Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schwefel, m.

schwefel, m.
name des bekannten gelben, mit blauer flamme und erstickendem dampfe brennenden minerals. gemein-germ. wort, got. swibls, altn. unbezeugt, dän. svovl, schwed. svafvel (entlehnt?), ags. swefel, swefl, swæfl, alts. suueƀal (nur Gen. 186 u. 318 als suebal belegt), mnd. swavel Schiller-Lübben 4, 488ᵃ, und swevel 495ᵇ, mnl. swevel, holl. zwavel, f., ahd. suebal, mhd. swebel, swevel. das wort ist wol eine ableitung zu dem alten verbum *sweƀan, schlafen, s. (zweites) schweben, und bezeichnet demnach ursprünglich die erstickende, einschläfernde oder tötende wirkung des brennenden schwefels (vgl. altn. svǽfa, ags. swebban, töten, und die verwendung von schwefel in der älteren sprache, s. unten). die annahme einer entlehnung entbehrt jedes grundes, vgl. Grimm gramm. 2, 98 f. 116. 3, 381. Weigand 2, 663. Kluge⁵ 341ᵃ. Franck 1228. das a für e im mnd. holl. schwed. dän. beruht wol eher auf secundärer lautlicher entwicklung, als auf altem ablaut; dagegen wird das nebeneinander von f und b im hd. auf alten accentwechsel (grammatischen wechsel) innerhalb des paradigmas zurückgehen. die form zeigt im hd. folgende schwankungen: ahd. suebal, suebel, swebel, suebil, swebil, suuebul, suepol; sueual, sueuel Graff 6, 857; mhd. swebel, swebil, seltener swevel Lexer hwb. 2, 1346; sulfur hd. swebel, schwebel, schuebel, schiebel, schwefel, sweber, swefel, sweffel, swevil, swevel Dief. gloss. 565ᶜ; swefel nov. gloss. 355ᵃ; vgl. auch Dief.-Wülcker 849. swebel findet sich vereinzelt als neutrum:
mischet sich aber darunder
daʒ swebel und daʒ zunder,
davon die sel erprinne.
Zingerle findl. 2, 235 (N², 98);
daʒ swebel, pech und fewre
mit wernden henden leschen.
Suchenwirt 9, 254.
die form swevel, swevil, sweval, swefil ist besonders mitteldeutsch, s. Bechstein Germ. 11, 153. stärkere abweichungen sind 1) sweber, s. d. glossen; 2) sweben:
feur gemischet mit dem sweben.
Kurzmann Amic. u. Amel. (15. jh. Steierm.) 234 bei Lexer mhd. handwb. nachtr. 373.
3) in den nordwestlichen theilen des fränkischen findet sich mit einem eigenthümlichen wechsel der spirans swegel, so in den Cölner quellen seit dem 13. jahrh.(?): der vursz schutz lies zobereiden ein groisse winschalde ind in dat selve schif stellen ein berchvrede van pech vuir swegel in asso bi ein backen, ind dat noempt men kreisch vuir. d. städtechr. 13, 553, 41 (Kölhoff sche chron. 1499);
wint pech, vur, swegel und doit it bachen.
12, 44 (Hagen d. boich van Colne 773).
