Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schwul, m.

schwul, m.
für schwull, zu schwellen (vgl. oben schwiele sp. 2615): callo, durezza di carne nelle mani per lavorare, der schwul an händen und füszen. Hulsius dittion. (1616) 79.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1899), Bd. IX (1899), Sp. 2748, Z. 3.

schwul, adj.

schwul, adj.,
s. schwül.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1899), Bd. IX (1899), Sp. 2748, Z. 6.

schwül, adj.

schwül, adj.
drückend heisz, erst der neuern schriftsprache vertraut (vgl. Weigand⁴ 2, 673); über das auftreten der form geschwül vgl. oben theil 4, 1, 2 sp. 4011; nachzutragen ist geschwielle, adj. Steinbach 2, 548. die ältere unumgelautete form verschwindet seit der zweiten hälfte des 18. jh. aus der schriftsprache (wol unter einwirkung von kühl), nur dasz sie gelegentlich mit komischer wirkung verwendet wird: schwul, et geschwuͤl, praefocatus, suffocatus propter aestum Stieler 2054; schwul, adj. sagt man bey heiszem wetter, es ist schwul drauszen. Frisch 2, 251ᶜ; Adelung schreibt schwühl und kennt es nur im eigentlichen sinne ('ein nur von der luft und witterung übliches wort'), die form schwuhl bezeichnet er als den 'gemeinen sprecharten' angehörig. mir wird ganz schwul bei der sache (derbe sprechweise). Campe; indessen läszt sich der ernsthafte gebrauch von schwul bis ins 19. jahrh. belegen: bei schwulem wetter. Zesen Rosenm. vorr. A 2ᵇ; nach der schwulen schlacht. Kosegarten bei Weigand⁴ 2, 673;
september trüb und schwul
sendet leichen zu tiefen,
weil zu dem entenpfuhl
wasser holen sie liefen.
Arndt ged. (1860) 83;
ihrenthalben wird mir, bey der bevorstehenden messe recht schwul. Schmid bei Lessing 13, 302; Minas zug hat mir etwas schwul gemacht. Nieb. leben 3, 406. das wort ist in mitteldeutscher form in die schriftsprache aufgenommen: thür. schwûl oder schwûle Jecht 103ᵃ (auch in der schriftsprache schwüle neben schwül, s. unten die belege). Kleemann 21ᵃ. Hertel thür. sprachsch. 226. Albrecht 211ᵃ. Liesenberg 212; ebenso preuszisch Frischbier 2, 333ᵇ, vgl. Hupel idiot. von Lief- u. Esthland 215; im eigentlichen hochd. gebiete ist schwul oder schwül nicht heimisch (vgl. unten unter schwülig), sondern eingeführt, meist nur im übertragenen sinne: es ist mir ganz schwul, mir ist heisz oder bänglich Schmid 489; vgl. schwul, ängstlich, bange (Pfalz) Klein prov.-wb. 2, 150. Sartorius 115 (Würzburg); nd. swool, drückend heisz: swool weder; übertragen: em was dar swool bi to mode, das herz war dabei beklemmt, er war voller angst Dähnert 480ᵇ; swool, heisz wie bei gewitterluft brem. wörterb. 4, 1127; vergl. ten Doornkaat Koolman 3, 385ᵃ; daneben swûl: da wurr he swuul, da ward ihm bänglich Schütze 4, 240; in der swûlen arbeid, in der heiszen arbeit Schambach 223ᵃ, vgl. Danneil 219ᵇ. Woeste 266ᵇ; in umgelauteter form swö͏̂l Danneil a. a. o.; vergl. schwele bei Liesenberg Stieger mundart 212;
ihr seht, es ist sehr schwel und heis.
Voith (Ackermann u. Voith dramen herausg. von Holstein 285, 2105).
