 'tiefsein' als 'etwas, was tief ist' bedeuten kann. hinzu kommt aber augenscheinlich eine auffassung des worts als 'färbemittel, mittel zum schwärzen', die es als eine bildung zu schwärzen erscheinen läszt. vielleicht liegt schon in ahd. suerza eine entsprechende verbale ableitung vor. s. das formale. glossiert wird schwärze in solcher anwendung melanteria Graff 6, 900, fucalium, fuscalium Dief. 132ᶜ, atramentum Maaler 367ᵇ. Corvinus 75ᵃ. Steinbach 2, 536. Frisch 2, 243ᶜ. auch Adelung und Campe verzeichnen es in diesem sinne.
a)
allgemein: welhes augen vil swerzen habent, der ist vörhtig. Megenberg 43, 24, besonders in gewerklicher anwendung, beutlerschwärze, atramentum sacculariorum, kürschnerschwärze, pellionum, hüterschwärze, pileonum, schusterschwärze, atramentum sutorium, druckerschwärze, typographicum Stieler 1956: wo man ein dûch vindet, daʒ geswerzit ist mit swerzin. quelle von 1355 bei Lexer mhd. handwb. 2, 1368; am meisten mühe machte die schwärze, die der meister (der drucker) nicht recht zu bereiten verstand. Ernestine Voss bei Sauer Göttinger dichterbund 1, cxxii; der hausfreund .. will's lieber aufrichtig gestehen, dasz er den kalender nicht selber druckt, sondern durch fremde leute fertigen läszt, und musz hübsches stück geld ausgeben alle jahre für papier, für ein schwärze, für ziegelmehl zu den rothen feiertagen und sabbathern. Hebel 2, 169;
balde dar nâch diu katze gât
eins nahtes in dem merzen
und viel in eine swerzen.
Reinhart 365, 2010.
mit schwärtze anstreichen, tignere indurre di color nero Kramer dict. 2 (1702), 702ᵇ. der bei den schuhmachern übliche ausdruck schuhe, stiefeln in die schwärze bringen, den absatz und den rand der sohle anschwärzen. Jacobsson 4, 81 wird von Campe hierher gestellt. er könnte aber auch nach 1 gehören. nach Wander 4, 427 begegnet bei Schuppius einen in die schwärze bringen in übertragenem sinne, wie 'in die tinte bringen'.
b)
im bergbau eine schwarze, milde, ruszige bergart, die bisweilen silber hält. Jacobsson 4, 81ᵃ.
c)
rotwelsch im sinne von 'tinte'. Avé-Lallemant 4, 606.
d)
die schwärtze, die einem vom geldzehlen an händen bleibt, collybus. Corvinus fons latinit. 1 (1660), 163ᵇ. vergl. schwarz I, 3.
e)
eine freiere unsinnliche anwendung zeigt vielleicht Stielers zusammensetzung ehrenschwärze, macula honoris 1956, die aber auch von 1 aus erklärt werden kann.
3)
denkbar ist auch eine verwendung des worts im gleichen sinne wie schwärzung (vergl. das formale). doch ist sie nicht belegt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2325, Z. 28.

schwärzen, verb.

schwärzen, verb.
schwarz machen, schwarz werden oder sein, das erstere zurückgehend auf ahd. suarz(j)an, suerzen Graff 6, 901, mhd. swerzen, das letztere auf ahd. suarzên, -zôn (?) Graff 6, 900, mhd. swarzen. mhd. sind also die beiden verben noch durch den stammvocal unterschieden. auch im früheren nhd. hält sich das intransitivum mit gesondertem stammvocal neben dem transitivum (s. unten 1, b, und erschwarzen oben th. 3, 977). sogar Campe führt es noch an, aber es erscheint in neuerer zeit doch wol nur mundartlich. Stalder 2, 361. Tobler 402ᵇ. Hunziker 235, bair. erschwarzen, derschwarzen Schmeller² 2, 649. die gaunersprache kennt noch verschwarzen, sterben Avé-Lallemant 4, 606. in der heutigen schriftsprache ist ein intransitiver gebrauch überhaupt selten geworden, wenn er gewagt wird, so lautet das wort auch dann schwärzen (s. unten 5). umlaut bei intransitivem gebrauch bezeugt für das nd. schon aus älterer zeit die glosse swerten, nigrescere Diefenbach-Wülcker 848. die entgegengesetzte erscheinung, umlautlosigkeit bei transitivem gebrauch zeigt schwarczen, nd. swarten, denigrare Dief. 173ᵇ. das regelmäszige transitive schwärzen (in älterer schreibung schwertzen, schwärtzen) wird von allen lexicographen verzeichnet. Maaler 367ᵇ. Hulsius 292ᵃ. Corvinus fons lat. 1 (1660), 289ᵇ. 431ᵇ. Schottel 1412. Stieler 1956. Kramer dict. 2 (1702), 702ᶜ. Steinbach 2, 536. Frisch 2, 243ᶜ. Adelung. Campe.
