Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

schwur, m.

schwur, m.
eid, ableitung von schwören, zuerst nur in zusammensetzung bezeugt, in eitswuor, meinswuor (vgl. Graff 6, 895. mhd. wb. 2, 2, 773ᵇ. Lexer mhd. handwb. 1, 2082); ferner in altsächs. antsuôr, erwiderung, aussage vor gericht (vgl. oben unter schwören zu anfang), wenn hier nicht kurzes, in nebentoniger silbe aus a entstandenes o vorliegt; das altnord. bietet vom perf. des starken verbums abgeleitet sœri, n. eid, sœra beschwören, sœrr, adj., was beschworen werden kann, zum schwören geeignet. Lexer mhd. handwb. 2, 1382 belegt swuor aus dem jüng. Titurel:
brechen sie den swuor   bî irem barte sô sint sie dâ unsinnige.
5873, 4;
juramen, schwuor, swore, schwur Dief. 312ᵇ; schwuͤr, der, juramentum Maaler 368ᵇ; eid, schwur, eidschwur Henisch 821, 20; schwur, eydschwur Hulsius dict. (1616) 294ᵃ; vergl. Schottel 1414. Stieler 1976; schwur, plur. schwüre Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 719ᵇ. Steinbach 2, 552. Frisch 2, 252ᵃ; Adelung bemerkt, was auch für die neuere sprache gilt, dasz eid und nicht schwur für die feierliche bestätigung einer aussage vor gericht gebraucht wird; doch sage man auch jemanden nicht zum schwure lassen, wenn es sich auch um einen gerichtlichen eid handle. nd. swoor brem. wb. 4, 1129. Dähnert 480ᵇ. Danneil 219ᵇ; swūr Mi 91ᵃ.
1)
in älterer sprache, besonders für lästerlichen eid, fluch, verwünschung (vgl. schwören 1, so in Luthers bibelübersetzung): ein greulicher, abscheulicher, grausamer schwur. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 719ᵇ; schwüre thun, dasz sich die helle möchte aufthun. 719ᶜ; so sol man in erdrencken umbe sine bösen swüre. d. städtechron. 9, 1019, 21; umb sine bösen ungewönlichen swüre die er tet von gotte, die nit ze schribende sint. 1021, 33; das dich botz (damit hat er mermals grosze schwier gethon) schenden müesze. Zimmerische chron.² 1, 504, 32 (vgl. die zusammenstellung solcher lästerlicher betheurungen im register 4, 428); daher trifft uns auch der fluch und schwur, der geschrieben stehet im gesetze Mose. Dan. 9, 11; (gegenstand der verwünschung) der herr setze dich zum fluch und zum schwur unter deinem volck. 4 Mos. 5, 21; das jr zum fluch, zum wunder, schwur und schande werdet. Jer. 42, 18;
der zorn stifft vil groszer swuͦr.
Muskatblut 87, 75;
die druͦnkenheit macht swere spil,
si stifft ouch groszer swure vil.
91, 22;
wer ietz wil seyn eyn redlich knecht
und kan die groszen schwier nit recht:
— gotz marter, wunden, velten, kuͤreyn —
der nympt keyn doppelt solt nit eyn.
wen eyn schelm fil fluͦchens kan,
bald welt man in zuͦ eym houptman.
Murner schelmenz. 4, 8 neudruck;
gewalt that, gots schwuͦr ist mein art.
Schwartzenberg (1535) 135ᵃ;
lieszt (ihr) gottes schwuͦr und füllerey.
143ᵃ;
(er) lästert trotziglich.
ich bin sein spott und schwur.
Fleming 1, 10 Lappenberg.
2)
in neutralem sinne, feierliche betheuerung, aussage, eidliches versprechen: ein theüwrer schwuͤr. Maaler 368ᵇ; ein hoher, falscher schwur. Stieler 1976; heiliger, feierlicher, leiblicher schwur u. ähnl.; ein groszen schwuͦr thuͦn. Maaler a. a. o.; schwur thun. Hulsius dict. (1616) 294ᵃ; er hat einen schwur getahn. Stieler a. a. o.: einen heftigen schwur thun. Adelung; einen schwur darauf setzen. Campe; mit einem schwure bestättigen, betheuren. Steinbach 2, 552; etwas mit vielen schwüren versichern. Adelung; einen schwur leisten, schwören; zum schwur die hand heben, ihn halten, brechen u. s. w. hohe schwüre haben die lüge vor der thüre. Wander sprichwörterlex. 