Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

sentimentalisch, adj.

sentimentalisch, adj.,
im 18. jahrh. für und neben sentimental: wenn wir sentimentalische alltagsgeschichten und idealische familienscenen ausschlieszen. Wieland 38, 13 (vgl.: empfindsame familiengeschichten s. 7); sollten sie in diesem falle auch vor der natur ganz recht behalten, so zweifle ich, ob sie auch gegen die 'sentimentalischen' forderungen der leser es behalten werden. Schiller an Göthe 179 (d. 2. juli 1796);
tulpen, ihr werdet gescholten von sentimentalischen kennern;
aber ein lustiger sinn wünscht auch ein lustiges blatt.
Göthe 1, 393.
bei Schiller auch als kunstausdruck der ästhetik: über naive und sentimentalische dichtung. 10, 425 (überschr.); der dichter ... ist entweder natur, oder er wird sie suchen. jenes macht den naiven, dieses den sentimentalischen dichter. 450. ohne scharfe scheidung von der gewöhnlichen verwendung: die allgemeinheit dieses sentimentalischen geschmacks zu unsern zeiten, welcher sich besonders seit der erscheinung gewisser schriften, in empfindsamen reisen ... und andern liebhabereyen dieser art äussert, ist noch ganz und gar kein beweis für die allgemeinheit dieser empfindungsweise. 428 (vgl. zum verständnis dieses terminus auszer dem ganzen aufsatz besonders Kühnemann Kants und Schillers begründung der ästhetik s. 137—149).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1900), Bd. X,I (1905), Sp. 615, Z. 16.

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Zitationshilfe
„sentimentalisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/sentimentalisch>, abgerufen am 25.01.2022.

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