Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

schwätzig, adj.

schwätzig, adj.
loquax. im ältern nhd. die gewöhnlichste adjectivbildung zu schwatzen, und so noch bei Göthe, s. die belege, jetzt dagegen in der schriftsprache erloschen und durch die zusammensetzung geschwätzig (s. th. 4, 1, 3984 f.) oder durch schwatzhaft ersetzt, vgl. Weigand 2, 662; seit dem 15. jahrh. üblich, s. auch Lexer mhd. handwb. 2, 1369: garrulus .. swaczig Dief. gloss. 258ᵃ; nhd. schwätzig Alberus diction. G 4ᵇ. z 2ᵃ; schwetzig, linguax, loquax Dasyp.; schwätzig, redreych, verbosus, linguax, dicax, futilis, locutuleius Maaler 365ᵈ; schwätziger knabe, alias plaudermatz, plappertasche, salapusius Stieler 990; ie schlimmer, ie schwätziger; schwätzige weiber, dicaculae, lingulacae. 1991, loquax Steinbach 2, 537; seltener ohne umlaut: schwatzig, sehe schwatzhafftig. Hulsius 292ᵃ; schwatzig, schwatzicht, schwätzicht, geschwätzicht, schwatzhaft, schwatzhaftig, schwatzerisch, adj. garrulo, loquace, dicace, linguacciuto, parlantino. Kramer dict. 2, 703ᶜ; zunächst von menschen: vergib ob ich mit worten lang gewesen bin. dann dise sachh noch lengerer rede und schribens bedörft hett, ich wolt aber nit sin zevil kläffig und schwetzig. Niclas v. Wyle translat. 230, 16 Keller; darnach sein sie (die frauen) die gantzen nacht schwetzig, kippeln und keifen. Albr. v. Eybe 1ᵇ; und sihe da, da begegnet jm ein weib, wie ein hure zubereit, die ein verstöret wüst hertz hatte, schwetzig und unbendig. Luther 1, 505ᵃ; wer ist schwetziger und ungelerter in gottes wegen, denn solch toll volck der gleisner? 504ᵇ; da seid jr allzu weschig und schwetzig. 3, 358ᵇ; aber allzu schwetzig sind sie sonst von teufelslehren unnd menschlichem tand zu reden. tischred. 109ᵃ; nicht allein aber sind sie faul, sondern auch schwetzig und furwitzig, und reden das nicht sein sol. 1 Tim. 5, 13, s. auch sat. u. pasqu. 3, 198, 37; an einem schwätzigen mann sol das volk einer statt billich erschräcken. Züricher bibel 1530 634ᵇ (terribilis est in civitate sua homo linguosus. eccles. 9, 25); wie ein sandächte steyg ist den füszen des alten, also ist ein klapperig schwätzig weib einem stillen ruwigen mann. 641ᵃ (25, 27); nicht schwätzig, entpörig noch erenbegirig. Salat 143, 16 Bächtold; disz was desz unverschamten schwetzigen bauren straff. Wickram rollw. 117, 8 Kurz; so einer, wann man mit im redt, die augenbraen über die augen zeucht, bedeut einen boshaftigen, betrüglichen, lugenhaftigen, schwetzigen, zähen, faulen, heimlichen, wenig redenden menschen. phisionomei (o. o. u. j.) B 1ᵃ; nicht leichtfertigen schwätzigen leuten zu vertrauen. Kirchhof mil. discipl. 39; aokalnidhbar: ist ein speisz die schwetzig, redent oder gesprechig macht. Thurneiszer magn. alchym. 2, 36; er verführt den juristen vom rechten weg, macht jhn schwetzig. Paracelsus opp. (1616) 2, 479 A; da sprach Xanthus zum Esopo, wie schweigestu jetzt so stil, und bist vor so schwetzig gewest? Alberus fab. 4ᵇ; uber ein kleins kame die Fürwitz, das jenig schwätzige weib, welches biszweilen lieber hunger wil leiden, als nichts umb neue oder alte lügen wissen. Schuppius 704; der apostel Paulus ... verlangt, dasz junge wittwen — wenn sie umlaufen, schwätzig und vorwitzig sind, und reden, das nicht taugt — freien. Hippel 5, 277;
wollst du sein still und nit sein schwetzig.
fastn. sp. 531, 4;
kein gutthat setzen auff ein weib ...
noch auff menschen, die schwetzig sind.
Eyering 1, 58;
ein kremer der nicht schwetzig ist.
748;
vergl. auch:
es ist der warheit art, dasz sie nicht schwätzig sey.
Opitz 1, 349;
von dichtern: solches heissen die schwätzigen poeten den himmel stürmen. Micrälius altes Pommern 1, 41; vom fuchs, in der fabel:
da lebte nicht weit ein alt-fuchs herum,
erfahren und lehrreich und schwätzig darum.
Göthe 2, 125.
von vögeln: ein schwätziger vogel, uccello garrulo Kramer dict. 2, 704ᵃ; schwätzige elster. coffeelands avanturier 189; es seye namlich ein balbierer zuͦ Rom gewesen, der habe gar ein schwätzige aegersten (elster) gehebt, die nit allein der menschen, sunder auch der thieren stimm gebraucht hab. Gesner vogelbuch von Heüszlin (1582) 12ᵃ (dafür: eine schwatzhaftige atzel. Horst 1669 29);
und er ist dessen aff und schwätzig papagey.
Logau 3, 216;
der gimpel, die wachtel, der schwätzige staar.
Lichtwer 20 (fabeln 1, 11).
von der zunge oder dem munde gesagt: wan wir aber gessen, so werden wir fol und ful, .. unnd bleibt uns nüt dann ein schwatziges maul, vil clappern, und unnutz geschwatz treiben. Keisersberg emeis 6 (l. 4)ᵃ; ferner auch: weil das weib ein schwätzig werkzeug, soll man sie nichts geheimes wissen lassen. Lehmann 2, 55; wie ein schwetziger zeug offt schadet, also. 1, 670. — sprichwörter: einem schwetzigen trawt niemand. Petri T 4ᵃ; find man den schwetzigen ohn geld, man find jhn nicht ohn wort. Dd 7ᵃ. — adverbial: wie wol so euch etwas zuͦ gail, und unverschampt, oder zuͦ schwätzzig von mir gesagt sein, duncken würt. Franck moriae encom. 71ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2361, Z. 51.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schwätzig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%A4tzig>, abgerufen am 26.07.2021.

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