4, 484; es ist ihm kein schwur an den leib (an den hintern) gebacken, er schwört leichtsinnig. Albrecht 211ᵃ; so er aber geschworen hat, hält er den eyd (schwur) festiglich. Comenius sprachenthür übersetzt von Docemius (1657) 834; wil er in güte seinen grausamen schwüren und promessen nicht nachkommen. graf Ehrenfried (1700) 97; schwor ich den heiligsten schwur, ihm bis in den tod getreu zu seyn. Wieland 8, 399 (Danischmend 45); ich soll schwören — einen unwiderruflichen schwur — einen schwur, den ich nicht halten kann. Gotter 3, 39 (1802); (ich will) dir den ehlichen schwur aus der seele pressen. Schiller räuber 3, 1 schauspiel; wenn ich diesen schwur verleze. 4, 5; treuloser, wo sind deine schwüre? 5, 2; nahm sie den schwur an? kab. u. liebe 2, 6; ein schröklicher schwur hat meine zunge gebunden. 5, 1; seinen schwüren mistrauen. schriften 3, 519; ich will keinen schwur von dir, nur deine hand drauf. Alexis hosen des herrn von Bredow¹² 239; zum leiblichen schwur? Ludwig 2, 172 (1891);
bîs in den tod (ruft er) getreu zu bleiben,
schwor ich, Amanda, dir, und halte meinen schwur.
Wieland Oberon 12, 28;
sag' ihr, dasz ich, den heil'gen schwur der treue
zu halten, den ich schwor, den feuertod nicht scheue.
30;
selbst den schwur, den wir geschworen,
flüsterten wir leis' am bach.
Boie im Göttinger musenalm. 1774, 211;
der monarch
schwört einen fürchterlichen schwur.
Schiller dom Karlos 1, 2;
ja, er ist's, der auch entseelet
seinem heil'gen schwur nicht fehlet.
schriften 11, 346;
so soll der kaiser sich
durch einen heilgen schwur auf seine götter
verpflichten, den unglücklichen enthaupten
zu lassen.
Turandot 1, 1;
da ich auf das barbarische gesetz
dem furchtbaren Fohi den schwur gethan.
2, 2;
Aricia hat sein herz und seine schwüre.
Phädra 4, 5;
sie schwören sichs
mit tausend schwüren, nie sich zu verlassen.
4, 6;
allein ein schwur drückt mir die lippen zu.
Göthe 2, 117;
du muszt dich niemals mit schwur vermessen:
von dieser speise will ich nicht essen.
241;
schwört den heil'gen schwur der rache! ...
unsern hohen schwur der ehren,
unsern schwur für's vaterland.
Arndt ged. (1860) 231;
könntst du mich lassen doch,
brechen den schwur so hoch —
bis ich vor kummer stürb,
liebt ich dich noch.
Ludwig 1, 27 (1891).
redensart: die sache kommt zum schwur, zur entscheidung, eigentlich zur gerichtlichen durch eid. inhalt, gegenstand des schwörens: der tod des admirals, der tod der ganzen partie in allen grenzen von Frankreich war sein schwur. Schiller 9, 371.
3)
ungewöhnlich im sinne von beschwörung:
die sonne der vernunft, das auge des gemüttes
macht uns zu herrn der welt, zu meistern der natur.
der panther dämpft für ihr das schäumen des geblüttes,
sie nimmt der schlang' ihr gift durch einen kräft'gen schwur.
Lohenstein hyacinthen 23.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1899), Bd. IX (1899), Sp. 2765, Z. 41.

schwur, m.

schwur, m.
für schwär: schwur, der, suppuratio Steinbach 2, 553; vgl. schwierig, schwürig, schwieren, schwüren.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1899), Bd. IX (1899), Sp. 2767, Z. 7.

schwüren, verb.

schwüren, verb.
eitern, für schwieren mit verdunklung des stammvocals, s. schwieren 1, sp. 2620 und schwären sp. 2282: schwür'n und geschwür'n, schwären Lexer 229; ein eiteriges geschwür, wenn es heraus schwüret, so wird es ein reiffer schwär genant. Comenius sprachenth. (1657) 315; Lenz ist unter uns wie ein kranckes kind, und Klinger wie ein splitter im fleisch, er schwürt, und wird sich heraus schwüren leider. Göthe briefe 3, 110 Weim. ausgabe; andres schwüren s. unter schwieren 3 a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1899), Bd. IX (1899), Sp. 2767, Z. 51.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
schwäherin schöpfquelle
Zitationshilfe
„schwüren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schw%C3%BCren>, abgerufen am 02.08.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)