1)
intransitiv.
a)
im sinne von schwarz I, 1, dunkel, finster werden in erschwarzen: dasz der himmel darüber erschwarzen möchte. s. th. 3, 977, vgl. auch mhd. wb. 2, 2, 765ᵇ.
b)
im sinne von schwarz II, 2, schwarze färbung bekommen oder haben: als daʒ taw allen frühten nütz ist und frumen pringet, alsô ist in der reif schad und verderbt die früht auf den paumen und auf den weinreben und durchgêt si sô gar, daʒ si vallent oder schwarzent sam si verprant sein. Megenberg 85, 10; sô daʒ geschiht, sô müezent die fruhtpluomen sterben und swarzen. 15; Augustinus spricht, der rab hât die art, daʒ er seineu kindel niht speist unz daʒ er siht, daʒ in die federn swarzent. 176, 29; allda blühen die rosen, weiszen die lilien, gelben die saffranen, schwartzen die balsame. Meyfart d. himml. Jerusal. (1630) 1, 315;
etslîchen swarzt deu halbe hant (von dem wasser des zauberbrunnens).
Heinrich v. Neustadt Apollon. 11890;
die reud (die personificiert erscheint) thet an der zungen schwartzen.
H. Sachs 1 (1558), 456ᵇ.
vgl. auch erschwarzen oben theil 3, 977 und nachschwärzen 1 theil 7, 120.
2)
transitiv.
a)
im sinne von schwarz I, 1, verdunkeln, verfinstern:
den himmel schwärzte schon die stille mitternacht.
Hagedorn 1, 26;
sobald die luft ein feuchter südwind schwärzet.
derselbe bei Adelung;
ein geweihter nyrthenwald, den geheime schatten schwärzen.
Uz bei demselben;
den himmel mögen wolken schwärzen.
Gotter 1, 384;
nach b überleitend:
beliebter wald! beliebter kranz von büschen,
der Hasels höh mit grünem schatten schwärzt.
Haller 6, 2 Hirzel;
die nacht schwärzt alles. Stieler 1956; gehe, und lasz dich schwärzen, dicitur ei, qui suspicione facinoris laborat i. e. tege levitatem tuam tenebrarum ac parietum custode. ebenda.
b)
im sinne von schwarz II, 2, schwarz färben, machen.
α)
einen schwärzen, ihm die haut schwarz färben:
einer, der ain eeprecher ist,
den sol man schwerzen als ainn morn.
fastn. sp. 310, 15 Keller;
welcher man ain frauenschender ist,
den schol man schwerzen als ainn morn.
705, 23;
mit bezug auf verfärbung der haut durch sonnenbrand: die sonne hat mich geschwärtzt, sole adustus sum, nigredinem ex sole duxi Stieler 1956.
β)
etwas schwärzen: die haare mit kaselsrahm schwärtzen, capillos fuligine denigrare Steinbach 2, 536, mit sächlichem subject: eʒ (das silber) hât auch die art, wie weiʒ eʒ an im selber ist, krizt man ain ander dinch dâ mit, eʒ swerzt eʒ. Megenberg 476, 30; die mauern des alten herrenschlosses sind geborsten, oft hat fremdes kriegsvolk darin gelagert, ihr feuer hat die trümmerhaufen geschwärzt. Freytag 17, 7. passivisch:
beim ersten strahl des tags hab' ich's besehn,
mit heiszem, trocknem aug durchforscht die lampe:
kein hunderttheil des öles war verbrannt,
der docht nur kaum geschwärzt.
Grillparzer (1887) 6, 94.
γ)
in gewerklicher sprache: leder, felle schwärtzen, tignere [di nero] cuoi, pelli Kramer dict. 2 (1702), 702ᵇ. Adelung; die schuhe schwärtzen, negrare le scarpe a. a. o. Steinbach 2, 536. Adelung, vom schuhmacher gesagt, aber auch mit bezug auf das wichsen der schuhe; das holtz schwärtzen, lignum denigrare Steinbach 2, 536; das eisen schwärzen, bei den schmieden und schlossern, es in erhitztem zustande mit pech oder mit leinöl überziehen, wodurch es eine glänzendschwarze farbe erhält. Frisch 2, 243ᶜ. Jacobsson 4, 87ᵇ; die kupferstecher schwärzen den weichen grund oder firnisz, den sie auf die kupferplatte getragen haben, mit rauch von drey bis vier dicken lichtern von gelbem wachs. Jacobsson 7, 87ᵃ; den kohlenmeiler schwärzen, ihn mit erde oder kohlenklein dicht und fest belegen. Scheuchenstuel 165. 221.
c)
im sinne von schwarz I, 3, in die bedeutung des beschmutzens übergehend: die hände von (heute: mit) dinte schwärzen, infuscare manus atramento Stieler 1956; schwärzen, als wäsche, usu sordidum reddere et squalidum Frisch 2, 243ᶜ Adelung.
d)
in unsinnlichem und freierem gebrauch.