das adj. swôl ist im alts. unbezeugt, scheint auch in der mittelniederdeutschen schriftsprache nicht vorzukommen (auch nld. zwoel ist erst in neuerer zeit üblich geworden), im ags. begegnet swōl (m. oder n.?), hitze des feuers, der sonne, fiebrische hitze Bosworth-Toller, ebenso swōlig, n., hierzu vgl. ags. swælan, brennen machen, altnord. svæla, mit rauch ersticken, svæla, erstickender rauch, mit anderem ablaut ags. swelan, brennen (s. weiteres unter schwelen sp. 2476, ferner vergleiche das unter schwülig zusammengestellte). gebrauch. in eigentlicher, sinnlicher bedeutung, drückend warm, z. b. bei stiller luft vor dem gewitter: ein schwühler tag, schwühles wetter, schwühle luft. Adelung: in der mittagsstunde eines schwülen sommertages. Musäus volksmärchen 1, 8 Hempel; (freier:) genieszen sie von nun an der früchte, die in den schwülen stunden ihrer krankheit gereift sind. Thümmel reise 7, 65 (1800);
das wasser ward nicht trübe ...
doch mich wirds nicht mehr kühlen im schwülen.
wunderhorn 1, 232 Boxberger;
einst reiste meister fuchs zu einem seiner schwäger,
im schwülen sommer, über feld.
Hagedorn 2, 20 (1771);
(ein hain) allzeit anmuthvoll beym schwülsten sonnenscheine.
Uz 281 Sauer;
der schwühle tag vergeht; der abend bricht herein.
Lessing 1, 126;
und wenn es dir und deinen freunden schwüle
am mittag wird.
Göthe 1, 7;
ich bin doch müd'; 's ist höllisch schwül.
13, 84;
(im bilde:)
miszmuth, reue, vorwurf, sorgen schwere
belasten's (das herz) nun in schwüler atmosphäre.
3, 25;
ihr busen stieg, wie sanft im schwülen wehen
der sonnenluft ein weiszes segel schwillt.
Schulze bezaub. rose 1, 32;
die nacht war schwül.
Grillparzer 6, 69.
im geschlossenen raume:
es ist so schwül, so dumpfig hie.
Göthe 12, 141;
es ist so schwül hier, so dumpf!
feuchter qualm drückt die flamme der lampe.
Grillparzer 4, 52.
vom duft, heisz, dann auch befangend:
ohnmächtig flüstert durch die äste
ein wind, von schwülen düften schwer.
Göttinger musenalm. 1770, 178;
wenn die bäume träumend lauschen
und der flieder duftet schwül.
Eichendorff (1864) 1, 338.
athmen, hauch (im bilde): unter dem schwülen athem einer gesellschaftlichen verlegenheit. J. Paul uns. loge 2, 95. anders gewendet, drückende hitze ausstrahlend:
und wieder sinkt zum abend der schwülen sonne lauf.
Uhland ged. (1864) 326;
erhitzt:
stille wird's, es glänzt der schnee am hügel,
und ich kühl' im silberreif den schwülen flügel.
Brentano ges. schr. 1, 449;
schwüler boden, im bilde: diese jovialität trug ein etwas von der natur des schwülen bodens an sich, aus dem sie erwuchs. Ludwig 1, 204 (1891). auf seelische eindrücke, innere stimmungen bezogen, dumpf, beklemmend, bedrückend, ängstlich, beklommen: mir wird ganz schwül bei dem gedanken, schwül ums herz; es herrschte eine schwüle stimmung in unserm kreise, schwüles schweigen u. ähnl.; schon ein fremdes von sünden durchackertes oder angesäetes gesicht beklemmte schwül seine brust. J. Paul uns. loge 1, 30; der mensch, der vor der marter aufrecht blieb, wird oft von der auflösenden schwülen entzückung gebeugt. jubelsen. 178; in stummer, schwüler versenkung in sich selber. komet 2, 138; als müszten sich alle räthsel, die so schwül auf ihm lasteten, lösen. Eichendorff (1864) 3, 131; das leben in dem hause mit den grünen läden begann wieder schwül und schwüler zu werden. O. Ludwig (1891) 1, 354;
angst rieselt ihm durch mark und bein;
ihm wird so schwül, so dumpf und taub.
Bürger 71ᵇ;
mir wird's so schwül, mir wird's so bang.
Göthe 13, 155.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1899), Bd. IX (1899), Sp. 2748, Z. 7.

schwulst, f., (und m.)

