seeräuber m.
Fundstelle: Lfg. 1 (1899), Bd. X,I (1905), Sp. 65, Z. 22
seeräuber sind diejenigen, welche auf der see fremden eigenthums sich mit gewalt bemächtigen, um sich zu bereichern, ohne eine vollmacht zu dieser bemächtigung von irgend einem staate zu haben. staats-lex.³ 13, 297. gleichbedeutend werden im allgemeinen gebraucht pirat und corsar (letzteres eigentlich von den berberischen seeräubern an der afrikanischen küste des mittelländischen meeres), s. Campe und Eggers 1, 600. kaper bezeichnet dagegen nach Adelung einen, der vollmacht dazu hat. mhd. begegnet sêrouber (neben mer-, schif-, waʒʒerrouber) nur ganz vereinzelt in glossen, s. Lexer handwb. 2, 891: pirata, -or .. schiff-reuber, .. -morder vel rouber; see-reuber, -morder; sehe-, merhreuber; .. see-, wasser-rauber, -rouber, -rober .. nd. se-, sey-, zeerover Dief. gloss. 437ᵃ; der gewöhnliche ausdruck ist galiôt, s. Schultz höf. leben² 2, 344, anm. 1. mnd. nur vereinzelt in glossen, s. oben (sonst sêschumer Schiller-Lübben 4, 194ᵇ), neund. sêrôfer ten Doornkaat Koolman 3, 176ᵃ; nl. see-roover, pirata, praedo marinus Kilian. nhd. noch vereinzelt ohne umlaut: die ordensbrüder aber wandten dagegen für, sie hetten die insel von öffentlichen feinden und seeraubern erobert. Schütze beschr. der lande Preuszen 92ᵇ; seerauber auff Gottland. 155ᵃ (am rande); seerauber, m. un escumeur, pirate. corsaro. Hulsius 295ᵃ; derer wahren (waaren), welche du zu holen auszzeuchst, die kein zöllner anhalten, kein seerauber versencken ... kan. Opitz 2, 258; seerauber, pirata Frisch 2, 253ᶜ. gewöhnlich indes: hamiotae .., fures maritimi, seeräuber. Corvinus fons lat. 311ᵃ; pirata .. ein seeräuber, der von einem ort zum andern fähret, und sihet wo er etwas erschnappt. 481ᵇ; meer- sive seereuber, pirata. Stieler 1526; see-räuber, praedo maritimus Apin. gloss. 492ᵃ; die seeräuber führen die geraubeten hinweg. Comenius sprachenthür 485; so säuberte er (Minos) auch ... das meer so viel möglich von den seeräubern. Heilmann Thuc. 5 (1, 4); er .. erhielt den adel von Barbarossa, dem er wider die seeräuber diente. Schiller räuber 4, 2 schauspiel; endlich blieben die seeräuber vom handwerk eine untilgbare plage. Freytag 18, 247;
seeräuber hemmten seine laufbahn
und schlugen ihn und lieszen nur
ihm leben, ballen, armatur?
Immermann 13, 159 Hempel.
sprichwörtlich: die seeräuber krazen aus ihren zehn geboten eines heraus: du solt nicht stelen! Eiselein 564. — seeräuber für 'ein schiff, das ohne einen merkbrief oder kaperbrief einer landesregierung seeräuberei treibt'. Bobrik 555ᵃ; vergl.: heute sahen wir gegen s. w. ein raub-schiff ... wir nahmen uns vor, dasselbe zu verfolgen. am rande: verfolgen einen see-räuber. Mandelslo morgenländ. reisebeschreib. 25ᵇ. — von einem fische: in diesem augenblick fuhr ein fisch von seltener grösze ... aus dem wasser hervor ... sie schlug ihm mit dem ruder nach und rief: 'das ist ein wels! hat dich die gewitterschwüle heraufgelockt, alter seeräuber?'. Vischer auch einer 2, 146.
Zitationshilfe
„seeräuber“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/seer%C3%A4uber>, abgerufen am 15.09.2019.

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