α)
im werthe herabsetzen, schlecht machen. vgl. schwarz II, 1.
αα)
ausgeführte bilder gleich den folgenden leiten zu dieser anwendung über:
swer niht enswerzet sîn getât
mit swarzem peche der missetât.
Thomasin v. Zirkläre welsch. gast 6699;
wil er der minne liehten schîn
mit falschem muote swerzen.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 2485;
es liebt die welt das strahlende zu schwärzen,
und das erhab'ne in den staub zu zieh'n.
Schiller 11, 336.
ββ)
objectiv, minderwerthig machen:
die wahrheit schwärtzt kein schimpff, den mond erschreckt kein bellen.
Günther 419;
(du) wirst der stunde unsrer wollust fluchen,
wenn dich einst der name bastard schwärzt.
Schiller 1, 228;
seit dieser that, die euer leben schwärzt,
habt ihr nichts lasterhaftes mehr begangen.
M. Stuart 1, 4.
γγ)
subjectiv, verleumden, beschuldigen, als schlecht darstellen. vgl. schwarz II, 1, e und anschwärzen oben theil 1, 451, einen schwärtzen bey jemand, infamare, vituperare uno appreso alcuno Kramer dict. 2 (1702), 702ᶜ. Avé-Lallemant 4, 606: wer ander leut schwärtzt, ist darumb nit weisz. Fischart groszm. 105;
den der neider schwärtzen wil, pflegt er gerne vor loben.
Logau 2, 120, 2;
wo ehrgeiz und betrug
sich nicht dem strohdach naht, noch gift dem irdnen krug;
wo anmuth witz gebiert, und witz ein sichres scherzen,
weil niemand sinnreich wird, um seinen freund zu schwärzen.
Hagedorn 1, 48.
mit anderen objecten:
der kirch und gottesdienst mit halben reden schwärzet
und niemals williger als über priester scherzet.
Haller 95, 163 Hirzel;
sanft freundliche stimmen
die voll schmähsucht und neid die reinsten tugenden schwärzen.
Zachariä bei Adelung;
wie konnt' ich über andrer sünden
nicht worte gnug der zunge finden!
wie schien mir's schwarz, und schwärzt's noch gar.
Göthe 12, 188.
β)
trübung des geistes bezeichnend:
keine ahndung ferner übel schwärzet
deinen freyen unbewölkten sinn.
Wieland 9, 340;
wer will auch ergründen des himmels licht,
als wem der Dewe schwärzt das gesicht?
Rückert Firdosi 1, 406.
aber auch mit weniger deutlicher bildlichkeit: ich bin herr und meister über mich, und steh hier still, wo ich dinge seh, die meinen geist schwärzen? Klinger theat. 4, 184.
γ)
im anschlusz an die vorige anwendung wie 'betrunken machen', schwärzen etiam notat inebriare, potu aliquem obruere Stieler 1956, einen schwärtzen, dicht schwärtzen, annerare, cocere, cioè ubbriacare uno, brindeggiarlo tanto, fargli tanti brindisi che alla fine è cotto Kramer dict. 2 (1702), 702ᵇ. vgl. schwarz II, 4.
δ)
wahren schwärzen, schmuggeln Adelung (als oberd. bezeichnet). Jacobsson 7, 289ᵇ. Klein 2, 146 (bair.-östr.). Höfer 3, 127. Schm.² 2, 649. Schöpf 659. Hügel 145ᵇ. Tobler 403ᵇ. vgl. schwarz I, g und einschwärzen oben theil 3, 288. ohne object:
lernet, wie man schwärzen musz,
wie ein armer lautner
schwärzt, dasz drüher scherzen musz
selbst der strenge mauthner.
Rückert (1882) 2, 15.
freier:
die ketzer sinds, die hexenmeister!
und sie verderben stadt und land.
die willst du nun mit frechen scherzen
in diese hohen kreîse schwärzen.
Göthe 41, 16.
3)
das veraltete intransitiv schwärzen wird zum theil ersetzt durch sich schwärzen, das häufiger begegnet.
a)
im sinne von schwarz I, 1:
bald aber schwärzet sich die heitre himmelsluft.
Hagedorn 2, 40;
die thäler schwärzten sich: die frohe stunde kam,
da im redoutensaal der ball den anfang nahm.
Zachariä 163;
der himmel schwärzet sich, ein dicker hagelschauer
verheert die reife saat.
Uz 260, 278 Sauer;
einst lebt' ein mann, ...
der nie das haus verliesz, wenn sich der himmal schwärzte.
