schwatz m
Fundstelle: Lfg. 13 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2348, Z. 35
handlung des schwatzens und was geschwatzt wird. Campe, nominalbildung zu schwatzen, vgl. daselbst. mhd. swaz Lexer hwb. 2, 1346; nhd. schwatz, gesprech, colloque Hulsius 292ᵃ; mundartlich weit verbreitet, s. z. b. Schm. 2, 652. Spiesz 230. Reinwald 1, 150; daneben nassauisch schwätz, f.: einem die schwätz halten, ihm zuhören Kehrein 1, 372. Schm. a. a. o. gibt der schwätz; dagegen ist thür. schwätz, m. gusz, vergossene flüssigkeit Hertel sprachsch. 224 wol fernzuhalten. vgl. noch Weigand 2, 662 (swacz 1461—7). ein plural wird dazu nicht gebildet, nur in der ältern sprache findet er sich ganz vereinzelt: wiewol wir ungern für e. k. f. g. solch lange unnütze schwetzen thun. Luther 1, 150ᵇ. — das geschwätz, gespräch: ich kan doch so gar von art nicht reden, die wort oder schwatz wöllen mir nicht volgen. Petrarch. 196ᵃ; wie schön jhnen der schwatz anstehet. Garg. 191ᵇ;
du bist allain, die machen kan
gancz lieplich fröd mit süeszem swacz.
quelle bei Schm. a. a. o.;
Melibea mit jrem schatz
nye ward begert zuͦ solchem schwatz.
Wirsung Calixstus S 4ᵇ;
jr macht mit ewrem schwatz und klaffen,
das ich diszmal nit mehr kan schaffen.
B. Waldis Esop 4, 66, 169;
gott grüsz euch, liebes döcterlein,
der schwatz steht euch an mächtig fein.
Er. Alberus fabeln 132ᵃ.
besonders einen schwatz treiben s. Spiesz a. a. o. Reinwald a. a. o.: du hast lust gesuͦcht in zitlichen dingen, do eyn guͦtten schwatz getriben, do gest du zuͦ der und der personen. Keisersberg bilg. 199ᵈ;
sie hatt' jhr den Zerbin so eigentlich beschrieben,
und sonst schier keinen schwatz, als diesen stets getrieben.
Dietr. v. d. Werder Ariost 20, 132, 2;
oft in der bedeutung klatscherei:
o cleffers art, du feiger swacz.
quelle bei Schm. a. a. o.;
ob gleich manch frumer man mich scheucht ...
so hab ich bey meins gleichen platz,
die haben freud ob meynem schwatz.
H. Sachs 1, 299ᵈ
auch fürcht sie hart des klaffers schwatz,
die keyner ehren auch verschonen.
436ᵇ;
ich förcht allein der klaffer schwatz,
ich khem sonst noch öfter zu dir.
3, 2, 48ᵃ;
nun hab ich sorg, des klaffers schwatz
werdt unser lieb unrwig machen.
195ᶜ;
in laidt bringt uns des klaffers schwatz,
der unser lieb uns wolte wern.
208ᶜ;
so sind die suppen der Schwaben schatz,
darzu die klapperey und schwatz.
4, 3, 92ᵃ;
von gelehrtem geschwätz:
bin glehrter denn meins lehrers schwatz.
H. Sachs 5, 98ᵈ;
wird sich der schwatz nie enden, der philosophie heiszt?
Klopstock 2, 72;
wie leicht wird so etwas pikantes vom bildungsdurst aufgeschnappt, und ist doch einfach — unverantwortlicher schwatz. Hildebrand vom d. sprachunterricht ⁵ 158, anm. jetzt ist schwatz in der schriftsprache veraltet und durch geschwätz ersetzt, s. theil 4, 1, 3983 f.
Zitationshilfe
„schwatz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schwatz>, abgerufen am 16.06.2019.

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