so noch jetzt in Aachen schweegel Müller-Weitz 226, in Westfalen swäggel (neben swewel) Woeste 264ᵃ, vgl. Franck 1228. — das nebeneinander von f und b hält sich noch lange im nhd. von den wörterbüchern haben die ältesten b: schwebel, sulphur Dasypodius; schwäbel (der) Maaler 364ᵈ; die des 17. jahrh. kennen meist beides: schwebel, oder schwefel, m. soulfre Hulsius 291ᵃ; schwebel m. sulphur v. schwefel Schottel 1412; schwefel, schwebel, m. .. solfo Kramer dict. 2, 706ᵃ; schwebel, et frequentius schwefel, der, plur. car. Stieler 1964. daneben seit der mitte des jahrh. schwefel als einzige form: schweffel Comenius sprachenth. 104; sulphur schwefel Corvinus fons lat. 648ᵇ; und so seit Wachter durchweg. in der litteratur überwiegt schwebel im 16. und noch im 17. jh. entschieden, während es sich im 18. nicht mehr findet. wieweit dabei dialektische unterschiede mit im spiel sind, läszt sich um so weniger bestimmen, als bei demselben schriftsteller oft beide formen, selbst hart neben einander, in gebrauch sind, so bei Luther, H. Sachs, Schuppius, s. unten die belege. besonders fest scheint das b in Süddeutschland zu sein, so haben die Ingolstädter, die Wormser und die Züricher bibelübersetzung (1530) sämtlich schwäbel, s. Kluge von Luther bis Lessing s. 81. noch Adelung kennt schwebel als aussprache des gemeinen lebens. aus neuern mundarten werden folgende formen angeführt: schweiz. schwebel Hunziker 235. Tobler 402ᵇ, schwäfel, auch schwäbel Seiler 266ᵃ; bair. schwebel Schm. 2, 622, östr. schwef'l Hügel 146ᵇ, tirol. schweb'l, schwöbl Schöpf 659, cimbr. sbevel, sbebel cimbr. wb. 226ᵃ; mitteld. schwefel Spiesz 230, im Westen dafür schweegel Müller-Weitz 226, vgl. oben; nd. swevel Dähnert 478ᵃ, swewel Schambach 222ᵃ. Woeste 266ᵃ, sweevel Schütze 4, 234, swäwel Mi 90ᵇ, swefel, swäfel, swevel, swävel ten Doornkaat Koolman 3, 374ᵇ. fries. schwefihl im lande Wursten s. nd. korrespondenzbl. 11, 35.
1)
eigentlich als bezeichnung des bekannten elements, sulphur Nemnich, vgl. Oken 1, 311—3. Jacobsson 4, 92ᵇ f. 7, 299—301. Karmarsch-Heeren³ 8, 62—105. Zincken öconom. lex.² 2661—3. Eggers 2, 857—9. Behlen 5, 577 f.: wir kommen zum schwebel, weil er der metall vatter genennet ... wird. Mathesius Sar. 123ᵃ; schwebel ist ein jrdische fettigkeit im dürren erdreich durch die sonne gewircket. ebenda. man unterscheidet folgende arten und zustände: roher schwefel, solfo crudo Kramer dict. 2, 706ᵃ; nativum Stieler 1764; sulphur crudum non praeparatum Frisch 2, 244ᶜ, auch rohschwefel; gemachter, zugerichteter etc. schwefel, solfo preparato Kramer a. a. o.; läbendiger schwäbel, vivum sulphur Maaler 364ᵈ; sulphur vivum et fossile, lebendiger schwefel .. factitium, geleschter schwefel Corvinus fons lat. 648ᵇ; lebendiger schwefel, solfo vivo Kramer ebd.; vivum Stieler 1964; der swebel ist zwairlai. ainerlai haiʒt lebendiger swebel, daʒ ist swefel in der weis und er auʒ der erden kümt. der andern lai swefel haiʒt erleschter swefel oder tôter swebel, den macht diu kunst in kupfereinen oder in erdeinen keʒʒeln. Megenberg 480, 31 ff.; schweffel, schwebel ... der eine ist, wie er ausz dem bergwerk gegrabe[n] wirt, der wird lebendiger schweffel genannt ... der ander ist der gemeine krämer schweffel, der also ausz dem lebendigen gekocht und bereytet wird, dieser heiszt todter schweffel, oder getödter schweffel. Wirsung arzneib. reg. vgl. auch jungfernschwefel 4, 2, 2386; erdschwefel (th. 3, 781), solfo terrestre, it. bitume, asfalte Kramer dict. 2, 706ᵃ; bitumen Stieler 1964; grauer schwefel, roszschwefel (th. 8, 1274), rohschwefel aus erden Karmarsch-Heeren³ 8, 105. — zerlaszener, et gesottener schwefel, sulphur factitium Stieler 1964; den schwefel zergehen lassen, sulphur liquefacere Steinbach 2, 538; sublimierter schwefel: mach das fewr je lenger je stercker darunder, bisz der schwebel aller in die höhe ist gestiegen. nachmals lasz es erkalten, unnd nimb den sublimierten schwebel herausser. Würtz wundartzn. 135. s. auch stangenschwefel, tropfschwefel, schwefelblume, -milch.
