selbstlosigkeit f
Fundstelle: Lfg. 3 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 484, Z. 64
1)
uneigennützigkeit (noch nicht bei Campe): sein (des sittlichen) charakter ist selbstlosigkeit. selbstverläugnung ist viel zu wenig gesagt, indem es anzeigt einen akt und ein werden; welches aber durchaus nicht statt findet, denn der sittliche hat kein selbst. Fichte nachgel. w. 3, 86; Egon rühmte die selbstlosigkeit seiner frau. Gutzkow ritter vom g. 9, 451; die gröszte persönliche selbstlosigkeit (Julians) bei verteilung der beute. Hertzberg gesch. d. röm. kaiserr. 775.
2)
in einem andern sinne vereinzelt in der ältern sprache, zustand, da man sich seiner selbst nicht bewuszt ist: die sprache hat für diesen zustand der selbstlosigkeit unter der herrschaft der empfindung den sehr treffenden ausdruck: ausser sich seyn, das heisst, ausser seinem ich seyn. Schiller 10, 312 (ästh. erz. 12. br.).
Zitationshilfe
„selbstlosigkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/selbstlosigkeit>, abgerufen am 19.11.2019.

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