Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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schwiele, f.

schwiele, f.
hartgewordene schwellung, harte hautstelle, mhd. swil, m. und n. (auch geswil) mhd. wb. 2, 2, 790ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 1373; ahd. suil, gasuil, suilo, callus, cutis indurata, spissata Graff 6, 872. hierzu mhd. verswiln, schwielig werden mhd. wb. a. a. o., ags. swile, swyle, m. schwellung der haut, fôtswile, -swyle, pedis tumor, vgl. geagl-, handswyle. beitr. 9, 567. neben ahd. suilo ist bezeugt suello, m. tumor, geschwulst Graff a. a. o. 874. vergl. ags. geswel, n. tumor, mnd. swel, n., swele, m. geschwulst Schiller-Lübben 4, 489ᵃ; auch ein f. schwelle ist bezeugt. die begrifflich ursprünglich gewisz verschiedenen ausdrücke (gehört ahd. suilo etwa zu ags. swelan, nhd. schwelen, eigentlich gedörrte hautstelle bezeichnend?) werden später nicht überall aus einander gehalten (s. oben schwell 2, sp. 2486 und schwelle 3, sp. 2492). callosus, einer der vil swilen an den henden hett von groszer erbeit; vol swels Dief. 91ᵃ; callus, swel in manu vel in pedibus; sweel, swehl; ein swile in der hant; swil, svil, schwyl, schwiel; schwillen, swelle, geswelle; geswile. ebenda; tumor, swile, geswell; tumorosus, vol geswels. 601ᵇ; callus, swile; swill in der hand; swel novum gloss. 67ᵇ; swelle, swel, tumor et callus Kilian (1777); schwillen, die, an der hand von viel werckens, oder an eim fuͦsz von häfftigem gon, callus, callum Maaler 367ᵈ; callus, schwüllen Frischlin nomencl. (1586) 84ᵇ; schwiel, m. durillon, callo Hulsius dict. (1616) 294ᵃ; callus, ein schwiele an händen oder füszen Corvinus fons lat. (1660) 105ᵇ; schwell, n. callum Schottel 1413. schwiele, f. länglichte drüse, tumor inguinum; schwiel, m. callus, durillon. ebenda; schwiele, die, et schwell ... atheroma, tumor sine dolore, propr. schwiele, est callus a labore contractus; schwiele, etiam dicitur tumor inguinum, seu ulcus inguinarium Stieler 1969; schwiele, it. schwell, plur. schwielen, callo, duriglione; gemächt-schwiele, tencone, panocchia, tumore, buba, bubone nell' anguinaglia. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 723ᵃ; schwell m., schwelle f., schwiell, m. tumor; schwielle, f., plur. schwiellen, vibex, callus Steinbach 2, 548; swiele, die dicke haut in händen und an füszen von vielem arbeiten und gehen, callus Frisch 2, 250ᵇ; hart von schwielen, callosus. ebenda; Adelung hat schwiele, f., plur. schwielen. hirnschwiele, verhärtung im gehirn. ebenda; Herder schreibt schwüle (s. unten). der schwillen, das geschwill, die schwiele Schm. 2, 631, schwille, f. Hunziker 236; nd. swill, tumor, apostema; he het een swill bi sik, ein geschwär. brem. wb. 4, 1122; swelle, swel, geschwulst, geschwür. ten Doornkaat Koolman 3, 376ᵃ. swiel, n. m. schwiele Woeste 266ᵃ; swêle, f. schwiele Schambach 221ᵃ. Dähnert 477ᵇ (auch für drüse); schwêle in der Stieger mundart Liesenberg 211.
1)
verhärtete hautstelle als folge von druck, anstrengung, arbeit (so gewöhnlich im entwickelten nhd.): schwillen haben an henden oder füssen von grosser arbeit. Maaler 367ᵈ; arbeit macht schwielen. Stieler 1969 (ungewohnte arbeit macht schwielen. sprichwort); wann ein christ schwielen hat, so soll er sie nicht nur an händen und füssen, sondern auch an knieen haben ... ora et labora. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 723ᵃ; wie viele schwielen der leserin oft schon die athleten-hände von verfassern drücken, die sie geheirathet hat. J. Paul biogr. belust. 1, 108; in der armuth jammer — ward unser schuh die schwiel' am fusz. Rückert poet. werke (1882) 11, 237; als ich mit der zeit und mit der schwiele — war gelangt zu meinem reiseziele. 405; sie geht sich keine schwiele. 492; schaue nach dem ziele — und scheue nicht die schwiele. 552;