2)
eigenschaften des schwefels: sulphur haiʒt swebel. daʒ ist an der kraft haiʒ und trucken. Megenberg 480, 27; nachdem Bartholdus Schwarz den hizigen schwöbl mit den kalten saliter (salpeter) vergschwistrigt. qu. bei Schöpf 659. — von gelber farbe: gelber schwefel, sulphur citrinum Stieler 1964; nimb ein pfund gelben schönen schwebel. Würtz wundartzney 134. doch auch: ob es wol eines theils hell und durchsichtig ist, wie ein roter schwebel. Mathesius Sar. 123ᵃ. — besonders wird sein geruch hervorgehoben, d. h. der erstickende dampf, den er entwickelt, wenn er brennt: nach schwefel stincken, putire di solfo Kramer dict. 2, 706ᵃ; dar umb stinkent diu haiʒen pat sam der swebel, diu man diu wilden pat haiʒt. Megenberg 103, 14; nach disen worten vur als ein fuiresflamme uz Serapionis buzeme, erfullete das hus mit stinkendem smacke, als ob swebel da brunne. d. veter buoch 44, 7 Palm; drum stank auch die luft so nach schwefel, stundenweit. Schiller 2, 94 (räuber 2, 3 schausp.);
wie stinkt er doch nach eau d' Lavande?
eh möcht ich schwefel riechen.
1, 253;
zunächst der schwefel ... hier, bei diesen Griechen,
ist von dergleichen kaum die spur zu riechen.
Göthe 41, 154 (Faust II, 2);
er ist nicht weit, es riecht hier stark nach schwefel.
4, 220.
schwefel auch geradezu für schwefeldampf: der ganze horizont war feuer, schwefel und rauch. Schiller räuber 2, 3 schausp., s. ferner 3, f.
3,
a)
der schwefel brennt, sulphur ignem concipit Steinbach 2, 538; alle wänten, es wär vil schwäbel da verprunnen. qu. vom jahre 1447 bei Schöpf 659;
von swebel ein fiwer
warf er hin ûf mit der rutten.
Ottokar reimchron. 30447;
so in vergleichen: hebt deszwegen .. nicht allein solche madama ex parte nur, an zu lieben: sondern die liebe auch zu vollziehen, und gleichsam wie der schweffel zu brennen. Messerschmid lust. narrheit 172. sprichwörtlich: war swevel by vür kumt, so entfenktet, ignibus admotum flammescit sulphur avaris Tunnicius 1070; hd. wo stro oder schwefel bey fewer kompt, so brennts. Henisch 502, 34. — etwas mit schwefel verbrennen: das er alle jr land mit schwefel und saltz verbrand hat, das sie nicht beseet werden mag. 5 Mose 29, 23. vgl. unten d.
b)
häufig in verbindung mit pech: pech und schwefel. Kramer dict. 2, 706ᵃ; her Albrecht keret sich umb, sahe das vermaint schlos und alle vorige schönheit, eitl feir mit stinkendem schwebel und bech. Zimm. chron.² 1, 112, 36 Barack; die feuermörser her! bringt schwefel und pech in kesseln mit brennendem öle! Tieck don Quix.⁵ 2, 399 (10, 1); daher brennen wie schwefel und pech Spiesz 230, weiteres s. unten. vgl. auch: da werden jre beche zu pech werden, und jre erde zu schwebel, ja jr land wird zu brennendem pech werden. Jes. 34, 9.
c)
weil man den eigenthümlichen geruch als characteristisch für brennenden schwefel ansieht, so redet man auch sonst von schwefel, wo ein ähnlicher geruch bei feuererscheinungen auftritt, so beim gewitter, vgl.:
zwar eine sonne soll am blauen himmel glühn,
doch furchtbarn schwefel nur zum regen aufwärts ziehn.
Uz s. 261 Sauer.
d)
damit hängt zusammen die biblische vorstellung, dasz gott (feuer und) schwefel regnen läszt, um eine stadt zu zerstören: endi regonôda druhtîn fona druhtine ubar Sodomam endi Gomorram suuebul endi fyur. Isidor 9, 3 Hench; in themo tage thô Lôth ûʒgieng fon Sodomis regenôta fiur inti sueval fon himile. Tat. 147, 2; dî funf stete vorsunken in dirre zît ... wan iz regente sweval und bech von deme himele her nider. d. mystiker 1, 102, 36; dise vorgenanten fünf stette tribent so vil unküscheit wider die nature, das got über sü lies regen swebel und bech, das sü alle fünfe undergingent. d. städtechron. 8, 248, 26; da lies der herr schwebel und fewr regenen von dem herrn vom himel erab, auff Sodom und Gomorra. 1 Mose 19, 14; er wird regenen lassen uber die gottlosen blitz, fewr und schwefel, und wird jnen wetter zu lohn geben. ps. 11, 6; derselb untergang der gemeldten fünff stätte, kame auch ausz hoffart unnd unkeuschheit ... derhalben (wurden sie) mit feuwer und schwebel vom himmel vertilget. buch d. liebe 292ᵈ;
wann gott liesz regnen ungehewer
vom himel schwefel, bech und fewer
uber die stett und auff dem land.
