Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

schwätzerin, f.

schwätzerin, f.:
schwätzerin (die) schwätztäsch, lingulaca Maaler 365ᵈ; bloderin, schwätzerin, lingulaca Henisch 410, 24; deblateratrix, locuturia, linguleja, dicacula Stieler 1960, lingulaca Steinbach 2, 537. — eine, die (in einem bestimmten falle) plaudert: da stöhnte es drinnen in des bauern stube so schmerzlich auf, dasz die beiden schwätzerinnen erschreckt nach den entgegengesetzten enden des hofes auseinander stoben. Anzengruber³ 3, 337; über diese naive äuszerung .. lachte ein junger mensch an meiner seite laut auf, das machte mehrere mitlachen und die schwätzerin verstummen. 4, 312;
schweig' du mir dort, rath' ich, das donnerwetter
schlägt über dich ein, unberufne schwätzerin!
wart', bis ich auf zur red' dich rufen werde.
H. v. Kleist der zerbr. krug 7.
stärker eine die gern, gewohnheitsmäszig schwatzt: ich höre, fuhr Arner fort, er habe viele kinder und eine brave frau; ist sie keine schwätzerin? sie ist nichts weniger als eine schwätzerin, sondern eine stille, arbeisame frau, versicherte der vogt. Pestalozzi Lienh. 1, 15. — mit dem nebensinn des unbedachten oder leichtsinnigen: (Bella) er .. warf drei küsse zurük. (boshaft) was mach ich damit signora? Leonore .. leichtfertige schwäzerin. bring sie ihm wieder. Schiller Fiesko 2, 11. stärker: Rosa .. einen gemahl verlieren, heiszt zehen cicisbeo profit machen. Leonore. verlieren? — ein kleiner aussezender puls der empfindung und Fiesko verloren? geh giftige schwäzerin — komm mir nie wieder vor die augen! 1, 1. von wahrsagerinnen: wann aber die schanz auf das widerspiel der vorsagung hinaus laufft, so macht sie, dasz man sie für ungeschickt und einbildisch, und im übrigen ganz für eine schwätzerin hält. Mauriceau (1681) 105. — freier von einer schwalbe:
willst du kleine schwätzerinn ...
dasz ich deine flügel beide
mit der scheere dir beschneide?
Gleim 2, 295 ('an die hausschwalbe').
von der hoffnung:
ich sah die hoffnung fallen am altare,
wie ward die süsze schwätzerin so stumm!
Lenau 1, 63 Koch.
im schwäbischen heiszt schwätzerin das hintere von einer gebratenen gans Schmid 487.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2359, Z. 51.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schwätzerin“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%A4tzerin>, abgerufen am 02.08.2021.

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