Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

schwermut, f.

schwermut f
schwere, gedrückte gemütsstimmung. mhd. ist bezeugt: an der swarmueti verstat man zorn. quelle des 13. jh. in Mones anzeiger 4, 368, 21. über das verhältnis dieser form zur nhd. vgl.mut II, 2, th. 6, 2786. nhd. schwermuth, douleur, tristesse Hulsius (1616) 293ᵇ (ohne geschlechtsbezeichnung), schwermut, f. aegritudo animi, melancholia, aegrimonia Stieler nachsch. 26ᵃ, schwermuth, languor animi, tristitia, animi aegritudo Steinbach 2, 90, melancholia, tristitia Frisch 2, 249ᵃ. Adelung. der letztere erklärt das wort für edler als das heute veraltete schwermütigkeit (s. dies): trostgesang in schwermut und anfechtung. P. Gerhardt 135 Gödeke; wie weisz jemand der auff einem weichen bette schläfft, und sich rechts und lincks umkehret, von langen und betrübten nächten zu reden? wer voller pein, schwermuth und fieber ist, die wissens am besten, weil sie den tag verlangen. pers. baumgarten 8, 5; bey jedem schritte, der mich bey ihnen (galeerensträflingen) vorbey führte, küszten sie mir die füsze .. und sahen mit augen voll schwermuth und eifersucht mir auf dem folgenden nach, den ich zu dem nachbar ihres elends that. Thümmel reise 7 (1800), 318; der gute herzog litt indessen sint einiger zeit mehr, als gewohnt, von seiner schwermuth. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3 (1792), 301;
und dieser ist ein starcker held,
den unfall nicht in schwermuͤt fellt (fallen macht).
Kirchhof wendunm. 1, 61 Österley;
drumb woll die frau königin
all schwermut schlagen ausz dem sinn,
klagen lassen, wer ursach hat!
Ayrer 823, 13 Keller;
doch hilff ich mir der schwermuth ab,
wenn ich denck an jr (meines häszlichen weibes) gelt und gut.
2398, 11;
thut jemand in sich selbst aus vorwitz einen blick,
so schielt er nur dahin und zieht sich gleich zurück;
und wer aus steifem sinn, mit schwermuth wohl bewehret,
sein forschend denken ganz in diese tiefen kehret,
findt oft für wahres licht und immer helle lust
nur zweifel in den kopf und messer in die brust.
Haller 48, 103 Hirzel;
und wie die dame, die noch kaum zuvor
ihn froh und wacker sah, so plötzlich ihn
in solche wunderbare schwermuth fallen sieht,
erschrickt sie desz.
Wieland 18, 63;
mein liebchen ist wohl, hingerafft
von schwermuth, gar gestorben.
Hölty 30, 56 Halm;
wie? so gebeugt, so muthlos, theure lady?
wart ihr doch sonst so froh. ihr pflegtet mich zu trösten,
und eher muszt ich euren flattersinn,
als eure schwermut schelten.
Schiller M. Stuart 1, 4;
und solchen dummkopf macht aus mir die schwermuth,
ich kenne mit genauer noth mich selbst.
Shakespeare kaufmann von Venedig 1, 1;
zweifelnd steht der treue Gines,
zuckt die achseln, sagt mit (lesart voll von) schwermuth.
Immermann 12, 19 Boxberger.
tiefe schwermut: auch glaubte ich recht in den geist der rolle (des Hamlet) einzudringen, wenn ich die last der tiefen schwermut gleichsam auf mich selbst nähme. Göthe 19, 26;
tiefe schwermut, immer tiefere nährte,
Harun Alraschid, der sohn Mohadi's.
Platen 323ᵃ;
trübe Uz 106, 5 Sauer (s. unten), düstere:
schwesterliche wollust mildert
dü strer schwermuth schauernacht.
Schiller 1, 211;
sanfte: stolz haben sie (Conti im bilde der Orsina) in würde hohn in lächeln, ansatz zu trübsinniger schwärmerey in sanfte schwermuth verwandelt. Lessing 2, 118 (Em. Gal. 1, 4); der character seiner (Matthissons) muse ist sanfte schwermuth und eine gewisse contemplative schwärmerey, wozu die einsamkeit und eine schöne natur den gefühlvollen menschen so gerne neigen. Schiller 10, 254; süsze:
winkt, ihr gräber,
mir oft süsze schwermuth!
Hölty 52, 88 Halm;
nicht trauer blosz, geliebter, mir verlobter freund,
in süsze schwermut wiegt auch unsern busen glück.
Platen 165ᵃ.
schwermut wird als last gedacht Göthe 19, 26, als nacht Schiller 1, 211 (die stellen s. oben), als wolke:
jenen umhüllte der schwermuth finstere wolke.
Voss Il. 18, 22
(τὸν δ' ἄχεος νεφέλη ἐκάλυψε μέλαινα).
schwermut personificiert:
es glänzen (von schnee und eis) wald, gefild und see.
kein muntrer vogel singt:
die trübe schwermuth schwingt
ihr trauriges gefieder.
Uz 106, 5 Sauer;
ihm ist was im gemüth,
worüber seine schwermuth brütend sitzt.
Shakespeare Hamlet 2, 3.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2572, Z. 24.
Zitationshilfe
„schwermut“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schwermut>, abgerufen am 26.02.2020.

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