schwulst, f. (und m.)
schwellung, geschwollene stelle, in neuerer sprache besonders in übertragener anwendung: callus, swulst Dief. 91ᵃ; tumor, swulst 601ᵃ; swolst, swoltz, apostema 41ᶜ; mhd. swulst, f. mhd. wb. 2, 2, 793ᵃ. Lexer mhd. handwb. 2, 1382, nachtr. 374; älter bezeugt ist geschwulst, s. oben theil 4, 1, 2, sp. 4012; als f. gibt schwulst Clajus gramm. 40, 18 Weidling; schwulst, geschwulst, f. enflure, infiatura Hulsius dict. (1616) 294ᵃ; oedema, eine wässerige schwulst Corvinus fons latinit. (1660) 696ᵃ; schwulst, m. tumor Schottel 1414; schwulst, f. und m., tumore Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 712ᵇᶜ; schwulst, f. tumor Steinbach 2, 548; ebenso bei Frisch 2, 251ᶜ; Adelung setzt das wort als m. an und bezeichnet das f. als landschaftlich. Campe gibt beide geschlechter als gleichberechtigt. nd. swuls, swulst, m. Schiller - Lübben 4, 501ᵇ, swulst Dähnert 481ᵇ, vgl. brem. wb. nachtr. 359. Danneil 219ᵇ. Schambach 223ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 385ᵇ. in eigentlicher bedeutung ist das wort in neuerer sprache durch geschwulst fast völlig verdrängt, dagegen seit dem vorigen jahrh. sehr gebräuchlich in übertragener anwendung, für diese hat sich das m. festgesetzt (doch s. unter 2, b die stellen aus Lessing und Winckelmann). in älterer hochd. sprache ist das m. selten.
1)
krankhafte schwellung, geschwollenheit des körpers oder eines theiles, in älterer sprache als besondere krankheitserscheinung; dann auch geschwollene stelle: die schwulst setzt sich. Adelung; die schwulst verhindern, ihr zuvorkommen. Campe; plur. schwülste am leib, geschwollene stellen; (sie) was dar zu geswollen obir al den lip .. als si daʒ gelobt hatte, do vorswant di swulst reine. Ködiz leben des heil. Ludwig 78, 3; (der saphir) gesetzt swulst. Megenberg 457, 31; kol is ghud to der podagren, dat is dey swuls in den voyten. quelle bei Schiller - Lübben 4, 502ᵃ; ich wil euch heimsuchen mit schrecken, schwulst und fieber. 3 Mos. 26, 16; der herr wird dich schlahen mit schwulst, fiber, hitze, brunst, durre, gifftiger lufft, und geelsucht. 5 Mos. 28, 22; gleich wie wunden und schwülste, faulen, eitern, und stincken am leibe. Luther 1, 27ᵃ; demnach aber jhre grosze schwulst je länger je gröszer ward. Schweinichen 520 Österley; wann denn die schmerzen, schwulst und krankheit mehr überhand nahm. 521; man sicht manchen für feyst an, da es nur ein schwulst ist. Lehmann 1, 702; gleich als wann ihm der leib mit überflüssigem fressen und sauffen gicht, schwulst und fieber auff den hals bürdet. Wiedemann gefangenschaft mai 6; (sarder) dienet wider die schwulst. decemb. 105; bis sich die schwulst gesetzt haben würde. Lohenstein Armin. 2, 257ᵇ; er bekam sieben tage vor seinem tode schwulst in den beinen. diese trat immer weiter. Gellert 4, 264 (1775); friait (freszt) dän schwollst än june mage. Frischbier 2, 334ᵃ;
wohl! wer gehirn und sinn mit so viel wind beschwehrt,
der musz, wie ieder leib, den fraz und soff verzehrt,
im stoltzen bauche schwulst, im schädel schwindsucht mercken.
Günther 519;
das Damon nicht die schwulst des krancken fingers dämpfft,
das bringt ihm keinen schimpff.
531;
fieber, schwulst und brand.
757.
schwangerschaft: zuͦr letz oder zuͦm valete so fegt des bischofs kämerling der kellerin das hinder kemmicht, dasz ir der bauch geschwilt. darnach muͦsz der arm unschuldig dorfpfaff schuͦch und thuͦch versetzen und dem fiscal für die schwulst 4 gulden geben. Schade sat. und pasqu. 3, 182, 12. natürliche schwellung: der aufgeworfene schwülstige mund, welchen die mohren mit den affen in ihrem lande gemein haben, ist ein überflüssiges gewächs und ein schwulst, welchen die hitze ihres climas verursachet. Winckelmann 4, 46; können wir darin unsere lippen mit jenem abscheulichen schwulst (der neger) aufschwellen. Heinse Enkolp (1773) 2, 83; auswuchs am körper eines baumes: (ein baum) welcher schon viel jahr früchte getragen, und nachgehends in dem pfropff einen schwulst bekommen. Hohberg adl. landleben 3, 1, 341ᵇ (nachher: durch abthuung des geschwulstes).
