Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sendung, f.

sendung, f.,
zum verb. senden gebildet, vgl. mhd. wb. 2, 2, 298ᵇ. Lexer mhd. handwb. 2, 877; mnd. sendinge Schiller-Lübben 4, 189ᵃ; vgl. auch ahd. santunga Graff 6, 239; sendung der botten, legatio Dasypodius; sendung, missio, legatio Maaler 370ᵃ; sendung des heyligen geistes. Stieler 2010; seine rechtmäszige sendung darthun. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 768ᶜ.
1)
handlung des sendens, das object folgt im gen.: sendung eines bevollmächtigten, eines vertreters, sendung der bestellten waren.
2)
prägnanter, legatio; von dem verbalen sinne findet leicht ein übergang zu der anwendung statt, dasz mit dem worte die stellung, der zustand, die eigenschaft des gesandten bezeichnet wird: eine diplomatische sendung führte ihn nach Wien; ein bevollmächtigter in auszerordentlicher sendung; einer gesandtschaftlichen sendung angeschlossen. Göthe 23, 137; er hatte glück bei allen diplomatischen sendungen. ebenda.
3)
das was einem gesendeten aufgetragen ist, botschaft, aufgabe, besonders auch in freierer, die eigentliche bedeutung des verbums verlassender anwendung, bestimmung (mission): wenn Aruja gesinnt ist wie ich, sagte Perisadeh, so wirst du wenig freude von deiner sendung haben. Wieland 8, 390 (Danischmend 45); Hans Sachsens poetische sendung. Göthe 13, 123; nun hätte zuletzt ein dritter, die freunde beobachtend, gar wohl bemerken können, dasz die sendung beider eigentlich geendigt sey. 22, 129; sie von der zuverlässigkeit meiner sendung zu überzeugen. 23, 131; allmächtiger gott, ich weisz es ja, dasz ich eine grosze sendung übernahm, dieses verwüstete land zu sittigen. Alexis hosen¹² 248;
als ob sie zentnerschwer an ihrer sendung trüge.
Wieland 21, 212 (Klelia 3, 24);
ein ordenspriester lästert seine sendung,
misbraucht der gottbeit siegelring.
Schiller dom Karlos 2, 9;
anklagen ist mein amt und meine sendung,
es ist meîn herz, was gern bey'm lob verweilt.
Piccolomini 2, 7;
ich hab den inhalt ihrer sendung zwar
vernommen.
ebenda;
an schwester Marfa lautet meine sendung.
Demetrius 2, 1;
lasz ihn dann zum lichte schieszen,
wenn er nicht erliegt der blendung,
denn die sonne zu begrüszen
ist allein des adlers sendung.
Strachwitz 44;
wenn meister auch der kunst zu sein, vielleicht nicht meine sendung ist.
Leuthold ged.⁴ 129.
4)
gesendete sache, eine sendung empfangen, den empfang einer sendung bescheinigen; eine sendung abgehen lassen. im stillen hing seine seele an diesen sendungen. Freytag ges. werke 4, 8.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 579, Z. 12.

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Zitationshilfe
„sendung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sendung>.

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