H. Sachs 4, 1, 32ᶜ.
vgl. auch:
swebel, bech, viur ûf dich regene,
wan dû schande mêrest.
minnes. 3, 53ᵃ.
e)
ferner besteht die hölle nach biblischer und volksthümlicher vorstellung aus brennendem schwefel oder pech und schwefel: der wird von dem wein des zorns gottes trincken, ... und wird gequelet werden mit fewr und schwefel. offenb. Joh. 14, 10; lebendig wurden diese beide in den feurigen pful geworffen, der mit schwefel brandte. 19, 20; und der teufel der sie verfüret, ward geworffen in den feurigen pful und schwefel. 20, 10; der teil wird sein in dem pful, der mit fewr und schwefel brennet, welches ist der ander tod. 21, 8;
si (die teufel) fûrent si (die seele) in ein tal,
daʒ ist giwurmis sô vol,
swebeles und bechis.
Krause ged. d. 12. jh. s. 36, 27;
der grôʒer slege bittercheit
und des svebeles unreinekeit ...
muste sî dâ towgen.
55 (Tundalus 297);
wir müesten immer anders
... âne zil belîben
in swebel und in fiure.
Konr. v. Würzburg gold. schmiede 773;
er macht im eine zeche
von swebel und von peche.
buch d. rügen 1530;
swebel, bech und ouch die gallen
güszet der tüfel in sie alle.
d. städtechr. 8, 110, 3;
in der hellen woln mer uch schengken,
mit swebel und bech woln mer uch trencken.
Alsfeld. passionssp. 1109, vgl. 271;
Caron, schenck jm ein bech und schwebel
und gib jm ein hellisch getranck.
H. Sachs 2, 2, 3ᵈ;
(Lucifer) holt ausz des Vulcans finster kammer
höllisch pech, schwebel, rauch mit jamer.
Fischart dicht. 2, 267 Kurz (jesuiterhütl. 986);
hascha der darzu thet rathen,
wirdt darumb müssen brinnen und braten,
in der höllischen fewersflammen,
da nichts dann swebel unnd bech beysammen.
d. Fadingerlied (1626) str. 54, s. Görres hist.-polit. blätter 33, 969.
vgl. auch höllenschwefel (theil 4, 2, 1755):
ein fiur brinnender regen
der sol ir iemer pflegen,
helle swebil si betouwen.
Hugo v. Langenstein Martina 148, 63.
f)
ungeheuern geht schwefel(-dampf) aus dem rachen: aus jrem (der rosse) munde gieng fewr und rauch und schwefel. von diesen dreien ward ertödtet das dritte teil der menschen, von dem fewr, und rauch, und schwefel, der aus jrem munde gieng. offenb. Joh. 9, 17 f.;
sô gienc im ûʒ des lîbes grunt
alsam vûwer unde swebel
gemischet ein engestlîcher nebel.
pass. 287, 95 Hahn;
zwên ohsen grôʒ von êre ...
die sint mit zouber sô gemaht ...
daʒ si des wilden fiures brunst
ûʒ blâsent alle stunde.
ze nasen und ze munde
in brinnet ûʒ bech unde swebel.
troj. krieg 8165.
vgl. auch:
hörtest vom geisterschiffe du nicht,
von den westlichen todesladern?
modernde larve ihr angesicht,
und schwefel statt blut in den adern.
