Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

seltsamkeit, f.

seltsamkeit, f.
zu seltsam, im 15. jahrh. der verkürzten form des adj. entsprechend (s. seltsam I) selzenkeit quelle von 1409 bei Lexer mhd. handwörterb. 2, 872, daneben seltsamigkeit, raritas Dief. 484ᶜ (von 1482). auch begegnet im älteren hochd. eine form auf -heit: selczenheit, ebenso mnd. selsenheit, raritas. ebenda. später seltzamkeyt, raritas, insolentia Dasypodius, seltzamkeit Franck weltb. 187ᵇ (die stelle s. unter 1), sältzamkeit, raritas, senium Maaler 346ᵈ, seltsamkeit Stieler 2006 (mit gleicher glossierung wie seltenheit), raritas Steinbach 2, 580, seltenheit, morositas, insolentia Frisch 2, 263ᵃ, Adelung (im heutigen sinne), und so bis heute.
1)
das seltsam sein.
a)
im sinne von seltsam 1, seltenheit, so bei den lexicographen bis Frisch (s. oben): das goldt verkauffen sy (die Araber) den nachpauren umb drey mal sovil eisen, dʒ silber umb .ij. mal sovil ertz, dʒ sy von seltzamkeit wegen mer lieben dann gold. Franck weltb. 187ᵇ.
b)
im sinne von seltsam 2, köstlichkeit, herrlichkeit: seltsamkeit einer speise, mattya, scitamenta, edulia opipara. Stieler 2006; in alterthümlich gefärbter sprache:
der sultan.
nicht wahr? das ist ein pferd? es giebt so keines
als diesen Pontifer! o herrlich thier!
Clemens.
zeitlebens sah ich weit und breit nicht eines
von dieser seltsamkeit und grösz' und zier.
Tieck 1, 356.
c)
im sinne von seltsam 3, fremdartigkeit, sonderbarkeit. Adelung. vgl. oben die glossierung durch insolentia bei den älteren lexicographen:
da ich zweifelnd in der hand ihn (den helm) wog,
des abentheuers seltsamkeit bedenkend.
Schiller jungfr. von Orl., prolog 3.
in bezug auf menschliche eigenschaften und äuszerungen sowie auf menschen selber (vgl. seltsam 3, b, β. γ. δ): sältzamkeit, unmuͦt, senium Maaler 340ᵈ; seltsamkeit des gemüts, morositas, austeritas, inhumanitas. Stieler 2006; seltsamkeit der sitten, stravaganza, bizzarria de costumi. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 767ᵇ; seltsamkeit, in der aufführung, morositas, insolentia Frisch 2, 263ᵃ; ich bitte dich nun, entgürte dich deiner seltsamkeit. Shakespeare was ihr wollt 4, 1.
2)
was seltsam ist, meist im sinne von seltsam 3. seltsames vorkommnis:
'.. hier, auf dem altar, den dir (Augustus) die pflicht geweiht,
(ist) das zeichen des triumphs, ein palmbaum aufgeschossen'.
man siehet, sprach August, aus dieser seltsamkeit,
wie fleiszig ihr im opfern seyd.
Hagedorn 1, 106.
seltsame handlung, seltsame eigenschaft Adelung: weszhalb denn die achtung für seine verdienste auch seinen seltsamkeiten das wort zu reden schien. Göthe 31, 222. seltsames ding Adelung, abstract: so verwendeten wir theils einzeln, theils zusammen, viele zeit an diese seltsamkeiten (lehren der mystischen naturphilosophen). Göthe 25, 201, concret: diesemnach wurden wir schlüszig auf den morgen uns in den garten des Mecenas zu verfügen, und an die ledige stellen etliche seltsamkeiten, die wir aus Morgenland mit gebracht, zu versetzen. Lohenstein Armin. 1, 698ᵇ; der war .. weit in der welt herumgereis't, in heiszen ländern, von wo er manche seltsamkeit, an thieren, vielerlei gewächsen und meerwundern heraus nach Schwaben brachte. Mörike erzähl. (1878) 141.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 555, Z. 23.

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Zitationshilfe
„seltsamkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/seltsamkeit>.

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