2)
übertragener gebrauch (vgl. unten schwülstig 2).
a)
aufgeblasenheit, unberechtigter stolz, umständliches, prahlerisches, hohles wesen ( Adelung); in diesem sinne wenig gebräuchlich: der spartanische heldenmuth, die attische urbanität, und der schwulst der Asiaten. Wieland 2, 9 (Agathon 7, 1); da ich vorzüglich die mäszigung und die bescheidenheit an dir gerühmt, und dasz dein dermaliger erhabener glücksstand weder übermuth noch schwulst in dir hervorgebracht. Lucian 3, 327;
selbst der verläumdung bisz kann weisen heilsam seyn.
er dämpft des geistes schwulst, und prägt die demuth ein.
Lichtwer 217 (1828).
b)
übertragen auf den stil; bei Winckelmann (vergl. unten schwülstig unter 1) mit beziehung auf bildende kunst mit enger anlehnung an die eigentliche bedeutung des wortes: dasz .. der magere und dem ägyptischen ähnliche stil die verbesserung eines übertriebenen schwulstes seyn sollen. Winckelmann 5, 265; derjenige, welcher einen ausgehungerten contour vermeiden wollen, ist in die schwulst verfallen. 1, 25. vor allem von ungesunder fülle der ausdrucksweise und schreibart (affectation des erhabenen. Schiller 10, 123): 'ein fehler der schreibart, da die worte in einem hohen grade mehr sagen, als der gedanke, oder mehr als der sache angemessen ist' Adelung. Frisch hat schwulst in diesem sinne noch nicht, wol aber schwülstige rede, s. unter schwülstig: ob sie (die brittische muse) gleich auch nicht selten um die unfruchtbarn klippen des frostigen schwulstes flattert. Uz 367 Sauer; er (Seneka) treibt die grösze hier und da bis zur schwulst. Lessing 4, 246; es ist wahr, Sophocles hat sich der schwulst des Aeschylus nicht schuldig gemacht. 6, 313; etwas später, wo in anlehnung an eine Aristophanesstelle mit der eigentlichen bedeutung des wortes gespielt wird, braucht Lessing das masc.: Aristophanes läszt ihn ferner sehr lustig vorgeben, dasz er diesen schwulst durch schöne sprüchelchen, durch philosophische disputationen, durch mangold und beete vertrieben habe. 6, 315; Agathon, in dessen erklärung einige vielleicht schwulst und unsinn ... gefunden haben werden. Wieland 1, 275 (Agath. 5, 2); bei allem schweizerischen schwulst hört ein genie wohl die wahre sprache des griechischen kothurns ..? Herder 1, 291 Suphan; eine schlüpfrige sinnliche stelle in platonischen schwulst verschleyert. Schiller 2, 384;
— Hofmann von Hofmannswaldau —
zum dichter machten dich die lieb und die natur,
o wärst du dieser stets, wie Opitz, treu gewesen!
du würdest noch mit ruhm gelesen:
jetzt kennt man deinen schwulst, und deine fehler nur.
Hagedorn 1, 113 (1771).
3)
besonderes:
a)
die schwulst, mit derbem scherz für ein unförmlich dickes weib: zu Franckfurt war ain hurtigs fräwlein, sonderlich auff der gassen, ungefähr dreitzehen centner schwer ... die schwulst gedacht. Lindener schwankbücher 84 Lichtenstein; vgl. schwülstel.
b)
übertragen auf brandende wogen (s. schwulstig 3, a):
der (anhalt), der uns hertz und sinn, und händ' und glieder hält,
auf dem rach', hasz und grimm mit krafft zurücke prellt;
wie die erbooszte schwulst des meerschaums an die felsen.
Lohenstein Ibrah. Bassa (1689) 22.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1899), Bd. IX (1899), Sp. 2751, Z. 26.

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Zitationshilfe
„schwül“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%BCl>, abgerufen am 29.07.2021.

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