A. v. Droste - Hülshoff 1, 249.
4)
besondere gebrauchsweisen.
a)
beim griechischen feuer, s. oben.später zum schieszpulver für feuerwaffen: es wird heut zu tage der feind nicht eher erleget, als durch die grosse krachende karren-büchsen, durch derer schwefel und donnerknall dem feind der muth geraubet wird. Schuppius 779 (im sinne von schwefeldampf, s. 2; oder ist schwefelknall zu verstehen?); mit stahl und schwefel angreifen, wo schwefel die feuerwaffen bedeutet; im bilde: als er nun sonderlich den Lucius einen unmäszigen trieb zur geilheit haben sahe, befliesz er sich die sonst gewohnte mäszigung seiner uhrsprünglich strengen lehre bey seite zu setzen, und die wollust mit stahl und schwefel anzugreiffen. Lohenstein Armin. 1, 452ᵃ.
b)
bei den Griechen zum entsühnen, reinigen: nachdem er mit einer fackel in der hand die feldmark dreymal umgegangen und sie mit schwefel ausgereiniget hatte, lasz er aus einem alten buche sieben uns unbekannte heilige nahmen. Wieland Luc. 1, 163;
bringe mir gluth, o mutter, und fluchabwendenden schwefel,
dasz ich durchräuchre den saal!
Voss Od. 22, 481.
ähnlich auch sonst zum zaubern:
graf Friederich wötte wibe (freien);
si mutterli wär nit zfriede,
thut ihm de dege fege
mit lauter gift und schwebel.
wunderhorn 2, 158 Boxberger.
c)
schwefel als arznei: der alraun sâm rainigt die muoter in der frawen, und wenn man in mischt mit swebel, der nie kain feur hât berüert, und ain fraw dar über sitzt, sô benimt eʒ ir der muoter fluʒ. Megenberg 407, 28; wie man aber den schwebel zur ertzeney und zur roszsalb, mit hammerschlag vermenget, gebrauche, gehört nicht inn dise predigt. Mathesius Sar. 123ᵃ; nimb grob zerstossenen schwefel 1 halb lot, den siede in 8 untz herbem roten essig, und empfach den dampff in die nasen. oder spreng den schwefel mit wein auff ein heissen stein. Wirsung arzneib. 218 A; disz löschet einen brand, was fewr an sich zeucht: alsz da ist der salpeter, unnd nach diesem der schwebel. es ist je der natur gemäsz, dasz der salpeter und schwebel jhr fewr wider an sich ziehen, so sie verloren haben. Würtz wundartzney 203; sie gehen zu keinem apotecker, damit sie ein elixir desz Paracelsi eigenschafft, ein Schmalkaldischen balsam von schwefel, oder wie derselbig redete sulphurem Balthasaris, den schwebel Balthasars, oder andere trüncklein und pillulen kauffen. Schuppius 696.
5)
schwefel, schwefelhaltiges wasser (für schwefelwasser, wobei wasser aus dem vorhergehenden zu ergänzen ist): er liess im ein zeit lang zu Seedorf all tag ain badt anmachen von eim wasser im flecken, dess er beredt war, es solte ein schwebel sein. Zimm. chron.² 3, 616, 27 Barack. — schwefel für schwefeldampf, s. oben.
6)
redensarten.
a)
wie pech und schwefel, zunächst brennen, s. 3, b, dann wie pech und schwefel zusammen halten, hängen (vgl. schwefelbande), auch sonst als volksthümlich derbe verstärkung, wie höllisch, verteufelt.
b)
er hat schwefel zu verkaufen, sulphuratae mercis nundinator est Stieler 1964.
c)
einem pech und schwefel wünschen, bramare pece e solfo ad uno; cioè che possa esser fosse brucciato vivo Kramer dict. 2, 706ᵃ; diras imprecari, vivicomburium exoptare alicui Stieler 1964; als verwünschung nd. dat du den swevel krigst! Dähnert 478ᵃ.
d)
als ausruf:
alaun? potz zink und schwefel! dummes zeug!
Immermann 14, 41 Hempel (prinz v. Syr. 2).
7)
selten wird schwefel bildlich gesagt:
bisz der götter schar sich einleget ...
und beschlossen in eim gesprech
mit ausz zu leschen der feindschafft schwefel.
H. Sachs 4, 3, 113ᵈ.
so jetzt in Wien schwef'l zorn, ärger, verdrusz Hügel 146ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2388, Z. 68.

schwöffel, f.

schwöffel, f.
in Würzburg verächtliche bezeichnung des mundes. Sartorius 115, wol zu schwabbeln, schwappeln gehörig. vgl. schwappel, f. m. oben sp. 2278.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1899), Bd. IX (1899), Sp. 2732, Z. 28.

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Zitationshilfe
„schwöffel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%B6ffel>, abgerufen am 23.07.2021.

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