Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schwede, f., n.?

schwede, f. n.?
wundpflaster, in der älteren sprache, s. auch schwedung und schwebtuch; ursprünglich wol eine brandwunde, dann das darauf gelegte pflaster bezeichnend, s. die glossierungen von epicausterium Dief. gloss. 203ᶜ, und unten; mhd. swede Lexer hwb. 2, 1349; mnd. swede, epicauterium, ein plaster vel ein swede up eine brandwunde; ogen salve vel ein suede. Schiller-Lübben 4, 488ᵃ; collyrium ein bind o. pflaster zuͦ den ougen .. swede, sweb. Dief. gloss. 132ᶜ; emplastrum .. swed. ein ertzneytuch und gehort zu den wunden (voc. v. 1482), swode. 201ᵇ; swede uppe de wunden, artzet pflaster, ein pettuch o. ein tuch mit salben bestrichen. nov. gl. 149ᵇ; epicausterium .. en plaster vel en swede vel ene brant wnden. gloss. 203ᶜ; s. auch Schm. 2, 624. noch im ältern nhd.: weil nu kein ander regiment im römischen reich zu hoffen ist, als auch Daniel anzeiget, so ists nicht zu raten, das mans endere, sondern flicke, und pletze dran, wer da kan, weil wir leben, straff den misbrauch, und lege pflaster und schweden auff die blattern. Luther 6, 163ᵇ; aber ich schwere euch bey armen mannsglauben, dasz mir vor diszmahl mehr vonnöthen thun, pflaster und schweden, als schwatzen und reden. juncker harnisch (1669) 183. — jetzt vereinzelt noch in mundarten, thür. schwede, m. 1) pflaster, en bêchd-schwéden ofs múl. 2) brand, betrunkenheit Hertel sprachsch. 225. vgl. aueh mnl. swede, windstosz. eine nebenform s. schwaden 5, sp. 2170 f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2383, Z. 38.

schwede, m.