dann werd ich von den harten schwielen
die mir das joch auf meine schultern drückt,
sehr wenig oder nichts mehr fühlen.
Göckingk ged. 2, 182 (1781);
trägt er schwielen
von der last der waffen am arm?
Ramler poet. werke 2, 206 (1801);
sie ritt mit thränendem gesicht,
auf ihrem besenstiele,
viel länder durch, und fand ihn nicht,
und ritt sich manche schwiele.
Hölty 30 Halm;
der schwere panzer drücket harte schwielen.
Grillparzer⁴ 1, 76.
2)
natürliche hautverhärtung, geschwulst: siehe das thier! es hat zum theil schon finger wie der mensch; nur sind sie hier in einen huf, dort in eine klaue oder in ein ander gebilde eingeschlossen und durch schwielen verderbet. Herder 13, 137 Suphan (durch schwülen ideen zur phil. der gesch. 1 [1784], 217, ebenso in der ausgabe von 1827; z. phil. u. gesch. 4, 161); schwielen an der brust und den füszen des kameels, am gesäsze mancher affen; stirnschwiele verschiedener amphibien, an der schnabelwurzel verschiedener vögel, am rückenschilde mancher insecten, an pflanzentheilen u. s. w. (s. Nemnich unter callus); die zusammenziehung (der kronenblätter bei rosen) wird von einer kleinen schwiele bewirkt. Göthe 58, 43.
3)
krankhafte schwellung: schwiele, f. länglichte drüse, tumor inguinum Schottel 1413. Stieler 1969; gemächtschwiele Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 723ᵃ; hirnschwiele, verhärtung im gehirn Adelung.
4)
wie strieme, anschwellung in folge von schlägen (in diesem sinne jetzt ungewöhnlich): blaue schwiellen, sugillatio Steinbach 2, 548. vibex, strieme, so fern die striemen von peitschen oder schlagen aufgeschwollen. Frisch 2, 250ᵇ; ebenso bei Adelung und Campe. peitscht in die pferde, dasz die armen thiere mit schwielen bedeckt sind. Freytag soll und haben 2, 285. verhärtete striemen: schwillen gewünnen von einem streych und erherten. Maaler 367ᵈ. freier, spur einer verletzung im kampfe:
indesz die beiden andern ohne schwiele
vom kampfplatz giengen.
Rückert ges. werke 1, 189.
5)
schwielen, schwülen, fast eyförmige, längliche, jedoch ein wenig gedruckte schiefergewächse oder kupferschiefer, oder nieren, welche sich aus ihrem umliegenden schiefergestein ausschälen, und ganz abgesondert darinn liegen, von auszen und innen schwarz sind, und wenn man sie der länge nach spaltet, inwendig fischgestalten, die bisweilen armirt sind und andere figuren zeigen. sie brechen zu Ilmenau und halten kupfer. Jacobsson 4, 107ᵃ; die bezeichnung ist wol wie druse im sinne von schwellung aufzufassen; schwilhen oder obergel. Mathesius Sarepta (1571) 28ᵃ; ob hierher gehörig?
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2615, Z. 34.

schwulen, verb.

schwulen, verb.,
s. das folgende.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1899), Bd. IX (1899), Sp. 2750, Z. 10.

schwülen, verb.

schwülen, verb.,
bei Campe verzeichnet, schwül machen, schwüle verursachen: ein gewitter schwület die flur. so bei Rückert:
gluth des sommers, der drückend schwült.
poet. werke (1882) 1, 586;
wo seid ihr sonnen, deren strahl mich schwülte.
5, 99.
nd. swûlen, heisz sein: et swûlt noch jümmertau. Schambach 223ᵃ; Hupel idiot. von Lief- und Esthland bezeugt: schwuhlen, glimmen, nicht recht brennen. 215. schwulen, von der seite sehen, scheel sehen Frischbier 2, 334ᵃ (wol entstellt aus schulen, vgl. schaulen theil 8, sp. 2348); zu schwul, schwül gehört dagegen schwulen, παιδεραστεῖν Avé - Lallemant das deutsche gaunerthum 4, 607. schwuler, m., ὁ παιδεραστής; beschwulen, hintergehen, betrügen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1899), Bd. IX (1899), Sp. 2750, Z. 11.

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schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schwülen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%BClen>, abgerufen am 29.07.2021.

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