schwierigkeit f.
Fundstelle: Lfg. 14 (1898), Bd. IX (1899), Sp. 2622, Z. 45
vom vorhergehenden abgeleitet, mit entsprechender bedeutungsentwicklung; es verdrängt im sinne von difficultas ein älteres schwerigkeit (sp. 2566); diese anwendung tritt hier früher auf als bei schwierig.
1)
in alter bedeutung (s. schwierig 1), schwürigkeit, suppuratio, exulceratio Stieler 1989 (die hier geforderte trennung von schwierigkeit, difficultas hält er selbst nicht ein, s. unten 2 schwürigkeit der pische); schwürigkeit des schadens, malignità, fierezza del male Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 699ᶜ; Adelung und Campe verzeichnen das wort in diesem sinne nicht mehr:
meine striem-masen bluͦt-riszig
aitterfliszig
stinken (hei!) fur schwirigkeit.
Melissus psalmen (1572) Q 4ᵃ.
2)
übertragene bedeutung; auf den zustand von personen bezogen, vergl. schwierig 2: tumultus, ein auffstehen, aufflauff, schwürigkeit, tumult. Corvinus fons lat. (1660) 696ᵃ; schwürigkeit, motus et tumultus, q. d. exulceratio in civitate Schottel 1412; einen zur schwierigkeit bringen, ad rebellium incitare pacatum Stieler 1972; schwürigkeit unter der gemeine, rivolta Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 699ᶜ; widerstrebende bedenklichkeit (die anwendung in diesem sinne wird schon von Adelung als ungebräuchlich bezeichnet): die natürliche furchtsame schwierigkeit, sich in ein groszes glück zu finden. Lessing 2, 53;
ja nun errath' ich erst der muse schwürigkeit.
Günther 378.
auf upersönliches bezogen, das mit beschwerde, anstrengung, mühsal verbunden ist: schwürigkeit der pische, ischuria Stieler 1454; schwierigkeit der narung, difficultas annonae, angustia rei familiaris; schwierigkeit der zeiten, temporum acerbitas, calamitas. 1972; weiter entwickelt bezeichnet es hemmende beschwerde, mühe verursachende umstände (an den begriff von hindernis reichend), so bei Steinbach: es setzt, macht, hat grosze schwierigkeit, es kan ohne die gröszte schwierigkeit nicht geschehen; es findet sich schwierigkeit, schwierigkeit vor sich finden; alle schwierigkeit weg schaffen, die schwierigkeit heben, alle schwierigkeit überwinden, sich aus der schwierigkeit wickeln, hilff mir aus der schwierigkeit. 2, 542; hemmnis, das durch bedenklichkeit geschaffen wird: schwierigkeit, die sich einer bey einer sache einbildet, scrupulus, dieselbe benehmen, eximere Frisch 2, 248ᶜ; Adelung unterscheidet: 'eine einwendung, welche jemand, der schwierig ist (s. oben schwierig 2), vorbringet'. schwierigkeiten machen, 'dasjenige, was eine solche schwer macht'; bey einem geschäfte, bey einer sache schwierigkeiten finden; eine schwierigkeit haben; einem viele schwierigkeiten machen;
vier scenen haben mich fünff wochen schon gehudelt,
die grosze schwürigkeit macht, dasz der dichter sudelt.
Günther 1097;
und, wie sie neue süszigkeit
selbst in dem widerstande fanden,
sich täglich heiliger verbanden,
je mehr sie schwürigkeiten sahn.
Göttinger musenalm. 1774, 72;
den knoten hat das schicksal selbst gewunden.
nur wie er aufzulösen sey,
da liegt die schwierigkeit.
Wieland 22, 180 (Oberon 4, 61);
hier wär' ich.   durch die thore haben mich
die wacher ohne schwierigkeit gelassen.
Schiller Phönizierin 2, 1;
verschloszne schwürigkeiten nehmen aufschlusz. Herder 2, 161 Suphan; ich führe einige absolute schwürigkeiten an. 2, 260; die vorzustellenden personen nehmen in etwas an dieser schwürigkeit theil. 3, 405; ich sehe von beiden seiten schwürigkeiten. 410; sie sahen gar keine schwierigkeit, eine stufe höher zu rücken. Lenz 1, 296; eben diese schwürigkeit und noch mehr finden sich bei der theorie von den eindrüken. Schiller 1, 89; würden sie mir wohl beide wenig schwürigkeiten machen? 3, 543; die überraschende neuheit und schwürigkeit der entdeckung. 4, 244; welches zu meiner nicht geringen verwunderung ohne alle schwürigkeit angenommen wurde. 324; die schwürigkeit, den eigentlichen sinn des textes herzustellen. 6, 234; aber hier liegt die schwürigkeit. 252; nun sahe man freilich alle schwierigkeiten voraus. 7, 145; die schwürigkeit des transports. Göthe briefe 5, 59 Weim. ausg.; wo sich einem fremden zu ausführung seiner geschäfte, besonders bei hofe, unzählige schwierigkeiten entgegensetzen. werke 10, 66; so gewisz hättest du auch alle schwierigkeiten überwunden. 97. umgangssprache: nach der schwierigkeit, nach vollstem vermögen, mit aller kraft: (sie) banden kränze und guirlanden nach der schwierigkeit. Ludwig (1891) 2, 495; vgl. Albrecht 210ᵇ. Frischbier 2, 331ᵇ.
Zitationshilfe
„schwierigkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/schwierigkeit>, abgerufen am 12.11.2019.

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