schwede, m.
name eines germanischen volkes.
1)
die altgerm. dialekte haben dafür eine kürzere namensform, bei Tacitus (Germ. cap. 44) Suiones, altisl. Svíar, altschwed. Swēar, altengl. Swéon. eine überzeugende etymologie dieses namens ist noch nicht gefunden; Noreen urgerm. lautl. 36. 218 will ihn zu got. sves stellen (also urspr. 'die eigenen, angehörigen'). nicht genügend aufgeklärt ist auch der ursprung des d in der deutschen namensform; vielleicht ist sie von der häufigen zusammensetzung mit got. þiuda, volk, altisl. Svíþjóþ, altengl. Swéoþéod, beeinfluszt (so schon Cleasby-Vigfusson 613ᵃ. die combinationen von Weigand 2, 663 sind gänzlich unhaltbar. für Suethans bei Jordanis cap. 3, das schon Bouterwek, Germ. 1, 387 für Schweden nimmt, ist wol eher Suehans, d. h. Sue-ans zu lesen. ob Suetidi, Suethidi bei demselben mit Schweden zusammenhängt, musz dahin gestellt bleiben, s. Müllenhoff d. alterthumsk. 2, 60. 65. über Suiones ebenda s. 5. 10 f. 60—62. unbedingt sind dagegen die Sitones fernzuhalten, da dieses wort die finnischen bewohner Scandinaviens bezeichnet und wol nichts als 'bewohner', zu sitan, meint. ebenda s. 9). sie ist erst seit dem 14. jahrh. nachzuweisen (bei Suchenwirt und Ulrich v. Richental, s. Schweden, n.), lexikalisch gebucht bei Steinbach 2, 538: Schwede (der, plur. Schweden) Suecus, Sueco, Suedus. belege aus der litteratur: warumb könt ihr Schwede und Dähne dann nicht auch gute freundschafft und einigkeit mit einander halten? Schuppius 390;
der Schweden starckes reich musz ich zum freunde haben.
Hoffmannswaldau bei Steinbach a. a. o.;
was vor nette lieder der deutschen muse ruhm erhöhn,
die, glaub' ich, drückte sie nur nicht viel trauren, wie die kranckheits-bürde,
der Schweden kluge Brennerin in kurtzem überhohlen würde.
Günther 426;
was war das nicht für ein placken und schinden
bey Gustav dem Schweden, dem leuteplager!
Schiller Wallensteins lager 6;
der Schwede ficht für seine gute sach'
mit seinem guten degen und gewissen.
Wallensteins tod 1, 5.
neben Schwede, Schwed findet sich im älteren nhd. vereinzelt Schweder und sogar Swedner voc. theut. v. 1482 ff 8ᵇ, s. Weigand a. a. o. (ableitung von Schweden, n.). aus dem deutschen stammt auch engl. Swede, franz. Suède.
2)
besonderheiten des gebrauches.
a)
die Schweden haften namentlich seit dem 30jähr. kriege tief im bewusztsein des deutschen volkes, s. z. b. Birlinger volksthüml. aus Schwaben 1, s. 155. 425—9. das ist in des Schweden zeiten geschehen Schm. 2, 624, vgl. Schwedenzeit. vielleicht steckt auch eine geschichtliche erinnerung darin, wenn dorfbewohner im untern Elsasz, oberhalb Weiszenburg, Schweden heiszen Frommann 3, 484. die erinnerung an bestimmte ereignisse bewahrt der reim:
Brieg und Brünn
machen die Schweden dünn.
Weinhold 89ᵃ.
b)
meist ist der Schwede der typus des grausamen, alles verwüstenden feindes: derlei traditionen von den bösen 'Schweden' gibt es jezt noch allerorten im Schwabenland. 'Schwed' hiesz alles, was grausamkeit übte; oft hieszen 'gartende knecht, kaiserliche, räuber' geradezu Schweden. der name 'Schwed' flöszte den nämlichen schrecken ein, wie im Elsasz 'pandur', das jezt noch als kinderschrecken dient. Birlinger volksthüml. 1, 218, anm. 2. so sagt man: es siht aus, als habe der Schwede hie gehaust! Eiselein 562; der Schwed ist kommen, als schreckruf, ausführlicher:
der Schwed ist kummen,
mit pfifen und trummen,
hat alles genummen;
hat fenster verschlagen,
das blei davontragen;
hat kügelin goszen,
die meidlin verschoszen,
und buben gan loszen.
s. ebenda.
zu kindern sagt man, um sie zu schrecken, in Thüringen und Hessen: bett, kinger, de Schwêden kummen Jecht 102ᵃ; ebenso in Leipzig Albrecht 209ᵇ. im Ries:
bêd büebli bêd,
morge ̃ kommt der Schwed,
morge ̃ kommt der Oxe ̃ steare,
wurd dés büebli bêde ̃ leare ̃!
Schm. 2, 624.
c)
daher auch in flüchen und verwünschungen: dat di de Swede! brem. wb. 6, 357; dasz dich der Schwede! dat du den Sweden kriegst! Wander 4, 433; du warst den Sweden krigen, es wird dir übel gehen Dähnert 477ᵃ; dasz dich der Schwed! dacht' ich, sollte denn die papierleimerei das ganze geschäft hier sein? Kürnberger d. Amerikamüde (1855) 123.
d)
andere redensarten: vor dem Schwedt ist harnisch ein bewerth recept. wer dem Schweden ins gesicht schlagen will, musz selbst kommen. Wander 4, 432; zuweilen steht der name ohne besondere bedeutung: wat de Dütsch doch vör geld mâkt! segt de Schwed' un süt 'n âpen danzen. Höfer wie das volk spricht⁵ 1303.
e)
in der Schweiz en rechte Schwed 'ein breitfurchig und groszmaulig angelegter prahler' Hunziker 235. im nd. bezeichnet en rechten Swêd einen betrunkenen Frommann 5, 69, 45, ne rechten Sweid durstige gurgel, säufer. 4, 139, 7.
f)
besonders verbreitet ist die verbindung alter Schwede, alter ehrlicher kerl, besonders als gemütliche anrede, alter bursche, freund Schöpf 660. Sartorius 149. Albrecht 209ᵇ; thür. ôler Schwêde Jecht 102ᵃ; geh' du alder Schwed'! Hügel 146ᵇ: 'seid ihr auch da, alter Schwede?' sagte das tolle ding. Freytag soll u. hab. 2, 241. als anrede eines wirklichen Schweden:
er sah auch
das gefolg' der Schwedenfürstin,
sah dort einen greisen kutscher,
mürrisch sprach er von dem bocke:
'kenn' ich dich, du alter Schwede?
standst du nicht dereinst beim blauen
regiment von Südermannland?'
Scheffel trompeter 261.
die erklärung wird verschieden gegeben. nach Schm. 2, 624 und Weigand 2, 663 soll es zunächst einen mann aus der Schwedenzeit, dann einen mann von altem schrot und korn bezeichnen. Hügel 146ᵇ, bei dem es einen 'klugberechnenden mann' bedeutet, datiert es von der belagerung Wiens durch die Schweden 1645. nach Jecht 102ᵃ und der von ihm angezogenen stelle soll es von suitier kommen (unwahrscheinlich). — in Würzburg sagt man alter Schwed auch von einem alten schlechten buche Sartorius 149.
g)
als bezeichnung einer münze: der gelbe Schwede, den sie mir gezeigt haben, wird verdient sein. Holtei erzähl. schriften 7, 161.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2383, Z. 62.

schwode, interj. und adv.

schwode, interj. und adv.,
nebenform zu schwade, links, s. dies oben sp. 2171 (7), vox aurigarum. Steinbach 2, 548 (als landschaftlich bezeichnet). Frisch 2, 251ᶜ: nu, es gehet, wie es gehen sol, on das auff dem rechten wege nichts bleiben wil, es wil entweder hotte (rechts) oder schwode hinaus, wie die kollern und tollern geule thun. Luther 6, 157ᵇ. auch schwodde, schwodder, schwod, schwude u. ähnl., s. schwade a. a. o. und schwude.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1899), Bd. IX (1899), Sp. 2731, Z. 71.

schwöde, f.

schwöde, f.
das schwöden. Karmarsch-Heeren³ 5, 343. unterschieden werden dort die weiszkalkschwöde, wobei die felle mit einem brei von gelöschtem kalk bestrichen werden, und die giftschwöde, wobei statt dessen eine mischung von kalklösche und auripigment oder schwefelnatrium angewendet wird.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1899), Bd. IX (1899), Sp. 2732, Z. 1.

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Zitationshilfe
„schwöde“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%B6de>, abgerufen am 03.08.2021.

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