Gotter 1, 315;
stracks schwärzt der himmel sich, es löschen alle sterne.
Wieland 23, 15 (Oberon 7, 17).
b)
im sinne von schwarz II, 2 und 3, sich [mit fleisz] schwärtzen im gesicht mit kohlen, rusz. Kramer dict. 2 (1702), 702ᵇ, sich [ungefehr] schwärtzen im gesicht. ebenda; sich schwärtzen an einem kessel. ebenda; sich schwärtzen an der sonne, scolorir si, abbrunarsi il viso e le mani al sole. ebenda: sie hatte sich verstalt und geswerzet. quelle bei Lexer mhd. hdwb. 2, 1368;
Horn schwärzte sich um die augen.
Rückert (1882) 12, 329.
freier:
der mantel, welchen mir des vaters tod bestellt,
hat sich aufs neue jetzt zu schwärtzen angefangen.
Günther 666.
c)
bildlich, vgl. schwarz II, 1:
untz daʒ er sich swerzen tuot
mit der hoffart manegerwîs ...
erst so siht diu werlt in an
als ir kint und macht in rich.
liedersaal 3, 290, 60 Laszberg.
4)
der gebrauch des part. kommt bisweilen dem des adj. schwarz nahe oder gleich.
a)
dem unter I, 1 erwähnten:
ein steuermann, in den gefahren
des grausen schiffbruchs oft erfahren,
zieht doch geschwärzter wolken flor,
der sturm verkündigt, jener stille,
wo kunst erliegt und guter wille,
und nichts das schiff beweget, vor.
Gotter im Gött. musenalm. auf 1770 53, 82 Redlich;
wie aus geschwärzter luft die heuschreckwolke
herunterfällt.
Schiller jungfrau prolog 3.
b)
dem unter I, 2 erwähnten:
hingegen Silvie brennt heimlich und verstohlen:
denn ihr geschwärtztes aug' läst wie verloschne kohlen,
darinnen gleichwohl feur und glut verborgen sitzt.
Hoffmannswaldaus u. and. Deutschen ged. 2 (1697), 32.
c)
dem unter II, 1 erwähnten: geschwärztes gewissen. Adelung.
5)
substantivierter infinitiv.
a)
intransitivem oder reflexivem gebrauch entsprechend (sich fehlt ja auch beim substantivierten infinitiv eines reflexivs): das schwärzen der säulen hatte man dabei (bei der pechbeleuchtung) nicht zu fürchten, da das ganze gebäude .. ein dunkelgraues ansehen hatte. Gutzkow ritter v. geiste 3, 77.
b)
intransitivem, reflexivem oder allgemein transitivem gebrauch kann je nach der auffassung der infinitiv gemäsz sein in der sprichwörtlichen wendung: er ist fertig bis aufs schwärzen, occisus hic homo est, actum est de eo Stieler 1956, egli e spedito, fallito, rouinato Kramer dict. 2 (1702), 702ᶜ; (leute, dienstboten) die einen durch treu und fleisz in bälde reich machen oder im gegentheil, wann sie mauszköpffe seyn, durch hinschluderige fahrlässigkeit, faulheit und untreu fertig machen können bis auffs schwärtzen! Simpl. 4, 36, 4 Kurz. ähnlich noch heute landschaftlich: hinum sein bis zum schwärzen, nichts mehr anzuziehen haben, von kleidern entblöszt sein. Spiesz 230. die erklärung bei Spiesz weist auf eine reflexive auffassung: 'so arm sein, dasz man, um des leibes blösze unauffälliger zu machen, sich schwarz färben musz'. doch könnte solche auffassung erst secundär sein. es ist weiter möglich schwärzen intransitiv zu fassen: so weit sein, dasz man (vor hunger? oder wie ein todter?) schwarz wird. vgl. verschwarzen, sterben, oben unter dem formalen. das verb hat hier aber schon im älteren nhd. umlaut, auch deutet die form des ausdrucks eher auf entlehnung aus gewerklicher sprache, etwa vom schuhmacherhandwerk, weil das schwärzen des schuhs das letzte bei der herstellung ist, wonach das verb also hier allgemein transitiv zu fassen wäre.
c)
transitivem gebrauch entsprechend, unsinnlich (nach 2, d, α, γγ): er hatte ohne schwärzen und schminken viel gutes, aber nicht hastig gesagt und man hatte seinem auseinandersetzen ruhig zugehört — er hatte weder geschmeichelt noch beleidigt. J. Paul Tit. 2, 43;
und doch flucht ihre lust zum schwärzen —
da seht die thorheit ihrer herzen!
seht klagen sie nicht blos zum schein?
doch fluchen sie auf dich, o wein!
Lessing 1, 87.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2328, Z. 12.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schwärzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%A4rzen>, abgerufen am 03.08.2021.

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